Montag, 30. März 2015

Lied des Tages.



Wir sitzen und
schwere Beats drücken uns tief in die Polster und
da macht die Zeit diesen Sprung
dieses Rasen durch die Dimensionen, Sekunden
in Lichtgeschwindigkeit,
kurz flackert eine Lampe und
es ist als würde die Welt
für einen kurzen Moment 
die Luft anhalten, ausatmen und
der Funkwecker beginnt sich zu drehen und
ich denke Jetzt wird Marek schon wach sein und
seine Flasche Milch trinken und
da greife ich zu der Flasche Pina Colada,
kurz flackert eine Lampe und
es ist als würde die Welt
für einen kurzen Moment
die Luft anhalten, ausatmen und
schwere Beats drücken uns tief in die Polster.

Mittwoch, 25. März 2015

"Ich bau dir ein Schloss, so wie im Märchen..."

Für eine Residenz werden benötigt:
  • ausreichend großer Karton
  • weiße Wandfarben-Reste (für die Grundierung)
  • Wasserfarben und Pinsel
  • ein Teppich-Rest
  • Kieselsteine und Heißklebepistole
  • Bilder, Holzblumen, ...
  • ganz viel Fantasie















Dienstag, 24. März 2015

Achja, übrigens...


Weihnachtsbaum goes Osterstrauch
und die Zeit
die Zeit
überholt rechts,
ich hupe,
aber anhalten
anhalten wird sie nicht.

Freitag, 20. März 2015

"...Er arbeitete als Architekt und Lebemann".

Wieder Oberschule.
Wieder Freitag.
Wieder morgens, wieder müde.
Wieder ein harter Stuhl und monotones Gebrüll in meinen Ohren.
Prüfungsvorbereitung, Klasse 10. (Ja, Gebrüll.)
"Bei welcher Aufgabe bist'n du?", von hinten links nach vorne rechts kommuniziert.

An meinen Augenliedern hängen Tischtuch-Beschwerer-Clips und machen das wach bleiben unerträglich. Ich habe hier auch nichts zu tun, keine Schreibaufgaben, keine Hilfestellung, keine Interaktion. Arbeitsauftrag: Lehrerverhalten beobachten. Wie hätte ich in den Situationen...?
Wäre wohl gegangen.
Jetzt.
Der Lehrer sitzt über Korrekturen gebeugt, ich hänge mehr auf dem Stuhl, als dass ich sitze. Das Klassenzimmer verschwimmt vor mir zu einer wabernden Murmel-Masse an Köpfen. Gemurmel. Ich versinke in die Zwischenwelt, zwischen Traum und Wirklichkeit, ein Wattebausch-Zustand, konzentrationslos, losgelöst, weit weg.

Mein Bein zuckt. Erschrocken setze ich mich gerade. Fast eingeschlafen. Hoffentlich hats keiner...
Gemurmel, Gelächter, Gewühl und fliegende Blätter. Nein. Gut. Zentnerschwere Augen. Tickende, zwickende Schläfen. Trockener Mund. Torkelnde Gedanken.
Muss mich zurückholen in die Realität.

"Eh, Jungs, denkt ihr, in der Prüfung ist auch Partnerarbeit gefragt, oder was?". Verzweifelter Versuch, die Müdigkeit durch Interaktion zu bekämpfen. Unterdrücke gerade noch ein unverschämt offenes Gähnen, als die Angesprochenen sich mit Unschuldsmiene zu mir drehen und Besserung geloben. Wieder Gemurmel. Meine Gedanken gleiten ab, mein Blick zwischen den Stühlen und Köpfen hin und her ohne etwas fassen zu können und mein Körper auf dem Stuhl nach unten.
Wenn nicht die Augen so schwer... Zuck, zuckt mein Arm. Verdammt.

