Samstag, 24. Oktober 2015

Stillsitzen.

Das Kind hat ein Wespennest im Hintern.
Immer. Immer summt und brummt es hin und her, zappelt, kann nicht stillsitzen. Ein wirbelnder Kreisel, ein Hampelmann. Ein Steh-auf-Männchen: schlägt morgens die Augen auf und ist wach. Als hätte einer den Schalter umgelegt, von null auf hundert. Klick - und das Wespennest brummt.

Aber manchmal komme ich nicht umhin, meinen Sohn zum Stillsitzen zu nötigen. Beim Essen. Klar. Und wenn wir ein Buch anschauen. Oder puzzeln. Da ist Ruhe. Meistens.
Manchmal möchte Mama aber auch mal in den Gottesdienst gehen. Sich in Ruhe am Tisch unterhalten. Oder einfach mal ein Telefonat führen ohne: "Marek auch Hallo sagen!", "Opa?? Hallloooo, OPA! Der OPA IST DAS!", "Ich haben! Mein Telefon! Meine ist das!", "Mama, schau mal! Mama komm mit! Mama auch spielen!", "MAMA! Das passt nicht!" (Quengelton, beim puzzeln). Das ist schon schwierig. Buch lesen scheidet aus. Da kann ich nicht zuhören. Und ein "schau dir doch mal die Bilder an, mein Stern" mit Wimmelbuch funktioniert schon seit einem halben Jahr nicht mehr. "Lesen Mama! MAMA! Buch vor-le-sen!"

Das Puzzeln klappt so mäßig gut. Schenke ich dem Wespenpo länger als vier Minuten keine Aufmerksamkeit, zupft er quengelnd und nörgelnd an meinen Haaren "Das passt nicht, Mama!" oder verschwindet flinken Schrittes nach irgendwo, wo frau ihn gewiss nicht haben will. Hinter den Altar: "KUCKUCK Mama! Versteckt!". Während der Predigt. Oder so.
Andere stille Beschäftigungen wie Malen, Matchbox-Autos, Kreisel (leider mit Mamas Interaktion) oder Essen haben eine ähnlich kurze Aufmerksamkeitsspanne.

Nun haben wir aber endlich eine neue Attraktion im Spielzeugregal: DIY-Fimo-Perlen zum Auffädeln. Kinderhände-gerecht groß, mit großen Löchern.

Die Herstellung ist schnell und einfach. Mal so nebenbei, während das Kind auch mit Knetmasse knetet.
Ihr braucht:


Aus dem Fimo werden kleine Kugeln geknetet und mit einem großen Loch zur Perle gemacht. Wie auf der Verpackung angegeben, muss das Fimo im Backofen ca. 5-15 (je nach Ofen und Vorhitze) aushärten.



Zum Spielen ebenfalls minimaler Material-Einsatz. Die Internet- und Fachgeschäft-Suche nach einer "Kindernadel" oder einer stumpfen Holznadel blieb übrigens erfolglos. Wer dennoch mal etwas entdecken sollte, darf mir gern einen Tipp geben. So lange begnügt sich mein Kind unter Aufsicht mit einer stumpfen, extra großen Wollnadel (erhältlich im Bastelladen oder in jedem Kurzwaren-Geschäft).


Trainiert Feinmotorik und Fingerfertigkeit. Aber das nur am Rande.


Übrigens erschien es mir sinnvoll, das durch die Nadel gezogene "überstehende" Ende (weiß jeder, was gemeint ist?) mit der eigentlichen Fädelschnur zu verknoten, damit die Nadel nicht immer rausrutscht, wenn das Kind zieht. Gibt dann nämlich wieder Gequengel. Und das wollte ich ja vermeiden.



Montag, 19. Oktober 2015

DIY-Waschmittel aus Kastanien - Selbstversuch.

Eigentlich (schon wieder ein Post, der mit eigentlich beginnt) wollte ich (und mit ...wollte ich... weiter geht) nur herausfinden, wie das funktioniert, nur aller 3 Monate die Haare mit Shampoo zu waschen. Hab ich nicht. Dafür eine witzige Anleitung für Waschmittel aus Kastanien gefunden.
Hab das mit meiner kleinen Schwester sofort ausprobiert und dokumentiert. Forscherinstinkt.

