Dienstag, 2. Januar 2018

Rucksackkind - Chapter 4: (Couchsurfing)Erfahrungen fürs Leben.

[Menschheit, ich habe Großes vollbracht! Lest und staunt! Nach einem dreiviertel Jahr und mehreren Nachfragen verschiedener Leser*innen ist es mir gelungen, den roten Faden aus der Schreibtischschublade zu holen und unsere Februar-Geldfreier-Backpackerlebnisse aus 2017 weiter in eine literarische Form zu gießen. Er ist ein bisschen geknickt und ausgeblichen, der Faden, aber immernoch zu lang zum wegwerfen! Und bald ist wieder Februar - ohne das hier nicht endlich beendet zu haben, kann ich nicht woanders hinfahren. Also. Wird ja mal Zeit jetzt.

Worum gehts?
Das Kind und ich packen unseren Rucksack und nehmen mit: Viel Neugier, Foodsharing-Essen zur Selbstversorgung und ganz wenig Geld. Aber die Couchsurfing-App. Und fahren damit nach Kopenhagen, nach Malmö, nach Trelleborg und nach Rostock.


Was bisher geschah: Chapter 0 (Vorgeschichte und Weg nach Kopenhagen), Chapter 1  und Chapter 2 (Kopenhagen), Chapter 3 (Weg nach Malmö) ] 



... Der Flixbus erreicht sein Ziel püntklich, zieht man die halbe Stunde Verspätung in Kopenhagen ab. Mitten in der Nacht (Kinder-Zeitrechnung), Malmö Hauptbahnhof. Das Kind stolpert müde an meiner Hand zwischen geschlossenen Wechselschaltern durch die Bahnhofshalle, während ich mit der anderen auf dem Handy nach der letzten Couchsurfing-Konversation scrolle. Unser Host ist - zumindest erscheint er mir so - fantastisch fürsorglich und engagiert. Ganz detailliert beschreibt er in gutem Englisch alle Schritte, die uns nach unserer Ankunft erwarten:
Dass ich am Hauptbahnhof eine jojo kort besorgen muss und Ticket-Guthaben aufladen, welche Buslinie von welcher Station in welche Richtung wir nehmen müssen, wie viele Haltestellen es dann sind, wie der Laufweg zu Wohnung ist und der Pin für die Haustür und wo dann der Wohnungsschlüssel versteckt ist, weil er erst spät nachts heimkommen wird. Ich fühle mich sicher und willkommen.

Der öffentliche Nahverkehr in Malmö und Umland, schreibt er, lege großen Wert auf Nachhaltigkeit und Effizienz. Vor einer Weile wurde darum die jojo kort eingeführt, eine Art Prepaid-Fahrkarte zum Aufladen. Eine mintgrüne Plastikkarte, die mich um die 15 € kosten wird und die ich einfach mit einer beliebigen Anzahl von Fahrten aufladen kann. Eine Fahrt mit dem Stadtbus im inneren Bereich von Malmö kostet eine bestimmte Anzahl schwedischer Kronen. Mit soundsoviel Kronen kann ich also soundsovielmal Bus fahren. Easy. Abbuchen kann das ein kleines Gerät beim Einsteigen im Bus. Und: "Du kannst dir eine jojo kort einfach in der Touristinfo im Bahnhof kaufen und aufladen. Kein Problem." - Ok.

Es ist 22 Uhr am Abend, die Bahnhofshalle ist verwaist. Vor den Wechselschaltern und Kiosks hängen Gitter. Vor der Touristinformation eine Glasscheibe. Drin ist es dunkel. Na hoppla. Verwirrt versuche ich es an einem der Ticketautomaten. Die Spracheinstellungen lassen sich nicht auf Englisch ändern, aber ich verstehe, dass ich meine jojo kort scannen soll. Ich habe keine jojo kort! Und - keine schwedischen Kronen. Und die Wechselschalter... Ach fuck.

Mittwoch, 29. November 2017

Vegan Pumpkinspice-Cheesecake für alle!


Ich häufe die Fotos auf meiner Festplatte an als wäre es meine Altersvorsorge. Andauernd werde ich um Rezepte für diesen und jenen Kuchen gebeten und bete dann freundlich lächelnd die URL zum mittippen herunter. Bis mir einfällt, dass ich das Rezept noch gar nicht geteilt habe.
Oh. Naja, aber schaus dir an, ist trotzdem nett. Äh.

"Du darfst die besten Rezepte gar nicht teilen! Stell dir mal vor, du eröffnest dann doch noch dein Café. Dann muss es auch sowas wie Geheimrezepte geben!", sagt jemand und nimmt sich noch ein Stück Kürbischeesecake, gleich mit den Händen von der Tortenplatte. "Ja, aber...", will ich aus Prinzip widersprechen, irgendwas von sharing ist doch caring und OpenSource und Rezeptwissens-Hierarchien abbauen. Dann fällt mir ein, dass das Argument sich ganz gut als Ausrede fürs Nicht-bloggen eignet, klappe den Mund zu und nicke zustimmend kauend.

