Dienstag, 3. März 2015

Spricht das Kind.

Zuhause bei Familie L.
Kurz nach dem Frühstück. Ich räume das schmutzige Geschirr in die Spühlmaschine, als das Kind energisch an meiner Hand zieht. Soll heißen: "Mitkommen, sofort."
Ich folge treu ergeben ins Wohnzimmer, zum Schrank. Das Kind ist aufgeregt quengelig, rüttelt und zieht an den kindergesicherten Türen. Fragend hängt es sich an mein Hosenbein. "Was willst du denn da drin?", will ich wissen. Bin verwundert. Im Wohnzimmerschrank ist die Weihnachtsdeko. Meine Nähstoffe und Zubehör. Und ein Körbchen... mit Schokolade.
Als einziges Objekt der Begierde fällt mir die Milkatafel ein. Aber woher...? Kann mich nicht erinnern, mich jemals in seiner Gegenwart an einer Schokoladentafel bedient zu haben, schon gar nicht aus diesem Schrank. Wäre wohl auch eher ein Frevel, bei diesem verfressenen Kind.

Das Quengeln hebt erneut an. Kind deutet zum Schrank, trampelt, zetert, sieht mich schließlich mit Leidensmiene an und patscht seine Händchen zusammen. Soll heißen: "Bitte Mama! Bitte bitte bitte!".
Ich zucke nachgebend die Achseln. Denke, könnte ihm ja mal zeigen, dass da nichts drin ist, was er kennt. Denke, vielleicht hat er sich im Schrank geirrt und meint den mit der Knetmasse.
Ich öffne die Kindersicherung. Zielstrebig greift mein Kind zum Naschkörbchen. Routiniert, als würde er es kennen. Reicht mir die Tafel Milka und grient. "Und jetzt?", frage ich verblüfft, "Was willst du denn jetzt damit machen?"
"MAMAM!", jubelt mein Sohn und patscht in seine Händchen: Bitte Mama! Bitte bitte bitte!

Nachdem wir uns beide die Kuhflecken gegönnt haben, hake ich argwöhnisch nach: "Wer hat dir denn gezeigt, was da drin ist?"
Das Kind, den Mund braun verschmiert, drückt sich an mein Knie, sieht schräg zu mir auf und grinst: "Papa."