Samstag, 28. Mai 2016

Mission uncompleted - Küchenexperimente, die Zweite.

(das erste Experiment hieß "Vegane sächsische Eierschecke" und ist hier nachzulesen)


Scroll ich so. Nix neues. Wenn mich jemand in einer pantomimischen Geste beschreiben sollte, er würde sich an die Küchenarbeitsplatte lehnen und mit dem Finger auf einem imaginären Tablet herumwischen. Ähem. Jedenfalls stoße ich da unerwartet auf Fliederkuchen. Flieder...was? Perfekt! Kuchen ist meine verdammte Lebensaufgabe (neben einem Kind und ein paar Nebensächlichkeiten), meine Passion! Und dann Flieder. Muss ich... Unbedingt. Dann erst lese ich da etwas von "raw vegan". Rohköstlich. Noch besser. Einen rohköstlichen Kuchen wollte ich schon längst mal ausprobieren.

Kurzer Exkurs in den Ernährungsextremismus: Hinter rohköstlicher Ernährung steckt die Regel, keine Lebensmittel zu sich zu nehmen, die über 40°C (das ist unsere maximale Körpertemperatur) erhitzt wurden. Es darf also nichts gekocht oder gebraten, schon gar nicht gebacken werden. Warum? Beim Erhitzen werden, so heißt es, sämtliche wichtigen Enzyme und Vitamine getötet. Und dann ist das Essen tot. Logisch. Totes Essen kann nicht gesund sein, so ohne Nährstoffe und dem ganzen wichtigen Kram.

Rohköstlicher Kuchen ist nach logischem Schluss also gesunder Kuchen. Was nicht heißt, dass er nicht trotzdem 25.000 kcal haben darf: Er besteht zum größten Teil aus Nüssen, Mandeln und Datteln. Und Kokosfett. Gönn dir. Ich überfliege die Zutaten und scheitere schon am zweiten Punkt. Was zur Hölle ist denn bitte "Coconut Cream"? Und noch dazu zwei Tassen? Ich befrage die Schwarmintelligenz meiner Lieblings-Facebook-Gruppe (Nirgendwo so viele schöne Menschen auf einem Haufen. Nicht optisch-oberflächlich natürlich. Aber vielleicht auch das.) und führe mich selbst in die bizarre Welt der asiatischen Lebensmittelgeschäfte ein. Volltreffer, auch für meine Küchen-Zukunft.

Was mir zu meinem rohköstlichen Glück noch fehlt, ist ein tolles, multifunktionales Alleskönner-Smoothie-Mixgerät, das die Cashews aus dem Rezept in samtweiche Creme verwandelt. In der Theorie. Für den Praxistest öffnet mir ein Freund Wohnung und Küche. Juhu!



Die Zutaten in der Übersicht:

Boden:

  • 2 Tassen Mandeln (süße!) - da sie gemahlen werden, gehen an dieser Stelle auch einfach zwei Tüten gemahlene (je 150 g)
  • Datteln, nach Gefühl. Etwa eine Handvoll.
  • 2 TL Kokosöl, geschmolzen
  • 1 TL Zimt
  • 1/2 TL Vanille - nicht ganz klar: Echte? Aroma? Gemahlene? Die Entscheidung fiel auf eine echte Schote, weil das Vanille-Schote-auskratzen aus den Kochshows eine First time-Experience war, die auch unbedingt gemacht werden wollte. Vergesst es. Nehmt das Pulver. Es ist nie so einfach wie in einem youtube-Video!
"Creme":
  • 2 Tassen Cashews, über Nacht in Wasser eingeweicht
  • 2 Tassen dieser ominösen Coconut Cream - es ist das dickflüssige Zeug für die Cocktails. Das gibt es in Dosen im Asia-Laden, gleich neben 10 Sorten Kokosmilch.
  • Flieder! Ganz viel Flieder! Und zwar eine Tasse voller Blüten - so viel wie reingeht. Ruhig etwas stopfen.
  • ein Schluck Pflanzenmilch
  • 2 TL geschmolzenes Kokosöl
  • nochmal Vanille - eine Schote oder einen TL
  • eine Drittel Tasse Agavendicksaft. Wie viel ist das? 
  • Saft einer Zitrone
  • eine Handvoll Blaubeeren
In Summe belaufen sich die Zutaten auf etwa 35-40 €. Und da habe ich mangels Zeit und Budget überwiegend konventionell und nicht im Bioladen gekauft. Kurz vor Monatsende. Muss ich noch mehr dazu sagen?