Was man dazu braucht: (für einen Waschgang, 3,5 kg)

  • eine reichlich große Hand voll Kastanien
  • einen Hammer
  • Leitungswasser
  • ein Einmach-Glas mit Deckel


Kastanien mittels Hammer zerkleinern. 




Kastanienteile in das Glas füllen, Wasser dazu geben bis sie in etwa bedeckt sind.
Deckel zudrehen und kräftig schütteln.

Für mehrere Stunden stehen lassen, damit die Kastanien "ausschleimen" können - es ensteht eine weißliche Brühe.

Durch ein Tuch in das Waschmittel-Fach der Waschmaschine geben. Weichspüler weglassen!

Aber warum...?
Kastanien enthalten Saponine. Stoffe, die in Verbindung mit Wasser ähnlich wie Seife wirken. Mehr finde ich dazu dann aber auch nicht. Reich ja auch.

Das Resultat nach dem Waschgang (normale dunkle Wäsche von einer Woche Kindergarten/Housewife-Dasein) ist erstmal gut: Wäsche sieht sauber aus. Riecht aber (logisch!) irgendwie... nach nichts. Bis auf Mamas T-Shirts. Unter den Achseln ist der Schweiß noch deutlich zu erschnuppern. Na prima. Und auch die Tomatensoße auf dem Kinderpulli ist schwächer, aber nicht vollständig heraus gewaschen.
Meine Schwester ist ein bisschen enttäuscht. Ich erkläre ihr, dass Kastanien sich nicht mit chemischen Drogeriemarkt-Keulen gleichsetzen lassen. Dass Tomatensaucen-Flecke eh hartnäckig sind und dass es selbst bei konventionellem Waschmittel und Weichspüler passiert, das T-Shirts immernoch nach Schweiß riechen.
Entschließen uns, den Kastanien eine weitere Chance zu geben. Diesmal mit der rot-bunten Wäsche. Hartnäckige Flecken werden vorher mit Gallseife bearbeitet. Nur das Geruchsproblem (irgendwie haben wir uns an gut riechende Wäsche so gewöhnt, dass wir darin eine Notwendigkeit sehen) löst sich erst nach späterer Internet-Recherche. Stichwort: Lavendel-Öl. Klappt super.

Endlich hat meine übertrieben kindliche, fast schon zwanghafte kiloweise Kastanien-Sammelei einen Sinn. Juhu! Nachmachen!

Samstag, 17. Oktober 2015

Werbung.

Wollte eigentlich nicht schon wieder einen Küchenkunst-Beitrag machen. Tut mir Leid. Aber das hier ist wichtig.



Am Montag feiert "das nervigste Kind Dresdens" - PEGIDA - seinen ersten Geburtstag. Grund genug für das antirassistische Bündnis "Dresden Nazifrei", eine große Gegenveranstaltung auf den Plan zu rufen. Die nennt sich "Herz statt Hetze" und bietet mit vier verschiedenen Demo-Routen und den "Postplatzkonzerten" einen lauten, bunten Kontrapunkt. Die Zusagen bewegen sich bei Facebook um die 6000-Marke, die Aktion wird massenhaft supportet. Selbst in der Straßenbahn flimmert die Werbung dafür über die Anzeige-Schirme.
Großartig!

Heute wollte das Kind mal "Backe backe Kuchen". Mit Keksen war es dann aber auch ganz einverstanden. Und weil einfache Kekse im Herbst irgendwie so nichtssagend bis doof sind (haben nämlich nur Oster- und Weihnachts-Ausstecher und eine Schnecke), musste Mama gleichmal den Stempel aufdrücken. Wortwörtlich.


Für die (übrigens natürlich veganen) Demo-Kekse wird benötigt:
  • 400 g Mehl
  • 200 g Margarine
  • 1/2 Pck. Vanillezucker
  • 100 g Zucker
  • 3-4 EL Sojasahne
  • Zitronenschale
  • Kakao für dunkle Kekse

Backzeit: knappe 5 Minuten bei 180 °C Umluft.

Werden am Montag unter die Leute gemischt. Na, wenn das kein Grund ist... Hin da!



Samstag, 10. Oktober 2015

Mission uncompleted - Küchenexperimente.

