Freitag, 28. Februar 2014

Transgender.

Ja, eigentlich gehöre ich auch in die Kategorie Mensch, die diese "Typisch Mann-Typisch Frau"-Dinger ablehnt, eine Frauenquote in deutschen Führungsschichten durchaus für wichtig hält, Tagesvätern nicht misstrauisch oder gar ablehnend gegenüber steht und Frauen- oder Blondinen-Witze sexistisch findet. Ich finde auch die Schreibweise Kollegen/-innen oder Bäcker/innen voll in Ordnung, sollen sich ja alle damit angesprochen fühlen...
Aber an diese ganz neue Sternchen-Form á la "Blogger*innen" kann ich mich noch nicht gewöhnen. Auch Äußerungen, wie neulich in einer Vorlesung, im Stil "Ich fühle mich mit dem Sternchen angesprochen, weil ich mich keinem Geschlecht zuordnen möchte" kann ich nicht vollendet zustimmen. Natürlich sind Geschlecht und Geschlecht zweierlei Schuhe - und trotzdem: das biologische Geschlecht ist doch in der Regel eindeutig definiert, das kann man sich ja nun mal nicht aussuchen. Der ganze Körper in seiner physischen sowie psychischen Entwicklung richtet sich zu sehr großen Teilen nach dem Merkmal des Geschlechts - mit Hormonproduktion, Entwicklungsschüben, Stimmbruch, Haarwuchs,..
Darum sehe ich eine Entwicklung, wie sie derzeit zu beobachten ist, hin zur freien Gesellschaft, in der sich jeder sein Geschlecht oder eben kein Geschlecht aussuchen darf und möchte ziemlich kritisch. Wohin soll das denn führen? Dass ich meine Vorgesetzten nicht mehr mit Frau Sowieso oder Herr Wasweißich ansprechen darf, weil diese Anrede ein Geschlecht definiert, mit dem sich die betreffende Person nicht identifizieren möchte? Dass meine Anrede in Formbriefen nicht mehr "Sehr geehrte Damen und Herren" heißen darf? Dass es ab sofort auch noch geschlechtsfreie Toiletten gibt? Eine eigene Sachen-Abteilung bei H&M?
Ja, wie absurd und abgehoben ist das denn bitte? Und wie widersinnig zu dem, was sich Mutter Natur vor unendlich langer Zeit überlegte! Unser Körper passt sich nun mal (in der Regel, Ausnahmen bestätigen diese ja wie allgemein bekannt sein dürfte) einer bestimmten Kategorie an, entwickelt sich zu einem geschlechtlich eindeutig definierbaren Individuum mit eindeutigen Eigenschaften wie Bartwuchs, Busen und tiefer Stimme. Das ist okay.
Dazu sollte man stehen.
Ich möchte manchmal vorsichtig nachfragen, ob der große Drang nach Freiheit, den so viele Menschen haben, an bestimmten Stellen nicht vielleicht irgendwie fehl am Platz ist.

So.
Was das in einem Babyblog zu suchen hat?
Nunja, ich gebe zu, meine Einleitung ist eigentlich länger als das, was ich eigentlich erzählen will. Aber was solls. Nur Wachstums-, Schrei-, und Essgeschichten langweilen auf Dauer.
Was ich eigentlich damit sagen wollte ist:
Ich weiß, ich habe mich damals echauffiert, dass es keine geschlechtslosen Babysachen gibt und man möglichst schon im 5. Schwangerschaftsmonat das Geschlecht des Ungeborenen kennen muss. Oberflächlich betrachtet scheint das ein Widerspruch zu oben bezogener Position zu sein. Ist es nicht. Bei Babys bis zu einem halben Jahr finde ich Geschlechtsneutralität, zumindest rein kleidungstechnisch, noch völlig vertretbar, zumal man bei einigen das Geschlecht wirklich nicht am Gesicht oder anderen Körpermerkmalen ablesen kann. Und wenn sich Eltern eben überraschen lassen wollen, dann sind geschlechtsneutrale Neugeborenensachen nicht zu viel verlangt.