Zur Zubereitung:
Die ist wirklich sehr simpel. Kann man von den Zutaten ja nicht gerade behaupten. Im Grunde wird eigentlich alles nur miteinander in dieses super High End-Mixgerät geworfen und am Knopf gedreht.
Zuerst die Bodenzutaten. Die Masse dann wie Knetteig in eine Springform drücken.
Dann die Creme. Alles rein, Deckel drauf, mixen. Ich bin fasziniert ob dieser Ästhetik!
Die Smoothie-ähnliche Masse wird auf den Boden gekippt und das ganze wandert dann in den Kühlschrank. Oder in das Kühlfach? Das Rezept lässt das offen. Ich und der Mixer-Besitzer sind ratlos. Schnell mal den Kühlschrank auf 4°C runtergedreht. Wird wohl reichen.

Wartezeit: Eine Nacht. 8 Stunden.



Das Ergebnis.
Sieht vielversprechend aus, so lange der Kuchen sich im Kühlschrank befindet. Ich öffne die Tür und zerfließe vor Glück und Verlangen. Ein zartlila Träumchen! Alles einigermaßen schnittfest, toller Fliederduft, bezaubernde Optik.

Ich beginne den Kuchen zu schneiden und größere Teile meines vorgegriffenen Selbstlobs ziehen aus dem gekippten Fenster davon. Schon sehr... cremig... Kann mich aber an mein erstes und einziges Roh-Kuchenstück erinnern: war ähnlich cremig. Alles schön.
Noch.
Ich drapiere die Deko, das Stück auf den Teller, das Arrangement auf den Tisch und beobachte besorgt die Metamorphose von festcremig zu wabbelig. Unglücklicherweise muss ich vor dem Food-Fotoshooting nochmal eben nach Nebenan. Als ich wiederkomme, ist da schon ein Teil der Kuchencreme auf den Tisch gestürzt (siehe Foto oben). Ungünstige Bedingungen. Jeder, der schonmal Essen bei ganz trübem Morgenlicht (6 Uhr, vor der ersten Uni-Stunde!) so gut wie möglich fotografieren wollte, weiß: Dauert. Lange. Wie Kuchen essen kann man es aber trotzdem noch, nach einer halben Stunde. Nach einer Stunde ohne Kühlung, da habe ich gerade das Hörsaalzentrum erreicht, hat sich der "Kuchen" in Brei verwandelt. Wir löffeln ihn aus der Kuchenform. Ganz toll. Nicht.

Geschmacklich... den Flieder, aber auch die Mandeln und den Kokos kann man nicht leugnen. Das ist toll und aufdringlich zugleich. Ich liebe Flieder. Aber in Masse ist der dann doch ganz schön bitter. Für unentwöhnte Menschen fehlt eindeutig Süße. Pluspunkt? Die Creme ist also eher so lala. Schmeckt, aber nicht überragend. Und für den Allerweltsgaumen eher unkonventionell bis sonderbar.
Dagegen ist der Boden der absolute Kracher. Nicht nur Konsistenz-technisch hält er bis in den Nachmittag aus, auch geschmacklich ist er eindeutig das beste am ganzen Kuchen. Vielleicht das nächste Mal einfach ohne Creme....?



