Dienstag, 28. Juni 2016

Prüfungen, Prokrastination und Blaubeeren - Club-Mate-Muffins mit Frucht und ein vorläufiges Blog-Closing.


Eigentlich sollte ich um diese Uhrzeit im Bett liegen. Oder wenigstens lernen, das würde mein Licht im Wohnzimmerfenster für die Spätdienst-Nachbarn noch rechtfertigen. Ist ja immerhin Prüfungszeit.

Tu ich nicht. Ich lese. Nichts von der Literaturwissenschafts-Lektüreliste. Sondern meine Facebook-Konversation über kleingeistige, Deutschlandfahnen-bewimpelte sächsische Anwohner in meinem Hinterland, alias Pegida-Montags-Touristen. Ja, kuck an, ein subtiles politisches Statement. Das tut diesem Blog hier auch mal wieder gut. Wenn mir die Galle überläuft, spucke ich kurz in das Waschbecken und backe dann um 22 Uhr noch Studentenmuffins. Mit Club Mate. Mit viel Club Mate.



Kind und ich haben uns am Nachmittag auf die Sattel gequält. Einer von uns beiden mehr als der andere. Ähem. Mit Helm und Schachtel im Nationalpark. Angenehme Kühle im Wald. Nur die Vögel, der Wind und sonst nichts. Hier ist der einzige Ort, an dem alles von mir abfällt, so ganz wunderbar plötzlich. Hier lenkt mich nichts ab und hier erreicht mich die Uni nicht. Das Kind beginnt, eine Hütte zu bauen und ich beschließe, dass wir dort einziehen werden, wenn er irgendwann damit fertig ist. Abgeschnitten vom Rest der Welt. Von Soziolinguistik, Exil-Literatur und Social Media.

Und während es baut, sammle ich Blaubeeren. Sinnliches Erlebnis, wie in Rancieres Ästhetikdefinition. Hier in der Wildnis ist das Wissen über inklusive Bildung ähnlich nutzlos wie mein empfangloses Mobiltelefon. Hier zählt das Recht des Stärkeren gegenüber den hilflosen blauen Kullern am Busch. Werden alle mitgenommen. Als Trophäe. Als Reminder der Wald-Stille. Waldeinsamkeit, oh wie mich freut, Waldeinsamkeit. Hallo Literaturwissenschaft.


Nach einer Stunde ist die Hütte noch immer nicht fertig und die ersten dicken Tropfen finden ihren Weg durch das Blätterdach auf den Laufrad-Sattel. Vielleicht ist die Waldeinsamkeit doch kein zukunftfähiges Konzept. Vielleicht doch lieber eine trockene, ungeputzte Dorfwohnung mit Abwaschberg und unangetastetem Linguistik-Hefter auf dem Küchentisch.

Seufzen. Beerenfalle in Lenkerkorb. Pokal der Ruhe.


Statt zu lernen... Siehe oben. Rede mir ein, dass die Beeren kleine Pillen sind, die mir innere Ausgeglichenheit und Waldeinsamkeits-Ruhe einflößen. In Verbindung mit Club Mate unschlagbares Team. Fühle den unbändigen Drang zu backen. Sofort. Allesnurnichtdieuniallesnurnichtdieuni mantra-t es in meinem Kopf von rechts nach links und zurück. Und da bemerke ich, wie leer es da oben eigentlich ist. Dass da nichts drin ist außer ein paar Wortfetzen und die Überschriften auf der Schwerpunkte-Liste. Kein Inhalte. Nur die Glaxie-Zuckerwatte vom Instagramfoto. Aufgebauscht, glitzernd und konsistenzlos. Und unbarmherzig rast die Zeit.

Neben Heidelbeerwaldausflügen, Küchenkunst, Geranien gießen, Erdbeeren essen, regulärem Lehrveranstaltungsbetrieb und Prüfungsvorbereitung(swillen) ist irgendwie nicht mehr allzu viel Platz. Wie im letzten Semester lege ich also eine Klausuren-Blog-Pause ein. Hiermit und auf der Stelle. Verabschiede mich in die heiße Phase. Im doppelten Wortsinn. Ahahaha.

Und damit hier keiner weint, gibt es das ultimative, super einfache Studenten-Klausurenzeit-Sommer-süßgehtimmer-Rezept für alle: Waldeinsamkeits-Wunderkugeln treffen Power-Mate. Olé!


