Samstag, 18. März 2017

Don't think twice.


Das Leben ist komisch schwer in diesen Tagen. Es dreht sich so schnell, dass mir schlecht wird. Trotz Kotzphobie speie ich Phrasen in stumpfe Gesichter und hoffe, sie klingen ernst gemeint höflich. Schalte "Lebensmotto Tarnkappe" auf meinem Handy in der Hälfte weg, um besser rückwärts auf dem Mitarbeiter-Parkplatz der Grundschule einparken zu können und gähne hinter vorgehaltenem Sachkunde-Arbeitsblatt gegen den Kopfschmerz an. "Heute isser aber kräftig, der Kaffee" im Lehrerzimmer, dabei kann ich davon gerade so wieder geradeaus gehen, lächeln, nicken, in Freundebüchern das Faultier in die Lieblingstier-Spalte eintragen und bei "mein Vorbild" die Person mit der größten Selbstdisziplin in meinem Umfeld.

Ich schlafe zu wenig und esse zu viel, oft wische ich mir heimlich eine Träne von der Wange und weiß nicht, ob das eine allergische Reaktion auf die neue Mascara oder das Leben ist. Vielleicht alles. Vielleicht Schlafentzug. 
Dann ist es Dreiundzwanzig Uhr und das gleichmäßige Auf- und Wegblinken des Cursors macht mich nervös und aggressiv gleichzeitig. Noch nie fiel es mir so schwer zu existieren. Zu produzieren. Ein produktives Glied der Gesellschaft sein. Eine Mutter sein. Eine Studentin sein. Eine kompetente Lehrerin sein.

Und während ich mit einer Geschwindigkeit von 1 Satz/30 Minuten pseudo-wissenschaftlichen Pädagogik-Müll auf weißen Untergrund tippe läuft Bob Dylan im Spotify-Player. Don't think twice. Denn bald it's alles over, Baby Blue. Vielleicht sogar das Lehramts-Studium. In jedem Fall aber die Blog-Pause. Bis dahin: Abwarten und Mate trinken. Overandout.

Donnerstag, 2. März 2017

Rucksackkind - Chapter 1: Hej København!

Hier: Chapter 0


Kopenhagen, prime-time. Ohne dänische Kronen und ohne Plan für die nächsten zweieinhalb Stunden. Unser Couchsurfing-Host Fernando arbeitet bis 22:45 Uhr und wird uns erst dann am Flughafen abholen. Wir fahren die Rolltreppen hinauf in die Bahnhofshalle und das erste was mir von Dänemark auffällt: Nur schöne Menschen. Überwiegend und überall. Menschen aus der IKEA-Werbung und fashionabled people vom H&M-Plakat. Es ist gruselig.
Stehe in der architektonisch umwerfend elegant-charmanten Bahnhofshalle, mit dem Kind an der Hand und befürchte, in ein Filmset geraten zu sein. In Johnossis neues Musikvideo zum Beispiel.* Verstohlen schaue ich mich um. Es ist alles sehr hip, sehr artsy, sehr scandinavian. Und schön.
Aber vielleicht kommen wir auch einfach nur vom Dorf. 

Samstag, 25. Februar 2017

Rucksackkind - Chapter 0: Auf dem Weg nach Kopenhagen.


Vorgeschichte: Gibt es nicht. Ich wollte weg, raus, ins Graue. Habe die Idee, als ich in der Unibib sitze und zwei Studentinnen neben mir ihre Planung für die Vorlesungsfreie Zeit erörtern. Vorlesungsfrei, schnaube ich innerlich und lasse den Kopf auf meine Arme sinken (dabei übrigens mit dem Hintern den Bib-Stuhl auf Rollen vom Tisch wegschieben und geräuschvoll seufzen: Der SLUB-Move. Jeder Insider beherrscht ihn, spätestens nach dem 2. Semester).

