Samstag, 30. April 2016

Ukrainer in unserem Wohnzimmer und was der Fastenkalender mit Fahnen zu tun hat.

Nachdem ein bestimmter Mensch Wohnung und Herz verlassen hatte, klaffte da ein bisschen eine Lücke, die mit sozialer Interaktion gefüllt werden wollte. Mit fröhlichen Gesichtern, mit Dankbarkeit und mit Austausch. Herumgesurft. Entdeckt: Couchsurfing. In den Favoriten abgelegt und vergessen.
In den letzten Tagen meiner Elternzeit dann mal aufgeräumt. Gefunden. Erneut angemeldet. Schließlich teile ich gern. Erfahrungen, Akkuschrauber, Essen, Autos, Alltagsgeschichten, Kleidung, Gärten und Treppenhäuser, mein Bett, Erlebnisse, Wissen und Fröhlichkeit.
Und nun, in letzter Konsequenz auch unsere Wohnung.

Im Dezember schlief hier diese Britin mit wunderbaren wallenden Locken, bis zur Hüfte. Wir versuchten gemeinsam eine neue vegane Eierschecke, scheiterten und löffelten nebeneinander auf dem Wohnzimmerteppich halb gebackene Überreste aus Kompottschälchen. Das Kind weckte mich in der darauffolgenden Woche mit feucht geküssten "Gud Mooorning"s. Das war der Anfang. Diese Britin mit ihrem einnehmenden Lachen überrannte alle Barrieren in meinem Kopf. Und plötzlich war da viel Platz. In unserem Herzen und in unserem kleinen Wohnzimmer.



Bis Februar machten wir eine Reihe Bekanntschaften, die das Hinterkaffhausen-Leben ganz schön bereicherten. Ständig neue Menschen. Neue Ansichten. Neue Ideen. Ständig neue und andere Persönlichkeiten. Wir lernten beide, das Kind und ich. Englisch, Diversität und Toleranz. Akzeptanz. Und dass wir im Kern trotzdem alle gleich sind. Dass das Sich-verstehen nicht an den Ländergrenzen aufhört. Dass Dinge sich vermehren, wenn man sie teilt. Und dass gemeinsam Essen einfach viel mehr Spaß macht. Vor allem dem Kind, das zum Frühstück akribisch Weinbeeren auf alle Teller abzählt.


Sämtliche Nachbarn im Umkreis begutachteten das rege Kommen und Gehen unserer Gäste mit wachsendem Argwohn. Dass ich mit einem ukrainischen Pärchen im Vorgarten in englischer Sprache Pizza-Belag-Rezepte besprach, während der männliche Teil das Kind auf der Schaukel anschob, befremdete sie. Merklich. Man grüßte uns weniger auf der Straße.

Ungefähr zur gleichen Zeit passierten noch drei Dinge:

Die Fastenzeit.
Als Christ sind mir diese 7 Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern weniger egal als anderen Menschen. Ich möchte sie nutzen, um in dieser Zeit den Fokus auf ganz bestimmte Dinge zu legen und bewusster zu leben. Seit ein paar Jahren bestelle ich pünktlich den Fastenkalender, der mir 7 Wochen lang einen täglichen Input liefert. Der mich zum Nachdenken bringt und der lange nachwirkt. Im letzten Jahr half mir "Du bist schön!" durch die Trennungsdepression und brachte mich in Punkto Selbstliebe und Akzeptanz meines Körpers ein gutes Stück nach vorn.
"Großes Herz!", in diesem Jahr. Seite für Seite blätterte ich mich durch ein riesiges Plädoyer für Offenheit und Toleranz. Die Entscheidung, meine Wohnung mit Couchsurfern zu teilen, bekam mit einem mal eine viel tiefere Bedeutung.

Die Familie.
Im beschaulichen, hinterwäldlerischen 300-Seelen-Hinterkaffhausen ist die Welt eingezogen. Die Welt, verkleidet als 6-köpfige syrische Flüchtlingsfamilie. Große Aufregung. Positive wie negative.
Der Fastenkalender zum Frühstück sagt uns was zu tun ist. Mit dem Kind an der Hand und einem Beutel verschiedener, in buntes Geschenkpapier verpackter Sachen stiefelten wir am Vormittag das Dorf hinauf.
Für manche Dinge muss man nicht die gleiche Sprache sprechen. Für manche Dinge reicht das, was unsere Augen sagen.
Und ein Lächeln. Mehr nicht.