Vegane Club-Mate-Muffins mit Blaubeeren

You will need:

3 Tassen Vollkorn-Mehl
1 Tasse Zucker
1 Tasse Pflanzenöl
1 Tasse Heidelbeer-Grütze. Kann man selber machen - kann man aber auch kaufen. Alternativ geht jede andere rote Sommergrütze. Zur Not Apfelmus.
1 Tasse Club Mate
1 EL Sojamehl, mit Wasser zu einem Brei vermischt. Das "Ei".
1 Pck. Backpulver
1 Pck. Vanillezucker
1 Prise Salz
Blaubeeren! Oder Heidelbeeren. Oder Wunderkugeln. Wie auch immer ihr das nennen wollt.

Vorgehen: 

Alles zusammenschmeißen. Umrühren. Muffin-Formen fetten oder Papierformen einsortieren. Teig rein, Formen in den Ofen. Backen bis die Geduld ein Ende hat. Oder es riecht.




Samstag, 25. Juni 2016

Let's talk about Haare.


So ein Post, der mir schon so lange am Herzen liegt. Mindestens seit 3 Wochen. Und weil ich nicht ständig Rezepte posten kann, weil dann jeder merken würde, dass ich hier nur am essen bin, muss das jetzt mal sein: Ich wasche meine Haare nicht mehr mit Shampoo. Oder nur noch selten: wenn es schnell gehen muss, wenn es schon nach Mitternacht geworden ist, wenn ich außer Haus dusche. Also schon öfter. Nunja.

Jedenfalls. Eigentlich wasche ich meine Haare mit Natron. Ja. Mit diesem weißen Pulver-Zeug, was im Backwaren-Regal steht und doch irgendwie kein Backpulver ist. Oma schwört darauf, um die Fugen im Bad zu reinigen.
Warum?
Das Internet und ich sind dicke Freunde. Wir sitzen jeden Abend irgendwo zusammen rum, gehen zusammen zur Uni und lenken uns gegenseitig von relevanten Lerninhalten ab. Einmal lausche ich gerade einer Indiefolk-Playlist, als am youtube-Rand dieses Video auftaucht. Ich kenne keine Beauty-Channel. Ich schaue mir sowas auch nicht an - kriegt frau nur Minderwertigkeitsgefühle von. Aber hier bin ich dem Clickbait erlegen. Zum Glück. Die Dame referiert über "NoPoo" (ohne Shampoo waschen) und erwähnt... Natron. Weckt ein ganz versteckt schlummerndes Forscher-Gen in mir. Finde mich am nächsten Tag vor dem Supermarktregal. Kaufe "Kaiser-Natron" - der Markenname, der für mich schon irgendwie zum Produkt gehört wie "Tempo" zu No-Name-Papiertaschentüchern.
Das war vor 3 Wochen.

Und es funktioniert. Tatsächlich. Ist zudem auch einfach. Sowas ist mir ja immer am liebsten. Doch vor dem großen Selbstversuch-Erfahrungsbericht-Beatyblog-Blala noch ein bisschen Theorie: What the fuck ist Natron? Und warum macht das meine Haare sauber? Und warum ist das besser als Shampoo?

Einkaufsliste:
Natron
Apfelessig naturtrüb für die "saure Rinse" danach
- Details unter der ganzen Theorie.
Und Wasser wird gebraucht. Da reicht aber das aus der Leitung.

Natron ist die Trivialbezeichnung für Natriumhydrogencarbonat. Die Summenformel schenke ich mir hier. Es ist ein weiß-kristallines Pulver, ein Salz, hergestellt aus Stino-Kochsalzlösung und Kohlenstoffdioxid. Und Wasser. Man verwendet es heutzutage eigentlich hauptsächlich zur Herstellung von Backpulver oder Brausepulver. Irgendwann hat allerdings mal jemand entdeckt, dass Natron, in Wasser gelöst, schwach alkalisch, also basisch, reagiert. Damit besitzt es die Fähigkeit, Säure zu neutralisieren.

Diese Fähigkeit ist nun schon eine Weile bekannt. So lange schon, dass die alten Ägypter dieses Mittel schon zur rituellen Reinigung und Mumifizierung verwendeten. Es galt und gilt als das Allround-Talent schlechthin. Ein Hausmittel für jeden Zweck: zum putzen von allem und jedem, zum backen und kochen. Es kann (Frucht)säuren im Essen neutralisieren und reagiert zusammen mit einer Säure aufblähend (Hallo Backpulver!). Es kann Gerüche aus dem Kühlschrank ziehen und Fugen schrubben.
Und eben auch Haare waschen. Die schwach alkalische Wirkung entfernt überschüssiges Fett aus dem Haaransatz. Ist das nicht toll?