In der Vorlesungsfreien Zeit schrieb Ich Klausuren und hielt Referate. Danach eine Projektarbeit, an der ich immernoch arbeite. Zwischen Pflichtanwesenheit-Intensiv-Arbeitsphase und Beginn eines Praktikums an der Grundschule den ganzen März über bleibt mir genau eine Woche. Eine. Woche. Das ist doch nicht fair. Zwischen Klausur und Referat hoste ich eine amerikanischen Couchsurfer und lasse mich anstecken. Warum sollte ich das eigentlich nicht mal versuchen? Selbst Couchsurfen? Mit Kind? „Du bist ja wahnsinnig!“, zeigt mir die O-Mama den Vogel quer über den Kaffeetisch. Aber da ist es schon zu spät. Weil der Facebookfreunde-Cast nach Travelcompanions fehlschlägt, buche ich spontan Sparpreis-Tickets nach Kopenhagen.

Dienstag, 21. Februar 2017

Mitten im Leben ohne Apfelkuchen. Gedankenquatsch ohne Erklärungen. Eine Ankündigung.

Das Leben geht weiter. Immer. Isso. Auch in der Prüfungszeit. Der Staub auf dem Regal vermehrt sich ungeachtet der Lektüreberge daneben, ignorant piept die Waschmaschine zwischen meine Tschechisch-Vokabel-Lernmonologe. Die Klausurenphase macht mich zum Morgenmenschen. Morgen, nicht heute. Heute streame ich Indiefilme, allgemeinbilde mich mit Vicenews über Pornomessen und scrolle in der Bib meinen Facebook-Feed bis ganz nach unten. Und wieder hoch. Aktualisiere dreimal in einer viertel Stunde Instagramstories ohne selbst auch nur ein Wort in die virtuelle Welt zu setzen. Ich konsumiere und konsumiere. Vor allem Kollemate in Litern pro Stunde. Und ich lebe. Hier und jetzt und zwischen Krümeln.
Direkt proportional zu meinem Hintern im malobeo-Couch-Polster sinkt meine kreative Begabung und nähert sich dem Nullpunkt an. Statt in meinem noch nicht wie eine Hausarbeit aussehendem Worddokument zu Hate Speech bei Pegida blinkt der Cursor auf der Blogbeitrag-Oberfläche. Neue Wörter gibt es nirgendwo. Mein Kopf ist leerer als mein Kühlschrank.

Montag, 16. Januar 2017

malobeo - linksalternativ mit Charme und Tee


Stell dir vor es ist Prüfungszeit und alle gehen hin. Und wohin gehst du, wenn die Bibliothek schon am frühen Morgen übervoll ist (Ersti-Tip: Jacke auf den Stuhl ist wie Handtuch auf Strandliege im Freibad - am besten schon von weiten werfen, wenn man den Ort des Geschehens betritt. Wer zielen kann ist König.), wenn du dort auf den Sofas im Kellerbereich zwischen fremden Menschen mit offenem Mund einschläfst und die Club Mate-Flasche in der Cafeteria soviel kostet wie eine Portion Nudeln? Wohin? Nach Hause? Wo das Internet schnell ist, der Schreibtisch mal wieder aufgeräumt werden könnte, keiner doof guckt, wenn man Bionella aus dem Glas löffelt? Echt? Nee.

Samstag, 14. Januar 2017

Kein' Bock-Auflauf mit Hirse.


Es ist Prüfungszeit und keiner hat Bock. In der Uni-Bib ist um 9 Uhr alles überlaufen. Zu Hause hängt Wäsche von letzter Woche an der Heizung. Ich will schlafen. Oder Harry Potter-Filme sehen und Eis löffeln, wahlweise Mango-Curry-Aufstrich mit dem Finger aus dem Glas lecken.
Irgendwie ist da dieses Kind, es ist meins und ich muss es versorgen. Das Leben ist komisch schwer in diesen Tagen. Sogar am Wochenende.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Eingefroren




Das Autoradio spielt gerade Simon & Garfunkel, als ich am Kindergarten parke. Meine Hände hängen taub am Lenkrad, irgendwie scheint die Heizung nicht richtig zu funktionieren. Und die Frostschutz-Flüssigkeit ist leer. Der Tank auch, beinahe. Wenn ich morgen tanke, habe ich kein Geld mehr für das Jennifer Rostock-Ticket. Draußen 10 Grad unter dem Nullpunkt.

Mittwoch, 4. Januar 2017

Ingwertee, Fernweh, Schnee.


