Samstag, 7. März 2015

Tutorial: Political Correctness oder Upcycling (für fortgeschrittene Chaoten).


In meinem Kleiderschrank ganz hinten stehen zwei Tüten: Eine Kleiderkreiseltüte und eine, über der ein unsichtbares Fragezeichen schwebt.
Neulich fand ich die Palitücher. Ganz hinten, ganz unten. Will die noch wer...?
"Insbesondere die politische Strömung der Antideutschen und Teile der antinationalen Linken kritisieren das Tragen der Kufiya als Symbol des Kampfes und Terrorismus gegen Israel. In Deutschland wird die Kufiya seit Ende der 1990er Jahre zunehmend auch von Rechtsextremisten und Neonazis (siehe zum Beispiel die Freien Kameradschaften) getragen. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Verwendens linker Symbole, das seit den späten 1990er Jahren häufig in der rechtsextremen Szene zu beobachten ist, um sich als sozialistisch oder revolutionär darzustellen, ist aber andererseits auch Ausdruck einer antiisraelisch motivierten Parteinahme für die Palästinenser im Nahost-Konflikt oder schlicht Antisemitismus mit historischer Referenz." (wikipedia.org)
Äh... nein.Weg damit. Oder Moment...

Das Schnittmuster, welches der Bluse zu Grunde liegt, ist dieses hier ("Shirt Kaschi"). Allerdings kann ich das aufgrund meiner mittelgroßen 167 cm Körpergröße immer reichlich 10 cm unten kürzen. Ich trage auch Größe 34/36, für größere Größen ist dieses Tutorial nur dann geeignet, wenn man zwei identische Tücher besitzt, da sonst der Stoff nicht ausreicht. Für die langen Ärmel wird es ohnehin knapp, aber die kann man im Schnittmuster auch zu 3/4-Ärmeln kürzen und fertig.

Tuch auf dem Fußboden ausbreiten, Schnittmuster auflegen und drum herum schneiden. Routine-Arbeit für alle, die mit dem Klamotten-Schnittmuster-Nähen ein klitzekleines bisschen vertraut sind.


Sobald beide Ärmelteile ausgeschnitten sind, zunächst jeweils die gerade Kante säumen. Das wird später mal der Bund, der um den Arm sitzt, der soll ja nicht fransig sein.


Alle ausgeschnittenen Teile werden dann am besten so angeordnet:


...und aneinandergesteckt. Die Seite, die zum Fußboden zeigt ist hier die rechte. Es wird also rechts auf rechts gesteckt (schön auf schön) und auf der linken Seite genäht.


Ultra wichtig beim nähen ist: sehr sehr knappkantig nähen. Sofern es der fransige, faserige Tuchstoff eben zulässt. Aber er dehnt sich nicht und sitzt dann entsprechend eng.

Wenn die vier Teile zusammengefügt sind, sieht es schon ganz schön nach Pulli aus. Jetzt werden Vorder- und Rückseite verbunden, indem die langen Seiten aneinandergenäht werden. Inklusive Ärmel. Ich hoffe, das Bild ist ganz aufschlussreich.

Mit dem unteren Rand der Bluse/des Pullis/des Oberteils/des Experiments/... wird jetzt ebenso verfahren wie mit den Ärmelteilen vorhin: gesäumt.

Dann kommt der kniffligste Moment: Das Halsbündchen. Da funktioniert umschlagen-annähen ja nicht mehr so wirklich. Aber die Überreste des Tuches helfen weiter: Ein langer schmaler Streifen Stoff (ca. 3 cm Breite) sollte noch brauchbar sein. Mit einem Maßband wird der Umfang des Halsausschnitts gemessen. Ungefähr so lang sollte auch der Stoffstreifen sein. Vielleicht gute 5 cm kürzer.
Der Stoffstreifen wird nun in der Mitte gefaltet. In der Längen-Mitte. Schön auf Schön. Er ist dann nur noch weniger als halb so lang wie der gemessene Ausschnitt-Umfang. Verständlich? Die offene Seite wird knappkantig zusammengenäht. Man erhält einen kleinen Loop.

Der wird nach innen eingeschlagen. Die Breite nun also um die Hälfte reduziert. Und dann so, schön auf schön, den Halsausschnitt entlang angeheftet:




..und angenäht.

Das wars. Pali-Bluse fertig.

Das Foto hat meine Omi gemacht. Sie ist eine ältere Dame und hatte vorher noch nie eine digitale Spiegelreflex-Kamera bedient. Ich bitte für die Qualität und die Maße des Fotos um Entschuldigung. Aufrichtig.


Sonst soweit alles klar?
Für die, die sich jetzt am Kopf kratzen ("Hä? Was? Wie jetzt? Warte... nee?!") stehe ich für Fragen zur Verfügung. Sofern es nicht schon an den Grundlagen scheitert. Ich habe zu wenig Fotos hiervon, um Oberteil nähen als Anfänger-Tutorial aufzuziehen. Sollte das aber gewünscht sein, vom Urschleim an, ganz detailliert und mit brillanten (haha) Farbfotos unterlegt - dann bitte ein Feedback. Ich mach das gern. Wirklich.