Zum ökologischen Aspekt. Ich recherchiere seit mehreren Tagen. Und finde einfach keine knallharten Fakten. Darum werfe ich jetzt ein bisschen mit subjektiven Bewusstheits-Empfindungen um mich. Wen das stört, der scrolle nach unten.

Eins - überschaubare Inhaltsstoffe:
Ich weiß nicht, wer sich mit welchen Sachen seine Haare behandelt. Konventionelle Shampoos enthalten scheinbar Silikone. Und die sind böse. Sagt man. Vor dem Natron-Experiment habe ich Naturkosmetik-Kram verwendet, auch explizit Silikon-freies Shampoo. Das hat sich einfach besser angefühlt, nicht nur wegen dem Tierversuchsfrei-Logo auf der Rückseite. Irgendwie gesünder. Natur-näher. Weniger vollgepackt mit allerhand Zeug, dass die Haare zwar auch sauber macht, gleichzeitig aber auch irgendwie transformiert und manipuliert. Einfach echt.
Jetzt also Natron. Nur Natron. Ohne Gedöns. Kochsalzlösung meets Ausatemluft und Wasser unter Zuführung von Energie. Einfache Reaktion, einfacher Stoff. Nachvollziehbar und logisch, keine lange, unverständliche Produktliste. Je weniger drin ist, desto geringer ist das Risiko, dass irgendetwas davon ökologisch fragwürdig, giftig oder sonstwie dubios sein könnte. Klingt logisch, oder?

Zwei - Ungiftigkeit:
Niemand würde auf die Idee kommen, sein Shampoo zu essen. Richtig? Natron kann ich mir gegen Sodbrennen in Wasser auflösen und trinken. Sofort. Kann meinen Haaren also gar nicht unbekömmlich sein.

Drei - Verpackung:
Mein Bauchgefühl findet die Packung Kaisernatron, Pappe und Papier, viel sympathischer als die Plastik-Shampoo-Flasche. Dass Papier mitunter aber sogar eine schlechtere Ökobilanz haben kann, habe ich heute gelernt. Und überarbeite diesen Punkt in meinem Kopf. Bis ich soweit bin, tröste ich mich damit, dass ich mit der Natron-Verpackung im Sommer immerhin den Grill anzünden kann. Wer kann das schon mit seiner Shampoo-Flasche?

Vier - Ergiebigkeit:
Mein Naturkosmetik-Shampoo kostet knappe zwei Euro. Ich kann damit ungefähr 20 mal Haare waschen. Macht 10 Cent pro Haarwäsche.
Ein großes Päckchen Natron kostet auch knappe 2 €. Ich kann damit aber nur ungefähr zehn mal Haare waschen, macht 20 Cent pro Haarwäsche. Wenn ich mein Natron in der Backabteilung des Supermarkts kaufe.
Anders sieht es aus, wenn ich mir nun so einen Eimer anschaffe.
Gesamtkosten mit Versand: 15 €. Inhalt: 200 Haarwäschen. Macht 7kommafünf Cent pro Haarwäsche. Ha! Gespart!


Jetzt aber zum eigentlichen: So geht's!


