Donnerstag, 26. November 2015

Nicht irgendeinen Kalender...

...sondern einen zum individuellen Befüllen wollte ich gern für mein Kind. Schon immer. Habe ich auch, seit letztem Jahr schon.
Entsetzt sehe ich die Zeit auf den ersten Dezember zurasen. Mir stellt sich wieder mal die Frage nach dem Inhalt. Die Ansprüche sind irgendwie hoch: möglichst klein, damit es in die Säckchen passt, kein Süßkram, den Interessen meines Sohnes entsprechend und trotzdem nicht zu einseitig, förderndes und forderndes Spielzeug zum Lernen und Entdecken, wenig bis kein Plastik, vegan (?), lustig, Spaß bereitend und Kreativität anregend, .... und das alles auch noch zu möglichst kleinen Preisen. Äh.

Das Internet weiß von hunderten Vorschlägen, die meistens irgendwie... teuer oder doof.
Hier kommt meiner.

Ideen für einen DIY-Adventskalender für Jungs zwischen zwei und drei Jahren:


1 kleine Pixiebücher (vor bzw. in jeder Buchhandlung, Kostenpunkt: 99 Cent)
2 Nagelbürste zum Schrubben von sämtlichen Oberflächen - wie Mama!
5 Mandarine (oder sagt man jetzt Clementine dazu?)
6 Faschingströte, im Spielzeugladen, 1€-Geschäft oder Kaufland (Fackelmann)
9 IKEA-Fingerpuppen "JÄTTELITEN"
10 Mini-Fruchtriegel zum Beisiel von dm (babylove) oder auch Rossmann

Dienstag, 24. November 2015

Weihnachtsbäckereikleckerei - vegane Lebkuchenmenschen

Kürzlich haben wir die Weihnachtsbäckerei-Saison offiziell eröffnet. Traditionell, mit den Fingern im Lebkuchenteig. Das neue in diesem Jahr: unsere Lebkuchen sind vegan. Und anders als alle anderen Rezepte - zum Teil von meiner Pulsnitzer Urgroßmutter persönlich (Familiengeheimnis, rücke ich nicht raus, nö!) - ist es super simpel und gelingt jedem noch so gestressten Studenten, jeder Chaos-Mum, wirklich jedem.


Was ihr braucht:

  • 500 g Vollkornmehl nach Wahl, ich nehme immer Dinkelmehl
  • 100-150 g Zucker, das entscheidet wieder die Vorliebe
  • 200 ml Sojasahne
  • 5 EL Backkakao
  • 2 EL Lebkuchengewürz, 
  • oder die Einzelbestandteile: Zimt, gemahlene Nelken, Anis, Muskat, Kardamom, Koriander
  • 1 Pck. Weinstein-Backpulver
  • Pflanzenmilch, zum Ausgleich, falls es zu trocken ist und später, zum bestreichen
...daraus werden 50 kleine oder 35 größere Lebkuchenmänner- und frauen und -kinder.

Alle Zutaten miteinander verkneten. Die Pflanzenmilch dazu schon offen neben die Knetschüssel stellen und bei Bedarf Flüssigkeit zugießen.
Den Teig Kinderfinger-dick ausrollen, dann Lebkuchen-typische Figuren ausstechen, mit Pflanzenmilch bestreichen und bei 180°C zehn Minuten backen. Dass sie anfangs noch weich sind, ist absolut richtig!


Fotos von den fertigen Produkten gibt es vor Weihnachten. Bestimmt. Versprochen!

Samstag, 21. November 2015

Schnelle vegane Vollkorn-Rosinenbrötchen am Samstag Abend.


Das Kind erwacht aus dem Mittagsschlaf und will "frühstücken".
"Quatsch", sage ich, "Nachmittags kannst du einen Keks essen, wenn du möchtest?!"
- "Sinenbrötchen!", ruft das Kind.

