Montag, 24. Juli 2017

Kindertiramisu on a budget.


Ich töte für Tiramisu.
Also - nicht wirklich. Aber sprichwörtlich schon. In der nicht-veganen Vergangenheit war Tiramisu ungefähr das perfekteste Mir-ist-es-zu-heiß-um-in-der-Küche-den-Herd-zu-heizen-aber-ich-muss-trotzdem-was-mitbringen-Dessert auf allen erwachsenen Happenings, ein zeitloser Klassiker ohne viel Drumrumundgedöns. Wie Zupfkuchen, bloß mit Kaffee und Amaretto. Und damit ein winziges bisschen besser. Wegen dem Kaffee natürlich.

Eine vegane Variante scheiterte bis vor Kurzem am Problem Löffelbiskuits. Die ohne Tier... Mh, schwierig. Aufwendig. Oder teuer. Oder beides.
Im Winter überkam mich zum ersten Mal das dringende Bedürfnis nach Kaffee mit Alkohol und viel Zucker (in der Prüfungszeit, wer hätte das vermutet?). Ich bemühte ein wenig meinen neuen Eco-Browser und fand: Milchfreier Zwieback statt Löffelbiskuits wäre der Shit. Na dann, bitte. Die Firma BURGER führt zum Beispiel explizit veganen in ihrer Produktliste. Und was soll ich sagen? Dreimal Ja! für diese Idee. Ordentlich mit Kaffee eingeweicht ist der Unterschied nur ein geringeres Maß an Zucker. Und das ist - im Ausgleich mit süßem Sojaquark - kein Verlust. Außerdem: Den Sojaquark am Monatsende auch noch mit Kaufland-Eigenmarke-Sojajoghurt ersetzt, ist die Zwiebackvariante ein absolutes Low-Budget-Ding. Verbraucht nicht mal Strom zur Herstellung. Jackpot studierende Menschen!

Sonntag, 23. Juli 2017

Gut Kirschen essen - Zupfkuchen mit Verspätung



Merkt ihr was? Wir haben Juli. Ende Juli. Mittlerweile haben sich auf der Festplatte einige Essensfotos angesammelt, deren Deko erkennbar nicht aus dem Sommer stammt. Weil ich zugehörige Rezeptpostings vor mir hergeschoben habe wie gerade das Schreiben einer Hausarbeits-Einleitung. Oh. Mh.

Andererseits ist es dem Rezept ja gerade wurst, wann es hier erscheint. Wer sucht, findet. Unabhängig vom Datum. Und welche Blumen in der Deko wieder nicht in den Juli passen... Such a good drama, singt Leslie Clio, oh oh oh... I couldn't care less, thats all I care about.

Äh.
Jedenfalls. Zupfkuchen! Universeller Alleskönner immer dann, wenn es schnell verlässlich lecker werden muss. Und Menschen mitessen, die vegane Kuchen manchmal schon aus Prinzip nicht lecker finden können. Dann ist er die ideale Geheimwaffe für jede Familienfeier, jeden Kuchenbasar, jedes Kita-Fest. Beliebt seit Jahrzehnten. Besonders mit Kirschen. Und die gibts auch noch im Juli.

Montag, 10. Juli 2017

Ungesund frühstücken mit Buchweizen-Blaubeerkuchen!


Wieder ist Blaubeerzeit in Hinterkaffhausen und in diesem Jahr kann mein Mitbewohner schon allein auf seinem eigenen Fahrrad vor mir her zum Blaubeerwald radeln. Selbstbestimmt. Selbstständig. Ich staune. Die Zeit!
Wir sammeln Blaubeeren um die Wette und fahren kurz nach sechs am Abend nochmal ins Nachbardorf, weil das Sonnenblumenöl leer ist. Das mit dem Kuchen war seine Idee und rühren kann er auch schon selbst. In alltäglichen Struggels um Pünktlichkeit beim Kita-Ausflug und ob der rosa Haargummi nun ausschließlich und nur was für Mädchen ist (Nein!) und dass man nach jedem Toilettengang die Klospülung drückt... da übersehe ich glatt, wie groß das Kind schon ist. Was es schon kann. Alles! (wenn man es persönlich fragt). Oft vergesse ich zu bemerken und zu befreuen, welche krassen Entwicklungsschritte dieser fast vierjährige Bezopfte schon zurückgelegt hat und jeden Tag Schritt um Schritt zurücklegt.

