Sonntag, 30. August 2015

"This is NOT okay!"

"Die Welt ist voller Unrecht. Voller Grausamkeiten. Die Welt ist gar nicht schön. Global gesehen. Ausbeutung, Krieg, Umweltverschmutzung. Irgendwie überall. Es ist zum Dauerschämen.
[...]
Eine Grauslichkeit, die mich fassungslos macht und die mir aufgrund meines Hobbys logischerweise besonders nahe geht, ist die Ausbeutung der Näherinnen in der Bekleidungsindustrie. Diese Ungerechtigkeit stinkt zum Himmel. Die Profitgier der Konzerne, das kalkulierte langsame Handeln gegen die Missstände, all das finde ich zum Kotzen.
Und immer wieder stellte ich mir die Frage: "Was kann ich, was können wir (die Bloggercommunity), dagegen schon tun!" "
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Gar nichts.
Ich klatsche in Gedanken Applaus und stelle mir die gleiche Frage. Stelle sie mir oft. Und finde diese Aktion darum großartig. So großartig, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht nur passiv irgendetwas verfolge. Sondern mich einbringe.

Ich weiß, ich bin spät dran. Aber besser spät, als gar nicht Teil der Protestbewegung. Darum an dieser Stelle wenig Text von mir (der folgt sicher später irgendwann mal, bei Gelegenheit), sondern nur den Link zur Aktion: THIS IS NOT OKAY - DER NÄHBLOGGERINNEN KATALOG - EINE PROTESTAKTION

...und die Fotos.

Zur Info:
Oberteil: selbst genäht, Schnittmuster Kaschi von alles-fuer-selbermacher.de
und Stoff vor längerer Zeit bei stoffe.de bestellt
Strumpfhose: Fairwear von grödo Strumpf natur-collection in "schattengrau"
Schuhe: faire Ethletics-Chucks






Dienstag, 25. August 2015

Viehzeug - ein Kommentar.

Während das Kind und ich im dörflichen Tante-Emma-Bäckerladen stehen und Kuchen aussuchen, postet ein junger Mann aus dem Nachbarort ein Foto auf Facebook.
Ich sehe es später, an der Küchenarbeitsplatte gelehnt, auf dem Tablet. Um mich herum noch Spielzeugauto-Barrikaden und ein Berg schmutziges Geschirr und Essensreste auf dem Tisch. Wollte eigentlich nur schnell ein paar Nachrichten checken.
Ich scrolle mehr aus Gewohnheit denn aus Interesse schnell noch einmal den Newsfeed nach unten und stolpere. Falle. Starre entsetzt auf den Bildschirm in meinen Händen. Ein Bekannter hat einen geteilten Inhalt kommentiert. Ich lasse mich am Küchenschrank nach unten gleiten, muss mich setzen. Inmitten von elektrischen Traktoren und einem kaputten Feuerwehrauto zittern meine Hände. Ich schließe die Augen und öffne sie wieder. Atme.

Eigentlich kenne ich so etwas. Posts wie dieser sind mir bekannt, nichts neues, trauriger Alltag. Schaue mir Screenshots mit ähnlichen Kommentaren an und entsetze mich leise. Vergesse es dann wieder, es tangiert mich nur oberflächlich. Freital, Dresden - der Hass schlägt Wellen. Aber wenn sie hier, in meiner kleinen stillen Hinterkaffhausen-Idylle, ankommen, haben sie ihre Wucht verloren. Treffen mich, aber treffen mich nicht schmerzlich. Ich lese Berichte, sehe Videos, trauere und muss mich im nächsten Moment um das Mittagessen kümmern.
Ich diskutiere mit Familienmitgliedern und Freunden über Asylpolitik und frage mit dem nächsten Atemzug nach dem Rezept für die Lasagne. Man empörte sich gemeinsam - das Feindbild: diffuse Ewiggestrige. Die Nazis, was für ein unpersönlicher Begriff. Eine Gruppe von Menschen, keine bekannten Gesichter. Pegidianer, NPD-Wähler, "besorgte Bürger", Faschos, Rechte. The dark side.  Die Unterscheidung in gute und böse Seite empfand ich als leicht. Gut waren wir. Hier. Und "böse" waren DIE, dort, irgendwo. Wutspuckende Hinterwälder, räumlich und ideell kilometerweit entfernt, auf Demos immerhin durch Polizeiketten klar von mir getrennt.