Mittlerweile würde ich Marek aber keinen rosa Pulli mehr anziehen wollen. Ob er nun mit einer Puppe oder einem Auto spielt, ist mir zwar egal, weil, wie die Biologie uns lehrt, Interessen nicht (nur) genetisch oder geschlechtlich spezifisch sind, trotzdem finde ich, sollte man schon sehen, dass er ein Junge ist. Das ist sein Geschlecht, und dazu stehe ich und er sicherlich auch.
"Wir brauchen das Bewusstsein, dass wir Geschlechtswesen sind und dass wir sexuelle Wesen sind. Kinder müssen sich die Geschlechterrollen erarbeiten: Eine Vorstellung davon bekommen, was es für sie heißt, ein Mädchen oder Bub zu sein und wie sie mal sein wollen als Frau oder als Mann." 
(Cornelia Wustmann, Professorin für Frühkindpädagogik, in einem Interview auf diepresse.com)

Neulich gehe ich mit ihm spazieren. Marek hängt im Tragetuch vor meinem Bauch, knallroter Schneeanzug (ein Second-Hand-Anzug von Mareks Tante - gegen Sachenauftragen und Alternativen zum Kapitalismus hab ich nämlich nichts), dafür grau-blaue Mütze. Wir treffen eine Frau mittleren Alters, an der Hand ein kleines Kind, vielleicht sechs Jahre alt, Geschlecht... mmh. Anhand der Kleidung nicht definierbar, die Haare kurz geschoren, das Gesicht aber mädchenhaft rund und zart. Sie und ich wechseln ein paar Worte, über das Wetter, Tragetuch-Bindetechniken und schließlich über meinen Sohn. Wie alt es denn sei, das Kind? Und was es denn wäre, ein kleines Mädchen? Oder ein Junge?
Noch bevor ich ihr auf die letzte Frage eine Antwort geben kann, winkt sie lachend ab: "Ach, das ist ja auch völlig egal, nicht wahr? Ein Kind ist ein Kind, für sie spielt das Geschlecht doch noch gar keine Rolle!"
Ich weiß nicht so recht, was ich darauf antworten soll, also lächele ich einfach nur nett. Schon redet sie weiter: "Also ich finde ja, man sollte die Kinder nicht in irgendeine Rolle zwingen. Sie müssen unvoreingenommen beide Geschlechtertypen kennenlernen und sich später, wenn sie alt genug sind, für eins entscheiden. Oder eben nicht, heutzutage ist es ja schon möglich, kein Geschlecht zu haben... Stimmts, Cato?" Ich zucke die Achseln, sage "Das kann schon sein." und verabschiede mich schnell. Irgendwie tut mir das Kind ein bisschen Leid. Eine Weile denke ich noch über den Namen nach. Cato... Was soll das denn für ein Name sein? Zu Hause muss ich mich an den Rechner setzten und googlen. Und tatsächlich: Dies ist ein, seit kurzem in Deutschland zugelassener, geschlechtsneutraler Vorname.
Leute gibt's.

Listen.

Ich bin definitiv ein Listenmensch.
Ich glaube sogar, dass ich langsam süchtig danach bin, Listen zu schreiben, sie abzuarbeiten, mich mit ihnen zu umgeben, sie zu sammeln.
Einkaufs- und To-do-Listen sind ja noch die normalste Ausführungen meiner Sammlung, sowas hat ja jeder.
Ich führe außerdem noch eine Weihnachtsgeschenkeliste ganz hinten in meinem Kalender, die ich meistens schon im Januar beginne und über das Jahr ergänze, verbessere, ändere und Ende Oktober beginne, sie Stück für Stück abzuarbeiten. Hat sich bewährt.
Dann gibt es unter anderem noch
eine Bücher-Wunschliste,
eine Film-seh-Liste (mit Filmen, die ich unbedingt mal sehen will),
Lieblingsbuch- und Lieblingsfilm-Listen (in sämtlichen Kalendern und Notizbüchern und Hausaufgabenheften verteilt),
Geburtstagswunschlisten (beginnen im September des vorherigen Jahres) und Weihnachtswunschlisten (beginnen im Januar),
eine Postkarten-Liste (mit Adressen von Menschen, die es wert sind, dass ich ihnen aus allen Urlauben Postkarten schicke, mittlerweile sind es übrigens gut über 20),
Abi-Lern-Listen,
eine lustige/interessante/schöne-Wörter-Liste,
eine Lieblingsautoren-Liste,
Lieblingstitel-Listen (in meinem Mp3-Player)
und eine Schöne-Vornamen-Liste.