Die Fahnen.
Die erste entdecke ich morgens beim Zähneputzen. Das Kind sitzt auf seinem Töpfchen und rezitiert lautstark aus Janoschs Tiger und Bär-Geschichten. Die Couchsurfer im Wohnzimmer schlafen noch. Ich schaue gedankenverloren im Spiegel aus dem Fenster in meinem Rücken. Was hängt denn...? Verschlucke mich am Zahnpasta-Schaum. Muss husten. Röchele über dem Waschbecken, spucke und schaue erneut durch den Spiegel aus dem Fenster. Immernoch da.
Drehe mich um, um es nicht spiegelverkehrt zu betrachten: Am Giebel eines etwas höher gelegenen Hauses weht patriotisch und monströs eine von Pegida instrumentalisierte Wirmer-Flagge.

Die nächste fällt mir auf, als wir am Nachmittag meine Eltern besuchen. Aus dem Dachfenster des Nachbarhauses glotzt uns ein hässliches schwarz-gelbes Kreuz auf rotem Grund an. Der O-Papa nickt auf Nachfrage resigniert: Zwei Straßen weiter hänge auch noch eine. Und noch eine. Und noch eine.

Am Ende der Woche hat unser 300-Seelen-Dorf sechs beflaggte Häuser und ein "Refugees not welcome!"-Pappschild. Ankündigungen unseres Kennenlern-Cafés mit der syrischen Familie werden nach Einbruch der Dunkelheit von allen Zäunen und Anschlagstafeln entfernt. Das Samstag-Morgen-Klima beim Bäcker ist ein anderes geworden. Jeder beäugt jeden. Misstrauen. Kühle Distanziertheit.


Ich dehne die Spaziergänge mit dem Kind aus, um alle Exemplare eingehend zu betrachten.
Einmal begleitet uns meine Schwester: "Man müsste denen die Fahnen einfach wegnehmen. Oder andere hinhängen" - "An welche denkst du da?" - "Die gelben. Wo draufsteht, dass die Sächsische Schweiz bunt ist und so".
Meine Schwester ist 10 Jahre alt und geht in die vierte Klasse.

Entfernungsfantasien scheitern allerdings an baulichen Gegebenheiten. Alle Fahnenbesitzer haben für ausreichend Höhe und genügend Diebstahlsicherung gesorgt. Selbst das unschöne Pappschild steht plötzlich unerreichbar hinter einem Fenster. Kurz denke ich darüber nach, jedem Retter des christlichen Abendlandes einen Fastenkalender zu schenken.
Verwerfe den Gedanken aus finanziellen Gründen. Schade.


Nach Ostern spaziere ich mit einem französischen Schlafgast durch den Ort.
"Weist du", sagt er mit seinem charmanten Akzent und bläst den Rauch seiner Zigarette in die kühle Frühlingsluft, "solche Menschen haben einfach zu wenig Liebe!"

Und ein kleines Herz.

Montag, 25. April 2016

Vegan zum Kindergartenfest - Kiwi-Quarkkuchen mit Gelee.


Habe mich am Ende doch eingetragen, in diese Liste für Kuchen. Weil ich ohne Kompromiss und schlechtes Gewissen am Biertisch neben den anderen Eltern auch Kaffee trinken wollte. Mit Kuchen. Und Smalltalk. So richtig dazugehören, wenigstens einmal.
Darum zu Hause schnell im Rezeptbuch geblättert und das Schoko-Rührkuchen-Grundrezept zu Tage gefördert. Halt. Moment. Kein Rührkuchen. Irgendwo in mir drin sitzt ein kleiner Stachel und piekt ein Du-wirst-es-denen-jetzt-doch-wohl-mal-richtig-zeigen in meinen Bauch. Bin plötzlich motiviert und krame nach dem Käsekuchen-Rezept. Eine leeres Agartine-Tortenguss-Päckchen fällt mir entgegen. Geburt eines außerordentlich leckeren Gedankens.

