Mittwoch, 2. April 2014

Krabbeltierchen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in meinem ganzen langen Leben noch nie eine Laus gesehen habe. Bis gestern.
Meine Schwester wedelt mir mit ihrem Hausaufgabenheft unter der Nase herum. Ich überfliege die kurze Notiz. Aha, Läuse in der Schule. Die Nachbarskinder hätten sie auch schon. Na dann zeig mal her deinen Kopf. Ich kämme mit dem Läusekamm ein bisschen in den blonden Locken herum.
Da. Da flitzt was!
Mit der Lupe betrachten wir das winzige Wesen auf meiner Fingerkuppe. Ist das eine Laus? Irgendwie habe ich mir die immer anders vorgestellt. Größer. Dicker. Wie kleine Käfer, eher wie Zecken, nicht wie Obstfliegen.

Es nützt nichts. Wir müssen alle durch. Wie die Affen nesteln wir uns gegenseitig auf den Köpfen herum. Finden nichts, natürlich. Aber auf einmal juckt es. Überall. Nicht nur auf dem Kopf. Wir kratzen uns alle. Und beschließen, viel Geld in Läuse-Shampoo zu investieren. Und in Haarfarbe.

Eigentlich mag ich Tiere. Jeder Art. Und der Gedanke, die armen kleinen Tiere mit Wasserstoffperoxid-Blond und orange-roter Chemie zu vergiften behagt mir nicht. Andererseits ist die Vorstellung, eine Krabbeltierchen-Kolonie auf meinem Kopf zu beherbergen, die mir so langsam das Blut aus der Kopfhaut saugt auch nicht wirklich angenehm. Und so behandele ich meine Haare mit der am meisten nicht-bio, nicht-tierversuchsfreier, schadstoffhaltigen Coloration, die der Drogeriemarkt vorrätig hat. Gelobt sei, was hart macht.

Nachdem wir nun auch sämtliche Betten neu bezogen, Kuscheltiere, Mützen und Jacken gewaschen und alles mit Desinfektionsspray behandeln haben können wir davon ausgehen, dass sich so schnell kein Krabbeltierchen mehr zu uns verirrt.
Heute morgen habe ich einen toten Marienkäfer auf dem Badezimmer-Fensterbrett gefunden.