In "unserer" lokalen Vegan-Facebook-Gruppe kam neulich die Frage nach einer pflanzlichen Version der berühmten "Dresdner (oder Sächsischen) Eierschecke" auf.
Google findet nichts.
Liegt vielleicht daran, dass Eierschecke etwas vollkommen regionales, etwas urtypisch sächsisches ist. Das Originalrezept wird penibel von allen alt eingesessenen Familien gehütet. Kein Rezept aus den Weiten des Internets war je besser als das von Oma. Ist so.

Und das jetzt einfach mal in pflanzlich? Die EIER-Schecke, ohne Ei? Dass Käsekuchen, sozusagen der kleine Bruder der Eierschecke, sehr wohl in vegan geht und dabei auch noch Alles-Essenden "richtig gut" (Danke, S.!) schmeckt, hab ich hiermit schon mal bewiesen. Dachte mir, ich könnte einen Versuch wagen. Mit Rezept von Oma und ein bisschen (bitte betonen) Wissen um pflanzliche Ersatz-Produkte. Kind in den Kindergarten, Ärmel hoch, Arbeitsplatte.


Omas Original-Teig ist komplett vegan. Na bitte. You will need:

  • 150 g Mehl
  • 50 g Magarine
  • 35 g Zucker (wer macht denn solche komischen Mengenangaben?)
  •  1/2 Pck. Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • etwas (Pflanzen)Milch - entschuldigt, hier war es, das Tierprodukt. 
Die Zutaten ergeben einen Knet-Teig, der in eine 26er-Springform gedrückt wird. Schön gleichmäßig, schön flach, bla bla. Zur Seite stellen.

Kümmern wir uns um den Quark. Ich bediene mich des Käsekuchen-Rezepts und habe am Vortag schon 2 Becher á 500 g Vanille-Sojajoghurt zum Abtropfen im Kühlschrank präpariert.
Damit ergibt sich folgende Zutatenliste:
  • "Quark" aus 1000 g Vanille-Sojajoghurt
  • 150 g Zucker
  • 2 EL Sojamehl, mit Wasser zu einer Pampe verarbeitet (ersetzt Eier)
  • 2 EL Grieß
  • 50 g zerlassene Margarine
  • Schale einer abgeriebenen Zitrone (Uuuuuuunbedingt! Herzstück der Eierschecke, damit steht und fällt alles!)
As simple as possible: Alles zusammenrühren. Drauf auf den Boden.
Bis jetzt war da irgendwie noch keine ernst zu nehmende Hürde. Gut, die Eier im Quark. Aber Sojamehl hat sich anderweitig schon vortrefflich bewährt, die Konsistenz überzeugt völlig... wird schon so in Ordnung sein.
Ich bin guter Dinge, schalte den Ofen zum Vorheizen auf 180 Grad und beuge mich über mein Rezeptbuch.
Schecke.
Äh, ja. 
Zuerst lese ich etwas von Eiweiß schlagen. Noch kein Problem, Kichererbsen im Glas stehen bereit. Veganer Eischnee nennt sich Aquafaba und besteht zum größten Teil aus Kichererbsen-Abtropf-Wasser. Klingt ekelhaft, ist es aber nicht.
Dann kommt: "Eigelb unterrühren". Na schön. Ich bin kein Fan von Ei-Ersatz-Pülverchen. Überhaupt gar nicht. Es behält diese Fertigprodukte-Instant-Brandmarkung in meinem Kopf, der es einfach nicht als Lebensmittel und essbar akzeptieren will. Nur Chemie!, brüllt das Hirn und versucht, die 6 €-aus-Neugierde-gekauft-Dose im Schrank zu ignorieren. Zerbreche mir den Kopf über das Eigelb. Recherchiere und finde heraus, dass die Schecke das Eigelb nicht der Stabilität oder Bindung wegen, sondern zum emulgieren braucht. Ach was.
Greife dann doch zerknirscht zur Dose. Rühre nach Packungsanleitung 1,5 Eier an.