Für die Umsetzung braucht frau:
...für den Teig:

  • 300 g Vollkornmehl
  • 100 g kalte Margarine
  • 1 Pck. Backpulver
  • 2-3 EL Pflanzenmilch
  • etwas Zucker, 50-75 g vielleicht
...für die Quarkmasse:
  • einen Becher Soja-Quark-Alternative (zum Beispiel die hier - ansonsten geht auch Seidentofu oder alt bewährtes abtropfen von Sojajoghurt am Vorabend) - sind 400 g
  • 1 Pck. Vanillepuddingpulver
  • 200 ml Soja-Schlagcreme, am besten gesüßt
  • 2 EL Sojamehl
  • 100 g Speisestärke
  • 50 ml Pflanzenmilch
  • kleingeschnittener Rest der Belag-Früchte
...für den Belag:
  • Ausstech-geeignetes Obst. Irgendwann habe ich mal gesagt, ich mag keine importierten Südfrüchte. Stimmt auch. Aber Kiwis haben sich hervorragend geeignet. Mango ginge auch - sofern man schöne Scheiben schneiden kann...
  • 1 Pck. Agartine-Tortenguss und was zur Zubereitung benötigt wird: Zucker und Flüssigkeit, wie Apfelsaft


Zuerst alle Teigzutaten zu einem Mürbeteig verkneten und in den Kühlschrank stellen. Mindestens so lange, wie das Ausstechen von Sternen aus Kiwi-Scheiben dauert. Also länger als 30 Minuten.

Die Quarkmasse in einer Schüssel zusammenmischen und zur Seite stellen. Danach meditativ Obst ausstechen. Sterne für die Sternenkinder. Übrige Ränder und Abschnitte finden ihren Weg in die Quarkmasse.

Schließlich den Teig aus dem Kühlschrank gleichmäßg in eine 26cm-Springform drücken, die Quarkmasse darauf gießen und 25-40 Minuten bei 180°C Umluft backen.
Der Kuchen sollte dann über Nacht oder wenigstens 5 Stunden ordentlich auskühlen.

Am folgenden Morgen ordne ich die Kiwisterne auf die Quarkmasse, rühre den Tortenguss gemäß Packungsanleitung an und verteile ihn auf der Kuchenoberfläche. Nochmal eine Stunde in den Kühlschrank. Danach schnittfest und servierbereit.


Der "Tortenkuchen" (das Kind) war ein voller Erfolg:
Nach 20 Minuten langweilen sich noch ganze 3 Stücken auf der Tortenplatte. Schräg über den Biertisch wird nach Gelantine gefragt. Ich verneine. "Also ist das vegetarisch", stellt die Mutter zu meiner rechten fest. "Vegan", verbessere ich. Kurz ist es still. Meine Tischhälfte blickt von ihren Papptellern auf. Keine Kommentare. Weiteressen.


Samstag, 23. April 2016

Mareks DIY-Kinderküche und Plans, die Zweite.

Ich hatte damit gar nicht gerechnet - aber tatsächlich ein paar Mails und liebe Facebook-Nachrichten-Feedbacks zum Post über die zukünftige Blogplanung bekommen. Herzlichen Dank an dieser Stelle!

Weil ich gerade so gar keine Motivation habe, die Fotos vom letzten Essen zu bearbeiten (von wegen "no filter", jaja...) oder mich durch die hundert Schnappschüsse der letzten Mama-Kind-Regenwetter-Bastelaktion zu wühlen ooooooder endlich mal einen inhaltlich relevanten, recherchierten Beitrag über Gender, Nicht-Gender oder alleinerziehend studieren zu schreiben, werte ich hier mal den Orga-Kram ein bisschen aus. Auch wichtig. Will keiner lesen. Aber wichtig.

Und weil das sonst vielleicht irgendwie öde werden könnte, zeige ich nebenbei mal die tolle Küche vom Kind. Geklaut vom Kindergarten-Sperrmüll. Echt. Als der nämlich seine neuen schicken Räumlichkeiten beziehen durfte, wurde radikal aussortiert und entsorgt. Raritäten durch austauschbares, immer gleiches IKEA-Mobiliar ersetzt. Erschrocken beobachtete ich damals vom Wohnzimmerfenster aus, wie der Hausmeister die Echtholz-Kinderspielküche an den Straßenrand stellte. Schnappatmung. Empörtes Herzrasen. Und dann schnell in Gartenclogs über die Straße geflitzt.


In dieser Küche habe ich höchstselbst Papierschnipsel-Suppe gekocht. Ich, eines der ersten Hinterkaffhausen-Kindergartenkinder. Und die Küche von Hand gebaut von einem lieben Opa, ebenfalls ein Hinterkaffhausen-Einwohner. Aus Vollholz, aus Pressspan-Platten, aus Getränkedeckeln, mit viel Liebe und viel Kreativität. 17 Jahre lang haben Dorfkinder-Jahrgänge Puppengeschirr abgewaschen. Spuren hat die Küche davon kaum davongetragen. Sperrmüll? Bitte was? Seit dem zweiten Geburtstag des Kindes steht sie nun in unseren vier Wänden und wertet die Küchenecke ungemein auf. Wir sind stolz. Wie Bolle!


