Donnerstag, 2. Januar 2014

"The same procedure as every year, James."

Jahresendbilanz.*

Ich bin
achtzehn, Abiturientin, Mutter, Verlobte des Herzensmenschen, Schwester, Tochter, Enkelin (und auch anderweitig mit Menschen verwandt, bekannt und noch nicht verschwägert), mehr oder weniger glücklich mit mir und meinen Leben (im Moment angesichts des fetten Hefters auf dem Tisch, der "lern mich auswendig!" schreit tendenziell eher weniger), jung und nicht mehr jugendfrei (oh Gott, ist das nicht aus einem Lied von Tokio Hotel? Schande über mein Haupt), viel zu vernünftig, schmutzig dunkelblond-rothaarig (ich müsste mal wieder färben, ich weiß), ordnungsfanatisch, Straight Edge, nicht mehr vegan, intelligent und chronisch müde.

Ich will
gut aussehen (man kann ja mal träumen), eine 1 vor dem Komma im Abi, weniger Stress, mehr Zeit für mich, viel Zeit mit meinem Kind, gesunde Haare, weniger mit dem Herzensmensch streiten (weil ich immer meinen Willen durchsetzen muss - ich sollte mir das Bleigießen-Gebüsch aus der Silvesternacht echt zu Herzen nehmen: "Respektieren Sie die Fähigkeiten anderer"), eine eigene Wohnung, ein Auto, eine Yacht (nee, das war Blödsinn), viele Gründe zum Lachen, "Lehrer werden in Sachsen" (und mich endlich entscheiden - Grundschule, Mittelschule, Sonderpädagoge?), mehr Schlaf.

2014 werde ich (wahrscheinlich)
mein Buch auf dem Buchmarkt etablieren (wenn der Verlagschef nicht mit meinem Geld Koks auf den Bahamas schnupft, wie mir scheint), ein Abi machen und danach mit sämtlichen Heftern eine Lagerfeuer-Party im Garten feiern, meinem Sohn beim wachsen zusehen, noch nicht heiraten.

Auf ein neues.
Es lebe der Kapitalismus, die BRD, der Klimawandel, die Boulevardpresse und McDonalds.
Amen.


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*geschrieben nicht am Tag der Veröffentlichung - für den, der es nicht so schnell erkannt hat.

Katze provoziert.

Wir haben eine Katze (genauer gesagt haben wir sogar zwei, eine Katze und ihren Bruder, aber das ist für folgendes eher unrelevant).
Unsere Katze ist mit Abstand die fetteste Katze, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Sie sieht in etwa so aus wie eine große schwarze Fellrolle auf vier Beinen, wiegt um die sechs Kilo (mindestens) und frisst den ganzen Tag. Wie investieren Unsummen in Diät-Futter und fettreduziertes Knabberzeug, aber Morle wächst und wächst und wächst - in die Breite.

Dazu kommt, dass sie sich auch noch benimmt wie Mariah Carey höchstpersönlich. Alle Katzen haben ihren eigenen Kopf. Morle würde einen Wettbewerb um die zickigste Katze mit den höchsten Ansprüchen sofort gewinnen. Unsere Katze möchte niemand gern zum Feind haben. Da reicht schon, ihren Nachmittags-Snack zu versäumen. Frau kann sich sicher sein, in nächster Zeit hochnäsig ignoriert zu werden. Was, du willst mich streicheln? Finger weg! Und wage es ja nicht, dich auch noch auf das Sofa setzen zu wollen.

In der Zeit um Weihnachten und Neujahr sitzt ständig Besuch im Wohnzimmer. Ständig ist das Haus voller Leute, die verköstigt und unterhalten werden wollen. Keine Zeit, um sich noch ausgiebig mit den Bedürfnissen einer übergewichtigen Hauskatze zu befassen. Die Strafe folgt auf den Fuß.
Dazu muss der Leser wissen, dass es unseren Katzen streng untersagt ist, auf sämtlichen Tischen zu sitzen. Das gehört sich einfach nicht.
Jedenfalls hatten wir also Besuch. Ich werde aus dem Wohnzimmer in die Küche geschickt, um neuen Kaffee aufzusetzen. Empört halte ich inne, als ich über die Schwelle getreten bin. Morle sitzt mitten auf dem Küchentisch. "Kusch", mache ich und wedele mit den Armen in der Luft herum, um sie zu vertreiben. Katze denkt gar nicht daran. Sie schert sich einen feuchten Kericht um mein Gewedel und sortiert ihre Speckröllchen sorgfältig auf der Wachstuchdecke.
Als ich mich erdreiste, sie eigenhändig zurück auf dem Boden zu befördern, werde ich fies gebissen. War ja klar. Fluchend verrichte ich mein Soll und kehre ins Wohnzimmer zurück.

Später möchte ich den fertigen Kaffee holen. Ich öffne die Küchentür und... Katze sitzt wieder auf dem Tisch. Mitten zwischen weißen Punkten auf orangenem Grund hockt das schwarze Ungetüm und wackelt provokativ mit dem Schwanz. Ich fasse es nicht.

Eine halbe Stunde, zehn Kratzer und zwanzig Bisse später hat sie was sie will: einen vollen Napf und Streicheleinheiten.
Mh... irgenwie haben wir in der Erziehung wohl was verkehrt gemacht.