Natürlich war mir immer klar, dass man Menschen die Ideologie und Meinung in der Regel nicht ansieht. Mir war immer klar, dass Rassismus ein Kopfding ist, was nicht zwangsläufig ständig zu Tage tritt. Ich skandierte mit der Menge "Nationalismus raus aus den Köpfen!" und fühle mich zwischen Deutschlandwimpeln und dem "Heimatverein" auf dem Dorffest unwohl. Ich ziehe hörbar die Luft ein, wenn der angetrunkene Nachbar mit der Faust auf den Gartentisch schlägt und mault: "Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen!". Unterschwellig war mir immer bewusst, wie tief rechtslastiges Gedankengut doch in vielen Menschen verwurzelt ist und dass manche Dinge, die mit dem Nachsatz "Das wird man doch wohl mal noch sagen dürfen, deswegen ist man doch nicht gleich rechts..." okay gemacht werden, eben nicht mehr so okay sind. Für mich nicht. Und für viele andere auch nicht. Aber ich ermahnte mich selbst. Appellierte an meine Toleranz, verteidigte die Meinungsfreiheit und schwor auf die christliche Nächstenliebe. Wollte jeden annehmen wie er ist. Wollte nicht der Spaßverderber, das zänkische Weib sein. Wollte (Dorf-)Gemeinschaft leben und nahm mich (zu) oft zurück.

Und vor allem wiegte ich mich in einer Blase aus Idyll, Menschenliebe und Solidarität. Fuhr in die Stadt um gegen Rassismus zu demonstrieren, deren Vertreter ich für eine Hand voll verrohte, beratungsresistente Städter hielt, und danach zurück ins Hinterland, wo ich von der totalen Abwesenheit auch nur irgendeiner Ideologie ausging. Mein Leben hier und die Geschehnisse in Dresden und Freital: Rassismus, Hetze und Hass - das waren bis dato zwei komplett voneinander getrennte Dinge.

 Und dann passierte da Heidenau. Die Hasswellen treffen mich nun schmerzhafter. Der Mittelpunkt, von dem aus sie sich in meine Richtung ausbreiten, hat sich zu mir verschoben. Ich sitze abends auf der Couch, blättere durch virtuelle Fotoalben, die das ganze schreckliche Ausmaß an Ausschreitungen, Randale und "Asylkritik" dokumentieren und hoffe inständig, kein mir bekanntes Gesicht in den Reihen der "Gegner" zu entdecken. Mir fällt es schwerer und schwerer, Nächstenliebe zu praktizieren und die Meinungsfreiheit zu verteidigen. Ich habe Wut im Bauch - und ich schäme mich. Ich schäme mich fremd angesichts dieser offensichtlichen Abwesenheit von Mitleid und Empathie, ja von Menschlichkeit, angesichts bodenloser Ignoranz und Egoismus. Ich möchte alle Deutschlandfahnen-schwingenden Randalierer an den Schultern packen, schütteln und rufen: "Denk doch mal nach! Seid lieb!". Die Verzweiflung und meine Ungläubigkeit ob solchen Verhaltens wächst gen Himmel. Ich bete täglich dafür, eine Runde Hirn und Herz und Nächstenliebe über den Demonstranten regnen zu lassen.
Und ich merke, wie sich die Menschen in meiner Umgebung verändern. Vielleicht waren sie auch schon immer so - und ich habe es nicht gemerkt. Wollte das nicht merken. Unsagbare Dinge werden plötzlich laut gesagt. Rechtspopulistische Phrasen sind salonfähig geworden, Halbwahrheiten und Nicht-Wahrheiten werden beim Bäcker unreflektiert ausgetauscht. Es gibt kein Wir und DIE mehr, keine Hand voll Ewiggestrige - die Gedanken sind frei, aber ich kann viele davon erraten. Nicht in der Stadt. Hier bei uns. Und es ist nicht erst über uns gekommen wie eine lästige Plage, der wir irgendwann wieder Herr werden. Es war schon immer da, in den Köpfen. Der Hass keimte unaufhörlich und wächst nun wie schmarotzende Urwaldschlingpflanzen eng um die Herzen.