Zur Übersicht, die Schecke:
  • 500 ml Pflanzenmilch und 1 Pck. Vanillepudding-Pulver (daraus einen Pudding kochen)
  • 100 g Zucker (um Gottes Willen! Weniger! Weniger!)
  • 100 g Margarine
  • angerührte 1,5 Eier aus Eiersatz
  • Aquafaba aus 1,5 Gläsern Kichererbsen
Den Pudding auskühlen lassen, die Margarine aber zeitlich so günstig einrühren, dass sie noch schmilzt. Auch das "Eigelb" und den Zucker unterrühren. Wirklich auskühlen lassen! Aquafaba herstellen und darunter heben.
Die Masse dann auf die Quarkschicht geben. Ofen.

Unter Omas Rezept steht: Mittelhitze, 60 Minuten, zwischendurch abdecken.
Ich schiele auf die Uhr. Habe für die Zubereitung eine gute Stunde gebraucht. Mit Denkpause.
Während ich den Abwasch erledige, klopfe ich mir innerlich auf die Schultern. Bin sehr überzeugt davon, ein großartiges Ergebnis aus dem Ofen zu zaubern. 


Als die Eieruhr nach 45 Minuten klingelt, hat sich, bis auf ein paar dunkle Oberflächen-Flecken, nichts getan. Ich decke vorschriftsmäßig mit Backpapier ab und stelle weitere 15 Minuten.
Klingeling: ungleichmäßig gebräunt, flüssige Mitte.
Ebenso nach 75 Minuten.
Ich beginne, mich von meinem Triumphgeheul zu verabschieden.
Nach 90 Minuten macht alles einen festeren Eindruck. Die Oberfläche ist fleckig weiß bis dunkelbraun. Drehe den Kuchen und verbringe die nächsten 20 Minuten vor dem Ofen in Beobachterstellung.
Nach 2 Stunden und 4 Minuten schalte ich ihn aus. Reicht ja jetzt mal. Bin sauer.
Die Obere Schicht wabbelt bedenklich. Optisch erinnert mich wenig an die Eierschecke von Oma. Mhpf. Dickflüssiger Pudding schaut durch einen Riss nach draußen. In meinem Kopf rotieren die Fragen: Warum...? Was habe ich falsch...? Fehlt etwas? Liegt das an dem Eigelb...? Wir das noch besser? Soll ich vielleicht doch nochmal in den Ofen...?

Beschließe, die Springform zum abkühlen ins Treppenhaus zu stellen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Vergesse sie da, bis das Kind aus dem Kindergarten geholt werden will. Stelle sie auf dem Rückweg in den Kühlschrank. Dort bleibt sie, bis am Abend meine Neugier mich fast zum platzen bringt.


Es ist auf keinen Fall empfehlenswert, die Eierschecke komplett auf eine Kuchenplatte umzusetzen. Gar nicht erst versuchen. Schnittfest war schon mal fester. Überhaupt... das Ergebnis enttäuscht mich optisch und Konsistenz-technisch auf ganzer Linie. Gut, die Oberfläche kann man mit ein wenig Fantasie noch ganz gut in die richtige Richtung verorten. Die Aufschnitt-Ansicht dann schon nicht mehr. Wabbelmasse meets flockigen Brei. Widerstehe dem Reflex, mit der Faust mitten in diesen Unfall zu schlagen. Das. kann. doch. wohl. nicht. wahr. sein. Nö!


Geschmackstest.
Nehme alles zurück! Optik wird überbewertet, auf die inneren Werte kommt es an! Diese pflanzliche Eierschecke steht dem Original in nichts - nichts! - nach, was den Geschmack betrifft. Fast schon würde ich behaupten, es gibt keinen Unterschied. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur entwöhnt. Jedenfalls... ist es großartig. Gigantisch! Köstlich!
Einziger Minuspunkt: zu viel süß. Aber da is(s)t ja jeder ein bisschen anders.

Meine Eltern werden omnivores Versuchsobjekt. Ich verschweige die wahren Zutaten und gebe mich maßlos enttäuscht: "Ich weiß nicht, warum die so geworden ist. Vielleicht war eine Zutat nicht mehr richtig gut?" - "Hast du Omas Rezept genommen?" (Mutti) - "Ja doch! Und ich hab alles genauso gemacht, wie es da steht. So wie immer! Ich weiß einfach nicht, warum..."
Papa, mit vollem Mund: "Reg dich mal ab. Schmeckt doch wie immer!".
Stilles inneres Schulterklopfen. Yeeeeeeeeeeeah.

