Mittwoch, 25. Juni 2014

0815

Naja, wer hätte schon ernsthaft damit gerechnet, dass ich diesen Blog schließe. Alle die mich auch nur ein bisschen kennen, haben über den Post da unten geschmunzelt, sich zurück gelehnt und abgewartet, wie lange ich das aushalte.
Bis ich platze vor Mitteilungsbedürfnis.
Bis die Worte mir wieder aus dem Kopf sprudeln.
Bis MicrosoftWord mir zu traurig wird, weil es wie Selbstgespräche führen ist oder wie in der Bahn ein Telefonat vorzutäuschen, damit es so aussieht als wäre man gefragt und hätte Freunde (darum fällt es mir so schwer, ein neues Buch zu beginnen, jetzt wo das erste - JA! HINHÖREN! - wo das erste im Druck ist).

Herzlichen Dank trotzdem an die Hand voll Balsam für mein Ego. Manchmal braucht man sowas.
Manchmal braucht man auch einfach einen Schubs und ein paar neue Ideen von draußen. Wobei - einen neuen Blog anfangen, gleichzeitig mit einem neuen Notizbuch? So ein Schwachfug. Wo ich doch schon einen Babyblog parallel führe und mir das schon manchmal irgendwie zu viel ist (www.windelhose.blogspot.de). Und dann wieder umständlich das Layout anpassen... Ach nee.

Außerdem - mir gehen die Themen aus.
Nachdem ich nun nicht mal mehr irgendeine Schule (vorläufig) besuchen muss, führe ich ein dümpelhaftes Elternzeit-Hausfrauen-Mami-Dasein, von dem es nun partout echt nichts Spannendes zu berichten gibt. Es sei denn, jemand interessiert sich für Wollwaschmittel. Na? Anybody? Und Entwicklungsfortschritte meines Sohnemanns. Aber, wie gesagt, ich verweise auf meinen Zweit-Blog. Der mal dringend aktualisiert werden müsste. Wie auch immer, ich schweife ab.

Jedenfalls... mir gehen die Themen aus.
Meine Tage sind so wunderbar-frustrierend gleichgeschaltet. Ich bin 24 Stunden zu Hause. Manchmal mache ich mit meinem Kind einen Spaziergang runter ins Dorf, meistens bleiben wir auf den 300 Metern Feldweg hinter unserem Grundstück. Das Gefühl für Wochentage und Daten entgleitet mir völlig. Ich halte es noch nicht einmal für notwendig, mir regelmäßig frische T-Shirts anzuziehen oder mir regelmäßig die Haare zu waschen. Warum auch? Spart Wäsche und schont die splissigen Spitzen. Zu Hause sieht mich eh keiner.
Ich lese keine Zeitung mehr und höre bei den Mahlzeiten nur den "Traumzauberbaum" oder den "Regenbogenfisch". Ab und zu lese ich meine Facebook-Nachrichten und Mails, aber mir liegt nicht viel an dem Kontakt nach draußen. Unser straffes Tagesprogramm erlaubt keine Aussetzer und Spontanität.
Es passiert einfach... nichts.
Früher musste schon wirklich etwas außergewöhnliches vorgefallen sein, heute spreche ich eine Woche lang über meine fantastisch gelungene Sauce Hollondaise zum Spargel (wie aus dem Bilderbuch! Da erblasst sogar der 4-Sterne-Koch meines Herzens vor Neid) oder über den ärgerlich hartnäckigen Fleck auf dem Fußboden, der bewirkt, dass einem die Hausschuhe immer daran kleben bleiben.
Wir sind so spießig-durchschnittlich geworden, dass ich schon kurz davor bin, Geranien in Blumenkästen an die Fenster zu hängen und eine Deutschlandfahne ans Auto zu binden - dass WM ist, habe ich geradeso noch mitbekommen, nachdem der Herzensmensch mit Bierflasche vor den Fernseher gezogen ist.

Was soll ich denn erzählen?
Dass das Rot meiner Haare so langsam aber sicher einem ekelhaftem Straßenköterblond-Grau weicht?
Dass bergeweise Antragsunterlagen, Papiere, Kopien, Wohnungspläne meinen Schreibtisch unter sich begraben haben?
Dass ich es leid bin, mich mit Ver- und Vormietern tierischst ärgern zu müssen?
Dass ich einen kaltblütigen Hass auf alle planlos rumchillenden "joar, mal schauen was die Zukunft so bringt"-Tagträumer hege und sie am liebsten mal zum bügeln und nebenbei Kind-vom-Katze-meucheln-abhalten einladen würde, damit ich endlich auch mal wieder ein Buch lesen kann?

Vielleicht kommt ja einer vorbei, der mich an den Haaren aus meinem Selbstmitleids-Topf herauszieht.
Dann hab ich wieder was zu erzählen.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Zettelwirtschaft.


Vorhang auf für seltene Einblicke in die Zwischenwelt (denn das ist es doch letztendlich - es ist weder Realität noch Fiktion, was mein Notizbuch beinhaltet. Vielleicht ist es beides. Vielleicht auch gerade nicht)... und in andere papierene Zeugen meiner selbst (Kalender, ich kann nicht mehr ohne Taschenkalender leben, ich brauche Kalender sonst versinkt meine Welt im Chaos).


Das heilige Buch höchstselbst.


Erdentstehung á la Tessa.


Was macht man mit Seiten, die einem nicht mehr gefallen?


Sie sehen: Platzmangel...


...Eigen-Kommentare...


...Kreativität um zwei Uhr nachts, entstanden damals mit T. und...


...das, was man erwartet hat, natürlich.
Ich dachte, nur die ausgefallenen Dinge zu fotografieren, wirft ein falsches Bild
auf das Buch.


Kunst-LK?


Jaja, ich weiß, geklaut von Jennifer Rostock.


Und manchmal muss man seinem Ärger einfach nur irgendwie ganz still Ausdruck verleihen.




















Wem ist aufgefallen, dass das Kind da keinen linken Arm hat?









Freitag, 23. Mai 2014

Der Zahnwehmann.