Die Uhr verschwimmt vor meinen Augen. Arbeitszeit, immernoch. Zu viel Zeit. Das Gesumm der 26 Stimmen hüllt mich ein, ist ein warmes Kopfkissen, macht träge. Die Luft ist mit Fingern zu greifen, 28 Lungen atmen Müdigkeit, atmen Wärme, atmen. Gleichmäßig wie die Bewegungen des Füllers über das Papier. Ich beobachte ohne bewusst zu sehen, bis das Bild verschwimmt, dunkel wird. Vor meinem inneren Auge aber immer und immer wieder die Bewegungen des Füllers, in Endlosschleife...

"So. Ihr Lieben..." Aufsetzen. Blinzeln.
Immer noch Oberschule.
Immer noch Freitag.

Mittwoch, 18. März 2015

Oberschule, Part II.

Der Lehrer fragt fröhlich in die Runde: "...und dann gab es da noch diese Kunsthochschule, wie hieß die?".
Keine Meldungen. Der aufgeforderte Schüler überlegt laut: "Äh... Brauhaus?!".


Schüler liest die Überschrift seiner Powerpoint-Präsentation laut vor (weil wir ja alle nicht lesen können): "Der Mensch und seine natürliche Umwelt" und versucht noch einmal zu erläutern: "Also... der Mensch ist von seiner natürlichen Umwelt umgeben... und... von Natur."


Lösungsvorschlag einer Schülerin gegen sämtliche innerstaatlichen Probleme: "Man setzt ein neues Gesetz in Kraft, wo alles aufhört, Gesetz zu sein."


Biotest, Klasse 6: "Nenne einen Einzeller."- Antwort: "Kartoffeltierchen".


Fortsetzung folgt, mit Sicherheit.

Montag, 16. März 2015

Lied des Tages.




"Wie gehts'n dir?"
schreibt mir der kleine, kräftige Junge 
mit der Zahnlücke
und der blauen, viel zu großen Zuckertüte
auf Facebook gerade,
als ich dieses Lied probehöre.
Danke dafür.


(M)ein Herz für Sukkulenten, Zwei.


Donnerstag, 12. März 2015

Kapital wanted.

"Sehen sie, in unserer Demokratie haben die beiden Parteien riesige Meinungsunterschiede, dennoch lassen sie sich nicht dazu herab, einander zu entführen und zu ermorden."
- "Vielleicht weil ihre Unterschiede gar nicht so groß sind? Weil sie zwei Seiten der gleichen Münze sind. Weil sie nicht mit Leidenschaft an ihre Sache glauben. In meiner Welt spielen wir nicht für einen einfachen kosmetischen Wandel der Regierung, wir kämpfen für die Zukunft! Für das Leben! Gegen den Tod."


"Ich muss zugeben, dass, auch wenn ich ihre politischen Schlüsse verdammenswert und aufrührerisch finde, vieles von dem was sie sagen aufgrund der Kraft seiner Logik und Deduktion nicht widerlegt werden kann."
- "Ah, ja."
"Aber… [lacht] Sie begehen einen gewaltigen, unverzeihlichen Fehler."
- "Nur einen? Welchen?"
"Wenn sie schreiben: Religion ist das Opium des Volkes. Eine schreckliche Metapher, ein ganz und gar negativer, unfairer und sensationslüsterner Vergleich."
- "Sie meinen also, ich irre mich?"
"Über Religion keineswegs. Aber sie haben nie Opium probiert."

"„Das wichtigste Buch der Weltgeschichte“ ist verschwunden! Während Stardetektiv Sherlock Holmes auf Opium in seiner Wohnung über die Schriften Schopenhauers philosophiert, klopft es plötzlich an der Tür: Karl Marx steht dort und bittet Holmes darum, seinen entführten Sprössling, ein 700 Seiten dickes Manuskript, wiederzufinden – guess what? Das Kapital. Das Hörspiel ist der perfekte Krimi für alle, die schon immer wissen wollten, wieso Anarchist_innen keinen Mitgliedsausweis brauchen, warum sich Bakunin und Marx, der alte „Kraut“, nicht leiden konnten, was das British Empire gegen die Revolution hat und warum Sherlok Holmes eigentlich kein Kommunist geworden ist." (straßenauszucker)

 

Mittwoch, 11. März 2015

Spielplatz.