Jedenfalls.
Die Sache mit den Plänen ist eine Sache für sich. Effektivität funktioniert nur mit Schlupflöchern. Funktionieren und Planerfüllung geht nur mit anschließendem Ach-naja-die-Kinderpullis-muss-frau-nicht-unbedingt-bügeln-und-jetzt-lieber-mit-dem-Tablet-auf-dem-Teppich-liegen. Blog-Plan? Pah, Bauchgefühl. Den verbleibenden Rest Spontanität mühsam zusammenkratzen und im Marmeladenglas auf den Schreibtisch stellen. Jeden Tag eine Löffelspitze.
Poste ich heute etwas? Oder löffel ich lieber Sojajoghurt und lese den hundertsten Online-Artikel zum sächsischen Rechts-Problem? Vielleicht mal wieder ein Tageslied.


Einmal wöchentlich bloggen wäre nicht schlecht, habe ich gelernt. Mehr erzeugt nur Druck. Beim studentischen Leser und bei mir sowieso. Wie recht ihr habt!

Wann ich welche Kategorie bediene, scheint völlig tofu zu sein.
Aber mehr aus Hinterkaffhausen wollt ihr lesen.
Mehr Meinung.
Mehr Alltag.
Mehr Storys.

Tja. Warum nicht?


Ich nähe zu wenig (was daran liegt, dass beide Nähmaschinen momentan in Reparatur sind), stimmt. Richtig - ich bin einen Fastenkalender-Bericht schuldig geblieben.
Warum haben wir ein Sofa für Couchsurfer und kein Verständnis für Nachbarn mit Pegida-Fahne?
Was fehlt im Leben einer alleinerziehenden Studentin und auf was kann sie gut und gerne verzichten? Bio, vegan, fair, auf dem Dorf - und ein Existenzminimum-Einkommen. Wo ist da der Haken? Was isst das Kind? Was lesen wir? Und was halte ich von... (bitte irgendein relevantes, kontroverses Thema einsetzen, mein Favorit: gender(lose) Erziehung)?


Diese Fragen haben mich überrascht. Und gleichzeitig meinem Ego enormen Aufwind geliefert. Da interessiert sich wer für meine Person. Krass. Großartig. Nase on top!

Das reicht. Eigentlich wollte ich nur Danke sagen. Und vielleicht auch mit der Kinderküche angeben. Ein bisschen.




Mittwoch, 20. April 2016

Lied des Tages.

 
 
"You take away the trouble inside till a new day is born."
 
 
 
 
Schnell nach der Uni ein paar Kuchenzutaten für das Kindergarten-Frühlingsfest besorgt. Kurz nach dem Mittag. Eine eigenartige Müdigkeit hat mich befallen, die sich anfühlt als wäre ich mörderisch breit. Schiebe mit kleinen Augen den Einkaufswagen durch die Gänge, um die Wette mit ausschließlich Rentnern. Alle wirken wie auf 50 bpm entschleunigt. Das Supermarktradio spielt "Pata Pata". Groteske Situation.
 
Eigentlich mag ich keinen seichten Pop. Aber das hier ist wenigstens Audiolith.
Und der Anlass ist gegeben. Eindeutig.
 


Samstag, 16. April 2016

Discover the new - Kräuterquark und Pellkartoffeln in vegan: das geht!


Die örtliche Vegan-Facebook-Gruppe beschert meinem Newsfeed immer mal wieder tolle Neuigkeiten. Zum Beispiel diesen neuen "Qvark" hier. Ungesüßt, bio. Perfekt! Darauf hat die vegane Welt doch gewartet. Vor allem ich.

(Pell)kartoffeln mit Quark sind ein dankbares und schnelles Mittagessen, wenn Kind und Mama ihren Vormittag mal wieder auf dem Spielplatz vertrödelt oder zu lange eingekauft haben ("Oh, Buchladen....") oder Kartoffeln übrig sind oder... wenn sonst nichts mehr zum kochen da ist.
Der Mangel an "fast echtem" Quark machte dieses Bequemessen allerdings bisher immer irgendwie unmöglich oder war mit Demeterbiohof-Quark-Kompromiss verbunden. Das änderte sich schlagartig, nachdem die vegane Provamel-Variante erstmalig auf unserem Teller gelandet war.