Zwischen elektrischen Traktoren und einer kaputten Spielzeugfeuerwehr auf dem Küchenfußboden  erreicht mich heute endgültig das vor mir selbst lange sorgsam unter Dorfidyll, Nächstenliebe und Toleranz versteckte schreckliche Ausmaß Rassismus. In seiner ekelhaftesten, schlimmsten Form. Atme ein, atme scharf aus. In einem ersten Reflex schwebt mein Finger über der "Beitrag melden"-Option. Aber ändert das etwas an der Tatsache? Ändert das etwas daran, dass Menschen andere nicht mehr als Menschen sehen können, blind von sinnlosem Hass, von teilweise absurden unreflektierten Vorurteilen?
In einem nächsten Reflex möchte ich mein Geschichtsbuch holen. Möchte das Bild von 1935 aufschlagen, eine mit "Judenschwein" titulierte NS-Karikatur. Möchte es daneben legen. Wo ist hier ein Unterschied? Ist da einer?

 
 
Ja - ist da einer?

Weltreise.


Neulich stolperte ich beim "Dönermann" über das Wort "Köfte". Seltsam bekannt und trotzdem konnte ich damit nicht allzu viel anfangen. Wikipedia erklärt mir Unwissender, es handele sich um würzige Hackbällchen, die in der gesamten südeuropäischen Küche und im Nahen Osten verbreitet sind. So. Und weil ich noch nach Fingerfood-tauglichen Gerichten für meinen ersten runden (hört hört!) Geburtstag suche - fand sich schnell diese zauberhaft leckere, milde (!) vegane Variante.

Zutaten für etwa 15-20 Stück:

  • 1 Zwiebel
  • 4 große Möhren
  • Staudensellerie, ca. 5 bis 6 Stangen inkl. Blättern
  • 3 bis 4 Scheiben Vollkornbrot (gern auch altbacken)
  • 250 g große weiße Bohnen (Abtropfgewicht, aus der Dose)
  • Olivenöl zum Braten
  • Gewürze: Garam masala (oder indische Mischung), Koriander, Kreuzkümmel
Zwiebel und Sellerie zunächst möglichst klein hacken und anbraten. Dabei Möhren schälen und raspeln und die Brotscheiben "mahlen". Dazu die Scheiben in einen Gefrierbeutel stecken, mit einer Hand zuhalten, mit der anderen kneten. Notfalls mit einem Fleischklopfer (oder anderem Schlaginstrument) bearbeiten bis nichts als Brösel übrig sind. Nein, einfache Semmelbrösel tun es übrigens nicht.
Möhren, Brotbrösel (was ein Wort!) und abgetropfte Bohnen unter die Zwiebel-Sellerie-Dingens mischen. Nun zerstampfen. Lieber T., für sowas braucht man zum Beispiel einen Kartoffelstampfer. Eignet sich hervorragend. Eine Gabel geht aber auch.
Eine klebrige Pampe entsteht. Juhu.
Mit den Gewürzen abschmecken: 1,5 TL Garam masala und je einen TL Koriander und Kreuzkümmel. Sollte so passen.

Daraus werden dann kleine Bällchen gerollt. Furchbar matschige Angelegenheit, weil die Pampe ähnlich gut an den Fingern klebt wie misslungener Pizzateig.
Am Ende alle Bällchen kurz in der Pfanne von allein Seiten anbraten.
Schmeckt warm und kalt.



Als Hauptgericht machen sie sich übrigens auch ganz ausgezeichnet. Da stellt sich allerdings die Frage nach Sauce und einer netten Beilage. Weil ich nicht so der Saucentyp bin, gab es bei uns Reis-ähnlich zubereiteten Amaranth. Das Inka-Getreide vom anderen Ende der Erde. Dazu später noch ausführlicher.
Saucentechnisch wäre wohl vegane Mayo oder irgendwas mit (Soja)Joghurt und Knoblauch geeignet - aber, wie geschrieben - von sowas bin ich persönlich nicht begeistert....


Montag, 24. August 2015

Altglasliebe II. - Ordnung im Badschrank.



Wohin mit Haarklemmen, -gummis, -spangen, Wattestäbchen, Armbändern, Ohrringen, .... und dem ganzen Kram, den frau eben so angesammelt hat? In den Badschrank. Aber bitte ordentlich sortiert. Damit sich in der morgendlich-hektisch-verschlafen-Augen noch zu-Situation trotzdem alles schnell findet.
Habe mich wieder mal am Altglas bedient.