Rosinenbrötchen habe ich keine im Haus. Und der Dorf-Bäcker hat Samstag Nachmittag auch nicht mehr geöffnet. "Siiiieeenenbrötchen!", beharrt mein Sohn.
"Wie können nur selber welche backen...?", überlege ich laut. Strahlend flitzt Marek in die Küche.
(so passiert letzte Woche)

You will need:

  • 500 g Vollkorn-Mehl
  • einen EL Zucker
  • 1 Pck. Trockenhefe
  • 250 ml Sojamilch, und zwar: lauwarm (und extra noch einen Schluck für später, zum bepinseln)
  • 60 g weiche Margarine
  • 1 Prise Salz
  • Rosinen nach Vorliebe


Die Trockenhefe in der Sojamilch einrühren und stehen lassen, bis alle anderen Zutaten abgemessen und vom Sohn in die Schüssel befördert worden sind. Das tolle an selbst gemachten Rosinenbrötchen ist, dass man die Dichte an Rosinen selbst wählen kann. In unserem Fall: 6 Stück auf 1 cm³.
Milch-Hefe-Gemisch zum Schluss dazuschütten, kneten, mit einem feuchten Tuch abdecken und (günstig) auf die Heizung zum Gehen stellen.

Anziehen und an die frische Luft.

Kurz vor dem Abendessen sind wir zurück. Marek staunt: Der Teig hat sich auf wundersame Weise verdoppelt. Na sowas!
Wir rollen kleine, Kinderhand-große Kullern daraus.


Backofen schon vorheizen, auf 200°C.
Die Kugeln auf ein Backblech setzen und mit Sojamilch einpinseln.


Ofen.
Für ungefähr 20 Minuten, bei 180°C Umluft.




Mittwoch, 18. November 2015

Wickelkreuztrage für Pandas, Fieberthäter und Gelichter - November in Hinterkaffhausen.

Als hätten wir es nicht schon alle geahnt, wird das Kind auch noch krank. Im Hamsterrad aus Uni, Kindergarten, Bügelbrett und Spielplatz hat plötzlich einer einen Ast in die Speichen gesteckt. Gerade als es im Begriff war, sich endlich reibungslos zu bewegen und an Fahrt aufzunehmen. Prima.
Ich akquiriere die Großeltern und werfe sämtliche Pläne in den Papierkorb. Die Nächte sind unergiebig, müde bette ich meinen Kopf auf den Klapptisch in Hörsaal 3. Die Augenringe schleifen beim Gehen auf dem Boden, äh.. was hast du gesagt?. Wenigstens ist das Wetter schön.

Schnell nach der Uni die homöopathische Hausapotheke auffüllen. Springe in der Haltebucht vor der Apotheke aus dem Auto, direkt in die Arme von Esme-Carina-Mama (Remember?). Werde übertrieben freundschaftlich begrüßt ("Aaaaach, na des is ja'n Zufall, meine Liebe!"), dann aber gespielt mitleidig gemustert: "Oh wei! Du siehst aber ein bisschen kränklich aus, nicht?" (Ein bisschen?)
"Na also ich habe die ganze letzte Woche mit einem grippalen Infekt gelegen, du, ich sage dir, mir war elend wie Sterben Christi, du. Ich habe das ja immer gleich richtig, weist du. Und mein Arzt meinte auch..."
Stur lächeln und nicken.
"..vor fünf Jahren hatte ich ja diese schlimme Angina und seitdem lasse ich mir lieber gleich ein Antibiotika..."
Ah, mh, verstehe.
"...und natürlich muss man das immer richtig auskurieren, nicht wahr, das geht ja sonst aufs Herz. Darum bin ich noch bis zum Ende dieser Woche krank geschrieben...."
Habe versprochen, zum Mittagessen wieder zurück zu sein. In zehn Minuten. Muss niesen. Irritiert unterbricht Esme-Carina-Mama ihren Krankheitsmonolog: "Siehst du, so fängt das bei mir auch immer an! Lass dich gleich krank schreiben, meine Liebe, ich sag dir, sonst da geht es dir wie mir, als ich...."
Wie komme ich hier bloß wieder weg?
"...und ihr Studenten habt ja doch recht wenig zu tun, nicht wahr? Da kann man sich schon mal eine Auszeit..."
Grr.