Ach, alles Quatsch! Natürlich ist sharing = caring und würde es keinen Feedfeed und andere Vegan-Foodporn-Internetgeburten nebst geteilten Rezepten geben, ich hätte schon längst meine Überlebens-Motivation in dieser tristen grauen Welt verloren. Das schöne an Rezepten: Sie werden nie weniger, obwohl man sie teilt. *Herz-Emoji hier einfügen*

Damit: Vegan Pumpkinspice-Cheesecake für alle!
Kürbis-Käsekuchen ist mit Abstand die beste Idee, die ich jemals hatte. Dieser Kuchen ist nicht von dieser Welt. Ich möchte... eine lebenslange Partnerschaft mit ihm eingehen. Seit ich zum ersten Mal liebste Menschen mit zartorangenen Stücken segnete, ist mein Gruppen-Ansehen im Bereich "vegane Süßspeisen" um hundertfünfzig Prozentpunkte gestiegen. Pumpkinspice-Cheesecake wird alle deine Sorgen in Luft verwandeln. Zumindest ein Kuchenstück lang. Und vorausgesetzt, du magst Kürbis.

Montag, 27. November 2017

Anspruch "Biovegangenderlesssüßkramfrei-Adventskalender" vs. Wirklichkeit

Ey Dezember, ich seh dich schon. Ich weiß. Und dieses Jahr kann ich deine Ankunft fast ohne Emotions-Extremismus hinnehmen. Habe gelernt: Alles hat seine Zeit. Habe gelernt: Es ist gut so, wie es ist. Habe gelernt: Nur weil der Herbst eine Auszeit nimmt und dann das Bedürfnis hat, mit Menschen auf der Südhalbkugel Zeit zu verbringen, hat er mich nicht weniger gern. Und wird zurückkommen. Nach vagen Berechnungen noch so... mindestens 63 mal. Okay, Herbst. Keep going. War sehr schön mit dir.

Jetzt also Dezember aka (Vor)Weihnachtszeit. Sie hat mir Spekulatius mitgebracht, geholfen die dicken Wollpullis an den Gaderobenhaken zu hängen und Kinderpunsch in die Vorratskammer gestellt. Seit Tagen, pardon: Wochen! erübrigen sich endlich wieder einige Disziplinarmaßnahmen, "Pass auf du, der Weihnachtsmann sieht das ganz genau!" und "Die Wichtel schreiben sich das auf, ich würde jetzt besser nicht... falls du einen Adventskalender..." sei Dank.

Noch 3,5 Tage bis zur ersten Nachtschicht am 30. November. Der Dezember aka die Vorweihnachtszeit und ich waren schon einkaufen. Wie jedes Jahr besteht ein meterhoher Anspruch an den Inhalt der 24 Säckchen, die dem blauen Farbkonzept unserer Küche zuwider knallrot und in Euro-Laden-Ästhetik trotzdem paradox Weihnachtsstimmung verbreiten werden. Hat das was mit Psychologie zu tun?
Jedenfalls, der Anspruch. Der Adventskalender meines Kindes soll

Samstag, 28. Oktober 2017

Say yes to...


Hallende Schritte auf dem groben Pflaster der Querstraße
Meine schmerzenden Füße noch immer im Rhythmus
taptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptaptap
Die rechte Hand in der Tasche
schiebt mit dem Rest Aufgedrehtheit die Kappe des Lippenstifts
auf und zu und auf und zu
klickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklickklick

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Grounded and so humbled and so one with everything.


Es rauschen die Tage, so herbstlich und warm (frei nach Schubert, Deutschlandradio Kultur im Auto schafft die Illusion eines wohlgeordneten, verantwortungsbewussten Erwachsenenlebens) und ich kann behaupten, dass ich gerade und endlich halbwegs begriffen habe, worauf es zumindest in meinem Leben ankommt und worauf nicht. Es kommt zum Beispiel darauf an, Freunde zu haben, bei denen frau* nachts verheult an der Tür klingeln kann und die mit einem dann die andere Hälfte Nacht Tee trinken, während frau* unwichtigen Weltschmerz nuschelnd auf die Couchdecke kippt. Oder die einem sagen "Augenringe stehen dir" aber auch "Weißt du was ich scheiße bei dir finde...?". Reicht schon zwei davon zu haben. Und es kommt drauf an, solche Freundschaften zu pflegen. Zurückgeben, was man bekommt. In Form von... (Hallo N., du wirst es verstehen) Verzicht, zum Beispiel.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Kochen mit dem Saisonkalender, neunzehn - Buchweizen-Pfanne mit Pak Choi und Mangold.


Wenn Foodsharing dir einen großen Berg grüner Blätter und Stängel schenkt, dann...

1. identifiziere (Aha, Mangold. Aha, Petersilie und Schnittlauch. Aha... äh, Pak Choi?) und
2. verkoch das. Zusammen. Möglichst schnell. Und essbar. Und wenn möglich noch sättigend.