Die Sonne scheint, es riecht nach Frühling, der Spielplatz ist voll. Die Elternschaft sammelt sich zum Zwecke der Nachwuchspräsentation und tut dabei so, als gäbe es nichts befriedigenderes als diesem beim Steinchen schmeißen zuzusehen (nein, unser Spielplatz hat keinen Sand).

Ich scanne die Lage aus den Augenwinkeln, während ich versuche, das Bobbycar mit Kind elegant schwungvoll zum Eingang zu manövrieren. Marek lenkt fleißig gegen.
Am Mülleimer stehen Finn-Luca-Mama und Jeremy-Joel-Mama und rauchen, während die eine in theatralischen Gesten ihre letzte Schicht darbietet. Die andere zupft sich den pinken Bench-Kragen zurecht und zwitschert: "Tscheremie, nischt mit de Schaufel hauen, wa Tscheremie?"

In ihrer Nähe spielt die Krippengruppe, alles zarte Mädchen in Mareks Alter. Ihre Mütter und ein Vater haben sich schützend drum herum postiert und glucken eifrig über das nächste Spielplatz-Sommerfest. Mein Sohn springt wie elektrisiert von seinem Rutscheauto. Völlig hin und weg von so viel zarter Weiblichkeit fegt er in den trauten Kreis und umarmt etwas zu stürmisch seine Lieblingsfreundin, eine rosa Jacke mit Teddyohren. Herzzerreißendes Gebrüll.
"Äh, hallo...", begrüße ich die Krippeneltern, bevor ich mein Kind an der Kapuze von dem armen Mädchen pflücke. Strafender Blick meinerseits. Mein Kind grinst, weil es weiß, dass Mama in der Öffentlichkeit nicht gern laut schimpft und verschwindet zum Spielhäusschen. Entschuldigend und verlegen lächle ich in die Runde. Niemand lächelt zurück.

Aus Richtung Spielhäusschen wütender Protest. Ich drehe mich um. Marek hat eine etwa Dreijährige um ihre Schaufel erleichtert. Mit zwei Sätzen bin ich am Ort des Geschehens und greife mir meinen Sohn am Arm. Ich will gerade schimpfen, als ich die Mutter des Mädchens wahrnehme, die ihrerseits vor ihrem Kind kniet: "Also Esme-Carina, du kannst doch auch mal teilen. Du hast die Schaufel doch immer. Der Junge will auch mal damit spielen."
Mir scheint, Marek ist das einzige Kind ohne doppelten Vornamen auf dem Platz.
Ich setze zu pädagogischen Maßnahmen an: "Marek, gib doch der Esme..."
- "Esma-Carina.", unterbricht mich die Mutter.
"Marek gibt doch bitte der Carina..."
-"Esme-Carina!"
"Marek gib bitte dem Mädchen seine Schaufel zurück!" - "Meine!", sagt Marek.
"Ach, lassen sie nur!", mischt sich Esme-Carina-Mama nun ein und strahlt mich gespielt fröhlich an, "Sie muss auch teilen lernen, sie hat ja keine Geschwister und geht noch nicht in die Kita..."

Während Esme-Carina und Marek nun einträchtig nebeneinander einen Eimer mit Steinchen befüllen, eröffnet mir ihre Mutter die Lebens- und hauptsächlich Erfolgsgeschichte der Familie. Zwischendrin werfe ich ab und zu mal ein "Ach?" und "Tatsächlich!" ein, bin aber in Wahrheit viel zu sehr damit beschäftigt, die spontanen Ideen meines Kindes im Voraus zu erkennen und gegebenenfalls verhindern zu können.
"Da haben wir uns hier also dieses sensationelle Grundstück gekauft...", erzählt die Frau gerade, als Marek ihre Tochter auf den Hosenboden schubbst. "Nanana!", drohe ich mit den Zeigefinger und mühe mich um einen bösen Blick. Die Frau redet einfach weiter: "...mit sensationellem Panorama und Sonnenaufgang im Schlafzimmer, das war ja immer so ein Traum von mir...".
Da haut Marek mit der Schaufel zu. Entschlossen gehe ich dazwischen, entwinde sie ihm und sage laut "Ohweia! Neinnein!". Esme-Carina schluchzt theatralisch auf.
"....und 450 m² Gartenfläche, das ist für Esme-Carina ja schön zum spielen - schsch mein Engel, nicht weinen - mein Mann hat extra für sie...."