Achtung, Produktrezension. Nein, dafür gab es keinen gesponsterten Becher von Provamel, geschweige denn ein Dauerabo. Sollte ich aber vielleicht mal anregen...

Konsistenztechnisch erinnert der Quark leider noch sehr an Joghurt. Er ist fester, hat aber mit dem stichfestem Milchprodukt noch nicht allzu viel gemein. Geschmacklich sieht die Sache anders aus: Nahezu geschmacksneutral und vor allem: ohne Süße lässt er sich wunderbar weiterverarbeiten. Zu Kräuterquark nämlich. Oder zum Falaffel-Dip. Gewürzt ist er vom Original nicht mehr zu unterscheiden. So muss das! Juhu!


Übrigens müssen es nicht immer Butter und saure Gurken dazu sein: Feldsalat mit Roter Beete und Radicchio passt perfekt und ist auch noch ganz schön gesund. Nur das Kind bevorzugt das Glas Cornichons. Naja.

Donnerstag, 14. April 2016

Plansplansplans?!


Ich bin ein Listen-Mensch. Immernoch. Das war schon vor zwei Jahren so und das hat sich auch nicht geändert. Und ich bin ein Planer. Ein Konstrukteur meiner Lebenszeit, ein Aufschreiber, ein Kalender-Führer, ein To-Do-Listen-Abarbeiter, ein trotzdem spontaner Gern-den-Ablauf-vorher-genau-Wisser, ein ständig mit der Uhr lebender Trotzdem-immer-zu-spät-Kommer.

Und weil ich nun eben auch mal wieder studiere ("Na endlich, dachte schon du hast es geschmissen" - "Was? Das Studium? Äh, nee, ich hatte vorlesungsfreie Zeit seit Februar" - "Dein Leben will ich haben." - "....") und nebenbei alleinerziehe, bedarf es neben eindeutiger, strenger Prioritäten-Setzung eines straff durchgeplanten Tagesablaufs und eines effektiv strukturierten Wochenplans. In allen Bereichen. Auch hier, für die virtuelle Zeit.

Bloggen ist ein liebes Hobby geworden, neben all den Sachen über die ich blogge, natürlich. Und es frisst verdammt nochmal viel Zeit. Hinter jedem Post steckt eine Idee, eine mehr oder weniger zeitintensive Vorbereitung und Umsetzung und deren fotografisches Festhalten. Das dauert manchmal schon eine Weile, bis eins der 50 Bilder akzeptabel ist. Und dann muss ich dieses Bild noch auf den Rechner ziehen, unter Umständen nachbearbeiten und den Blogeintrag dazu verfassen, der meinem Anspruch nach wenigstens noch ein bisschen kreativ sein sollte. Das ist viel Zeit. Zeit, die ich eigentlich brauche um das "Buch der deutschen Poeterey" und Goethes Wilhelm Meister zu lesen oder auch, um einfach mal mehr zu schlafen.
Und darum meine ich, es ist an der Zeit, meine Aktivitäten hier ein wenig zu beschränken und nur noch an bestimmten Tagen der Woche zu posten. Vielleicht dreimal die Woche? Oder nur zweimal? Vielleicht einen "Song of the day"-Day einführen und Donnerstag gibts immer ein Rezept fürs Wochenende? Regelmäßig ein Monatsreview und alle zwei Wochen ein DIY? Oder ist das zu vorhersehbar? Nimmt das dem Ganzen wieder irgendwie die Spannung?


Ihr seit gefragt, geneigte Leser! Wie mache ich das hier nur richtig? 
Wie teilt ihr euch eure knappe Zeit ein? 
Habt ihr Tips für effektives Zeitmanagement? 
Und... was wollt ihr wann lesen?

Dienstag, 12. April 2016

Kochen mit dem Saisonkalender, Neun - Grüne Nudeln mit Bärlauch-Wildkräuter-Pesto, Spinat und Cashews.



Juhu, der Frühling ist da! Schon lange. Aber weil frau die zarten Sonnenstrahlen und blühenden Kirschbäume nun wieder durchs Fenster des Seminarraums betrachtet, kommt dieser Post eben wieder mal zu spät. So wie ich zur Uni. Ganz konsequent.

Draußen wächst der frische Bärlauch, bei Oma im Garten und wild im Wald. Was bietet sich da besseres an als frisches Pesto? Und weil es im Bioladen endlich frischen Babyspinat gibt, muss der da natürlich auch noch mit dazu.