Juhu, es ist mal wieder so weit! Zahn Nummer 3 kündigt sich an. Und zwar lautstark und vorzugsweise nachts.
Als es um 23:00 zu brüllen beginnt, bin ich gerade eingeschlafen. Herrlich. Der Herzensmensch kommt eben vom Spätdienst. Aber weil er ja gerade sowieso noch steht, kann er doch gleich mal den Schnuller... Ach, denkste. Das Gebrüll steigert sich zu einem herzzereißenden Kreischen. Da muss Mama ran. Ich setze mich auf den Stuhl neben das Bettchen und streichle den heißgebrüllten Kopf. Nichts zu wollen. Schließlich wiege ich mein Kind eine halbe Stunde im Arm, bis wir beide eingeschlafen sind. Eiskalte Füße und der Herzensmensch wecken mich. "Willst du nicht mal wieder ins Bett kommen?". Gute Idee. Vorsichtig befördere ich das schlafende Bündel zurück in sein Bettchen und schlüpfe zurück unter meine - mittlerweile natürlich kalte - Decke. Es dauert gar nicht lange, da jammert es schon wieder. Ich ignoriere es. Will schlafen. Aber der Zahn kennt keine Gnade. Nach einer Weile ist das Geschrei kaum mehr zu ertragen....

Wir kämpfen die ganze Nacht. Abwechselnd laufen der Herzensmensch und ich Runde für Runde um unser Bett, wiegen das Kind im Arm, streicheln Köpfchen, halten Händchen, machen Schschscht.
Es ist zutiefst ungerecht! Ich hatte bis vor kurzem ständig von Kindern gehört, deren Zähne völlig unkompliziert gewachsen sind.

Schließlich ist um 6:10 die Nacht endgültig zu Ende, denn da dreht sich Marek, der den Rest der Nacht zwischen Mama und Papa verbracht hat, auf den Bauch, zieht an meiner Nase und... quengelt. Und das heißt ausnahmsweise mal nicht "Aua", sondern "Mama, los, aufstehen jetzt".

Obstsalat.

Um acht gibt es am Wochenende Frühstück. Meistens eher, selten später. Meistens haben wir davor schon ausgiebig im Bett gespielt, gebadet und einmal den gesamten Erdgeschoss-Wohnbereich "aufgeräumt". Meistens bin ich dabei noch nicht einmal fertig angezogen und im Bad gewesen.
Was solls.

Heute ist es 7:30 als penetrantes Gequengel vom Fußboden (ja, der Herr rutscht mittlerweile munter durch die Kante) mich dazu nötigt, zwei Scheiben Brötchen mit Frischkäse (man mag keine Marmelade) und eine ganze (!) gequetschte Birne zurechtzustellen. Und verdünnten Baby-Saft.
Tee oder Wasser? Pfui Spucke!
Gestern habe ich nach langer langer Zeit mal wieder Fenchel-Kümmel-Anis-Babytee gekocht. Ich dachte, vielleicht hätten sich seine Geschmacksnerven in der Zwischenzeit verändert... Aber als ich diesen ungesüßt meinem Kind einzuflößen versuchte, konnte man meinen, ich versuche es mit Zitronensaft. Also experimentierte ich mit Honig. Ein anderes Süßungsmittel als den guten Bio-Bienenhonig von meinem Opa, Hobbyimker mit Leib und Seele, schien mir völlig inakzeptabel. Es hatte mir ja auch niemand gesagt, dass Kinder unter einem Jahr auf keinen Fall Honig bekommen sollten (warum, weiß ich allerdings auch nicht. Wegen irgendwelcher Keime oder so ähnlich). Nachdem der Herzensmensch angesichts meiner frevelhaften Tat beinahe Herzstillstand erlitten hatte, weiß ich nun Bescheid. Na gut. Marek hat es im übrigen auch nicht geschmeckt. Verwöhntes Kind.

Jedenfalls, Frühstück.
Die kleine Raupe Nimmersatt sperrt seinen Mund nach jedem Bissen so schnell wieder auf, dass ich mit dem kleinschneiden und füttern kaum hinterherkomme. Auch die dritte Scheibe Brötchen muss schließlich dran glauben. Mein Sohn isst fast so viel wie ich! Unfassbar.
Nachdem alles irgendwo im kleinen Mund oder unter dem Stühlchen verschwunden ist, möchte Mama endlich auch mal frühstücken. Da ist es weit nach acht. Marek zappelt in seinem Hochsitz, möchte alles haben und quengelt, quengelt, quengelt. Bei Thalia verkaufen sie Ohropax mit der Aufschrift. "Mutterschutz". Ich glaube, das wünsche ich mir zum Muttertag.

Ich stelle ihn mit einem Stück Apfel ruhig, ohne Schale. Da sitzt er und nagt mit seinen zwei Zähnchen am Obst herum. Wie eine Häckselmaschine produziert er mundgerechte kleine Stückchen, die mit einem schmatzblubb in der Auffangschale des Lätzchens landen. Bis nichts mehr vom Apfel übrig ist. Dann ist es langweilig.
Nach dem Essen ist mein Kind schon wieder überall und nirgends, auf dem Bauch den Boden wischen. Mama darf inzwischen die kleinen Apfelstückchen aus dem Lätzchen löffeln.
Obstsalat.
Mh, lecker.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Vinyl.

Eines der Dinge, die ich in der neuen Wohnung mit Sicherheit am meisten vermissen werde, ist der Plattenspieler. Das schon halb demolierte Baujahr 1990-Teil ist nun mal Papas Liebhaberstück. Und Quell unablässiger Freude. Ich bin kein Musik-Nerd und auch kein kranker Sammler und schon gar nicht eine von diesen Wannabe-Retros, die auf den Flohmärkten mit ihrem Alte-EXA's und Plattenspieler-Runtergehandel auf die Nerven gehen.
Ich bin eher so der... Konsument. Der Gelegenheits-Plattenkäufer. Der ehemalige mit-Wein-auf-dem-Bett-liegend-alte-Bill Haley-Platten-Hörer. Oder so ähnlich. Und irgendwo sind Plattencover doch auch eine Form von Kunst. Ich meine, hey, andere sammeln Kandinsky-Drucke, also bitte.


Portugal. The Men. Das Foto stammt übrigens, nicht wundern, aus dem Jahr 2012. Uralt. Damals war Fräulein noch jung und übertrieben geschminkt.

Oh, eins hab ich noch, Moment...



400 Blows. Damals (2011) fand ich gruselig mal eine Zeit schick. Die Musik ist im übrigen auch gruselig. War'n Schnäppchen.