Zuhause begrüßt mich ein sichtlich überforderter Opa. Das Lego liegt verstreut im ganzen Treppenhaus, stummer Schauplatz eines vergangenen Wutanfalls. "Hat er noch Temperatur?", frage ich, beantworte mir diese Frage mit Blick auf mein rotbäckiges Kind im gleichen Moment selbst. Falsche Frage. Verzweifelt wirft Opapa die Hände zur Decke: "Woher soll ich denn...? Der Junge lässt sich einfach nicht Fieber messen!"
Na da werden wir doch mal... Wo ist denn...?
Verdächtig stilles Kind. Mit dem Rücken zur Wand. Ich höre es piepen. Frage: "Hast du das Thermometer genommen, Marek?" Oh, dieses Mienenspiel! Dann, bemüht beherrscht, leicht schwingt schon ein verzweifelt-weinerlicher Unterton mit: "Keine Ahnung Mama! Marek hat nicht Fieberthäter!"
Doch.
Kampf.
Gebrüll.
38,6.
Seufzen.
Der heiße Kopf schmiegt sich beim Mittagsschlaf an mich und ich muss ihn immerzu streicheln. Mit müden Augen lese ich den Skript der Vorlesung, die ich heute morgen lediglich körperlich besucht habe. Schlafe wieder darüber ein.

Zwei darauffolgende Tage später sind die Wespen im Kinderpo zum blühenden Leben zurückgekehrt. Die Gemeinde lädt zur Martinsandacht mit anschließendem Lampionumzug. Schnell die Tasche in die Ecke gestellt und im Schrank nach der Wintermütze gewühlt. Und wo haben wir letztes Jahr diesen Laternenstab...?
Das Kind möchte den Heiligen Panda dabei haben. Und die Laterne. Nebst Lichtstab. Und die "Trinkbulli" auch noch. Und 'nen Keks. Logistisch schwierig. Ich versuche es mit mütterlicher Diplomatie.
"Iss doch den Keks gleich noch. Und trink einen Schluck, dann steckt die Mama die Flasche ein."
- "Nein, tragen!"
"Dann bleibt aber der Panda hier."
-"Panda auch Laterne gehen!"
"...nicht heute. Heute wartet er im Warmen."
-"Panda mit-geh-en!"
"Du hast doch gar keine Hand mehr frei, wenn du deine Flasche im Arm hast. Lass mich die Flasche..."
-"Nein, Mama!"
Unten beginnt schon das Martinsgeläut. Wir werden wohl zu spät kommen wenn nicht gleich...
"Der Panda bleibt hier. Du verlierst ihn nur!"
-"Neeeein. Panda muss Laterne gehen!"

Manchmal staune ich über mich selbst. Werfe einen besorgt-gehetzten Blick zur Uhr (wie so oft in den letzten Tagen und Wochen. Die Uhr und ich... sind erzverfeindete Gegenspieler geworden) und treffe auf halbem Weg mein Halstuch an der Gaderobe. Oh. Moment.
Wie im Tragekurs gelernt schlinge ich eine mehr oder weniger vorbildliche Wickelkreuztrage um den Kinderkörper. Mit Panda. Ehrfürchtig dreht und wendet sich mein Sohn vor dem Spiegel. "Marek ist ein Papa!", stellt er fest.
Eilig drücke ich ihm Flasche und Lichtstab in die Hand und lasse hinter uns die Tür ins Schloss fallen. Kurz vor der Kirche fällt es ihm auf: "Laterne, Mama?". Mist.



Natürlich kommen wir zu spät. Die Kirche ist sporadisch besetzt, ausschließlich Kindergarten-Eltern und zugehörige Kinder. In der Nähe der Tür erkenne ich Esme-Carina-Mama, die bei unserem Eintreffen euphorisch den rosa-Blinkerherzchen-Laternenstab der Tochter im Takt von "Ich geh mit meiner Laterne..." schwenkt. Nö.
Kaum haben wir uns platziert, verlangt das Kind nach der Trinkbulli, dann nach einem weiteren Keks, dann wieder nach der Bulli, dann möchte es den Laternenstab herumschwenken.
Licht an. Licht aus. An. Aus. An. Aus. An. Aus.
"Hör auf jetzt! Da gehen doch die Batterien runter!", flüstere ich streng ins Kinderohr, während die Älteren vorn die Geschichte vom Heiligen Martin nachstellen. Interessiert Marek nicht. An. Aus. An. Aus. Beherzt greife ich ein, entwende den Stab. Gebrüll. Keiner versteht mehr einen der hübsch auswenig gelernten Sätze aus dem Altarraum. Esme-Carina-Mama dreht sich um und mustert uns mit zusammengekniffenem Mund. Esme-Carina spielt vorn einen der Stadttor-Wächter.
Später fällt meinem Sohn ein, dass man mit dem Stab (habe ihn der lieben Ruhe halber gestattet, nachdem ich die Ersatzakkus in der Jackentasche fühlte) auf den Köpfen der Leute vor uns herumhämmern kann. Nein, Kind!
Nocheinmal später (habe das störende Objekt Kind aus der Kirchenbank entfernt, stehen nun im Gang mit Fluchtoption Tür) schwenkt er diesen grässlichen Stab so schwungvoll in alle Himmelrichtungen, dass schließlich Plastik-Schutzhülle über dem und das Glühlämpchen selbst auf dem harten Kirchenboden ihre letzte Ruhe finden. Das wars dann, mit Laternenstab. Das Wutgeheul ereilt mich vorausschauend erst vor der Kirchentür.