Manchmal leben wir tatsächlich weniger wie Mutter und Sohn, sondern nähern uns unserem tatsächlichen Alter gegenseitig an, sind zwei Teenager in Wohngemeinschaft, die beschließen, morgens mit Kuchen in den Tag zu starten. Um die kleinen Dinge des Lebens zu feiern (Blaubeeren). Und die großen (das Kind, das Kuchenstück des Kindes in Relation zum Kinderteller).

Samstag, 8. Juli 2017

Violence, Nachtrag.

Okay, same story different day.

Bis gestern Nacht konnte ich Gewalt gegen Gegenstände noch ganz gut rechtfertigen. Also nein – zumindest erklären und verstehen: 


...at the boiling point...

Ich konnte die Wut spüren, in meinem viel zu großen zweimalzweimeter Bett in einem Berg Kissen sitzen und nachfühlen, was sie fühlen. Wut. Wut auf willkürliche Zustände. Wut über Repression und Einschränkung von Freiheit, Wut über Eskalation und Polizeigewalt, hilflosen, ohnmächtigen Ärger. Und ich konnte auch verstehen, was sie antreibt, nicht nur im Regierungsviertel teure Autos anzuzünden sondern den Blumenladen von nebenan in Brand zu stecken. Ja – es muss wehtun! Ja, es braucht Zeichen und es braucht deutliche, schmerzhafte, laute und qualmende und stinkende Zeichen. Dass wir gehört werden.  Vieles hat nichts mehr mit dem G20-Gipfel zu tun, aber er bietet Gelegenheit für Kritik, die weiter geht als Kritik an dieser selbsternannten „Institution“. Gesellschaftskritik. Kritik am System. Kritik an kapitalistischen Herrschaftspraktiken, an von ökonomischen Interessen und der Wachstum bringt Wohlstand-Logik geleiteten Politik.
Ohja, ich konnte sie verstehen.

Violence. Nur ein Statement.


Es ist Prüfungszeit und das Weltgeschehen darf mich nur peripher tangieren. In sauberem, ignoranten Egoismus gehe ich jeder G20-Berichterstattung weitestgehend aus dem Weg, meide Diskussionsabende und nicht-oberflächliche Gespräche. Kriege Verabschiedungen gen Hamburg in meinem Umfeld kaum mit, versunken in prokrastinatorische Tasty-Kuchenvideos im großen Lesesaal der Universitätsbibliothek.

...kann ich begründen...

Natürlich reden wir darüber, kurz, nachts nebeneinander im Auto, als wir zu viert spontan einen ebay-Boxsack im angrenzenden Stadtviertel abholen. Kurz, als ich an seinem Türrahmen lehne und ihn von hinten am Schreibtisch beobachte. Kurz, als mir das Kind schon am Arm zieht. Ja, meine diffuse Ablehnung gegen das Machtelite-Treffen kann ich begründen:

Freitag, 23. Juni 2017

Irrational.

Disclaimer: Dieser Text ist in Teilen wortwörtlich so unter meinen letzten beiden Instagram-Fotos erschienen und hat einen winzigen Shitstorm ausgelöst. Das Thema, nein, die Gefühle beschäftigen mich schon eine Weile. Schon seit über zwei Jahren, um genau zu sein. Wenn Zeit Wogen glättet, dann sprechen wir von großen Einheiten. Gefühle sind übrigens irrational, unvernünftig, mal objektiv betrachtet größter, gemeiner Blödsinn. Bei positiver Irrationalität beschwert sich niemand. Bei Abneigung dann schon eher. Hey, warum? Ich darf doch doof finden, wen und was ich möchte. Das wollte ich nur sagen. Was auch noch wichtig ist: Das hier ist ein literarischer Text. Irgendwo zwischen fiktionalen Übertreibungen, blumigen Metaphern und Mimimi hat sich die Wahrheit versteckt. Aber wo, sag ich nicht. Peace.



Und jetzt gehts los:
Esse im Stehen an der Arbeitsplatte, Blick auf stinkige Papa-Sachen vom Kind und einen sagenhaft hässlichen Plüschleoparden, den ich noch nie gesehen habe.
Trauerwut. Das Kind hat mich angeschrien, als ich es auf dem Spielplatz vor dem Papa-Wohnblock abholen wollte, zwischen kaputten Bierflaschen und herumfliegendem Gummibärchenpapier.
Mit hochrotem Gesicht ICHWILLNICHTZUDIRICHWILLZUMEINEMPAPA gebrüllt. Strampelkreisch. Anschnallen darf ich es nicht. PAPIIIIIII.
Sehe sein ekelhaft überheblich grinsendes Gesicht im Rückspiegel, ist das Erleichterung darin? Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Nicht eingebildet: Das dumpfdrückende Gefühl, gleich brechen zu müssen, im Strahl übers Lenkrad. Kann nicht erklären warum. Bin ich...eifersüchtig?