Und jetzt... höre ich beim Staubwischen Cat Powers "The Greatest" und sinne über Beschaffungskriminalität.



Sonntag, 27. April 2014

Damals, gestern, heute, morgen.

"Wir können uns die Wohnung nicht leisten.Wie erwartet. Verzweifelt durchforsten der Herzensmensch und ich die Wohnungsangebote - in einer Zeitung mit altdeutscher Schrift. Da. Arbeitersiedlung in Hartau bei Chemnitz. In der Nähe der Baumwollspinnerei, aber unschlagbar günstig. Wir sagen zu, unterzeichnen den Mietvertrag, ohne die Wohnung vorher gesehen zu haben, mit Federkiel und Tintenfass.

Schließlich stehen wir vor der Haustür. Unserer Tür. Ich schiebe den Schlüssel durch das altmodische Schloss. Wir stehen in einer Werkhalle. Es stinkt nach verbranntem Gummi. In der Mitte des einzigen großen Raumes befindet sich eine Feuerstelle. Das Feuer brennt, aus dem Kessel, der darüber an einem Eisengestell schaukelt, riecht es - nach Soljanka. Vereinzelte Spinnmaschinen, an denen Frauen in langen Kleidern und Schürzen arbeiten. Ihre Gesichter sind grau und eingefallen. Die Luft ist erfüllt von lautem, regelmäßigen KlackKlack der mechanischen Webstühle. Zwischen ihnen sind Hängematten gespannt. Unsere Betten. In einer Ecke liegen Strohsäcke, aus einigen Löchern ragen sattgelbe Halme aus dem groben Leinenstoff. Auf einem der Säcke sitzt ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren, ein bisschen ähnelt sie meiner Schwester. Ihr Gesicht ist rußverschmiert und schmal. Als sie uns bemerkt, steht sie auf und kommt auf mich zu. Sie lächelt mich an und ich bemerke, dass ihre Zähne nur schwarze Stümpfe im Zahnfleisch sind. Angeekelt schaue ich auf den Boden. Gestampfter Lehm. Das Mädchen zupft an meiner Jacke, bis ich sie wieder ansehen muss. Ihre schmutzigen Finger nesteln an ihrer Hosentasche, fördern einen Aufnäher zu Tage und ein zusammengefaltetes Blatt, eine Seite einer Tageszeitung. Sie hält mir die Dinge hin. Ich schaue sie an, weiß nicht recht, was sie von mir will und was ich tun soll. Schließlich greife ich danach. Das Mädchen zieht ihre grau-blaue Schiebermütze, macht einen Diener und verschwindet hinter meinem Rücken. Ich drehe mich nicht nach ihr um, sondern betrachte den Aufnäher in meinen Händen. "Schwerter zu Pflugscharen". Dann die Seite der Tageszeitung. "Der Kaiser hat abgedankt!, Prinz Max von Baden tritt als Reichskanzler zurück" lautet die Schlagzeile. Der Kaiser?

Der Herzensmensch taucht auf, ich hatte gar nicht bemerkt, wie er von meiner Seite gewichen ist. Er trägt unseren Sohn auf dem Arm und zeigt auf das Schild an unserer offenen Wohnungstür. Ist das vorhin auch schon dort gewesen? "Familie R./L.- Industrieproletariat" ist darauf zu lesen. Wie bitte?

Ich finde mich plötzlich in einem Büro wieder. Es muss in einem Hochhaus gelegen sein, denn durch die verglaste Wand des Raumes kann ich hinunter auf das Brandenburger Tor und das Bundestagsgebäude blicken. Ein Stück weiter schneidet eine massive, mit Stacheldraht gesicherte Mauer die Stadt in zwei Hälften. Hinter einem altmodischen Sekretär aus dem 18. Jahrhundert blickt mir ein kräftiger, vollbärtiger Mann entgegen. Seine Augen leuchten vor Enthusiasmus, als er mir auseinandersetzt, wie privilegiert das Proletariat doch schon bald sein wird. "Aber mein Mann ist Koch, wir gehören nicht zum Industrieproletariat", protestiere ich schwach, werde aber schon unterbrochen und höre wie durch Watte Phrasen wie "Kommunistische Weltrevolution", "Diktatur des Proletariats" und "Klassenkampf". Jetzt fällt mir auf, an wen mich dieser Mensch erinnert. Ist das Karl Marx?

"Herr Marx?", frage ich noch, als plötzlich mit einem lauten Knall die Zimmertür aus ihren Angeln gerissen wird. Erschrocken springe ich von meinem Stuhl auf und drehe mich um. Im Türrahmen stehen bewaffnete Männer in Uniform, das Totenkopfemblem am Revers. Ein Mann im grünen Anzug, eine rot-weiße Binde am Oberarm, mit strengem Seitenscheitel und Oberlippenbart streckt den rechten Arm in die Höhe und brüllt mir ins Gesicht: "Das ist der totale Krieg!" "


Schweißgebadet wache ich auf. Um mich herum ist es dunkel. Mein Herz sprintet im Dauerlauf. Eine Weile liege ich da und lausche auf die regelmäßigen Atemzüge des Kindes. Der Herzensmensch schnarcht leise vor sich hin.
Mein Gott, denke ich, es ist nur eine 300 minütige schriftliche Abitur-Prüfung in Geschichte!

Samstag, 5. April 2014

Ohne Worte.


Steine.

Wohnungsbesichtigung.
Ein bisschen hatte ich gehofft, dass ich diese 64 m² sofort in mein Herz schließen, oder aber, dass ich sie schrecklich finden würde und mir nie im Leben vorstellen könnte, dort zu wohnen.
Nichts davon ist eingetreten.
Und das macht es nicht eben leichter.

Immer, wenn ich nicht weiter weiß, mache ich eine Liste.
Also machen wir eine Liste. Sammeln: Was spricht dafür, was dagegen?
Pro. Contra.
Und am Ende stehen auf beiden Seiten gleich viele Punkte.

Wir drehen uns im Kreis um unsere eigene Achse, endlos kreisen unsere Gedanken.

Auf meinen Schultern lastet die Verantwortung wie ein großer Mühlstein aus alten Zeiten, sodass es mich wundert, dass meine Füße beim Gehen nicht zentimetertiefe Löcher im Boden hinterlassen.