You will need:
  • Altglas, mit oder ohne Deckel. Für Haarklemmen eignen sich gut kleine Schraubgläser, zum Beispiel Babygläschen, für Armbänder und größere Spangen große Einmach-Gläser, wo die ganze Hand reinpasst, zum wühlen.
  • Masking Tape
  • Schere
  • eine halbe Stunde Zeit








Samstag, 22. August 2015

Nachtrag, die Zweite - Kräuter"butter".

Nochmal Kind-Geburtstag. Zur Grillparty gehört unabkömmlich... na? Kräuterbutter! Und das geht in vegan. Natürlich. Hat auch keiner gemerkt.

Frau nehme:

  • ein Stück Alsan-Bio-Margarine
  • eine Mikrowellenform: Alsan rein, Mikrowelle. Ganz kurz! Andernfalls Sauerei und unnötige Wartezeit vor dem Gefrierfach. Ich weiß wovon ich spreche. Alternativ geht natürlich auch der Backofen.
  • einen großen Berg mehr oder weniger legal gepflückte Kräuter ("Ooch, Marek, die Nachbarn haben bestimmt nichts dagegen wenn wir mal schnell ein wenig....") in gehackter Form...
    In letzter Zeit interessiere ich mich für diverses Grünzeug und die Kräuterbutter war eine Art... Kenntnistest. Schaut mal hier rein!
  • ein wenig Salz
  • ein Rührlöffel
  • ein schönes Gefäß, um die fertig gerührte Butter (weiche Alsan + Kräuter + Salz) hübsch zu präsentieren

Tabouleh mit Minze und Tomaten.

Es wird langsam Zeit dafür, ich weiß. Ein Nachtrag zum Kind-Geburtstag, da habe ich diesen großartigen Salat trotz heißem Wetter bergeweise in mich hinein futtern können.
Suchtgefahr weil über-lecker.



You will need:

  • Couscous, für eine größere Feiergemeinde (mehr als 6 Personen) eine ganze Packung
  • Salatgurke (nach Gefühl)
  • Tomaten (nach Gefühl)
  • frische Minze
  • Saft einer Zitrone
  • Salz, Pfeffer, Zucker zum Abschmecken
Couscous ist das ultimative Camping-/Studenten-/Alleinerziehendenessen. Schnell, unkompliziert, sättigend. Mit Wasser übergießen und quellen lassen. Geht mit heißem und kalten Wasser. Völlig wurscht.
Währenddessen Gurke und Tomate in salatfertige Stücke schneiden, die Minze klein hacken, die Zitrone auspressen.
Gemüse, Minze und Zitronensaft dann unter den Couscous mischen und mit Salz und Pfeffer und, bei Bedarf, mit einer winzigen Prise Zucker abschmecken.
Zubereitungszeit: 15 Minuten. Maximal.

Mittwoch, 12. August 2015

Lied des Tages.

 
Es ist spät. Der große deuter-Rucksack liegt
umgefallen im Flur, ich
stecke mir das letzte Stück Reisschokolade
in den Mund und
knülle das Papier zusammen und
klappe das Buch zu und
stehe auf um das Licht auszuschalten.
 
Spucke beim Zähneputzen die
Steine in den Abfluss, die
meinen Hals abdrücken wollten, diese
Spannungssteine, diese
Euphorie-Steine, diese
Zappeligkeit-Steine
Und
drin bleibt das Herzflattern,
die Angst kann ich nicht wegwaschen.
Das flaue Gefühl, die Aufregung.
 
Festival.
Mit Kind.
Alleinerziehend auf'm Acker.
Morgen früh um 9;
Auto, Navi, Berlin.
 
Puh.
 
 

Montag, 10. August 2015

"Eisasa-Bahn" - Geburtstags"torte" zum zweiten Geburtstag.




Das (mittlerweile große) Kind ist vernarrt in jegliche Art von Fahrzeugen. Am meisten hat es ihm aber Opas Modell-Eisenbahn angetan. Also bäckt Mama einen Geburtstagszug.

Frau nehme:

  • Schokokuchen-Grundrezept II (doppelt backen: einmal mit Kakao, einmal ohne)
  • zwei größere Kastenkuchen-Formen
  • Kreativität und ein wenig handwerkliches (Schneide)-Geschick
  • Deko: Obst, Doppelkekse für die Räder, dunkle Schokoglasur, ...
  • eine Geburtstagskerze
Bereitet großes Vergnügen. Und schmecken tut's natürlich auch.





