Mittwoch, 8. April 2015

Marzipanschokolade.

Wie eine Fremde tappere ich durch die Wohnung.
Räume halbherzig auf, mal hier, mal da.
Das Chaos wird nicht weniger und meine Bewegungen immer unkoordinierter, fahriger, mein Blick kann nichts mehr festhalten und flippert ziellos herum. Weiß in meinen eigenen vier Wänden plötzlich nicht mehr wohin mit den Sachen, der Honig in den Kühlschrank?, wohin das Brot?, wohin mit mir?!
Ich bin müde und unmüde. Zittere elekrisiert, drehe die Heizung auf und will das Fenster öffnen. Alles zugleich, gar nichts. Liegt mein Nähzeug. Sehe es, alles vorbereitet, sollte ein produktiver Abend werden. Habe keine Kraft mehr dazu. Räume es auf. Wohin die Schere?, wohin die Garnrolle?, wer hat die Teile schon zusammen gesteckt?

Etwas lähmt mich. Bin ich müde? Jetzt schon? Stehe vor der Badezimmertür, dort die Schlafsachen. Nein. Computer. Unproduktive Leere, rhythmisch blinkt der Cursor auf der weißen Seite, piept die Waschmaschine. Sollte, müsste, wollte. Bleibe sitzen. Wo ist die Kamera?, habe ich die Bilder schon...?, wann werde ich bügeln?, wo piept es hier noch? Spühlmaschine. Bleibe sitzen.

Internet. Bin wach. Erledige meine Konversation, muss noch bestellen und verliere mich. Scrolle unkoordiniert, kann nicht mehr denken, weiß plötzlich nicht mehr genau, was ich eigentlich wollte. Möchte alles, möchte nichts. Lese, schreibe. Denke, Waschmaschine. Denke, Spühlmaschine. Bin wach, möchte aufstehen, möchte nicht verschieben, möchte perfekt. Muss dringend noch...
Bleibe sitzen.
Bin weich und klebrig wie das Marzipan und die dunklen Ringe unter meinen Augen sind die Schokolade.
Esse das. Um Mitternacht. Fühle mich furchtbar.