Donnerstag, 16. Juli 2015

Achja...

...das Gelantine-Rezept steht ja nun im krassen Gegensatz zu meiner Erklärung. Ich weiß.
Diese Torte war ein Auftragswerk - ich habe sie nur angefertigt, nicht gegessen. Mit Agartine und bezahlten Torten habe ich miese Erfahrungen gemacht. Da saß wohl mein Kapitalisten-Schweinehund auf der Schulter. Alle Nachahmer sind herzlich eingeladen, dieses Rezept mit Agartine genießbar zu machen. Ich dank recht schön!

...und Mama trinkt Hafermilch im Fairtrade-Chai...

Irgendwie habe ich gerade das Bedürfnis, mich erklären zu müssen.

Seit 6 Jahren esse ich keine toten Tiere. Lebe vegetarisch. Und das konsequent, von der kurzen Vegan-Phase kurz vor meiner Schwangerschaft mal abgesehen. Fleisch? Kommt bei mir nicht (mehr) in den Kühlschrank! Seit der Mensch an meiner Seite, Mareks Papa, ausgezogen ist, lebt auch das Kind überwiegend vegetarisch. Was er woanders, besonders bei Papa und Oma, isst, darauf habe ich leider wenig Einfluss. Die Entscheidung des zweiten Sorgeberechtigten habe ich zu akzeptieren und zu tolerieren. Habe also ein Veggie-Kind mit omnivoren Phasen - einmal in der Woche bei Papa, ab und an bei den Großeltern. Hoffe immer noch darauf, dass meine Propaganda-Erziehung irgendwann fruchtet und mein Sohn von selbst kein Fleisch mehr essen möchte. Und wenn er meine Veggie-Küche ablehnt...? Denken wir besser nicht so weit in Richtung Zukunft. Mich grämt schon der Essensplan im Kindergarten. Mit Schrecken fiebere ich Mareks "Kindergarten-Eingang" entgegen und erwäge ernsthaft, ihm Vorgekochtes mitzuschicken. An vier von fünf Wochentagen stehen Fleisch und Fisch auf dem Speiseplan. Gruselig.
Ebenso gruselig wie die Beobachtung der Zwischendurch-Trinkrunde am heutigen Vormittag. "Sprudelwasser oder Himbeerbrause, Marek? Salzstange dazu?" Äh... Aber darum geht es ja jetzt gar nicht.

Jedenfalls... Veggie.
Seit längerem spiele ich wieder mit dem Gedanken einer Umstellung. Auf vegan. Interessiere mich dafür, informiere mich, fühle beim Supermarktkäse-Konsum das schlechte Gewissen in mir herauf krabbeln. Lese viel a la "Tun sie jetzt den letzten Schritt..". Richtig. Und nicht.
Seitdem ich versuche, zumindest größtenteils Vegan einzukaufen, sind die monatlichen Ausgaben rasant in die Höhe geschossen, wie der Schnittlauch auf dem Badfensterbrett. Auf dem Dorf ist die Auswahl eingeschränkt - in erreichbarer Nähe liegen Netto und Kaufland. Und dm - Drogeriemarkt. Deren tierleidfreies Produktsortiment ist, nunja, verbesserungwürdig.
Wäre dann noch mein Kind und seine tägliche "Milchbulli" vor dem Schlafengehen. Hafer-, Soja-, Dinkel-,... Alternativen lösen Brüll- und Spuckattacken aus. Ohne Käse kein vernünftiges Abendbrot. Meine Vorbehalte gegen Vegan für Kleinkinder. Und die Milchprodukte aus dem benachbarten demeter-Hofladen sprengen das Budget einer alleinerziehenden Studentin enorm.
Tja.

Die Kompromisse, die wir für unseren Haushalt gefunden haben, sind vertretbar. Marek bleibt ein omnivores Veggie-Kind mit Vorliebe zu Milch (die ich nach wie vor gesenkten Hauptes im Supermarkt kaufe). Ich verzichte beim Einkauf zumindest auf Produkte mit Hühnereiern, auch wenn wir dennoch welche verzehren: vom alten Bauern im Dorf. Dessen Hühner erfreuen in den schönen Jahreszeiten sämtliche Menschen mit ihrer Bilderbuch-Bauernhof-Idylle. Vor einer Weile hatte Berta Küken. Deren putzige Junghühner-Eier bekamen wir neulich geschenkt. Ein Königreich für mein Dorf!
Käse und Joghurt stehen nach wie vor im Kühlschrank, allerdings deutlich weniger. Der Alpro-Joghurt, einzig erhältliches Ersatzprodukt in meinem Umkreis, belastet die Haushaltskasse, weniger aber das Gewissen.

Und Mama? Mama trinkt Hafermilch im Fairtrade-Chai und kocht mit Soja-Cuisine.