Damit wären wir dann auch schon bei der Fehlerbetrachtung:

  • Roh war der Kuchen doch nicht. Reden und mixen und Kokosöl schmelzen klappt nicht immer gleichzeitig: "Hier qualmt was...?!" - "Oh."
  • Mehr Agavendicksaft! Aber was ist schon eine "Drittel Tasse"?
  • Der Kühlschrank scheint vielleicht nicht der richtige Ort für den Kuchen zu sein. Besser ist wohl ein Gefrierfach und ein kurzes Antauen im Kühlschrank vor dem Servieren.
Dinge, die ich dabei gelernt habe:
  • Rohe Kuchen sind keine Kaffeeklatsch-Deko. Mehr achtsam essen: Raus aus dem Kühlschrank, ein Stück herausschneiden (bei dem Nuss/Dattel/Kokosfett-Gehalt deckt das meinen Tagesbedarf), rein in den Kühlschrank, Stück bewusst genießen. Und zügig.
  • Rohe Kuchen sind nicht transportabel. Aus nahe liegenden und oben angedeuteten Gründen.
  • Rohe Kuchen sind keine Sommer-Kuchen. Siehe oben.
  • Aus dem Boden kann man immer noch kleine Pralinen rollen!
  • Rohe Kuchen sind nichts für mich. Dies war der erste und letzte Versuch.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Kind kauft ein, Konsumkritik und ein Lied des Tages.

Vor reichlich einer Woche hat das Kind eingekauft. Mit eigenem Einkaufszettel und Unterstützung, natürlich. Inspiriert von diesem Eltern vom Mars-Post hat Mama die Google-Bildersuche bemüht, Fotos in ein Word-Dokument eingefügt und schließlich dem 2,75-jährigen die "Einkaufsliste" überreicht. Stolz wie Bolle. Wir beide. Marek wegen der unerwarteten Aufgabe, ich auf meinen Mut. Endlich etwas getraut. Dem Kind etwas zu-getraut!

Im Schneckentempo schiebe ich den Einkaufswagen durch die Obst/Gemüse-Abteilung. Wir kennen sie im Schlaf und trotzdem erschlägt uns dieses überbordende, reichhaltige Angebot an praktisch allem Grünzeug, das mir spontan einfallen würde. Heute ist Marek nicht nur passiver Ich-lass-mich-herumschieben-und-singe-laut-Wagenpassagier, sondern aktiver Kunde. Das ist neu. Das ist spannend. Und  das ist anstrengend. Ich steuere gezielt auf die Äpfelkisten zu und bewege mich mit 0,25 km/h-Rentnertempo an ihnen entlang. Kind studiert den Einkaufszettel. "Schau mal...", versuche ich ihm eine Hilfestellung zu geben und deute mit einem Kopfnicken auf die Stiegen links des Einkaufswagens. Kind sieht, registriert und deutet dann auf die Bananen in er übernächsten Reihe: "Nein. Die dort brauchen wir erst!". Aha. Na gut.

Wir halten uns ewig auf im Gemüse. Mama schiebt kreuz und quer durch die Stiegen, ohne Rücksicht auf Kollisionen. Das Kind dirigiert mit drehendem Kopf, mal hierhin, mal dahin und immer ein wenig überfordert. Und dann gibt es keine Radieschen. Verzweiflung. Das Kind schwenkt theatralisch seinen Einkaufszettel vor dem Bauch eines älteren Herren herum: "Aber wir brauchen die Lieschen! Wo sind denn die Lieschen?"

Während einer kurzen Orientierungspause seitens des Kindes zücke ich heimlich den iPod für's Erinnerungsfoto. Mit Spiegelreflex-Kamera im Supermarkt... Und dann gucken wieder alle so... Nee.


Heut, wo das Kind einkauft, betrachte ich den Supermarkt und sein ganzes pervers großes Warensortiment einmal viel bewusster und bemühe mich, die Kinderperspektive einzunehmen. Für mich sind die vollen Regale so alltäglich wie der Wäscheständer im Wohnzimmer. Ich fokussiere überwiegend auf Bio-Siegel und Preisschild, weiß wo der Kram steht, den wir wöchentlich brauchen und bewege den Einkaufswagen elegant sportlich nach jahrelangem Training in zweikommafünffacher Rentnergeschwindigkeit ohne Kollision durch die Gänge. Nicht rechts schauen, nicht links schauen. Die Masse des Angebots, die unzähligen Wahlmöglichkeiten, die meterhohen, mit teilweise absurden Konsumgütern bis auf den letzten Zentimeter Platz-effizient eingeräumten Regale nehme ich schon nicht mehr war. Nehme sie für selbstverständlich. Setze ihre Existenz voraus. Lebe mit ihnen. Hinterfrage nicht.