Sie erdrückt mich.
Ich kann sie nicht tragen.
Ich bin eingeklemmt wie ein kleiner Käfer unter dem Mühlstein. Verzweifelt versuche ich mich zu befreien, doch wie sehr ich mich auch mühe: im Fortstreben reißen nur Gliedmaßen und Flügel schmerzhaft aus meinem Körper.

Mittwoch, 2. April 2014

Krabbeltierchen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in meinem ganzen langen Leben noch nie eine Laus gesehen habe. Bis gestern.
Meine Schwester wedelt mir mit ihrem Hausaufgabenheft unter der Nase herum. Ich überfliege die kurze Notiz. Aha, Läuse in der Schule. Die Nachbarskinder hätten sie auch schon. Na dann zeig mal her deinen Kopf. Ich kämme mit dem Läusekamm ein bisschen in den blonden Locken herum.
Da. Da flitzt was!
Mit der Lupe betrachten wir das winzige Wesen auf meiner Fingerkuppe. Ist das eine Laus? Irgendwie habe ich mir die immer anders vorgestellt. Größer. Dicker. Wie kleine Käfer, eher wie Zecken, nicht wie Obstfliegen.

Es nützt nichts. Wir müssen alle durch. Wie die Affen nesteln wir uns gegenseitig auf den Köpfen herum. Finden nichts, natürlich. Aber auf einmal juckt es. Überall. Nicht nur auf dem Kopf. Wir kratzen uns alle. Und beschließen, viel Geld in Läuse-Shampoo zu investieren. Und in Haarfarbe.

Eigentlich mag ich Tiere. Jeder Art. Und der Gedanke, die armen kleinen Tiere mit Wasserstoffperoxid-Blond und orange-roter Chemie zu vergiften behagt mir nicht. Andererseits ist die Vorstellung, eine Krabbeltierchen-Kolonie auf meinem Kopf zu beherbergen, die mir so langsam das Blut aus der Kopfhaut saugt auch nicht wirklich angenehm. Und so behandele ich meine Haare mit der am meisten nicht-bio, nicht-tierversuchsfreier, schadstoffhaltigen Coloration, die der Drogeriemarkt vorrätig hat. Gelobt sei, was hart macht.

Nachdem wir nun auch sämtliche Betten neu bezogen, Kuscheltiere, Mützen und Jacken gewaschen und alles mit Desinfektionsspray behandeln haben können wir davon ausgehen, dass sich so schnell kein Krabbeltierchen mehr zu uns verirrt.
Heute morgen habe ich einen toten Marienkäfer auf dem Badezimmer-Fensterbrett gefunden.

Freitag, 21. März 2014

Ein Löwenzahn!

Die letzte Woche meiner vorletzten Ferien überhaupt (in meiner 12jährigen Schulzeit) war die zähste und anstrengendste Woche jeglicher Ferien meiner 12jährigen Schulzeit.
(Was'n Satz.)

Jedes Kind ist irgendwann mal krank. Klar. Und dass wir dem nicht aus dem Weg gehen können, ist mir auch zu jedem Zeitpunkt klar gewesen. Aber dass mit Brüllan, dem Nerventod irgendwas nicht stimmen konnte, nachdem er uns nächte- und tagelang terrorisiert hatte, auf den Gedanken kam ich natürlich nicht.
"Miss doch mal Fieber", sagte der Herzensmensch. Nee, dachte ich. Das werden die Zähne sein. Ich meine, naja, mit sieben Monaten kann das schon sein, oder? Mir schien, ich hätte da auch etwas im tollen Baby-Entwicklungsbuch darüber gelesen. Die zweite Möglichkeit könnte auch ein Entwicklungsschub sein. Lernt Marek sich jetzt endlich doch mal auf den Bauch zu drehen, wie alle anderen Kinder seines Alters?
Ich beschloss, die permanente Quengelei in freudiger Erwartungshaltung und mit stoischer Ruhe zu ertragen.

Aber es wollte einfach nicht aufhören. Nach einer Weile zückte ich dann doch das Thermometer. Ich Rabenmutter, Elende! Mein Kind hatte vergleichsweise hohes Fieber.
Kinderarzt.
Fieberzäpfchen. Ruhe. Viel Liebe.

Und jeden Tag fingerte ich dem armen Jungen im Mund herum. Wo bleiben denn nun die Zähne? Irgendwann hatte ich mal jemanden sagen hören, dass Kinder beim Zahnen sehr oft fiebern. Na also. Da mit Marek auch scheinbar sonst alles in Ordnung war (bis auf das Fieber und die ständige, krankheitsbedingte Quengelkasperei) musste es einfach so sein!
Nach drei Tagen hatten wir so ziemlich alles ausgestanden, was Eltern eben so ausstehen müssen: schlaflose Nächte, stressige Tage, Kind ständig herumtragen, ständig stillen, ständiges Gejammer, brüllendes Kind im Kinderwagen,... und alles weitere, was man sich nie wünscht und trotzdem bekommt. Mit übernächtig kleinen Augen registrierte ich am Morgen danach, dass das Fieber über Nacht auf Normaltemperatur gesunken war. Na bitte. Und jetzt ein Zahn...? Ach, denkste. Dafür pickeliger Ausschlag an Mareks Po. Im Buch über Kinderkrankheiten fand ich schließlich das "Drei-Tage-Fieber", eine häufige Kleinkinder-Krankheit, das sich meistens erst hinterher mit Ausschlag am ganzen Körper als solches entpuppt.

Eine Woche später.
Das Fieber ist mittlerweile vergessen, nennenswerte Entwicklungsfortschritte sind trotzdem nicht aufgetreten. Marek kann sich auf den Bauch drehen. Wenn er will (aber es ist bequemer, so lange zu quengeln, bis ihm jemand dabei hilft). Wir sitzen am Frühstückstisch, Marek auf meinem Schoß. Er kaut auf einem Stück Brötchen. Plötzlich verschluckt er sich, hustet, würgt. Beherzt greife ich in den kleinen Mund, um zermatschte Brötchenteile aus der Gefahrenzone zu befördern. Da stoßen meine Finger an eine kleine harte Ecke am Unterkiefer.
Ich fasse es nicht.
Ein Löwenzahn!