You will need:
  • ein Bund Bärlauch (wer ihn wild ernten möchte, schaut am besten mal hier nach!)
  • 1-2 EL Cashewmus
  • ein paar gefundene Frühlings-Wildkräuter wie Gundermann und junger Giersch, aber auch Gänseblümchen (eine gute Übersicht habe ich hier gefunden)
  • frischer Babyspinat, 2 Hand voll
  • 100 g Cashews, klein gehackt

Nudeln nach Geschmack zum kochen aufsetzen. Wir essen am liebsten Vollkorn-Penne, weil kind durch die durchpusten und den Tisch mit Soßen-Sprenkeln verzieren kann.
Für das Pesto werden klein gerissener Bärlauch, vom Kind zerpflückte Wildkräuter, Cashewmus und ein bisschen Salz und Pfeffer püriert. Ist es zu matschig, noch ein kleines bisschen Olivenöl zugeben.

Danach die Nudeln abgießen und mit dem Pesto in eine große (Wok)pfanne geben. Mit Spinat und gehackten Cashews ein bisschen anbraten.
Fertig.

Achja: Bärlauch klingt wie Knoblauch. Riecht auch so. In der Küche. Noch mindestens 3 Tage später weiß jeder, was es zum Mittagessen gab. Just saying.



Donnerstag, 7. April 2016

Sinnlostext, Eierschecken-Blog und Frühstück.



Entscheidung des Tages:
Informatik studieren, bei Google anfangen und mein Blog-Oberflächen-Problem lösen.
Edit: Dieser Post diente eigentlich nur dazu, die Kommentar-Funktion zu testen. Die ist mir nämlich irgendwie abhanden gekommen. Gepriesen seit ihr, ihr Google-Programmier-Pfuscher und ihr "Blogger-Hack"-Artikel- und How-to's-Schreiber und gepriesen seist du, heilige Unwissenheit, auf dass ihr mir mein Template in vorbildlicher Teamarbeit zerschießt.
Jedenfalls - das Kommentieren. Irgendwie fände ich das ja ganz schön, wenn jeder unverzüglich seine Gedanken mit mir teilen kann und mag, wenn jeder mir sofort sagen kann, dass dieser Post jetzt einfach dämlich war. Oder schön. Oder dass die Fotos schlecht belichtet sind. Oder Fragen stellen: Direkt nach dem Lesen noch etwas unklar? Fehlt was? Gleich mal kommentieren.

Doch irgendetwas in der scheinbar völlig wahllosen Anordnung von Zeichen, Zahlen, Buchstaben und Worten (ein HTML-Text. Aha.) klemmt, blockiert, will nicht in meine Richtung und entscheidet autonom: Nö. Besser: noe. Bis gestern. Da haben wir es überlistet, das Anarcho-Skript, mit Frühstück im Eierschecke-W-LAN, viel Improvisation und ein bisschen Erlerntem (Im bunten Zahlen-Zeichen-Buchstaben-Mix gibt es etwas mit dem Namen 'Closing Tag' und ich weiß, was gemeint ist. Großartig! Ich danke dir J.).

Jetzt gibt es sie, die Kommentarfunktion für meine Blog-Posts. Aber. Erst für alle Posts nach dem 4. April diesen Jahres. Na, immerhin. Also feiert mit mir und probiert sie am besten gleich aus!

Dienstag, 5. April 2016

Wohin nur mit der Kinderkunst? - Tutorial



Das Kind ist ein begeisterter Künstler. Am liebsten würde es täglich "Pinsel malen". Regenwetter-Aktivitäten muss ich mir schon gar keine mehr ausdenken...
Aber wohin dann mit den ganzen Werken? Um jede Skizze, jedes Werk, jede Farbprobe aufzuheben, müsste ich wohl noch eine zweite Wohnung anmieten. Aber wegwerfen? Diese Produkte kindlicher Kreativität? Diese herzallerliebsten Handabdrücke, Fingermuster, "Wolken und ein Bagger"-Bilder?

Upcycling. Ein Mobile für die Küchen-Lampe.

Du brauchst zunächst nur Kinderkunst, Kleber, Schere und ein rundes Glas nebst Bleistift.


Die Blätter werden in der Mitte gefaltet und zusammengeklebt, damit es auf beiden Seiten schön ist. Dann das Glas drauf gestellt, drumherum gemalt und diese Kreise ausgeschnitten.