Heut springen mir die Ungeheuerlichkeiten auf Höhe Kühlregal von hinten auf die Schultern. Als das Kind endlich die Milch entdeckt, fühlt sich plötzlich alles so fürchterlich falsch an, dass mir schlecht wird und ich mich kurz an dem Zwei-Meter-Milchkarton-Stapel festhalten muss: 

Wir leben in einem Land, in dem alles was wir irgendwann einmal gebrauchen könnten immer griffbereit und erschwinglich in einem Supermarkt darauf wartet, von uns erworben zu werden. Zu (nahezu) jeder Tages-und Nachtzeit. Wir sind es gewohnt, obszön große Metallkörbe auf Rollen fünf Minuten an Regalwänden voller Tütensuppen vorbeizuschieben und empfinden es als normal, aus 48 Sorten Frucht-Joghurt unseren Liebling zu wählen. Wir fühlen uns sogar gut damit. Frei.

Und die Kinder? Sind privilegierte Erdlinge dieses Schlaraffenlands. Werden von uns sorgfältig auf mündigen Konsum vorbereitet, in dem wir ihnen auch noch Bilder-Einkaufzettel drucken und sie in ihrer individuellen Nachfrager-Verbraucher-Position stärken. Werden von uns zu Hinnehmern des Überflusses erzogen, zu "Magst du lieber den roten oder den rotgelben Apfel? Oder so einen von den niedlichen kleinen da?"-Individualisten.
Trotzdem empfand ich den Einkaufszettel in dieser Situation als sinnvoll. Um zu sehen, was wir brauchen. Die Entdeckung, dass die 12 Bildchen keine Supermarkt-Realität abbilden und es immer absurd vielviel mehr als nur das gibt, was wir unmittelbar brauchen, machte Marek zwischen Apfelkisten und Paprika: "Warum nehmen wir denn die [großen Boscop] Äpfel nicht auch noch, Mama?"

Weil wir sie nicht brauchen. Weil so viel nicht gebraucht wird, was aber paradoxer Weise nun mal da ist. Und die Regale, später die Container füllt. Aber das erkläre ich meinem Kind ein wenig später.

Während wir an der Kasse anstehen und ich mit Blicken über die Kassenbänder spaziere, fällt mir Dotas Song ein. Singe ihn laut auf der Autofahrt nach Hause.



"[...]
Man ist träge und immer matt
und hängt wie die Latten hier
und die Raupe Nimmersatt, voller Gier, so wie wir
ist unser Wappentier

Wir haben uns von klein auf erfolgreich hier reingefressen und sind jetzt aus der Pflicht
Es bleibt nur die ständige Sorge um das aktuelle Körpergewicht
hier lebt jeder mit der schrecklichen Angst
um die Steuerfreiheit seines Bausparerkapitals
das ist die Qual der Wahl
durch die Zahl der Möglichkeiten
und das ist alles normal

Das ist der Fluch des Schlaraffenlands
[...]

Und ab gewissen Summen kann man sich alles leisten
selbst ein reines Gewissen
und das können die meisten
es kommt nur darauf an, dass das Schlaraffenland dicht bleibt.. also Schotten dicht
so dass nicht gleich jeder hier rein kommt
wo komm' wa da hin
also abschieben, ausweisen und wir hier drin
brauchen Kameras und geschultes Wachpersonal
um uns sicher zu fühlen
und das ist alles normal

Das ist der Fluch des Schlaraffenlands..
[...]"



Dienstag, 24. Mai 2016

Gefliedert! - Meet Frieder, den Kumpel von Hugo.


Das hier ist quasi ein Last minute-Eilpost! So lange blüht es nämlich da draußen nicht mehr....

Letztes Jahr, als ich hier noch in Elternzeit herumvegetiert und endlos viel Zeit in Entdeckungen investiert habe (oh, wie sehr ich diese Tage vermisse!), da habe ich auch mal etwas über Fliedersirup gelesen. Fliedersirup gekocht. Fliederkuchen mit Fliedersirup gebacken. Und mich dann so sehr dafür gefeiert (Flieder! Flieder! Und dann auch noch zum trinken, wie genial ist das denn bitte??), dass ich ganz vergessen hatte, das fotografisch festzuhalten. Mist.

