Freitag, 21. März 2014

Ein Löwenzahn!

Die letzte Woche meiner vorletzten Ferien überhaupt (in meiner 12jährigen Schulzeit) war die zähste und anstrengendste Woche jeglicher Ferien meiner 12jährigen Schulzeit.
(Was'n Satz.)

Jedes Kind ist irgendwann mal krank. Klar. Und dass wir dem nicht aus dem Weg gehen können, ist mir auch zu jedem Zeitpunkt klar gewesen. Aber dass mit Brüllan, dem Nerventod irgendwas nicht stimmen konnte, nachdem er uns nächte- und tagelang terrorisiert hatte, auf den Gedanken kam ich natürlich nicht.
"Miss doch mal Fieber", sagte der Herzensmensch. Nee, dachte ich. Das werden die Zähne sein. Ich meine, naja, mit sieben Monaten kann das schon sein, oder? Mir schien, ich hätte da auch etwas im tollen Baby-Entwicklungsbuch darüber gelesen. Die zweite Möglichkeit könnte auch ein Entwicklungsschub sein. Lernt Marek sich jetzt endlich doch mal auf den Bauch zu drehen, wie alle anderen Kinder seines Alters?
Ich beschloss, die permanente Quengelei in freudiger Erwartungshaltung und mit stoischer Ruhe zu ertragen.

Aber es wollte einfach nicht aufhören. Nach einer Weile zückte ich dann doch das Thermometer. Ich Rabenmutter, Elende! Mein Kind hatte vergleichsweise hohes Fieber.
Kinderarzt.
Fieberzäpfchen. Ruhe. Viel Liebe.

Und jeden Tag fingerte ich dem armen Jungen im Mund herum. Wo bleiben denn nun die Zähne? Irgendwann hatte ich mal jemanden sagen hören, dass Kinder beim Zahnen sehr oft fiebern. Na also. Da mit Marek auch scheinbar sonst alles in Ordnung war (bis auf das Fieber und die ständige, krankheitsbedingte Quengelkasperei) musste es einfach so sein!
Nach drei Tagen hatten wir so ziemlich alles ausgestanden, was Eltern eben so ausstehen müssen: schlaflose Nächte, stressige Tage, Kind ständig herumtragen, ständig stillen, ständiges Gejammer, brüllendes Kind im Kinderwagen,... und alles weitere, was man sich nie wünscht und trotzdem bekommt. Mit übernächtig kleinen Augen registrierte ich am Morgen danach, dass das Fieber über Nacht auf Normaltemperatur gesunken war. Na bitte. Und jetzt ein Zahn...? Ach, denkste. Dafür pickeliger Ausschlag an Mareks Po. Im Buch über Kinderkrankheiten fand ich schließlich das "Drei-Tage-Fieber", eine häufige Kleinkinder-Krankheit, das sich meistens erst hinterher mit Ausschlag am ganzen Körper als solches entpuppt.

Eine Woche später.
Das Fieber ist mittlerweile vergessen, nennenswerte Entwicklungsfortschritte sind trotzdem nicht aufgetreten. Marek kann sich auf den Bauch drehen. Wenn er will (aber es ist bequemer, so lange zu quengeln, bis ihm jemand dabei hilft). Wir sitzen am Frühstückstisch, Marek auf meinem Schoß. Er kaut auf einem Stück Brötchen. Plötzlich verschluckt er sich, hustet, würgt. Beherzt greife ich in den kleinen Mund, um zermatschte Brötchenteile aus der Gefahrenzone zu befördern. Da stoßen meine Finger an eine kleine harte Ecke am Unterkiefer.
Ich fasse es nicht.
Ein Löwenzahn!

Mittlerweile habe ich auch noch einmal im Entwicklungsbuch nachgelesen. Da steht:
Zahnen und Fieber haben nichts miteinander zu tun. Das Wachstum der Zähne hat keinen Einfluss auf die Körpertemperatur. Jedoch treten fieberhafte Infekte und das Zahnen oft in kurzen Abständen oder gemeinsam auf.

Wie auch immer. Marek hat jedenfalls den nächsten großen Schritt weg vom Baby-sein geschafft.
Schade, eigentlich.