Es gibt Tage, in denen ertrage ich das Leben nicht. Also... mein Leben. Tage, an denen ich stundenlang aus dem Küchenfenster stiere, mit dem Aufwasch-Lappen in der Hand und vergesse den Tisch abzuwischen.

Erste Tage in einem neuen Jahr fallen in diese Kategorie. Moin 2017 - was hast du zu bieten? Ingwertee gegen Schüttelfrost und Ach-nee-ich-brauche-jetzt-nicht-erst-eine-Jacke-um-den-Müll-zur-Mülltonne-zu-bringen-Erkältung. Vor dem Küchenfenster schneit es. Neben mir hängt ein neuer Janosch-Kalender und das Prüfungs-Rot der unteren Hälfte erkenne ich sogar aus den Augenwinkeln. Ich weiß, dass es sich im Februar fortsetzt. Dann kommt der März, komplett gefüllt mit einem Schulpraktikum. Dann das Sommersemester. Täglich grüßt das Murmeltier, Henna-rote Haare, ein Hamstergesicht und die Pegidafahne an dem oberhalb unseres Hauses gelegenen Dreiseitenhof-Giebel im Badezimmerspiegel. Es ist 2017 - hat sich was geändert? Eigentlich nicht wirklich....

Montag, 2. Januar 2017

Jahreswechsel für Kinder - prokrastinatorische Gedanken zur kognitiven Entwicklung eines Dreijährigen

(Anmerkung: Bisher unveröffentlichte Entwurf-Leiche von vorvorvorgestern. Hupsi.)


Eigentlich türmt sich ein Stapel linguistischer Fachlektüre auf dem Schreibtisch. Meine Gedanken sollten sich zwischen Weihnachten und Neujahr um Hate Speech, Pejoration und Korpuspragmatik drehen. Oder zumindest tschechisch sprechen. Oder didaktische Überlegungen tätigen.
Eigentlich. Sollten.

Stattdessen knie ich auf dem Wohnzimmerteppich und trage Zahnarzttermine in den neuen Janosch-Kalender ein, dabei esse ich Dominosteine - die veganen, von Lidl. Queen of Procrastination mit einem Körperfettanteil oberhalb meines Schwangerschaftsniveaus. Während ich so zwischen den Jahren hin und her blättere, überlege ich mir, wie ich dieses Silvester-Gefeiere dem Kind erklären soll. Warum es am 31. Dezember von 7 Uhr an draußen in regelmäßigem Stundentakt knallt und scheppert und ab und zu mal zischt und ploppt.
Na... weil eben ein neues Jahr anfängt. Aber was ist denn bitteschön ein Jahr?
Die Spanne Winter bis Winter, Schnee bis wieder-Schnee?
Nach-Weihnachten bis wieder Nach-Weihnachten?
Ist mein dreieinhalbjähriger Wespenpo kognitiv dazu überhaupt in der Lage, das zu begreifen?

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Last minute Verwandtengeschenk on a budget! - Bratapfel-Punsch-Gelee


So rein geschenketechnisch gehörte ich eigentlich in die Kategorie "Weiß im März schon, was sie schenken will und hat im September alles beisammen".
Dann wurde ich Studentin. Do I have to say more? Eigentlich verschenken wir im Familien und Freundeskreis immer Kekstüten mit einer erlesenen Auswahl mindestens vier verschiedener Sorten selbstgemachten Gebäcks. Näher stehende Menschen bekommen natürlich noch ein individuelles Präsent oben drauf, aber so massentauglich und damit an alle gedacht ist... Plätzchen, Makronen, Lebkuchen und so fort. Hübsch verpackt, universeller Gruß drauf, fertig. Die Geste zählt.

Nur irgendwie war in diesem Jahr weder Platz noch Zeit noch Zutatengeld für 10-12 Bleche Biovegan-Plätzchen für alle. Irgendwo stolpere ich dann über "Bratapfelgelee" und sowieso schon seit Wochen über die Kiste kleiner, schrumpeliger Gartenäpfel meiner Eltern. Ich scrolle ein bisschen durch Rezepte im Internet und finde alle irgendwie semigut. Also... einfach machen.