Darum in diesem Jahr noch einmal heimlich den Fliederstrauch vor dem Haus meiner Eltern geplündert (Sorry Mutti!)...

Und jetzt stellt schon mal den Sekt kalt, das hier ist großartig!


You will need:

  • 5-8 Fliederdolden (vom echten Frühjahrs-Flieder (Gemeiner Flieder), das sei an dieser Stelle noch einmal besonders erwähnt. Der sog. "Sommerflieder" (Schmetterlingsflieder) ist ein später blühendes Ziergewächs und giftig. Außerdem erwähnenswert: Je dunkler die Blütenfarbe, desto intensiver der Farbeffekt)
  • eine Bio-Zitrone
  • 1-1,5 Liter Wasser
  • 500 - 750 g Zucker (Hier erwähnenswert: Ich habe eigentlich immer dunklen Vollrohrzucker da. Der wirkt sich ähnlich wie beim Löwenzahnhonig verdunkelnd auf die Sirupfarbe aus und versaut am Ende die tolle Farbgebung durch die Blüten. Merke also: beim nächsten Mal zähneknirschend weißen Zucker kaufen oder die Optik weniger wichtig nehmen....)
  • ein Päckchen Zitronensäure - damit es nicht so süß wird und sich besser hält
Reicht für zwei 300 ml - Flaschen. Also Sekt für zwei Grillparties.



Geht los: Fliederblüten abzupfen und in einen Topf werfen. Mit Wasser aufgießen und die Zitronen in Scheiben dazu geben. Auf dem Herd erhitzen und den Zucker dazuschütten. Aufkochen, kochen lassen. Eieruhr auf 20 Minuten. Danach Herd aus und Topf zur Seite schieben.
Das wars. Fast.


Der ganze Blüten-Zucker-Zitronen-Matsch muss jetzt mindestens 2 Tage lang irgendwo ungestört und kühl herumstehen. Im Kühlschrank, oder sonstwo. In dieser Zeit geben nämlich die Blüten ihr tolles Aroma und ihre Farbe an das Zuckerwasser ab. 
Schlussendlich wird der Matsch durch ein Sieb in einen anderen Topf gegossen, erneut aufgekocht, mit Zitronensäure versetzt und noch heiß in Flaschen gefüllt. Et voilá!

Noch ein Absätzchen zur Haltbarkeit: Durch das heiße Abfüllen und die Zitronensäure sollte der Sirup eigentlich eingekocht und damit nahezu unbegrenzt ungekühlt haltbar sein. In der Theorie. Praktisch musste ich im letzten Jahr alle Flaschen nach 3,5 Monaten dem Abfluss zuführen. Im Kühlschrank sollten sie sich aber mindestens ein Jahr halten. Sagt das Internet. Na gut - schmeckt ohnehin gekühlt am besten.

Und eins zur Verwendung: Im Sekt! Holunderblütensirup im Sekt kann ja wohl keiner mehr sehen, nachdem sich dieser Hugo in den letzten zwei Jahren auf wirklich jeder Feier eingeladen hat... 
Als erfrischendes Warme-Tage-Getränk mit kaltem Wasser ist er aber auch familientauglich. Die streitet sich übrigens darüber, ob der Sirup nun wirklich so schmeckt, wie die Fliederblüten riechen. Ich finde: Absolut!


Ach Frieder... Ich bin ganz verliebt! 

Samstag, 21. Mai 2016

Kochen mit dem Saisonkalender, Elf - Quinoa-Salat mit geschmorten Mairübchen, Spargel, Cashews und veganem Frischkäse.


Kann ich eigentlich so stehen lassen. Diese überaus detaillierte Überschrift, diese überaus aussagekräftigen Fotos und... ja. Bitteschön. Unfold your creativity.

Das war zumindest meine Ausgangssituation. Haarkleiner Unterschied: ich durfte das Gericht auch essen. Im Restaurant nämlich. In einem ganz schön gehobenen noch dazu (merkt man doch schon an den "geschmorten Mairübchen" - oho!). Und weil ich mich da so furchtbar stilvoll und distinguiert und gleichzeitig healthy-vegan-fit gelifestyled gefühlt habe und weil das Essen ja obendrein echt was her macht, so gesund und vegan und fit und ökobiosaisonal... dachte ich, ich koch das mal nach.