Der Umzug.
Haben von der eiligen Oma einen Zweit-Stab erhalten (schon wieder pädagogisch un-wertvoll) und schließen uns den bunten Lampions an. Esme-Carina-Mama an meiner Seite: "Naaaaaa? Geht's euch armen Mäusen wieder besser?" Äh, ja, danke. "Das ist ja sooo schön, diese ganzen Lichter, nicht wahr, sooo schön! In meiner alten Heimat gab es diese Tradition, dass alle..."
Ich nicke, lächle und habe kalte Füße. Freue mich auf den Tee im Pfarrgarten.


Montag, 16. November 2015

Bassbarden-Kuchen für Fangirls (und -boys).


Neulich habe ich den Wenn-ich-das-Studium-nicht-packe-Plan-B-Job geprobt. Catering-Service, selbstständig, unabhängig und emanzipiert. Vegan (naja, fast), bio (auch... fast...).
Das wäre schon was, womit ich mich wirklich anfreunden könnte. Vor allem Band-Catering ist fein. Ohne Stärkung keine (gute) Musik. Wir unterschätzen die Macht der Menschen im Backstage-Bereich!

Nunja, große Worte. Die Wahrheit: Ich habe Brötchen belegt und nebenbei noch schnell einen Kuchen zusammengerührt, für die Band eines Freundes. Trotzdem! Die Musik war klasse, der Abend war klasse und der Kuchen... war auch klasse.


Für potenzielle Fangirls und -boys hier das Original-Rezept des... nennen wir ihn den Bassbarden-Kuchen.

Teig: ...dieses universelle Grundrezept mit etwas weniger Flüssigkeit, dafür viel Kakao und viel gehackte Schokolade.

Deko: Schokoglasur (die Alnatura Kuvertüre aus dem dm ist übrigens vegan, daraus kann man mit Kokosfett eine tolle Glasur herstellen - Schokolade schmelzen, in einem anderen Topf ein bisschen Kokosfett. Dieses dann tropfenweise unter Rühren unter die Schokolade geben) und Mandelblättchen.

Soundtrack: Heinrich und Ich - Missgeschick (ein Lied aus dem Bandrepertoire, ursprünglich ein Soloprojekt des Gitarristen).




Samstag, 14. November 2015

Zuhause. Lied des Tages.



...
Mein Herz ist ein Campmobil,
und ich will segeln gehen,
und jeden Tag ist alles neu.
Und alles ist gut, 
nichts macht mir Angst.
Und ich bin dir immer noch treu. 

Nur dein liebes Gesicht
macht mich zuhause auf der Welt.

Dafür bleib ich hier
und dafür komm ich wieder,
und dafür könnt ihr mir 
alle gestohlen sein!

Ich hab verlorenes Gepäck,
es ist irgendwo, aber 
immer noch mein - und

Nur dein liebes Gesicht 
macht mich zuhause auf der Welt.

Ein Rundfunkmast funkt rund
und ich hab meinen Raketenrucksack auf.
Ich muss wieder fort,
ich muss ganz hoch hinauf.

Ich geb mir viel Mühe allein
zufrieden zu sein
Und vielleicht sieht es so aus.
...












Mittwoch, 11. November 2015

Morgens riecht es schon nach Winter.

Ich möchte ihn festhalten, den Herbst. So lange wie möglich. Suche im Supermarkt nach Laternen für den Martinsumzug und stelle fest, dass diese schon der Weihnachtsdeko weichen mussten. Mhpf.

Bevor es zu spät ist, kommt hier eins meiner absoluten Lieblings-Herbst-Essen. An Geschmack und Einfachheit nicht zu überbieten!