Mittlerweile habe ich auch noch einmal im Entwicklungsbuch nachgelesen. Da steht:
Zahnen und Fieber haben nichts miteinander zu tun. Das Wachstum der Zähne hat keinen Einfluss auf die Körpertemperatur. Jedoch treten fieberhafte Infekte und das Zahnen oft in kurzen Abständen oder gemeinsam auf.

Wie auch immer. Marek hat jedenfalls den nächsten großen Schritt weg vom Baby-sein geschafft.
Schade, eigentlich.

Mittwoch, 5. März 2014

Lied des Tages.

...Ja, es war einmal... eine Rubrik....


"There's a sickness I have when the walls come down
I'll try to smooth shit out
Well it's just a sickness
Something growing in me
When do these walls come down?
I don't wanna feel occupied by this sickness

Well. It's just a sickness.
It's a sickness I have.
When do the walls come down?
I don't wanna feel occupied"
...

Ich habe festgestellt, dass sich zum größten Teil
immernoch die gleichen Songs auf meinem Mp3-Player
tummeln, die dort schon vor gut zwei Jahren zu finden waren.
Und warum?
Es gibt einfach nichts neues, was meinen gehobenen Anspruch 
nach Musik jenseits der ausgelatschten "Nischenmusik"-Pfade
annähernd befriedigen könnte.
Und warum?
Weil ich einfach keine Zeit mehr habe, 
durch die Lande zu touren, um Lieder zu finden, die nur
eine handvoll Leute kennen und mir auch noch musikalisch
zusagen. Und die nicht morgen schon wieder wahnsinnig
angesagt sind bei den Independentern, 
weil sie niemand kennt außer die Independenter.
Und das sind leider mehr, als nur eine Hand voll.
Und das ist leider schade.

Und ja, verdammt, ich weiß, Johnossi ist nicht unbedingt 
das bestgewählteste Beispiel, um meine These zu untermauern.
Ach, was solls.

Freitag, 28. Februar 2014

Transgender.

Ja, eigentlich gehöre ich auch in die Kategorie Mensch, die diese "Typisch Mann-Typisch Frau"-Dinger ablehnt, eine Frauenquote in deutschen Führungsschichten durchaus für wichtig hält, Tagesvätern nicht misstrauisch oder gar ablehnend gegenüber steht und Frauen- oder Blondinen-Witze sexistisch findet. Ich finde auch die Schreibweise Kollegen/-innen oder Bäcker/innen voll in Ordnung, sollen sich ja alle damit angesprochen fühlen...
Aber an diese ganz neue Sternchen-Form á la "Blogger*innen" kann ich mich noch nicht gewöhnen. Auch Äußerungen, wie neulich in einer Vorlesung, im Stil "Ich fühle mich mit dem Sternchen angesprochen, weil ich mich keinem Geschlecht zuordnen möchte" kann ich nicht vollendet zustimmen. Natürlich sind Geschlecht und Geschlecht zweierlei Schuhe - und trotzdem: das biologische Geschlecht ist doch in der Regel eindeutig definiert, das kann man sich ja nun mal nicht aussuchen. Der ganze Körper in seiner physischen sowie psychischen Entwicklung richtet sich zu sehr großen Teilen nach dem Merkmal des Geschlechts - mit Hormonproduktion, Entwicklungsschüben, Stimmbruch, Haarwuchs,..
Darum sehe ich eine Entwicklung, wie sie derzeit zu beobachten ist, hin zur freien Gesellschaft, in der sich jeder sein Geschlecht oder eben kein Geschlecht aussuchen darf und möchte ziemlich kritisch. Wohin soll das denn führen? Dass ich meine Vorgesetzten nicht mehr mit Frau Sowieso oder Herr Wasweißich ansprechen darf, weil diese Anrede ein Geschlecht definiert, mit dem sich die betreffende Person nicht identifizieren möchte? Dass meine Anrede in Formbriefen nicht mehr "Sehr geehrte Damen und Herren" heißen darf? Dass es ab sofort auch noch geschlechtsfreie Toiletten gibt? Eine eigene Sachen-Abteilung bei H&M?
Ja, wie absurd und abgehoben ist das denn bitte? Und wie widersinnig zu dem, was sich Mutter Natur vor unendlich langer Zeit überlegte! Unser Körper passt sich nun mal (in der Regel, Ausnahmen bestätigen diese ja wie allgemein bekannt sein dürfte) einer bestimmten Kategorie an, entwickelt sich zu einem geschlechtlich eindeutig definierbaren Individuum mit eindeutigen Eigenschaften wie Bartwuchs, Busen und tiefer Stimme. Das ist okay.
Dazu sollte man stehen.
Ich möchte manchmal vorsichtig nachfragen, ob der große Drang nach Freiheit, den so viele Menschen haben, an bestimmten Stellen nicht vielleicht irgendwie fehl am Platz ist.

So.
Was das in einem Babyblog zu suchen hat?
Nunja, ich gebe zu, meine Einleitung ist eigentlich länger als das, was ich eigentlich erzählen will. Aber was solls. Nur Wachstums-, Schrei-, und Essgeschichten langweilen auf Dauer.
Was ich eigentlich damit sagen wollte ist:
Ich weiß, ich habe mich damals echauffiert, dass es keine geschlechtslosen Babysachen gibt und man möglichst schon im 5. Schwangerschaftsmonat das Geschlecht des Ungeborenen kennen muss. Oberflächlich betrachtet scheint das ein Widerspruch zu oben bezogener Position zu sein. Ist es nicht. Bei Babys bis zu einem halben Jahr finde ich Geschlechtsneutralität, zumindest rein kleidungstechnisch, noch völlig vertretbar, zumal man bei einigen das Geschlecht wirklich nicht am Gesicht oder anderen Körpermerkmalen ablesen kann. Und wenn sich Eltern eben überraschen lassen wollen, dann sind geschlechtsneutrale Neugeborenensachen nicht zu viel verlangt.