Sonntag, 9. August 2015

Sonntag!

Ich putze die Wohnung. Das ist bitter nötig. Das Kind spielt mit Papa auf dem Spielplatz. Es ist Sonntag, das Wetter angenehm, die Fenster geöffnet, der Staublappen gleitet über das Fensterbrett.
Möchte am liebsten auch in der Bank sitzen. Singe die Lieder mit (so weit der Text reicht), halte kurz inne, als das Max Ehrmann-Gedicht gelesen wird:


Gehe behutsam Deinen Weg 
inmitten des Lärms und der Hast dieser Welt 
und vergiss nie, welcher Friede im Schweigen liegt. 

Lebe, soweit als möglich und ohne Dich selbst aufzugeben
in guten Beziehungen zu anderen Menschen. 
Verkünde Deine Wahrheit ruhig und klar. 
Höre auch anderen zu, sogar den Törichten und Unwissenden: 
auch sie haben ihre Geschichte. 
Vermeide laute und aggressive Menschen, 
sie bringen nur geistigen Verdruss. 
Es ist möglich, daß Du entweder stolz oder verbittert wirst, 
wenn Du Dich mit anderen vergleichst; 
denn immer wird es bedeutendere und 
unbedeutendere Menschen geben als Dich selbst.

Freue Dich des Erreichten genauso wie Deiner Pläne, 
doch sei auf jeden Fall demütig. 
Übe Vorsicht in Deinen Geschäften, 
denn die Welt ist voller Betrügereien. 
Verschließe Dich jedoch nicht dem Wert der Tugenden; 
viele Menschen streben nach hohen ldealen, 
und das Leben ist voll von stillem Heldentum. 
Sei Du selbst. Heuchle vor allem keine Zuneigung 
und spotte nicht über die Liebe.

Trage freundlich die Bürde der Jahre 
und gib mit Unmut alles auf, was der Jugend zusteht. 
Nähre die Kraft Deines Geistes, 
um plötzlichem Unglück gegenüber gewachsen zu sein. 
Viele Ängste entstehen aus Müdigkeit und Einsamkeit. 
Neben einer heilsamen Disziplin,
sei freundlich zu Dir selbst. 
Du bist ein Kind des Universums, 
nicht weniger als die Bäume und Sterne
Du hast ein Recht darauf, hier zu sein. 
Und die Kraft des Universums wird sich so entfalten, 
wie es sein muß, ob Dir das bewußt ist oder nicht. 
Deshalb lebe in Frieden mit Gott, 
was immer Du Dir unter ihm vorstellst.

Und was immer Deine eigenen Bemühungen 
und Absichten auch sein mögen: 
Halte Frieden mit Deiner Seele in diesem 
lärmigen Durcheinander des Lebens
Mit all ihrem Schein, ihren Kümmernissen 
und zerbrochenen Träumen 
ist diese Welt dennoch wunderbar
Sei vorsichtig. 
Strebe danach, glücklich zu sein.


Einen frohen Sonntag. Halleluja!

Mittwoch, 5. August 2015

"Ballis!"

Zum Zweijährigen-Geburtstag gab es "Träublestorte" (nie gehört, das Backbuch klärt mich auf, es handele sich um einen Tortenklassiker - soso), weil "Ballis" (runde Beeren und Erbsen) gerade ziemlich angesagt sind.
Das als sauer erwartet Ergebnis ist großartig frisch und leicht, angenehm untersüßt und absolut Kinder-geeignet. Rote Kullern for the win!



Zutaten:
...für den Teig
  • 250 g Weizenvollkornmehl
  • 3 Eigelb (Eiweiße aufheben!)
  • 125 g Butter
  • 100 g Vollrohrzucker
  • abgeriebende Schale einer halben Bio-Zitrone
  • Ausrollmehl
...für den Belag
  • 500 g reife rote Johannisbeeren
  • 3 Eiweiß (die vom Teig)
  • 150 g Zucker
  • 2 TL Stärkemehl
  • ca. 3 EL Semmelbrösel 


Mit dem Teig beginnen:
Mehl, Eigelbe, Zucker, Zitronenschale mit der kalten (!), klein geschnittenen Butter schnell verkneten. Den glatten, wunderbar nach Weihnachtskeksteig aussehenden Ball für eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen.
In der Zwischenzeit die Johannisbeeren waschen und entstielen. Meditative Geduldsarbeit.
Danach Teig aus dem Kühlschrank genommen und ausgerollt - so, dass man Springformboden (24-26 cm Durchmesser) und Rand damit auslegen kann. Vorher schonmal den Ofen anstellen: 180°C, Umluft. Mit irgendeinem spitzen Gegenstand, der gerade im Weg liegt, den Boden mehrmals einstechen. Im Backofen "goldgelb" backen, das dauert ungefähr 10 Minuten.
Diese Zeit nutzen: Eiweiße steif schlagen, Zucker und Stärkemehl zufügen, nochmals eine Weile schlagen. Darunter dann die Johannisbeeren heben.

