Freitag, 20. März 2015

"...Er arbeitete als Architekt und Lebemann".

Wieder Oberschule.
Wieder Freitag.
Wieder morgens, wieder müde.
Wieder ein harter Stuhl und monotones Gebrüll in meinen Ohren.
Prüfungsvorbereitung, Klasse 10. (Ja, Gebrüll.)
"Bei welcher Aufgabe bist'n du?", von hinten links nach vorne rechts kommuniziert.

An meinen Augenliedern hängen Tischtuch-Beschwerer-Clips und machen das wach bleiben unerträglich. Ich habe hier auch nichts zu tun, keine Schreibaufgaben, keine Hilfestellung, keine Interaktion. Arbeitsauftrag: Lehrerverhalten beobachten. Wie hätte ich in den Situationen...?
Wäre wohl gegangen.
Jetzt.
Der Lehrer sitzt über Korrekturen gebeugt, ich hänge mehr auf dem Stuhl, als dass ich sitze. Das Klassenzimmer verschwimmt vor mir zu einer wabernden Murmel-Masse an Köpfen. Gemurmel. Ich versinke in die Zwischenwelt, zwischen Traum und Wirklichkeit, ein Wattebausch-Zustand, konzentrationslos, losgelöst, weit weg.

Mein Bein zuckt. Erschrocken setze ich mich gerade. Fast eingeschlafen. Hoffentlich hats keiner...
Gemurmel, Gelächter, Gewühl und fliegende Blätter. Nein. Gut. Zentnerschwere Augen. Tickende, zwickende Schläfen. Trockener Mund. Torkelnde Gedanken.
Muss mich zurückholen in die Realität.

"Eh, Jungs, denkt ihr, in der Prüfung ist auch Partnerarbeit gefragt, oder was?". Verzweifelter Versuch, die Müdigkeit durch Interaktion zu bekämpfen. Unterdrücke gerade noch ein unverschämt offenes Gähnen, als die Angesprochenen sich mit Unschuldsmiene zu mir drehen und Besserung geloben. Wieder Gemurmel. Meine Gedanken gleiten ab, mein Blick zwischen den Stühlen und Köpfen hin und her ohne etwas fassen zu können und mein Körper auf dem Stuhl nach unten.
Wenn nicht die Augen so schwer... Zuck, zuckt mein Arm. Verdammt.

Die Uhr verschwimmt vor meinen Augen. Arbeitszeit, immernoch. Zu viel Zeit. Das Gesumm der 26 Stimmen hüllt mich ein, ist ein warmes Kopfkissen, macht träge. Die Luft ist mit Fingern zu greifen, 28 Lungen atmen Müdigkeit, atmen Wärme, atmen. Gleichmäßig wie die Bewegungen des Füllers über das Papier. Ich beobachte ohne bewusst zu sehen, bis das Bild verschwimmt, dunkel wird. Vor meinem inneren Auge aber immer und immer wieder die Bewegungen des Füllers, in Endlosschleife...

"So. Ihr Lieben..." Aufsetzen. Blinzeln.
Immer noch Oberschule.
Immer noch Freitag.