Ich besitze auch eine Liste mit den wichtigsten und häufigsten E-Stoffen (um zu wissen, wo tierische, gefährliche und Allergie-erregende Stoffe en masse zu finden sind, zum Beispiel in CocaCola und anderen Produkten der Company). Aber die ist aus einem Buch kopiert.
Und dann gibt es auch noch die Blog-Post-Liste, auf der ich sammele, über was ich gern mal schreiben würde oder was ich unbedingt posten muss. "Listen" stand übrigens auch drauf. Hab ich jetzt soeben gestrichen. Mission completed.

Sonntag, 23. Februar 2014

Wenn du doch nur schon reden könntest...

Für kurze Momente vergesse ich manchmal, dass Kinder zu haben etwas wunderbares, einzigartig fantastisch tolles ist. Dann finde ich das nämlich furchtbar anstrengend, nervig und laut.
Solche Momente sind selten, aber ja, natürlich gibt es sie auch. Wäre ja komisch, wenn nicht. Meistens beschleichen mich diese üblen Gefühle, wenn ich einfach nicht herausfinden kann, warum Marek so schlecht gelaunt ist. Wenn er jammernd und weinerlich in seinem Gitter nach mir ruft.
Zähne? Nee, keine Schwellung im Mund, nichts zu  fühlen und zu sehen.
Andere Wehwechen? Rein äußerlich kein Grund zur Sorge, Windel frisch, Nase frei.
Doch schon wieder hungrig? Versuche ich ihn anzulegen, windet sich der kleine Kerl wie ein Aal, dreht den Kopf weg von meiner Brust und brüllt. Also nicht.

Vielleicht ist dir einfach nur langweilig? Schau mal, dein Spielteppich im Wohnzimmer. Schon beim Hinlegen verzieht mein Sohn sein Gesicht, als hätte ich ihm Möhrensaft zu trinken gegeben (Igitt! Möhrensaft!). Schon gut. Ich binde ihn mit dem Tragetuch vor meinen Bauch und versuche, meinen Arbeiten so weiter nach zu gehen. Essen kochen. Klappt nicht. Ständig grapscht eine kleine Hand dazwischen. Da, bitte, da hast du einen Schneebesen. Platsch, schon liegt er auf dem Fußboden. Meine Laune sinkt, während ich mich ständig umständlich bücke, um sämtliche Haushaltsgegenstände vom Fußboden zu sammeln. Marek jammert.

Na schön, dann bist du wahrscheinlich schon wieder müde. Ich lasse das Essen Essen sein, stecke das Nervenbündel unter lautem Gebrüll in seine Sachen (die Mütze ist das Schlimmste, der Laut ähnelt dem Geräusch, was Katzen vorzugsweise Nachts machen, wenn sie sich streiten: kreischen!) und verfrachte es in den Kinderwagen. Aber Marek will und will sich nicht beruhigen. Ich versuche, ihn auf den Rücken zu legen: Gebrüll. Auf beiden Seiten das selbe Spiel. Im Minutentakt stecke ich den Schnuller zurück in seinen Mund. Nach drei Runden um das Feld und einmal quer über den Acker gebe ich es auf. Wir müssen ja nicht die Nachbarn verstören. Also wieder nach drinnen, ausziehen, nicht Spielteppich, nicht Gitter, nicht Decke auf dem Fußboden, nicht Babywippe, nicht Tragetuch...