Ist der Boden "goldgelb" (Auge des Betrachters und so), raus aus dem Ofen, Semmelbrösel drauf verteilt und Johannisbeermasse darüber füllen. Das Backbuch meint dann: nochmal 20 Minuten fertig backen. Nee, die reichen nicht. Also: fertig backen, bis es auch fertig aussieht.

Zum Servieren machen sich Puderzucker und Johannisbeeren mit grün dran optisch hervorragend...


Montag, 3. August 2015

Der Prozess.

"Ich hätte gern einen Termin bei Ihnen, um den Antrag einzureichen", erkläre ich der schlecht gelaunten Frau am anderen Ende der Leitung. "Termine gibts hier nicht bei uns!", fährt sie mich an, "Da müssen sie schon mal vorbeikommen."

Na, das mach ich doch glatt. Bin doch erwerbslos, hab also eine Menge freie Zeit und lange Weile. Nicht.
Am Empfangstresen dann folgende Szenerie: "Ich möchte gern meinen Antrag einreichen." - "Haben sie einen Termin?" Äh, was?
Ich lächele mein bemüht freundliches "Ich weiß, ich muss jetzt gezwungener Maßen nett zu Ihnen sein, würde aber am liebsten über den Tisch springen"-Lächeln und sage: "Am Telefon sagte ihre Kollegin, man müsse einfach vorbei kommen."
- "Da würden wir ja nie fertig!", motzt die Empfangsdame und schielt auf ihre Uhr, viertel vor Vier, "Jetzt ist ja eh gleich Schluss, da müssen'se mal wieder kommen."
Die Behörde ist über eine halbe Autostunde entfernt, an meiner Hand zieht ein quengeliger Zweijähriger. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen: alle Wartestühle verweist, offene Bürotüren, die meisten Schreibtische sind schon nicht mehr besetzt.
"Ist denn noch einer der Kollegen da", frage ich schnell, "dem ich in der verbleibenden Zeit schnell meinen Antrag geben kann?". Die Frau schaut betont langsam auf. Zieht eine Augenbraue nach oben, zögert kurz. Dann tippt sie aber auf ihrer Tastatur herum und bittet mich knapp, vor einem der Büros zu warten.
Na also.

Wir warten. Das Kind futtert Kekse und Fruchtriegel, krümelt, zappelt über mehrere Polsterstühle hin und her. Es fällt mir schwer, ihn ruhig zu halten. Eigentlich sind wir um diese Zeit meistens auf dem Spielplatz. Wir warten lange. Wir warten eine ganze Brotbüchse mit Keksen und eine halbe Trinkflasche und vier lange Kinderlieder lang. Dann öffnet sich die Bürotür. Eine ältere Frau begrüßt mich wortlos, mustert streng meinen Sohn, der aus einem Krümelhaufen herausgrinst.

Der erste Satz, den sie an uns richtet, nachdem wir vor ihrem Schreibtisch Platz genommen haben ist: "Warum kommen sie erst jetzt?"
- "Mein Kind schläft Mittags immer noch ziemlich lang, tut mir Leid."
Unbeeindruckt: "Und vormittags können'se wohl nicht?"
- "Heute Vormittag hatten wir einen Arzttermin", antworte ich, zu gleichen Teilen irritiert, verunsichert und sauer.
"Aha", spricht die Dame in ihren Computerbildschirm, "ist ja nicht so, dass wir nur heute geöffnet haben."
Ich bin mir nicht sicher, ob ich darauf antworten, einfach mal kräftig schlucken oder aufstehen und gehen soll.
Ich antworte: "Ich habe kein eigenes Auto und kann mir nur an bestimmten Tagen das meiner Eltern borgen."
- "Andere Leute kommen auch mit dem Bus zu uns."
Das Kind ist damit fertig, an seiner Trinkflasche zu nuckeln, rutscht von meinem Schoß und macht Anstalten, unter dem Schreibtisch zu verschwinden um Kabel zu ziehen. Während ich versuche, es mit alle Gewalt festzuhalten, kann ich nur matt ein "Der öffentliche Nahverkehr in unserem Ort ist leider nur eingeschränkt und stellt für mich keine Option dar." in den Raum werfen.