Frau nehme einen niedlichkleinen Hokkaido-Kürbis. Salz und Pfeffer. Und ein scharfes Messer.
Kürbis halbieren, mit einem Esslöffel entkernen und dann in Spalten schneiden. Auf ein bebackpapiertes Backblech legen, salzen, pfeffern und für eine halbe Stunde bei 180°C Umluft backen.

Dazu passt: Reis. Und, die absolute Krönung: gebratene Waldpilze on top. Aber davon gibt es leider im November kaum noch welche...

Ganz schön großartig.


Samstag, 7. November 2015

This is NOT okay! - die Fortsetzung.

Im Sommer habe ich im Feld gestanden und fürchterlich ungeschickt herumgehampelt. Für ein paar schicke Fotos mit modisch fragwürdiger Matrioschka-Tunika. An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön an S. hinter der Kamera -  Danke, für deine Geduld mit mir!

Um was ging's? Hab ich in diesem Post nur kurz anreißen können. Weil spät - wie immer.


Eine Katalog-Protestaktion also. Die Aufgabe: Nähe dir ein komplettes Outfit (oder einen Teil davon und ersetze den übrigen Teil durch Fairwear), fotografiere dich damit und poste das. Die Intention: spüren, wie aufwendig und teuer schon ganz simple (!) Kleidungsstücke und Schnitte sein können. Wie empfindlich es die Haushaltskasse trifft, wenn frau nur ein paar fair gehandelte Strumpfhosen kauft. Strumpfhosen, Damen und Herren, einfach nur Strumpfhosen! Die Einsicht, dass da was faul sein muss an den Preisen bei... na, fangen wir nicht wieder von der bösen Kette mit P an.
Aus den Fotos der Teilnehmerinnen sollte ein "alternativer" Katalog entstehen. Kein gephotoshoppter Magermodel-Fast Fashion-Katalog, sondern ein authentisches, total konträres Werk. Mit lauter individueller, mit den eigenen Händen oder vernünftig bezahlt hergestellter Kleidung.
Um zu zeigen: Es geht! Es ist möglich! Es sieht toll aus! Und es macht Spaß!

Und nun ist der da, der Katalog. Ich bin bis über beide Ohren in einen Verzweiflungssumpf aus Altgermanistik und Ablaut versunken, dass ich die Erscheinung völlig verpasst habe. Nun aber! Wieder ist es spät und wieder hat Initiatorin Susanne die treffendsten Worte dazu gefunden.
Lasst sie mich zitieren:
"Kleidung ist nicht nur irgendein modisches Fetzerl, das einem hilft cool auszusehen. Nein, Kleidung bedeutet so viel mehr! In jedem Kleidungsstück steckt Kreativität und eine beachtliche Menge an Arbeit. Diese Arbeit sollte fair bezahlt werden und zwar ÜBERALL AUF DER WELT!
Wir akzeptieren nicht, dass eine Näherin in Bangladesh 70 Stunden in der Woche arbeitet und mit dem Lohn nicht einmal die Basis - Versorgung ihrer Familie gewährleisten kann. Und am anderen Ende der Welt kaufen die Leute billige Shirts, tragen diese eine Saison und werfen sie dann weg!
 Mit unserer Aktion machen wir darauf aufmerksam, dass Mode-Konzerne sehr wohl dafür Verantwortung tragen, dass in ihrer Produktionskette durchgehend Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden. Wir finden diese überbordende Profitgier auf dem Rücken von Menschen nicht akzeptabel!
In unserem Katalog kann man nichts bestellen. Nein! Er soll euch zeigen, dass ihr damit nicht alleine seid, wenn ihr darüber nachdenkt, euer Kauf-Verhalten zu ändern! Wir sind auch dabei!
304 Seiten geballte Freude an Kleidung!"
Unterschreibe ich so. Prompt.
Und jetzt Bühne frei für das großartige Exemplar! (PS: Seite 107....)


Sonntag, 1. November 2015

Urlaub auf der Badematte.

Ich bin müde.
Erinnere mich nicht, je so müde gewesen zu sein. Draußen ist es noch dunkel, das Licht im Bad macht meine Haut blass und fahl - aber vielleicht ist sie das auch. Und die Augen. Dunkellila Ringe. Tief in den Höhlen liegen sie, ich blinzele mein Spiegelbild an. Taptaptap, nackte Kinderfüße auf dem Linoleum im Flur.