Fazit und Fehlerbetrachtung:

  • weniger Zucker beim nächsten Mal!
  • oder: statt des Vanille-Sojajoghurts vielleicht die Natur-Variante nehmen, da der Joghurt schon vorgesüßt ist
  • habe für den Pudding Soja-Reis-Drink verwendet. Ab und an passiert es, dass ein Pudding damit nicht fest wird. Nehme idR immer Hafermilch, da gelingt es immer. War aber in dem Moment leider nicht mehr vorrätig. Könnte eine mögliche Erklärung für die Wabbeligkeit sein.
  • Andere Möglichkeit: habe den Pudding nicht gänzlich abkühlen lassen, sondern dickflüssig und sehr warm verarbeitet. Ungünstig.
  • Statt der 1,5 Gläser Kichererbsen habe ich das Wasser aus zwei ganzen verwendet. Getreu dem Motto "Was weg ist, brummt nicht mehr". Mh.
  • Vielleicht könnte man den Pulver-Eiersatz weglassen? Ob mit Eigelb oder ohne - geschmacklich gibt es ja, wie erwähnt, wohl eh keinen Unterschied. Und die Konsistenz gerettet hat es auch nicht. Also.
  • Es würde sicher Sinn machen, den Quark vorzubacken, um schon eine gewisse Stabilität zu erhalten. Hinterher lese ich, Aquafaba solle man auch bei Baiser-Torten nicht über 100 Grad erhitzen. Na schön. Also: Erst Quark backen, dann kurz und nicht zu heiß die "Schecke". Oder so.
  • Später oder gar nicht abdecken. Also mal ehrlich: So blass ist doch keine Eierschecke!
  • Trotzdem geschmacklich super gelungen, bin grandios begeistert und habe den halben Kuchen allein beim lesen verdrückt. Nachher war mir sterbens-elend. Aber das ist es verdammt nochmal wert gewesen.
Verbesserungen werde ich natürlich updaten, sollte ich in nächster Zeit nochmal einen neuen Versuch starten.

Lied des Tages.



"Sometimes I think I might be doing ok
Then instantly that feeling goes away 
Forgetten everything except my name 
I'm useless all the same 
I think I have the attention span 
the flight time of a boomerang 
The same duration as a minute man
It's useless all the same 

I wonder what I've got to do
To be on top of it like you
I don't want to be like this forever
So I'd better get my shit together 
I wonder do I still have time
To give myself a re-design 
Or maybe it's just too late 
Maybe I could train my brain to concentrate"
...

Maybe I could train my brain to concentrate!

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Anspruch und Wirklichkeit - Cooking Action und Spießbürger-Bekämpfung.

Das erste Review ist hier nachzulesen.


Anspruch und Wirklichkeit verhalten sich oftmals ähnlich wie vegan und Eierschecke.
Mein Anspruch ist, dem Kind ein alternatives Weltbild zu vermitteln. Weltoffen und nachhaltig. Tolerant und vielseitig. Abwechslungsreich und turbulent, trotzdem stabil und mit Bodenhaftung. Wer möchte das nicht für sein Kind?
Ich fahre wieder zur Cooking Action und möchte so viel. Menschen treffen. Jung sein. Gespräche haben. Mama sein. Marek andere Blickwinkel eröffnen (so wie man einem Zweijährigen eben andere Blickwinkel eröffnen kann). Kontakte knüpfen. Dem Kind ein Abenteuer bieten. Es mit... Fremdheit? Andersartigkeit? Gibt es dazu überhaupt einen positiv konnotierten Begriff, der ausdrückt, wie ich das meine? ...konfrontieren.

Der Ort nennt sich diesmal "Willi 42" und ist eine Hausprojekt-Baustelle. Ich möchte an dieser Stelle nicht ausufernd vom Eigentlichen abschweifen, darum gibt es hier viele weitere Informationen zum Projekt und den Menschen, die dort leben (werden).
Schräg gegenüber befindet sich das Jugendzentrum der letzten Aktion. Bass pumpt herüber. Mein Kind zieht an meinem Ärmel: "Ich möchte Musik hingehen!", tatsächlich spricht der Zweijährige auf einmal in fast ganzen Sätzen. Gehen wir also. Mit kochen können wir eh nicht.