Dann nehme Frau Nadel und Faden und bastele ein Mobile. Eigentlich ist das ganz einfach. Trotzdem nocheinmal schnell erklärt: Durch den oberen Rand eines Kreises eine Aufhäng-Schnur ziehen. Am unteren Rand dann jeweils ein oder zwei oder drei weitere Kreise annähen. Und so weiter. Bis zum gewünschten Ausmaß.

Und dann... aufhängen und freuen.




Sonntag, 3. April 2016

Lied des Tages.




Motivation. 
Jetzt.
Sofort.
Bitte.

Letzter Semesterferien-Abend.
Bis 1 Uhr vor dem PC und eigentlich 
eine Million Blogpost-Ideen,
einen Berg Fotos und
unglücklicherweise eine Internet-Verbindung.

Hallo youtube.
Ups.
Null Uhr.



Übrigens: noe. goes youtube, ein bisschen zumindest. Ich habe die Ablenkung gesucht und gefunden und eine Playlist fast aller "Lied des Tages"-Kategorie-Songs erstellt. Wozu weiß der Geier. 
Für mich. Für die Ordnung. Und für euch, ihr sollt wissen, dass sie existiert. 
Und dass da in Zukunft alle Songs aus dieser Kategorie landen. Falls mal einer was sucht oder so.
Bitteschön: "Lied des Tages" - Blog-Playlist für den noe.-Soundtrack 

Oh, und eins interessiert mich noch: Was hört ihr denn so am liebsten? Beim kochen?

Freitag, 1. April 2016

Hallo Luja und traurige Fragen - Ostern in Hinterkaffhausen, Part 2.

Das ist eine Fortsetzung. Part 1 gibts hier.

Immernoch Ostersonntag.
Ich weigere mich, meine Omi im Auto wieder zurück zum Haus meiner Eltern zu nehmen, komme aber aus Platzgründen nicht darum herum. Wir schweigen uns an. Vor der Frontscheibe hängt Goethes Gedicht noch unvollendet in der Luft herum. Da bleibt es. Wie gern würde sie mich auf die Essens-Sache ansprechen. Ich sehe es in ihrem Gesicht. Und wie gern würde ich ihr sagen, wie erschrocken ich bin, dass sie eine Rassistin ist. Das Wort, dass mir sonst sehr leicht über die Lippen rutscht, fühlt sich komisch kantig an im Mund. An der Stelle, an der vorhin die Familie die Straße überquerte, fahre ich vorsorglich ein wenig langsamer. Eine Rassistin. Meine Omi! Meine Omi?
Wir trauen uns beide nicht.

Aber dann. Wir biegen in meinen Heimatort und aus den Augenwinkeln erkenne ich einen Dorfbewohner am Straßenrand. Es ist hier so üblich auf dem Land: Jeder kennt jeden und jeder grüßt jeden als Mitglied der Dorfgemeinschaft. Ich winke aus dem Seitenfenster. Es ist der Vater der syrischen Familie, welche seit einigen Wochen in diesem Ort lebt. Er winkt zurück, man kennt sich flüchtig. "Warum grüßt du denn den?", entfährt es meiner Omi. Habe das geahnt. "Er wohnt hier.", sage ich und will noch ein "du Rassistin" anhängen. Beiße mir im letzten Moment sehr fest auf die Unterlippe. Ist meine Omi. Meine Omi!
"Du blutest da an der Lippe", sagt sie, als wir vor dem Haus meiner Eltern aus dem Clio steigen. Ich sehe sie nicht an. Kann nicht. Will nicht. Hätte mit fremden Menschen schon längst angefangen zu streiten, zu diskutieren. Aber mit meiner Omi...? Meiner alten, lieben Omi?
-

Nachdem ich das Kind in den Mittagsschlaf begleitet habe, höre ich schon auf der Treppe laute Stimmen. Es wird diskutiert. Und wie. An der Wohzimmertür gelehnt lausche ich den Wortfetzen: "...aber die alte Merkeln...!", meine Omi. Menschlichkeit, Solidarität, kontert mein Vater und mein Großvater, monoton: "Meine Mutter musste aus Sudetendeutschland... Das sind die Errungenschaften eures Kapitalismus...". "Sicherheit!", fordert die alte Frau, die ich trotzdem nicht aufhören kann als meine Großmutter zu lieben und "Idomeni!", höre ich meinen Vater eindringlich beschwören. Eine Zeitung raschelt. Ich kneife die Augen zu um nicht zu weinen.
Es ist Ostersonntag! Hört auf!
Als ich die Augen wieder öffne, steht da meine Mutter neben mir am Türrahmen gelehnt. Stumm streicht sie mir über den Rücken. Was kümmert die Welt so ein Feiertag...