Mittwoch, 24. Mai 2017

Hier gibt es nichts zu... Moment.


Verlasse die Vorlesung eher, wie immer, draußen die Abendsonne und es ist plötzlich so warm, dass die Wiese hinter der Bibliothek voller Menschen ist. Die Rushhour ist vorbei, ich kann die mehrspurige Straße überqueren, ohne 10 Minuten den Mittelstreifen entlang geschlendert zu sein. Im Wohngebiet steht das Auto, gleich nach der Kirche. Jemand grillt. Meine Füße schalten in den ersten Bummelgang. Nicht heim. Nicht Spülmaschine. Nicht Schreibtischablage, nicht Kühlschrank-To-Do-Liste. Nicht schlafen. Sein.
Vor der Fahrertür krame ich nach dem Autoschlüssel. Ganz unten im Rucksack. Lege ein paar Bücher auf das Autodach. Im Strecken, unter meiner Achsel hindurch sehe ich diese beiden Menschen. Vielleicht sehe ich sie gar nicht mal richtig, registriere nur ihr Auftauchen in meinem Sichtfeld. Einen Mann und eine Frau, ein Paar vielleicht, beide in ihren Siebzigern und sie tragen zwei Einkaufstaschen so vorsichtig wie ein Neugeborenes.

Klingt wie der Aufhänger dieser super tiefsinnigen Poetry-Slam-Texte, in denen immer gleich am Anfang irgendein metaphorisches Schlüsselereignis wahrgenommen wird, über das im Folgenden mehr oder weniger pointiert witzig philosophiert werden muss. Und meistens ist es ein altes Ehepaar und dann geht es um Liebe und Treue und das Früher und das Heute und Generation Polyamorie und um sprunghafte, verantwortungslose Tinder-Liebschaften und... Naja, vielleicht mehr ein Vice-Artikel als ein Poetry-Slam-Text. Jedenfalls: Man kennt das.

Sonntag, 30. April 2017

April, April, ich weiß ja was ich will: Streuselkuchen mit Kaffee und sonst nur leben.


Nach dem vermurksten März-Praktikum beginnt der April tröstlich monoton in langen Uni-Fluren und überfülltem Campus-Nahverkehr.
Nur draußen und im Kopf ist April. Morgens ist es grau und windig, ich male einen bunten Farbkreis aus Schul-Patina und bin so sagenhaft pädagogisch motiviert, dass ich in der Pause die Telefonnummer der Freien Alternativschule Dresden googele, um nach einem freiwilligen Praktikum zu fragen. Mittags bricht die Sonne durch die Wolken. Ich höre Perspektivrahmen und Bildungsstandarts und Unterrichtsplanung und bin so schrecklich müde, dass ich mir im einschlafen den Stift in die Wange bohre. Huch, aua. Im prallen Sonnenschein wechsel ich das Gebäude, die Fakultät, mich. Halte Augenringe ins Frühlingslicht, am Fenster des Seminarraums im Germanistik-Gebäude. Habe mit einem mal das Gefühl, hier richtig zu sein. Hier hin zu gehören, zur angewandten Sprachwissenschaft, zur Theorie der Wörter. Das ist meins, denke ich. Genau das. Spreche es aber nichts aus. Sprache schafft Wirklichkeit.

Samstag, 29. April 2017

Rucksackkind - Chapter 3: Gränskontroller, Herzrhythmus, Schnee.


Nach Christiania in Kopenhagen sehen wir noch folgendes: überfüllter, aber schrecklich gut organisierter U-Bahn-Verkehr in der Nachmittags-Rush Hour. Irritierte bis entsetzte bis faszinierte Blicke übertrieben schöner Menschen auf das schlafende kleine Großkind in der Ergobaby-Trage auf meinem Rücken. Ständig dreht man sich nach uns um. Sehe auch keine anderen Eltern(teile), die ihre Kinder in Tragevorrichtungen bei sich haben. Kinder gibt es ausschließlich zu Fuß oder in futuristischen - oder betont Retro-chicen! - Wagen. Ob die Dänen so etwas einfach nicht kennen?
Mit dem schlafenden Kind auf dem Rücken dann noch die Straßen rund um Københavns Universitet. In Reiseführern werden Rathaus, Tivoli und die Strøget-Shoppingmeile ausführlich erwähnt. Viel schöner ist es aber abseits von Allerwelts-Marken, zwischen (mh, teuren) kleinen Restaurants, Boutiquen, Plattenläden!, Kopfsteinpflaster und schmalen Häusern auf schmalen Gassen.