Samstag, 2. September 2017

Tage mit Goldstaub.


Der Sommer stirbt, in dem er sich ein letztes Mal aufbäumt. 32°C auf einem österreichischen Berggipfel, Regen und kalte Füße zur Geburtstagstorte in einem Münchner Café einen Tag später. Die Gehwege an der Isar sind braun beblättert und im Edeka an der U-Bahn gibts keine Himbeeren mehr. Aber Glühwein im Angebot.

Das Kind und ich betrachten von einem geborgten Bett aus den Balkon in Thalkirchen, auf dem wir am Beginn des Sommers mit Aquarellfarben die Fliesen gesprenkelt haben, die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen im Nacken. Herzmomente, in der Erinnerung kleine warme Großereignisse. Wir haben uns unser Gesamt-Sommerglück aus solchen Momenten zusammengepuzzelt, zwischen selbstgemachtem und fremdbestimmtem Stressgestein die winzigen Edelmetalle rausgefischt, spontan Vorhandenes dekonstruiert und in neue Kontexte geworfen. Goldstaub macht Alltag lebendig.

Donnerstag, 24. August 2017

Overnight Katerzucchini.


Wir sitzen im Vorgarten auf der Picknickdecke, das Kind und ich, essen Salat und altbackenes Schwarzbrot. Es ist Sonntagabend und ich bin schrecklich viel müder als sonst. Kindfreie Samstagnacht. Kein Schlaf. Müde getanzte Füße und leichter Katerkopf. Eigentlich möchte ich nichts anderes als schlafen, aber ich weiß, dass da oben im Kühlschrank noch eine Zucchini aus Omas Garten ganz dringend verarbeitet und danach portioniert eingefroren werden muss. An der Pflanze hängen schon vier Folgemodelle gigantischen Ausmaßes.

Wir sitzen also so, ich seufze etwas wehleidig in mich hinein. Unser Nachbarn beginnt die Johannisbeer-Sträucher zu gießen und seine Frau erntet drei große Zucchinis. Ich seufze noch einmal. Sie dreht sich um, winkt, dann steht sie vor uns: "Hier. Ihr müsst eine Zucchini abnehmen, wir schaffen das nicht allein." Ich lache, gequält. Öh, danke.

Jo, Johannisbeeren-Torte!


Das war der Sommer: Ein paar heiße Tage, stundenlange Prokrastination vor viel zu viel Uni-Content, halbherziges gemeinnütziges Engagement und... Kuchen. Denke ich in den nächsten Jahren an den Sommer 2017 zurück, wird auf einmal meine Spucke im Mund süßklebrig. Ganz sicher.

Eins der schönsten Exemplare war die Johannisbeerentorte a la Ich-muss-den-Garten-meiner-Eltern-pflegen-weil-sie-im-Urlaub-sind-und-weiß-nicht-wohin-mit-der-Ernte-Spontaneinfall. Ausgedachtes Schnellrezept mit umwerfender Außenwirkung. Und auch noch universell übertragbar auf anderes (Beeren)Obst.

Montag, 24. Juli 2017

Kindertiramisu on a budget.


Ich töte für Tiramisu.
Also - nicht wirklich. Aber sprichwörtlich schon. In der nicht-veganen Vergangenheit war Tiramisu ungefähr das perfekteste Mir-ist-es-zu-heiß-um-in-der-Küche-den-Herd-zu-heizen-aber-ich-muss-trotzdem-was-mitbringen-Dessert auf allen erwachsenen Happenings, ein zeitloser Klassiker ohne viel Drumrumundgedöns. Wie Zupfkuchen, bloß mit Kaffee und Amaretto. Und damit ein winziges bisschen besser. Wegen dem Kaffee natürlich.

Eine vegane Variante scheiterte bis vor Kurzem am Problem Löffelbiskuits. Die ohne Tier... Mh, schwierig. Aufwendig. Oder teuer. Oder beides.
Im Winter überkam mich zum ersten Mal das dringende Bedürfnis nach Kaffee mit Alkohol und viel Zucker (in der Prüfungszeit, wer hätte das vermutet?). Ich bemühte ein wenig meinen neuen Eco-Browser und fand: Milchfreier Zwieback statt Löffelbiskuits wäre der Shit. Na dann, bitte. Die Firma BURGER führt zum Beispiel explizit veganen in ihrer Produktliste. Und was soll ich sagen? Dreimal Ja! für diese Idee. Ordentlich mit Kaffee eingeweicht ist der Unterschied nur ein geringeres Maß an Zucker. Und das ist - im Ausgleich mit süßem Sojaquark - kein Verlust. Außerdem: Den Sojaquark am Monatsende auch noch mit Kaufland-Eigenmarke-Sojajoghurt ersetzt, ist die Zwiebackvariante ein absolutes Low-Budget-Ding. Verbraucht nicht mal Strom zur Herstellung. Jackpot studierende Menschen!