Jetzt verliert mein Kind wohl das Interesse am schaufeln. Dreht sich einmal um die eigene Achse und spurtet hinter den Rutschturm. Aus meinem Blickfeld.
"...so ein Pool kostet natürlich auch was, aber wir dachten für unseren Schatz ist uns nichts..."
"MAMA!", schreit Finn-Luca, "der hat meinen Bagger weggenehmt!"
Kann mir schon vorstellen, wer der war. "Ich muss mal eben...", versuche ich den Redeschwall von Esme-Carina-Mama zu unterbrechen und sprinte um den Rutschturm. Verärgert darüber, mir sonst nicht mehr detailliert die große Terrasse mit seltenen Rosenholzgewächsen beschreiben zu können, stapft sie mir hinterdrein.

Ich treffe auf mein Kind und den Bagger neben der Schaukel. Finn-Luca steht daneben, die Hände in die Hüften gestemmt, funkelt mich böse an und schreit nach seiner Mama. Aber die hat es sich mit ihrem Smartphone mittlerweile auf einer Bank in der Sonne bequem gemacht und scheint ihren Sohn nicht zu hören. Ich versuche zu vermitteln: "Darf der Marek deinen Bagger mal kurz borgen?"
- "Nö!", faucht Finn-Luca und tritt nach mir.
"...man versicherte uns, dass wären gute Züchtungen, wissen sie..." (Die 450 m²-Mutter).

 Marek, in einem Anflug von großer Empörung, springt auf, schleudert das Spielzeug gegen den Schaukel-Pfosten und klammert sich beschützend an mein Hosenbein. Fassungslos starrt Finn-Luca auf die lose Baggerschaufel. "Der hat meinen Bagger kaput gemacht! MAMA!"
"Mh?", fragt die Mutter, ohne von ihrem Smartphone aufzusehen. "Das haben wir gleich....", sage ich schnell und versuche, die Schaufel zurück an den Rest zu stecken.
"...Das erinnert mich an die Geschichte, als Esme-Carina...", beginnt die 450 m²-Mutter hinter mir nun schon nicht mehr so gespielt freundlich. Mein Sohn zieht derweil von dannen.
Nach der Hälfte der Geschichte, ich habe habe gerade Finn-Lucas Bagger zu seiner Zufriedenheit repariert, höre ich schon wieder ein Kind weinen. Von weiten sehe ich Marek im Kreise der Krippenmädchen und -eltern, die rosa Teddyjacke ist schon wieder zu Boden gegangen.
"...ich habe natürlich sofort gesagt: 'Schreiben Sie mir eine Rechnung, wir werden das natürlich ersetzen', aber...", sagt Esme-Carina-450 m²-Mama gerade.
Da reicht es mir.

"KIND!", brülle ich über den Spielplatz. Die 450 m²-Mutter kneift die Lippen zusammen. Selbst Finn-Luca-Mama sieht jetzt kurz von ihrem Smartphone auf.
Im Laufschritt klemme ich erst das Kind unter den Arm, dann das Bobbycar.
"Mach winke winke, wir müssen jetzt nach Hause", flöte ich so laut, dass es hoffentlich alle gehört haben. Lächle entschuldigend-unschuldig und gehe.
Nach Hause.
Schnell.

Montag, 9. März 2015

"Backi, backi, Mama, backi...".