Genau. Für alle elaborierten Menschen und für das nächste Hipster-Date:

  • Bio-Saisonsalat vom Wochenmarkt (in der Realität preisreduzierter, angedrückter Salatkopf mit braunen Rändern im Discounter)
  • Fair-Quinoa aus dem Bioladen (echt!)
  • 4-7 Stangen Spargel, die mir unverhofft eine liebe Freundin auf den Hörsaaltisch legte. Hätte sie küssen können! 
  • 2 Mairübchen, ebenfalls Bio, blöderweise aus Italien importiert. Naja, geht noch.
  • Paprika, nichtbio und nichtsaisonal, regional sowieso schon gleich gar nicht - ist wegen der tollen Farbgebung aber mal so hinzunehmen
  • eine Tüte Cashews, aus dem Küchenschrank, hat ein Couchsurfer hier vergessen
  • veganer Frischkäse, jetzt endlich auch in deinem Supermarkt!
  • Schnittlauch und Lauchzwiebeln aus eigener Ernte - beste Ökobilanz weil mit Wärmflaschenwasser gegossen
Zuerst den Spargel schälen. Mutti sagt: Spar nicht beim schälen, du ärgerst dich nur hinterher! Recht hat sie. Großzügig schälen, sonst ist der Spargel nachher komisch faserig und schmeckt holzig, wie in der Schulkantine früher. Danach in kurze Stücken brechen. Kochen muss er auch eine ganze Weile: 25 Minuten einplanen.
Währenddessen den Quinoa aufkochen und quellen lassen, das steht alles so auf der Verpackung drauf. Und die Mairübchen schälen, schneiden und "schmoren". Darunter habe ich anbraten verstanden. Ich hoffe, das war richtig. Und weil es effizienter ist, kommen die Cashews auch gleich mit in die Pfanne.

In eine Schüssel den Salat und die Paprika schneiden. Die Lauchzwiebeln und den Schnittlauch auch. Dazu kommen Mairübchen und Nüsse, später dann der Quinoa und der weiche Spargel. Gut durchrühren und mit Salz und Pfeffer ein wenig abschmecken. Auf Teller oder - Instagram-tauglich! - in eine Bowl drapieren und mit einem Teelöffel veganen Frischkäse abstechen und dekorativ nachlässig auf den Salat setzen. That's it.




Samstag, 14. Mai 2016

Kochen mit dem Saisonkalender, Zehn - sohalbsaisonale Pizza mit Bärlauchknospen.


Ich gebe zu - irgendwie musste hier mal wieder so ein Saisonrezept rein. Sieht ja sonst so aus, als würden wir nur noch Südfrüchte und Dosenobst essen. Das Problem ist: Tun wir tatsächlich. So fast. Das Kind und ich essen in letzter Zeit kaum noch zu Hause und wenn, dann wird hier nicht gekocht, sondern schnell ein bisschen Gemüse geschnitten und ein Brot geschmiert.

Aber am Wochenende. Da steht Mama dann doch Mittags an der Arbeitsplatte. Und weil Einkaufen zwischen Uni, Bahnhof, Kindergarten und Sandkasten zu einem hinderlichen Schnellreinundichgreifmirwasganzobenliegt geworden ist, sieht es im Kühlschrank wenig üppig aus. Hauptsache Gemüse, denke ich gehetzt und greife schnell in die Körbe im Bioladen, bevor ich zum Zug hechte. Einmal lag da diese preisreduzierte, überreife Avocado neben einem preisreduzierten Brokkoli neben Bio-Spitzpaprika aus sonstwoher. Meins.

Trotzdem fallen uns die Bärlauch-Knospen in Omas Garten auf. Habe gelesen, sie wären sehr schmackhaft. Also lasse ich das Kind ernten. Kochen wir eben ein saisonal-regionales Wochenend-Gericht mit Abstrichen.