Mittlerweile würde ich Marek aber keinen rosa Pulli mehr anziehen wollen. Ob er nun mit einer Puppe oder einem Auto spielt, ist mir zwar egal, weil, wie die Biologie uns lehrt, Interessen nicht (nur) genetisch oder geschlechtlich spezifisch sind, trotzdem finde ich, sollte man schon sehen, dass er ein Junge ist. Das ist sein Geschlecht, und dazu stehe ich und er sicherlich auch.
"Wir brauchen das Bewusstsein, dass wir Geschlechtswesen sind und dass wir sexuelle Wesen sind. Kinder müssen sich die Geschlechterrollen erarbeiten: Eine Vorstellung davon bekommen, was es für sie heißt, ein Mädchen oder Bub zu sein und wie sie mal sein wollen als Frau oder als Mann." 
(Cornelia Wustmann, Professorin für Frühkindpädagogik, in einem Interview auf diepresse.com)

Neulich gehe ich mit ihm spazieren. Marek hängt im Tragetuch vor meinem Bauch, knallroter Schneeanzug (ein Second-Hand-Anzug von Mareks Tante - gegen Sachenauftragen und Alternativen zum Kapitalismus hab ich nämlich nichts), dafür grau-blaue Mütze. Wir treffen eine Frau mittleren Alters, an der Hand ein kleines Kind, vielleicht sechs Jahre alt, Geschlecht... mmh. Anhand der Kleidung nicht definierbar, die Haare kurz geschoren, das Gesicht aber mädchenhaft rund und zart. Sie und ich wechseln ein paar Worte, über das Wetter, Tragetuch-Bindetechniken und schließlich über meinen Sohn. Wie alt es denn sei, das Kind? Und was es denn wäre, ein kleines Mädchen? Oder ein Junge?
Noch bevor ich ihr auf die letzte Frage eine Antwort geben kann, winkt sie lachend ab: "Ach, das ist ja auch völlig egal, nicht wahr? Ein Kind ist ein Kind, für sie spielt das Geschlecht doch noch gar keine Rolle!"
Ich weiß nicht so recht, was ich darauf antworten soll, also lächele ich einfach nur nett. Schon redet sie weiter: "Also ich finde ja, man sollte die Kinder nicht in irgendeine Rolle zwingen. Sie müssen unvoreingenommen beide Geschlechtertypen kennenlernen und sich später, wenn sie alt genug sind, für eins entscheiden. Oder eben nicht, heutzutage ist es ja schon möglich, kein Geschlecht zu haben... Stimmts, Cato?" Ich zucke die Achseln, sage "Das kann schon sein." und verabschiede mich schnell. Irgendwie tut mir das Kind ein bisschen Leid. Eine Weile denke ich noch über den Namen nach. Cato... Was soll das denn für ein Name sein? Zu Hause muss ich mich an den Rechner setzten und googlen. Und tatsächlich: Dies ist ein, seit kurzem in Deutschland zugelassener, geschlechtsneutraler Vorname.
Leute gibt's.

Listen.

Ich bin definitiv ein Listenmensch.
Ich glaube sogar, dass ich langsam süchtig danach bin, Listen zu schreiben, sie abzuarbeiten, mich mit ihnen zu umgeben, sie zu sammeln.
Einkaufs- und To-do-Listen sind ja noch die normalste Ausführungen meiner Sammlung, sowas hat ja jeder.
Ich führe außerdem noch eine Weihnachtsgeschenkeliste ganz hinten in meinem Kalender, die ich meistens schon im Januar beginne und über das Jahr ergänze, verbessere, ändere und Ende Oktober beginne, sie Stück für Stück abzuarbeiten. Hat sich bewährt.
Dann gibt es unter anderem noch
eine Bücher-Wunschliste,
eine Film-seh-Liste (mit Filmen, die ich unbedingt mal sehen will),
Lieblingsbuch- und Lieblingsfilm-Listen (in sämtlichen Kalendern und Notizbüchern und Hausaufgabenheften verteilt),
Geburtstagswunschlisten (beginnen im September des vorherigen Jahres) und Weihnachtswunschlisten (beginnen im Januar),
eine Postkarten-Liste (mit Adressen von Menschen, die es wert sind, dass ich ihnen aus allen Urlauben Postkarten schicke, mittlerweile sind es übrigens gut über 20),
Abi-Lern-Listen,
eine lustige/interessante/schöne-Wörter-Liste,
eine Lieblingsautoren-Liste,
Lieblingstitel-Listen (in meinem Mp3-Player)
und eine Schöne-Vornamen-Liste.

Ich besitze auch eine Liste mit den wichtigsten und häufigsten E-Stoffen (um zu wissen, wo tierische, gefährliche und Allergie-erregende Stoffe en masse zu finden sind, zum Beispiel in CocaCola und anderen Produkten der Company). Aber die ist aus einem Buch kopiert.
Und dann gibt es auch noch die Blog-Post-Liste, auf der ich sammele, über was ich gern mal schreiben würde oder was ich unbedingt posten muss. "Listen" stand übrigens auch drauf. Hab ich jetzt soeben gestrichen. Mission completed.

Sonntag, 23. Februar 2014

Wenn du doch nur schon reden könntest...

Für kurze Momente vergesse ich manchmal, dass Kinder zu haben etwas wunderbares, einzigartig fantastisch tolles ist. Dann finde ich das nämlich furchtbar anstrengend, nervig und laut.
Solche Momente sind selten, aber ja, natürlich gibt es sie auch. Wäre ja komisch, wenn nicht. Meistens beschleichen mich diese üblen Gefühle, wenn ich einfach nicht herausfinden kann, warum Marek so schlecht gelaunt ist. Wenn er jammernd und weinerlich in seinem Gitter nach mir ruft.
Zähne? Nee, keine Schwellung im Mund, nichts zu  fühlen und zu sehen.
Andere Wehwechen? Rein äußerlich kein Grund zur Sorge, Windel frisch, Nase frei.
Doch schon wieder hungrig? Versuche ich ihn anzulegen, windet sich der kleine Kerl wie ein Aal, dreht den Kopf weg von meiner Brust und brüllt. Also nicht.

Vielleicht ist dir einfach nur langweilig? Schau mal, dein Spielteppich im Wohnzimmer. Schon beim Hinlegen verzieht mein Sohn sein Gesicht, als hätte ich ihm Möhrensaft zu trinken gegeben (Igitt! Möhrensaft!). Schon gut. Ich binde ihn mit dem Tragetuch vor meinen Bauch und versuche, meinen Arbeiten so weiter nach zu gehen. Essen kochen. Klappt nicht. Ständig grapscht eine kleine Hand dazwischen. Da, bitte, da hast du einen Schneebesen. Platsch, schon liegt er auf dem Fußboden. Meine Laune sinkt, während ich mich ständig umständlich bücke, um sämtliche Haushaltsgegenstände vom Fußboden zu sammeln. Marek jammert.