Das Kind hat sein neues Lieblingshobby entdeckt: "Backi, backi, backi..."
Hier mal ein schnelles Geht-immer-kinderfingertauglich-Muffin-Rezept für die Konditoren von morgen:

Für 12 Stück werden gebraucht:

  • 100 g Vollkornmehl und 150 g Weizenmehl
  • 1 Pck. Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 150 g Zucker
  • eine gequetschte Banane
  • 250 ml Pflanzenmilch
  • 4 EL Pflanzenöl
  • reichlich 4 EL Kakao
  • (milchfreie) Schokostreusel nach Gefühl
  • 2-3 mittelgroße Äpfel, je nach Hunger des Kindes, müssen nicht geschält werden
Alle Zutaten in eine Schüssel geben und das Kind kräftig rühren lassen. Währenddessen die Äpfel entkernen und in kleine Würfel schneiden. Das Kind wird sie schon seinem Verwendungszweck zuführen.
Der Teig muss zäh fließend vom Löffel in die Backförmchen fallen, sagt man.




Bei 180°C Umluft in den Ofen damit und mit der bewährten Holzspießmethode nach 15 Minuten anfangen zu testen, ob sie schon durchgebacken sind.

Arbeitszeit ohne Backen: ca. 10 Minuten.


Samstag, 7. März 2015

Tutorial: Political Correctness oder Upcycling (für fortgeschrittene Chaoten).


In meinem Kleiderschrank ganz hinten stehen zwei Tüten: Eine Kleiderkreiseltüte und eine, über der ein unsichtbares Fragezeichen schwebt.
Neulich fand ich die Palitücher. Ganz hinten, ganz unten. Will die noch wer...?
"Insbesondere die politische Strömung der Antideutschen und Teile der antinationalen Linken kritisieren das Tragen der Kufiya als Symbol des Kampfes und Terrorismus gegen Israel. In Deutschland wird die Kufiya seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auch von Rechtsextremisten und Neonazis (siehe zum Beispiel die Freien Kameradschaften) getragen. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Verwendens linker Symbole, das seit den späten 1990er Jahren häufig in der rechtsextremen Szene zu beobachten ist, um sich als sozialistisch oder revolutionär darzustellen, ist aber andererseits auch Ausdruck einer antiisraelisch motivierten Parteinahme für die Palästinenser im Nahost-Konflikt oder schlicht Antisemitismus mit historischer Referenz." (wikipedia.org)
Äh... nein.Weg damit. Oder Moment...

Das Schnittmuster, welches der Bluse zu Grunde liegt, ist dieses hier ("Shirt Kaschi"). Allerdings kann ich das aufgrund meiner mittelgroßen 167 cm Körpergröße immer reichlich 10 cm unten kürzen. Ich trage auch Größe 34/36, für größere Größen ist dieses Tutorial nur dann geeignet, wenn man zwei identische Tücher besitzt, da sonst der Stoff nicht ausreicht. Für die langen Ärmel wird es ohnehin knapp, aber die kann man im Schnittmuster auch zu 3/4-Ärmeln kürzen und fertig.

Tuch auf dem Fußboden ausbreiten, Schnittmuster auflegen und drum herum schneiden. Routine-Arbeit für alle, die mit dem Klamotten-Schnittmuster-Nähen ein klitzekleines bisschen vertraut sind.


Sobald beide Ärmelteile ausgeschnitten sind, zunächst jeweils die gerade Kante säumen. Das wird später mal der Bund, der um den Arm sitzt, der soll ja nicht fransig sein.


Alle ausgeschnittenen Teile werden dann am besten so angeordnet:


...und aneinandergesteckt. Die Seite, die zum Fußboden zeigt ist hier die rechte. Es wird also rechts auf rechts gesteckt (schön auf schön) und auf der linken Seite genäht.


Ultra wichtig beim nähen ist: sehr sehr knappkantig nähen. Sofern es der fransige, faserige Tuchstoff eben zulässt. Aber er dehnt sich nicht und sitzt dann entsprechend eng.

Wenn die vier Teile zusammengefügt sind, sieht es schon ganz schön nach Pulli aus. Jetzt werden Vorder- und Rückseite verbunden, indem die langen Seiten aneinandergenäht werden. Inklusive Ärmel. Ich hoffe, das Bild ist ganz aufschlussreich.

Mit dem unteren Rand der Bluse/des Pullis/des Oberteils/des Experiments/... wird jetzt ebenso verfahren wie mit den Ärmelteilen vorhin: gesäumt.