Für die Gemüsepizza braucht ihr:

  • unseren Universalpizzateig (für eine Springform aber nur die Hälfte der Zutaten)
  • eine Avocado, Saft einer halben Zitrone, Salz und Pfeffer - wird eine Guacamole
  • Gemüse (Paprika, Tomaten, Brokkoli, ....)
  • Bärlauchknospen, möglichst frisch und zart
  • optional (veganen) Käse, den mögen wir aber nicht so gern

Zuerst den Pizzateig zusammenkneten und gehen lassen. Oder die Notportion aus der Kühltruhe auftauen. Die Zeit, in der der Teig geht, wird produktiv genutzt: Das Kind löffelt Avocado-Innereien in eine Schüssel und produziert mit einer Gabel herrlichen Matsch. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abgeschmeckt ist das übrigens ein großartiger Brotaufstrich oder Gemüsedip.


Mama kann in dieser Zeit schon mal den Brokkoli vorkochen. Und die Bärlauchknospen in etwas Öl anbraten. 
Dann den Teig ausrollen, in die gefettete Springform ordnen und mit Avocadocreme alias Guacamole (oder andersrum?) bestreichen. Und nach Lust und Laune belegen. Die Knospen nicht vergessen!


Backzeit: Bis es gut riecht. Und die Tomaten schrumpelig aussehen. Mindestens 15 Minuten bei 180°C Umluft.


 

Ist das etwa kein Sonntags-Pfingstessen? Na?

Montag, 9. Mai 2016

Bunt gegen dreckige Fenster! - Aprilwetterbasteln im Mai.




Während Kind und ich vom Kindergarten nach Hause laufen, verdunkelt sich der Himmel. Ganz plötzlich. Auf Höhe Vorgarten fallen die ersten Tropfen. Mission Spielplatz abbrechen. Wohnung.

Ich improvisiere, das kann ich gut. Als alleinerziehende Studentin ist Improvisation quasi mein Lebensinhalt. Während Kind noch unschlüssig in seiner Fahrzeuge-Kiste herumkramt, stapelt Mama Buntpapier, Pappe, Kleber und Scheren auf den Küchentisch.
"Was machst du?" - "Komm, wir basteln jetzt!"

Und zwar eine Vogelgirlande für unser Fenster. Weil mein Gemüt angesichts der grauen Wolken vor dem Fenster nach Farbe schreit. Und weil diese hübschen Vögel ein Projekt sind, die ein fast 3jähriger mit kleineren Hilfestellungen gut bewältigen kann.


Schritt 0: Auf Pappe eine Vogelsilhouette aufzeichnen. Wahrscheinlich gibt es im Internet Vorlagen. Egal. Selbst ist die Frau. Der erste Versuch erinnert stark an eine Ente. Nunja.

Schritt 1: Das Kind darf die Pappschablone auf Buntpapier übertragen. Benutzt man Tonkarton, reicht einmal. Bei einseitig bedrucktem Papier braucht es zwei Vögel, die jeweils spiegelverkehrt zueinander aufgemalt werden.

 Schritt 2: Ausschneiden, mit Mamas Hilfe. Ich staune, wie geschickt Marek schon mit der Schere umgehen kann.

Schritt 3: Beide Vogelseiten zusammenkleben. Bei Tonpapier erübrigt sich dieser Schritt.

Schritt 4: Aus einem zweiten, schmal rechteckigen Stück Papier, idealerweise in einer anderen Farbe, wird eine Ziehharmonika (Berg-und-Tal-Falten) gefaltet. Das kann das Kind schon fast allein. Mama schneidet in den Vogelkörper einen schmalen Schlitz. Dort durch stecken wir die Ziehharmonika und falten sie etwas auseinander. Die Flügel! Tada!

Schritt 5: Die nach oben zeigenden, gegenüberliegenden Faltflächen (äh, weiß jeder, was gemeint ist?) werden nun noch zusammengeklebt.

Schritt 6: Alle nach dieser Anleitung entstandenen Vögel werden mit Hilfe einer dünnen Schnur und einer Nadel verbunden. Und ins Fenster gehängt.

Studentenfenster...



Mittwoch, 4. Mai 2016

Winzige Spaziergangs-Wildkräuterkunde und ein Mist-zu-lange-im-Wald-gewesen-Essen.