Oldschool-HipHop-Meeting. Der DJ am Pult fasziniert Marek. Jeder Versuch, ihn zum Gehen zu bewegen (sind ja der Refugees wegen da), endet in lautem Protest. Eine Gruppe von Männern battled sich im Breakdance. Mein Kind ist verliebt, beobachtet fasziniert, tanzt ein bisschen. "Ich auch mit machen!"

Vor dem Tor bearbeiten zwei Männer Wände mit Spraydosen. Einen kurzen Moment lang frage ich mich, ob es so vorteilhaft ist, Marek daran aktiv teilhaben zu lassen. Ich frage mich, was wohl meine Eltern dazu sagen würden. Ich frage mich, ob, und wenn ja, welchen Lerneffekt das ganze auf mein Kind haben wird.
Verwerfe das dann.
Anspruch und Wirklichkeit.
Strahlende Kinderaugen.



Am Ende dann doch Willi 42. Es wird Open Air gekocht. Alles ist Open Air. Nach und nach trudeln immer mehr Menschen ein. Ausgenommen der Kinder und Geflüchteten drücken Sarah (eine Freundin) und ich merklich den Altersschnitt. Neben mir klettert ein Kind zum schlecht werden weit oben in einem Baum herum. Die Äste schwanken bedenklich. Niemand kümmert sich darum. Ich unterdrücke den Reflex, diesen fremden Jungen zum Abstieg zu bewegen und gebe nur den Tipp: "Pass mal bitte auf: Weiter vorn sind die Äste nicht mehr so stabil, um dich tragen zu können". Keine Antwort. "Alles okay bei dir?", fragt da plötzlich meine Bierbank-Sitznachbarin nach oben. "Jaja", der Junge setzt seinen Weg in den Baumwipfel fort. Die Frau widmet sich wieder ihrem Apfelsaft, nicht ohne mir vorher noch ein "Lass die Kinder wild sein!" ans Herz zu legen. Äh, ja. Danke.

Während mein wildes Kind mit einem Hund Stöckchen werfen spielt - weder Marek noch dem Hund wird für die nächsten 45 Minuten langweilig damit - versuche ich mich in einer Unterhaltung mit einem schwarzen Mann zu meiner rechten. Auch er schaut unruhig auf den Jungen in der Baumkrone. Wir lächeln uns an. "Dangerous!", meint er und deutet nach oben. Ich nicke zustimmend und verrenke mir nach Marek und Hund den Hals. Überlege, was ich wohl antworten könnte. "Your brother?", fragt der Mann und zeigt in Richtung des mit dem Hund verschwindenden Kindes. "My son!", sage ich und springe auf. Das Kind ist aus meinem Blickfeld verschwunden. Aus den Augenwinkeln sehe ich die kugelrunden Augen des Mannes.
Zu einer Unterhaltung kommt es danach nicht mehr.
Anspruch und Wirklichkeit.


Marek räubert herum. Sarah und ich stehen zwischen den Eltern und Refugees und beobachten ihn dabei. Das Lagerfeuer wird angezündet, eine Hippie-Atmosphäre breitet sich aus. Wieder diese Solidarität, dieses nicht fremd sein zwischen lauter fremden Menschen. Marek trägt Pflastersteine hin und her. Im Gegensatz zu den vielen Stadtkindern ist ihm die Erde, der Matsch, das Spielen zwischen Blätterhaufen, Bäumen, altem Ziegeln und in einem halb verfallenen Schuppen sehr vertraut. Ein anderer Junge seines Alters steht neugierig am Rand. Eine Weile tragen sie dann gemeinsam Steine und Stöcke von einem Haufen zum anderen, dann wird meinem Kind langweillig. Es quengelt. "Magst du mit den Jungs da auf dem Sandberg spielen?", frage ich. Seufzen. Das Kind: "Nein, möchte nicht Sandberg."
Anspruch und Wirklichkeit.
Neben uns eine Gruppe Syrer. Unterhalten sich leise ihn ihrer Sprache oder beobachten die Kinder. Lächeln. Sprechen uns schließlich an, Sarah scheint ihnen von anderen Aktionen bekannt zu sein. Ich versuche ein paar Sätze auf Englisch, aber eine Unterhaltung will nicht so richtig in Gang kommen. "I don't speak English", meint einer der Männer.
Es gibt eine große Kiste voll Bananen für alle. Ich schäle für Marek und wir lernen, dass موز (mauz, gesprochen "mous") das arabische Wort dafür ist. Wir sprechen es nach, die Männer lachen.