Dafür lege ich die Mappe mit meinen Unterlagen auf den Schreibtisch, das Kind zetert und trampelt.
"Sie wollen?", fragt die Frau mit hochgezogener Augenbraue. Sie und die Empfangsdame könnten Geschwister sein. Vielleicht gehört das aber auch einfach zum Mimik-Repertoire einer Büroangestellten und bei Vorstellungsgesprächen wird besonders auf exakte, aussagekräftige Ausführung geachtet.
"Meinen Antrag abgeben", antworte ich, immer noch bemüht freundlich.
- "Aber das geht nicht so einfach! Da brauchen sie einen Termin!"
"Den habe ich doch jetzt?" Fühle mich langsam wie in einem Kafka-Revival.

Sie seufzt. Hörbar und lang. Kurzzeitig durchzuckt mich der Gedanke, Marek einfach unter dem Schreibtisch Schaden anrichten zu lassen. Der Genugtuung halber. Verwerfe das.
Ich schiebe meinen Antrag demonstrativ noch ein Stück in ihre Richtung, sage: "Sie müssen mir das nur schnell abnehmen, da wäre ich Ihnen dankbar!" und fange dann das Kind ein, das schon auf dem Gang steht. Als ich zurück ins Zimmer komme, liegt der Stapel Papier immernoch unberührt. Missmutig stiert die Frau auf die Schreibtischplatte. "Brauchen Sie sonst noch etwas von mir?", erkundige ich mich höflich.
"Ich muss ihre Daten aufnehmen und die Vollständigkeit der Unterlagen überprüfen. Dafür ist aber heute keine Zeit mehr", sie deutet auf die Uhr an der Wand, "wir haben eigentlich schon geschlossen."

Was sagt man dazu?
"Die Unterlagen sind vollständig, meine Daten sind im Antrag vermerkt. Das können sie auch noch morgen eingeben." Tschüß Freundlichkeit. Meine Körperflüssigkeiten nähern sich dem Siedepunkt.
"Mir wäre es nur lieb", füge ich noch hinzu, "wenn ich mit dem Kind nicht noch mal hier her fahren muss." Ich deute auf den Zweijährigen, der die Stiftebox gefunden hat und Kuli-Kringel auf der Tischplatte malt.
- "Sie wissen schon, dass sie alles zurück bekommen, wenn auch nur etwas fehlt? Ich an ihrer Stelle würde es hier vor Ort prüfen lassen."
"Ich bin mir sicher, es fehlt nichts", sage ich gerade heraus und stehe schon hinter dem Stuhl. Nehme das Kind an meine Hand. Gehe zur Tür. Drehe mich noch einmal um, um einen "Schönen Feierabend" zu wünschen. Ernte ein grußloses Schnauben. Aber da bin ich schon auf dem Gang. Der Pförtner schließt hinter mir die Eingangstür zu.

Hallo Josef K.!

Keep glass stayin' alive - upcycle!

Meine Altglasliebe kennt keine Grenzen - ich würde alles in Gläser packen, wäre Glas nicht manchmal einfach Transport-unpraktisch und schwer.
Ich hasse Altglas-Container und es tut mir weh, doch ab und zu dort was einzuwerfen.
Meine übrigen Grünpflanzen-Ableger habe ich in alte Schraubgläser gepflanzt, die ich vorher angemalt habe. Schnittblumen drapiere ich in Ketchup- und Limo-Flaschen. Und wenn gerade keine schöne Schale für die Kräuterbutter mehr da ist - wird ein Bionella-Glas genommen.
Seit einiger Zeit haben wir die Smoothies entdeckt und gönnen uns das - je nach Budget-Lage - zum Frühstück. Die Flaschen sind wunderbar. Zum Holunderblütensirup-Einkochen, zum Balsamico oder Öl platzsparend mit in den Urlaub nehmen.... und wieder für Blumen: Tisch-und Treppenflurdeko für den Geburtstag des Kindes.