Hallo Frühling! Das Kind schläft ungewöhnlich lang. Mein Biorhythmus spielt Uni-Woche, 7 Uhr sitze ich im Bett. Sonntags. Durch die Verdunkelungsrollos grinst ein feiner sonniger Morgen ins Schlafzimmer und für einen kurzen Moment fühlt sich die Welt ganz in Ordnung an.
Während ich zentimeterweise mit dem Po zur Bettkante rutsche um das Kind nicht zu wecken, beschließe ich einen Waldbesuch.

Später, beim Frühstück, weihe ich das Kind in meinen Plan ein. Bis an den Rand des Nationalparks ("Aaaach, ihr wohnt ja SO zauberhaft!" - "Mh.") sind es 15 Laufrad-Minuten. Zu viel. Findet Marek.
Gegen 10 ziehe ich Kind und Bobbycar hinter mir her, 20 Minuten gen Wald. In der Theorie.
Praktisch sprengt das Auto natürlich unseren Zeitplan. Es hat einen Anhänger. Alle zwei Meter muss ich anhalten, damit Marek Fundsachen auf- und entladen kann. Das dauert. Währenddessen schaue ich ein bisschen am Wegesrand herum. Finde... angesagte Wildkräuter. Was kochen wir denn eigentlich heute Mittag?


Die am häufigsten auf dieser Strecke auftauchenden, essbaren Wildpflanzen sind

1 - natürlich der Giersch. Besonders die frischen jungen, zarten Triebe sind ganz lecker. Im Salat. Im Pesto. Im Aufstrick. Überall.
2 - der Löwenzahn. Bekannt. Muss ich dazu noch etwas schreiben?
3 - die Knoblauchrauke! Geschmacklich irgendwo zwischen Bärlauch, Knoblauch und Rauke angesiedelt. Konkret: schmeckt etwas würzig (wie Rauke) und nach Bärlauch, ist aber eigentlich ziemlich mild. Und damit viel kindertauglicher als das Original.
4 - wilde Veilchen. Na gut, die haben wir im Wald entdeckt. Deren Blüten sind essbar und dekorieren den Salat mit tollen Farbtupfern.

Ich lasse mich vom Sammeleifer des Kindes anstecken und ernte Knoblauchrauke und Löwenzahn. Wir trödeln eine Weile im Wald herum und ich spinne im Kopf ein tolles Wildkräuter-Sonntagsessen zusammen. Gleich mal auf die Uhr... Mist. Halb 12 ziehe ich Kind, Bobbycar und Schätze im Eiltempo zurück in die Wohnung, muss aber feststellen, dass die Zeit für ein Hundert-Sterne-in-Hochglanzmagazinen-total-angesagtes-Wildkräuteressen nicht mehr ausreicht.

Improvisiert:
Gegrilltes Ofen-Gemüse mit Linsen und Knoblauchrauke-Löwenzahn-Pesto.
Klingt doch trotzdem nach vielen Sternen.


Dafür

1. Die Linsen eine kleine Weile vorkochen lassen.
2. Wildkräuter waschen.
3. Ofen vorheizen.
4. verschiedenes, möglichst saisonales Gemüse waschen, putzen und mundgerecht schneiden. Jaja, ich weiß, der Brokkoli passt nicht so ganz zum Konzept... Auch das Gemüse ein bisschen vorgaren. Die Pilze aber natürlich nicht.
5. Ein Blech mit Backpapier auslegen.
6. Pesto machen: mit dem Wildkräutergrünzeugs, Sonnenblumenkernen (oder gemahlenen Nüssen), Olivenöl, Salz und Pfeffer und einem Pürierstab.
7. Das Gemüse in eine Schüssel geben, mit Olivenöl und Kräutern (was da ist! Rein!) durchmischen.
8. Linsen und Gemüse auf dem Backpapier verteilen.
9. Blech in den Ofen schieben.
10. Mein Ofen hat eine Grill-Back-Funktion. Die macht hier ganz schön Sinn. Nur backen geht aber natürlich auch.
11. Tisch decken. Warten.


Das Gemüsegedöns dann auf einer Platte mit dem Pesto dekorieren und servieren.
Richtig großartig!