Es dämmert. Einige Geflüchtete packen die Deutsch-Hefte weg, über denen sie mit Hilfe einiger deutscher Eltern gesessen hatten. Ein Biertisch wird mit Tellern und Salatschüsseln ausgestattet, kurz darauf gibt es Reis mit Linsensuppe. Ich versuche den Syrern neben uns verstehen zu geben, dass sie sich gern auch etwas zu essen holen können. Sie winken lächelnd ab und zeigen auf Marek. "Baby", sagt einer. Erst, als ich mit Marek auf dem Schoß essend auf einem Platz sitze, den mir ein schwarzer Mann anbietet, stellen sich die anderen in der Essensschlange an. Eigenartig warm ums Herz.

Das Kind ist müde und muss trotzdem noch mit Fingerfarbe matschen. Soll mich aber mit blauen Fingern nicht anfassen. Die umstehenden Eltern lächeln halb verständnislos, halb solidarisch. Diese Melange aus anti-autoritärer Freiheit, Solidarität und Toleranz verwirrt mich. Das Kind auch. Es lässt sich bereitwillig die Hände putzen.
Anspruch und Wirklichkeit.




Mittwoch, 7. Oktober 2015

Brunchliebe!

Sie sind angebrochen.
Die letzten Stunden meiner Elternzeit. Die letzten Stunden, in denen das Kind im Kindergarten ist und Mama zu Hause all das tun wollte, wozu sie sonst nicht kommt... um dann doch wieder mit Teetasse und irgendwas essbaren die Zeitung / ein Buch / Online-Artikel zu lesen oder Pinterest zu durchforsten. Oder einfach ewig am Küchentisch sitzt, den ganzen Vormittag isst und aus dem Fenster starrt. Gedankenkarussel. Latent depressive Stimmung.

Ich erkläre solche Hang-around-Tage zum Brunch, um dem ganzen wenigstens ein bisschen den asozialen Nichtsmitsichanzufangenwissen-Touch zu nehmen und ihm einen Wellness-Mama-Verwöhn-Anstrich zu geben. Nun. Und um meine Figur vor dem gänzlichen breitlaufen (wie drückt man das denn besser aus?) zu bewahren, gibt es gesund.
Zum Beispiel diesen... äh... ich habe ihn "Frühstückskuchen" getauft. Kuchen hat bei einem Brunch eigentlich nicht allzu viel verloren, für meinen Geschmack. Brunch ist doch Mittagessen und Frühstück zusammen gelegt. Da Kuchen für mich aber unabkömmlich zum Wellness-Verwöhn-Dings dazugehört, versuche ich mich selbst zu überlisten. Gesund ist: Obst, Vollkorn, vegan, low fat, wenig bis kein Zucker, saisonal, regional.
Et voilá:


Für den Teig (Boden und Streusel zusammen):

  • 400 g Dinkel-Vollkornmehl
  • 200 g kalte Margarine (soviel zu: low fat....)
  • einen Esslöffel Zucker - Vollrohr!, alternativ: 2 EL Honig, für alle, die Honig noch essen. Wie ich.
  • 2 EL Leinsamen - geschrotet oder ungeschrotet ist hierbei wurst. Ich fand den Gedanken an Leinsamen im Streuselkuchen irgendwie nett und brotig-gesund. Jedenfalls: Mit etwas Wasser in einem Topf erhitzen und quellen lassen, damit daraus eine zähflüssige Grütze wird (Eiersatz).
  • 1 halbes Päckchen Backpulver
  • 1 Prise Salz
Außerdem:

  • eine Schüssel entkernte Pflaumen und klein geschnittene Äpfel, alternativ Birnen
  • Vanillepudding, gekocht aus eine halben Liter Hafermilch und einem Beutel Alnatura-Puddingpulver - aber ohne Zucker!