Na schön, dann bist du wahrscheinlich schon wieder müde. Ich lasse das Essen Essen sein, stecke das Nervenbündel unter lautem Gebrüll in seine Sachen (die Mütze ist das Schlimmste, der Laut ähnelt dem Geräusch, was Katzen vorzugsweise Nachts machen, wenn sie sich streiten: kreischen!) und verfrachte es in den Kinderwagen. Aber Marek will und will sich nicht beruhigen. Ich versuche, ihn auf den Rücken zu legen: Gebrüll. Auf beiden Seiten das selbe Spiel. Im Minutentakt stecke ich den Schnuller zurück in seinen Mund. Nach drei Runden um das Feld und einmal quer über den Acker gebe ich es auf. Wir müssen ja nicht die Nachbarn verstören. Also wieder nach drinnen, ausziehen, nicht Spielteppich, nicht Gitter, nicht Decke auf dem Fußboden, nicht Babywippe, nicht Tragetuch...

Mein Vater, der Opa, sitzt mittlerweile am Küchentisch und liest die Zeitung. In mir kocht es.
"Wenn du heute etwas zum Mittag essen willst, dann nimm mir mal bitte ein paar Minuten deinen Enkel ab", sage ich etwas zu unfreundlich. Und dann sitzt der kleine Kerl vergnügt auf Opas Schoß und kaut auf der Baumarkt-Werbung. Kind! Wenn du doch nur schon reden könntest und mir sagen, was du willst!

Montag, 17. Februar 2014

Kreiseln.

Liebe Mamas, Papas, werdende und auch Noch nicht-Eltern!
Es gibt neben Ebay-Kleinanzeigen (wo man ganze Kinderzimmereinrichtungen geschenkt bekommen kann) und Kleiderkreisel (wo man nach und während der Bauchzeit seine Größe 34-Sachen verscherbeln kann, weil sie unter Garantie nie wieder passen werden) nun noch eine fantastische Seite mehr:


Ich bin mir sehr sehr sicher, dass ich in Zukunft unzählige Stunden vor meinem PC verbringen werde (sofern ich denn mal die Zeit dazu habe) um mich durch das Angebot zu scrollen.

Blöderweise.. habe ich bis jetzt nur negative Erfahrungen machen können. Was aber nicht heißen soll, dass ich die Seite nicht trotzdem toll finde! Das muss an der Stelle unbedingt betont werden.

Jedenfalls, das war so:
Es war eine Babywippe übrig. Wir haben nämlich nicht nur zwei Kinderwagen, zwei Babybetten und zwei Kindersitze für das Auto, wir hatten auch noch eine zweite große und schrecklich sperrige Wippe, die egal wo sie stand, immer im Weg war. Nunja. Ich habe sie also von allen Seiten fotografiert, die Ergebnisse auf oben genannter Seite hochgeladen und einen Fast-umsonst-Preis angegeben. Da Mamikreisel aber sowohl Gesamtdeutschland als auch Ösi-Land und die Schweiz bedient, verteilten sich die 14 (!) Interessenten auf sämtliche kleine Ortschaften in einem mindestens 600 km-Umkreis. Selbstabholung schlecht.
Die meisten Anfragen zog man zurück, als ich den Versandkostenpreis nannte - das riesige Ding maß 120x60 cm und wäre von dhl für 7 € befördert worden, was zur Hölle haben diese Menschen denn erwartet? 

Als ich dann endlich einen Preis ausgehandelt hatte, der zuzüglich Versand meine Preiserwartungen bei weitem nicht erfüllte (egal, wollte das Ding ja einfach nur loswerden), opferte ich zwei Stunden kostbarste Klausur-Lernzeit, um vier Pappkisten auseinander zu nehmen und sie irgendwie um die Wippe zu kleben. Möglichst so, dass alles mit Pappe bedeckt war. Das ganze kostete mich außerdem eineinhalb Rollen Paketklebeband.
Schließlich stapfte ich am folgenden Tag zur Deutschen Post, um dieses Paket auf den Weg zu schicken. Na, denkste. "Ihr Paket ist leider nicht stapelbar, wir müssten also 20 € Sperrgutzuschlag berechnen."
WIE BITTE? Soll das ein Witz sein? Auf meinem Konto waren 9 € für die Wippe eingegangen. Mit Versand. Und dieses Geld habe ich nur mit Müh und Not und süß-klebriger Überredungskunst einfordern können. Mir blieb nichts anderes übrig, als der Dame, die die Wippe gern gehabt hätte, die Wahrheit zu beichten, auf ihren Wunsch hin das Geld zurück zu überweisen und das blöde Ding zurück in seine Ecke zu stellen.



Glücklicherweise verkündete wenige Wochen später mein Musiklehrer freudestrahlend vor unserem ganzen Kurs, dass er im Mai erneut Papa werden würde. Welch wunderbare Ironie des Schicksals! Nach dem Unterricht flitzte ich an den Lehrertisch... und bin nun endlich das sperrige Teil los und hoffentlich um ein paar Sympathie-Punkte in der Musikprüfung reicher. Juhu.

Sonntag, 12. Januar 2014

Hallo? Frau Holle?

Hören Sie mich?
Ich möchte Sie nur hiermit freundlichst darauf hinweisen, dass wir mittlerweile den 12. Januar haben. Winter. Es wird zeitig dunkel und spät hell. Eigentlich sollte/n..
Es kalt draußen sein.
Eisiger Wind wehen.
Es ab und an leise ein paar Flöckchen rieseln.
Die dicken Pullis im Schrank ganz vorn liegen.
Man und Frau Schneemannbauen können.

Aber das Thermometer zeigt 8° C. Nix mit Schnee, blauer Himmel, Sonnenschein. Die Schneeglöckchen sprießen auf der Wiese, im Garten blüht ein Strauch!
Und alle Welt wundert sich...

Nicht dass es mich groß stören würde, im Gegenteil... Aber, wenn Sie ehrlich sind: ein bisschen Ordnung in die Sache bringen, wäre nicht schlecht, was? Oder brauchen Sie womöglich Hilfe? Ich bewerbe mich hiermit offiziell als Goldmarie - sicher macht das mehr Spaß als Abi.