Kindliche Naturstudien. Wir haben die Buschwindröschen erforscht...

Ostermontag.
Der Besuch beim anderen Teil der Familie verläuft ohne politische Zwischenfälle. Die einzige Zeitung auf dem Tisch meiner anderen Großeltern ist das "Landwirtschaftliche Wochenblatt". Vor dem Mittagessen noch muss mein Kind die jungen Schafe im Stall besuchen. "Mama!", ruft es aufgeregt und zeigt auf ein etwas geschecktes Lamm. "Und kuck. Da ist die Kuh." Naja, fast.
Vor dem Essen - es gibt übrigens hausschlachtenes Schaf, welche Ironie - singen wir.
"Er ist erstanden, Halleluja!" schmettere ich inbrünstig meinen Ekel zu Seite. Hilft nicht.

Kauende Stille. Mein Sohn schaut sich suchend um. "Was ist denn?", frage ich und schiebe sein Fleisch an den Tellerrand. "Du kannst doch dem armen Kerl nicht das beste vorenthalten!", hatte meine Oma befunden und ihm mit großmütterlicher Sorge einen großen Klumpen Tier auf seinen Teller geschoben. Äh... danke.
"Wo ist denn die Luja?", fragt Marek, sieht sich um und piekt blind mit der Gabel ein Stück Braten vom Teller. Nee, Kind,
"Luja? Wen meinst du?" Versuche ihm die in der Luft schwebende Gabel zu entwinden und mit einem Löffel Erbsen zu ersetzen.
"Luja!", beharrt er und winkt über den Tisch. Das Bratenstück landet irgendwo auf dem Boden.
Alle Augen auf ihm. Nur meine Oma kriecht unter dem Kinderstuhl herum.
"Hallo Luja!", ruft Marek und winkt wieder einer imaginären Person.

Ich begreife es erst viel später.
Halleluja!

und Schneckenhäuschen. "Halloooooo!", ruft Marek, "Schnecke! Komm raaaaaus!"

Am Dienstag schütte ich sämtlichen Osternester-Inhalt in einen großen Wassereimer. Er ist randvoll. Deprimierend.

Dann gehen wir wandern. Mit Lupe. Reggio-Pädagogik gegen den Groll. Meine Lymphknoten sind Luftballons und ich habe Ohrenschmerzen. Kann mich kaum über den ersten jungen Giersch freuen. Marek dafür umso mehr. Ich sehe ihn unbedarft über den Maulwurfshügel springen und möchte wieder klein sein.
He Gott, wo bist du mit deiner Osterverklärung? In mir macht sich das Gefühl breit, dass in diesem Jahr irgendetwas gehörig schief gelaufen ist mit dem Ostern. Dem ersten bewussten Ostern für das Kind. Dem ersten Ostern, an dem Meinung nicht mehr einfach nur Meinung ist. Verstohlen schaue ich mich nach meiner Familie um. "Ihr seit mein Ursprung, mein Vertrauen..."... und trotzdem so anders. So schmerzhaft anders! Wie kann das gehen? Wer versteht hier wen nicht? Warum traue ich mich nicht, meine Omi eine Rassistin zu nennen?
Die Nähe kommt mir belastend vor. "Und die Liebe Gottes, die höher ist als all unsere Vernunft...". Liebt Gott auch Rassisten?

Das war also unser Ostern. Im Regal meines Sohnes gibt es nun eine Dynamotaschenlampe, ein neues Kinderbuch, einen Spielzeugkoffer und ein weiteres Puzzle. Und ein Körbchen mit Lupe und Naturschätzen. In der Kammer auf dem Treppenhaus steht ein Wassereimer, randvoll mit Schokolade. Ganz hinten. Auf dem Esstisch brennt die Osterkerze und mit den letzten gebackenen Osterhasen kann man nun gut nach jemandem werfen. Der Forsythia-Strauß auf dem Fensterbrett verliert langsam alle Blüten. Ich liege mit Mittelohrentzündung und Angina auf der Wohnzimmercouch, auf der kürzlich noch ein Franzose schlief. Frage mich.

Was sollen wir tun?
Wie geht das nur weiter?
Und... wohin mit der ganzen Schokolade?