Mein Vater, der Opa, sitzt mittlerweile am Küchentisch und liest die Zeitung. In mir kocht es.
"Wenn du heute etwas zum Mittag essen willst, dann nimm mir mal bitte ein paar Minuten deinen Enkel ab", sage ich etwas zu unfreundlich. Und dann sitzt der kleine Kerl vergnügt auf Opas Schoß und kaut auf der Baumarkt-Werbung. Kind! Wenn du doch nur schon reden könntest und mir sagen, was du willst!

Montag, 17. Februar 2014

Kreiseln.

Liebe Mamas, Papas, werdende und auch Noch nicht-Eltern!
Es gibt neben Ebay-Kleinanzeigen (wo man ganze Kinderzimmereinrichtungen geschenkt bekommen kann) und Kleiderkreisel (wo man nach und während der Bauchzeit seine Größe 34-Sachen verscherbeln kann, weil sie unter Garantie nie wieder passen werden) nun noch eine fantastische Seite mehr:


Ich bin mir sehr sehr sicher, dass ich in Zukunft unzählige Stunden vor meinem PC verbringen werde (sofern ich denn mal die Zeit dazu habe) um mich durch das Angebot zu scrollen.

Blöderweise.. habe ich bis jetzt nur negative Erfahrungen machen können. Was aber nicht heißen soll, dass ich die Seite nicht trotzdem toll finde! Das muss an der Stelle unbedingt betont werden.

Jedenfalls, das war so:
Es war eine Babywippe übrig. Wir haben nämlich nicht nur zwei Kinderwagen, zwei Babybetten und zwei Kindersitze für das Auto, wir hatten auch noch eine zweite große und schrecklich sperrige Wippe, die egal wo sie stand, immer im Weg war. Nunja. Ich habe sie also von allen Seiten fotografiert, die Ergebnisse auf oben genannter Seite hochgeladen und einen Fast-umsonst-Preis angegeben. Da Mamikreisel aber sowohl Gesamtdeutschland als auch Ösi-Land und die Schweiz bedient, verteilten sich die 14 (!) Interessenten auf sämtliche kleine Ortschaften in einem mindestens 600 km-Umkreis. Selbstabholung schlecht.
Die meisten Anfragen zog man zurück, als ich den Versandkostenpreis nannte - das riesige Ding maß 120x60 cm und wäre von dhl für 7 € befördert worden, was zur Hölle haben diese Menschen denn erwartet? 

Als ich dann endlich einen Preis ausgehandelt hatte, der zuzüglich Versand meine Preiserwartungen bei weitem nicht erfüllte (egal, wollte das Ding ja einfach nur loswerden), opferte ich zwei Stunden kostbarste Klausur-Lernzeit, um vier Pappkisten auseinander zu nehmen und sie irgendwie um die Wippe zu kleben. Möglichst so, dass alles mit Pappe bedeckt war. Das ganze kostete mich außerdem eineinhalb Rollen Paketklebeband.
Schließlich stapfte ich am folgenden Tag zur Deutschen Post, um dieses Paket auf den Weg zu schicken. Na, denkste. "Ihr Paket ist leider nicht stapelbar, wir müssten also 20 € Sperrgutzuschlag berechnen."
WIE BITTE? Soll das ein Witz sein? Auf meinem Konto waren 9 € für die Wippe eingegangen. Mit Versand. Und dieses Geld habe ich nur mit Müh und Not und süß-klebriger Überredungskunst einfordern können. Mir blieb nichts anderes übrig, als der Dame, die die Wippe gern gehabt hätte, die Wahrheit zu beichten, auf ihren Wunsch hin das Geld zurück zu überweisen und das blöde Ding zurück in seine Ecke zu stellen.



Glücklicherweise verkündete wenige Wochen später mein Musiklehrer freudestrahlend vor unserem ganzen Kurs, dass er im Mai erneut Papa werden würde. Welch wunderbare Ironie des Schicksals! Nach dem Unterricht flitzte ich an den Lehrertisch... und bin nun endlich das sperrige Teil los und hoffentlich um ein paar Sympathie-Punkte in der Musikprüfung reicher. Juhu.