Hochachtungsvoll,
das Fräulein







Montag, 6. Januar 2014

"Schrei vor Glück!"

Klingeling klingelt der Postbote.
"Hallo!"

"Guten Tag!"
"Bitte einmal hier...."
"Aaaaah!"


Voila, meine 85 $ Schuhe!

Donnerstag, 2. Januar 2014

"The same procedure as every year, James."

Jahresendbilanz.*

Ich bin
achtzehn, Abiturientin, Mutter, Verlobte des Herzensmenschen, Schwester, Tochter, Enkelin (und auch anderweitig mit Menschen verwandt, bekannt und noch nicht verschwägert), mehr oder weniger glücklich mit mir und meinen Leben (im Moment angesichts des fetten Hefters auf dem Tisch, der "lern mich auswendig!" schreit tendenziell eher weniger), jung und nicht mehr jugendfrei (oh Gott, ist das nicht aus einem Lied von Tokio Hotel? Schande über mein Haupt), viel zu vernünftig, schmutzig dunkelblond-rothaarig (ich müsste mal wieder färben, ich weiß), ordnungsfanatisch, Straight Edge, nicht mehr vegan, intelligent und chronisch müde.

Ich will
gut aussehen (man kann ja mal träumen), eine 1 vor dem Komma im Abi, weniger Stress, mehr Zeit für mich, viel Zeit mit meinem Kind, gesunde Haare, weniger mit dem Herzensmensch streiten (weil ich immer meinen Willen durchsetzen muss - ich sollte mir das Bleigießen-Gebüsch aus der Silvesternacht echt zu Herzen nehmen: "Respektieren Sie die Fähigkeiten anderer"), eine eigene Wohnung, ein Auto, eine Yacht (nee, das war Blödsinn), viele Gründe zum Lachen, "Lehrer werden in Sachsen" (und mich endlich entscheiden - Grundschule, Mittelschule, Sonderpädagoge?), mehr Schlaf.

2014 werde ich (wahrscheinlich)
mein Buch auf dem Buchmarkt etablieren (wenn der Verlagschef nicht mit meinem Geld Koks auf den Bahamas schnupft, wie mir scheint), ein Abi machen und danach mit sämtlichen Heftern eine Lagerfeuer-Party im Garten feiern, meinem Sohn beim wachsen zusehen, noch nicht heiraten.

Auf ein neues.
Es lebe der Kapitalismus, die BRD, der Klimawandel, die Boulevardpresse und McDonalds.
Amen.


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*geschrieben nicht am Tag der Veröffentlichung - für den, der es nicht so schnell erkannt hat.

Katze provoziert.

Wir haben eine Katze (genauer gesagt haben wir sogar zwei, eine Katze und ihren Bruder, aber das ist für folgendes eher unrelevant).
Unsere Katze ist mit Abstand die fetteste Katze, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Sie sieht in etwa so aus wie eine große schwarze Fellrolle auf vier Beinen, wiegt um die sechs Kilo (mindestens) und frisst den ganzen Tag. Wie investieren Unsummen in Diät-Futter und fettreduziertes Knabberzeug, aber Morle wächst und wächst und wächst - in die Breite.

Dazu kommt, dass sie sich auch noch benimmt wie Mariah Carey höchstpersönlich. Alle Katzen haben ihren eigenen Kopf. Morle würde einen Wettbewerb um die zickigste Katze mit den höchsten Ansprüchen sofort gewinnen. Unsere Katze möchte niemand gern zum Feind haben. Da reicht schon, ihren Nachmittags-Snack zu versäumen. Frau kann sich sicher sein, in nächster Zeit hochnäsig ignoriert zu werden. Was, du willst mich streicheln? Finger weg! Und wage es ja nicht, dich auch noch auf das Sofa setzen zu wollen.

In der Zeit um Weihnachten und Neujahr sitzt ständig Besuch im Wohnzimmer. Ständig ist das Haus voller Leute, die verköstigt und unterhalten werden wollen. Keine Zeit, um sich noch ausgiebig mit den Bedürfnissen einer übergewichtigen Hauskatze zu befassen. Die Strafe folgt auf den Fuß.
Dazu muss der Leser wissen, dass es unseren Katzen streng untersagt ist, auf sämtlichen Tischen zu sitzen. Das gehört sich einfach nicht.
Jedenfalls hatten wir also Besuch. Ich werde aus dem Wohnzimmer in die Küche geschickt, um neuen Kaffee aufzusetzen. Empört halte ich inne, als ich über die Schwelle getreten bin. Morle sitzt mitten auf dem Küchentisch. "Kusch", mache ich und wedele mit den Armen in der Luft herum, um sie zu vertreiben. Katze denkt gar nicht daran. Sie schert sich einen feuchten Kericht um mein Gewedel und sortiert ihre Speckröllchen sorgfältig auf der Wachstuchdecke.
Als ich mich erdreiste, sie eigenhändig zurück auf dem Boden zu befördern, werde ich fies gebissen. War ja klar. Fluchend verrichte ich mein Soll und kehre ins Wohnzimmer zurück.

Später möchte ich den fertigen Kaffee holen. Ich öffne die Küchentür und... Katze sitzt wieder auf dem Tisch. Mitten zwischen weißen Punkten auf orangenem Grund hockt das schwarze Ungetüm und wackelt provokativ mit dem Schwanz. Ich fasse es nicht.

Eine halbe Stunde, zehn Kratzer und zwanzig Bisse später hat sie was sie will: einen vollen Napf und Streicheleinheiten.
Mh... irgenwie haben wir in der Erziehung wohl was verkehrt gemacht.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Und ich schieb, schieb, schieb,...

...auf und nieder,
bin so stark, stark, stark
wie ein Tiger
und ich tu, tu, tu
das nicht weil ich es mag
und ich sag:

Kindchen, bitte, bitte SCHLAF!
lalalalala
Kindchen, bitte, bitte SCHLAF...

Und es brüllt, brüllt, brüllt
im Kinderwagen
und ich versuch, -such, -such
es zu ertragen
doch es ist laut, laut, laut
wie 'ne Sirene so laut
ohoho

Kindchen, bitte, bitte SCHLAF!


...