Zuerst den Vanillepudding kochen. Zum Abkühlen in eine zugige Ecke stellen. Die Teigzutaten miteinander in eine Schüssel kippen und kräftig kneten. Ungefähr die Hälfte des Teigs (oder etwas mehr davon) in eine gefettete 26er-Springform drücken. Den Pudding auf diesen Boden geben und Äpfel und Pflaumen möglichst dicht darauf dekorieren. Den übrigen Teig als Streusel drüber krümeln. Fertig. Ofen.

Ich hatte mich irgendwie auf den noch lauwarmen Apfel-Pflaumenkuchen gefreut. Denkste. Unbedingt vor dem Anschneiden gänzlich abkühlen lassen. Sieht sonst so aus auf dem Teller:


Irgendwie... verunglückt. Also doch nochmal in den Kühlschrank. 




Der Kuchen ist für ein ausgedehntes Ich-lese-nebenbei-alle-winzigen-Zeitungsmeldungen-Frühstück vortrefflich geeignet. Er ist nur dezent süß und befriedigt damit Kuchen-Gier und schlechtes Gewissen gleichermaßen. Unbedingt ausprobieren!


Sonntag, 4. Oktober 2015

Das Traumel...

...wohnt in meinem Kopf.
Es ist ein wildes Tier.
Woanders wollte man es nicht,
drum lebt es jetzt bei mir.

Das Traumel ist am Tages still.
Es schläft, macht keinen Krach.
Doch fallen mir die Augen zu,
dann wird das Traumel wach.

Es hüpft in meinem Kopf herum.
Es macht die Träume bunt,
und wenn das Traumel leise bellt,
träum ich von einem Hund.

Am Mittwoch war das Traumel krank.
Es hat gestöhnt, geweint.
Ich träumte eine graue Stadt,
wo nie die Sonne scheint.

Ich träumte einen Pflanzenbaum
mit einem schwarzen Mund.
Der fraß mich. Ich bin aufgewacht.
Das Traumel war gesund.


Jutta Richter

Freitag, 2. Oktober 2015

Kommt uns alle besuchen....

...wir haben wunderhübschen Türschmuck!


Das Schatzkörbchen läuft über. Schon auf dem Weg zum Kindergarten finden sich besondere (meint das Kind) Stöckchen und Steinchen, Eicheln und Ebereschen, die es sich lohnt, aufzuheben.
Wir basteln uns daraus eine Girlande für die Wohnungstür.

You will need:

  • ausreichend "Schätze"
  • einen langen Wollfaden
  • eine große stumpfe, kindergeeignete Stopfnadel
  • Kastanienbohrer
  • dicke spitze Nadel
Mama bohrt die Löcher vor, das Kind darf fädeln. Mein Zweijähriger arbeitet fast 45 Minuten konzentriert mit: "Alleine machen! Ich mach das! ALLEINE, Mama!". Ich bin stolz!








Donnerstag, 1. Oktober 2015

Schatzsuche.

Irgendwas muss der Mensch am Wochenende ja anstellen.
Als ich mit Omi der Stadt Leipzig einen Kurzbesuch abgestattet habe (vielleicht kann ich mich dazu motivieren, noch ein paar Bilder hoch zu laden), kniete ich vor dem Mendelssohn-Denkmal auf einmal in Kastanien. Schlüsselerlebnis! Trarira, der Herbst ist da! Wie elektrisiert das Kind geschnappt und raus, quer durch's Gemüse, Herbstluft schnuppern und Schätze sammeln.


Der Herbst ist mir die liebste Jahreszeit von allen. Ich atme die erdige Luft tief in mich hinein und kann die ersten bunten Blätter kaum erwarten. Farbexplosion. Überfluss an tollen Sachen. Endlich wieder Norwegerpulli und Wanderschuhe. Das Kind "findet" beim Nachbarn unter dem Baum einen Apfel und darf ihn behalten. 
"Oh, Mama, schau, Äpfel bautz gemacht!" - "Wenn die Äpfel reif sind, fallen sie vom Baum runter, das ist ganz normal." - "Onkel aufheben muss! Essen!"


Zuhause üben wir uns dann gleich mal in Naturstudien. Das entstandene Kunstwerk wurde dem Mann mit den Äpfeln geschenkt. Dürfen dafür einen Eimer füllen. Gepriesen seist du, Dorfleben!