Menschen. Der Bahnsteig ist zugig. Grau. Etwas drückt mein Herz zusammen, bekomme schlecht Luft. Ein blonder Kinderkopf und ich möchte ihn streicheln. Körper. Ein Schieben und Drängen, ich passe mich ihren Bewegungen an, werde hineingedrängt. Anpassung. Die Müdigkeit wie ein Schleier vor meinen Augen. Und gleichzeitig eine flirrende Elektrizität. Stickiges Abteil, atmende Körper, Atem, ich ringe nach Luft. Hitze. Dieses frösteln, dieses elektrisierte Zittern in mir, krampfende Bauchmuskeln, flaues Gefühl. Ich versuche zu lesen, meine müden Augen rattern über die Zeilen, bleiben hängen, stolpern. Kurz bewege ich mich in der Zwischenwelt – bin wach und sehe die schwarzen Zeilen auf weißem Grund, schlafe und träume. Die Fahrscheine, bitte.

Mir gegenüber sitzt ein junger Mann. Wir zücken gleichzeitig unsere Studentenausweise, greifen danach gleichzeitig wieder unsere Bücher und jetzt erst sehe ich, dass er das aufgeschlagene Buch beim Lesen genauso umschlägt wie ich. Die Buchrücken gegeneinander gedrückt, der Steg überstreckt, wir wissen beide, dass man so nicht mit Büchern umgehen sollte. Umgehen kann. Ich sehe die schwarzen Zeilen. Wörter. Sätze. Syntaktische Verbindungen, deren Sinn sich mir nicht ganz offenbaren will. Heute. Morgens. Gähne müde und frage mich, ob es meinem Gegenüber genauso geht. Frage mich, welchen Titel wohl das Cover trägt, welches er so sorgsam vor neugierigen Blicken verbirgt. Schaue auf. Schauen uns an. Die zufällige Spiegelbildlichkeit unseres Handelns lässt uns lächeln.

 Fjällraven Rucksäcke. Überall. Campuscode. Ich schließe im Bus die Augen und das Summen der Stimmen hämmert als diffuses Geräusch auf meine Trommelfelle. Die Gemurmelblase schwebt bis unter die Decke, platzt, der Inhalt schwemmt mich nach draußen. Folgsam reihe ich mich ein. Blick gerade. Rücken gestreckt, krampfende Bauchmuskeln, elektrisiertes Zittern. Meine müden Augen wandern unruhig zwischen den jungen Menschen, habe das Gefühl beobachtet zu werden. Wiederwillig klappe ich mir im Hörsaal Sitz und Tisch zurecht.

Meine Schrift ist fahrig. Interaktion. Kann nicht zuhören. Gemurmelblase. Menschen. Anpassung. Verwischte Wimperntusche unter müden Augen auf der Damentoilette. Verzerrt lächele ich den Kopfschmerz zur Seite, Küsschen links, Küsschen rechts und dir auch einen schönen Nachmittag.

Überhitztes Gesicht und krampfende Bauchmuskeln. Versuche mich auf diesen Text zu konzentrieren, meine müden Augen wollen sich nicht scharf stellen. Sin swebendez herze daz verswanc, sin swimmendiu vreude ertranc. Flirrende Elektrizität. Einatmen, ausatmen. Körper. Schieben und Drängen. In der Menge ein blonder Kinderkopf und ich möchte ihn streicheln. Warten.

Öffne die Kindergartentür und versuche mich zu sammeln. Immernoch diese Elektrizität. Einatmen. Schon klebt das Kind an meinem Bein und ich schlucke schwer an dem Kloß im Hals. Verheddere mich in den Worten. Fällt schwer, die richtige Tonlage zu finden, als ich die Erzieherin nach dem Tag frage. Der Schalter im Kopf klemmt. Zuhause. Tasche auf dem Boden und Staub auf der Fensterbank, piepiepiep piept der Geschirrspüler ungehört seit heute morgen. Draußen ist es schon fast wieder dunkel, das Licht im Bad macht meine Haut blass und fahl. Die Wimperntusche ist verwischt. Immernoch. Neben mir legt sich das Kind auf die Badematte.
Was machst du da? – Urlaub.