Dann kommt der kniffligste Moment: Das Halsbündchen. Da funktioniert umschlagen-annähen ja nicht mehr so wirklich. Aber die Überreste des Tuches helfen weiter: Ein langer schmaler Streifen Stoff (ca. 3 cm Breite) sollte noch brauchbar sein. Mit einem Maßband wird der Umfang des Halsausschnitts gemessen. Ungefähr so lang sollte auch der Stoffstreifen sein. Vielleicht gute 5 cm kürzer.
Der Stoffstreifen wird nun in der Mitte gefaltet. In der Längen-Mitte. Schön auf Schön. Er ist dann nur noch weniger als halb so lang wie der gemessene Ausschnitt-Umfang. Verständlich? Die offene Seite wird knappkantig zusammengenäht. Man erhält einen kleinen Loop.

Der wird nach innen eingeschlagen. Die Breite nun also um die Hälfte reduziert. Und dann so, schön auf schön, den Halsausschnitt entlang angeheftet:




..und angenäht.

Das wars. Pali-Bluse fertig.

Das Foto hat meine Omi gemacht. Sie ist eine ältere Dame und hatte vorher noch nie eine digitale Spiegelreflex-Kamera bedient. Ich bitte für die Qualität und die Maße des Fotos um Entschuldigung. Aufrichtig.


Sonst soweit alles klar?
Für die, die sich jetzt am Kopf kratzen ("Hä? Was? Wie jetzt? Warte... nee?!") stehe ich für Fragen zur Verfügung. Sofern es nicht schon an den Grundlagen scheitert. Ich habe zu wenig Fotos hiervon, um Oberteil nähen als Anfänger-Tutorial aufzuziehen. Sollte das aber gewünscht sein, vom Urschleim an, ganz detailliert und mit brillanten (haha) Farbfotos unterlegt - dann bitte ein Feedback. Ich mach das gern. Wirklich.

Dienstag, 3. März 2015

Spricht das Kind.

Zuhause bei Familie L.
Kurz nach dem Frühstück. Ich räume das schmutzige Geschirr in die Spühlmaschine, als das Kind energisch an meiner Hand zieht. Soll heißen: "Mitkommen, sofort."
Ich folge treu ergeben ins Wohnzimmer, zum Schrank. Das Kind ist aufgeregt quengelig, rüttelt und zieht an den kindergesicherten Türen. Fragend hängt es sich an mein Hosenbein. "Was willst du denn da drin?", will ich wissen. Bin verwundert. Im Wohnzimmerschrank ist die Weihnachtsdeko. Meine Nähstoffe und Zubehör. Und ein Körbchen... mit Schokolade.
Als einziges Objekt der Begierde fällt mir die Milkatafel ein. Aber woher...? Kann mich nicht erinnern, mich jemals in seiner Gegenwart an einer Schokoladentafel bedient zu haben, schon gar nicht aus diesem Schrank. Wäre wohl auch eher ein Frevel, bei diesem verfressenen Kind.

Das Quengeln hebt erneut an. Kind deutet zum Schrank, trampelt, zetert, sieht mich schließlich mit Leidensmiene an und patscht seine Händchen zusammen. Soll heißen: "Bitte Mama! Bitte bitte bitte!".
Ich zucke nachgebend die Achseln. Denke, könnte ihm ja mal zeigen, dass da nichts drin ist, was er kennt. Denke, vielleicht hat er sich im Schrank geirrt und meint den mit der Knetmasse.
Ich öffne die Kindersicherung. Zielstrebig greift mein Kind zum Naschkörbchen. Routiniert, als würde er es kennen. Reicht mir die Tafel Milka und grient. "Und jetzt?", frage ich verblüfft, "Was willst du denn jetzt damit machen?"
"MAMAM!", jubelt mein Sohn und patscht in seine Händchen: Bitte Mama! Bitte bitte bitte!

Nachdem wir uns beide die Kuhflecken gegönnt haben, hake ich argwöhnisch nach: "Wer hat dir denn gezeigt, was da drin ist?"
Das Kind, den Mund braun verschmiert, drückt sich an mein Knie, sieht schräg zu mir auf und grinst: "Papa."