  1. Einen Esslöffel Natron in eine Schüssel schmeißen und unter Rühren einen Schluck Wasser dazu geben. Es sollte ein Brei entstehen. Wenn sich das Natron nicht vollständig auflöst: Macht nichts, bekommt man trotzdem in die Haare. Geübte Henna-Nutzer von Vorteil.
    Wichtig: Niemals heißes Wasser verwenden! Bei über 50°C löst sich das Natron nämlich wieder in seine Ausgangsstoffe auf. Unschön.
  2. Haare nass machen. Unter der Dusche oder mit dem Kopf über der Badewanne. Wie auch immer.
  3. Natronbrei in die Kopfhaut einmassieren. Am besten mit den Fingerspitzen das Zeug aus der Schüssel kleistern und auf die Haare klatschen. Dann alles schön durchkneten. Die ersten Male sind wie Sex mit einem neuen Partner: man weiß nicht, was das werden soll, es fühlt sich komisch an, aber man macht halt. Und es wird koordinierter, versprochen!
    Wichtig, die Zweite: Kein Natron auf den Haarlängen. Das Fett sitzt an der Kopfhaut, die Haarlängen werden nur spröde.
  4. Ganz kurz noch einwirken lassen.
  5. Auswaschen.
  6. Tadaa.
  7. Bisher unerwähnter, aber sehr wichtiger letzter Schritt: Die saure Rinse. Um das Gleichgewicht nach der alkalischen Wäsche wieder herzustellen, empfiehlt es sich, die Haare mit einer sauren Lösung zu spülen. Eine Apfelessig-Spülung soll die Haare auch unabhängig vom Natron-Abenteuer glatt, geschmeidig, glänzend und leicht kämmbar machen. Also: einen Schluck Essig auf ein Gurkenglas voll Wasser. Noch ein Haar-Fact: Kaltes Wasser verzögert das Nachfetten. Einmal über die Haare gießen. Nicht ausspülen!
    Ja, Essig riecht. Verfliegt aber so schnell, dass es dem Theater-Sitznachbarn nicht auffällt. Und ein veganer Hinweis zum Schluss: Naturtrüber Essig ist besser - teilweise wird nämlich noch mit Gelantine geklärt.
Der Vergleich zum Shampoo-Ergebnis hat mich sehr überrascht. 
Prinzipiell: Jeder Kopf ist anders. Optisch, kognitiv und in der Haar-Angelegenheit auch. Vielleicht bleiben die Haare bei dem einen fettig. Das kann daran liegen, dass mensch vorher Silikon-Shampoo benutzt hat und die Haare Zeit brauchen, um von dem Chemie-Drogencocktail runterzukommen. Vielleicht ist auch einfach die Wasserhärte zu hoch. Oder die Natron-Dosierung zu gering. Natron-Waschexperimente können ein Fischen im Trüben sein, ein Ausprobieren, ein Forschen, vielleicht eine aufreibende Fehlersuche. Oder eben auch nicht. Ich berichte von mir und wünsche jedem Nachmacher und Ausprobierer ähnlich tollen Sofort-Erfolg.

Wie beschreibt frau ihre Haare? Eindeutig - hier fehlt das Beauty-Channel-Knowledge. Ähm. Einfach und präzise, angesichts der Länge des Posts: Alles war sauber. Wie mit Shampoo. Nur besser. Komisch leichtes, unbeschwertes (Haar)Gefühl, samtweicher Glanz. Ein bisschen wie nach einem Friseur-Besuch. Und das ganze drei Tage lang. Gratuliere meinem Kopf zu diesem Rekord. Habe mittlerweile sogar gelesen, dass es Menschen gibt, die mithilfe von Natron ihre Haare nur noch wöchentlich waschen. Bin jetzt angefixt. Tschüß Shampoo!

Montag, 20. Juni 2016

Kochen mit dem Saisonkalender, Dreizehn - authentischer Holunderblütengelee.


Es ist dreiviertel Elf, ich muss noch duschen und morgen gegen 6 Uhr aus den Federn kriechen. Es ist außerdem noch Montag und ich habe das dringende Verlangen nach Wochenende. Und trotzdem. Weil Nö, weil Kontra, weil immerausprinzipdagegen: Es gibt noch Holunderblüten da draußen. Wenn man ganz leise ist, kann man sie winseln hören. Die wollen nämlich alle Gelee werden. Echt.
Hier ist ein super simples, schnelles Tessa-Studenten-Rezept, ohne unnötige Geschmacksverfälscher, für das nächste Sonntagsfrühstück!

Ich mag diese süßen Gelees nicht, bei denen man nur noch vage erahnen kann, dass sie irgendwann einmal an Holunderblüten vorbei gelaufen sein müssen. Gelees mit Apfelsaft. Mag ich nicht. Ich wollte echten Geschmack, ganz authentisch. Und ich denke, das ist mir gelungen...



You will need:

  • 20 Holunderblütendolden. Oder so. Davon alles, nur nicht so viel grün. Und am besten ungewaschen: Der Blütenstaub ist der Haupt-Aroma-Träger. Unter dem Wasser wird er abgespült, das wäre schade.
  • 1 Pck. Gelierzucker (Geliermittel ist bei den gängigen Sorten Pektin, das ist vegan)
  • Wasser (so viel, wie laut Packungsanleitung an Flüssigkeit dazu muss)
  • 1 Bio-Zitrone


Los geht's: Die Blüten in einen Topf legen und mit Zitronenscheiben dekorieren. Wasser abmessen und aufgießen. Deckel zu. 24 Stunden ziehen lassen.

Durch ein Küchentuch am folgenden Tag die Flüssigkeit abgießen. Wenn man zwei ähnlich große Töpfe hat, ist man hier deutlich im Vorteil - ich war das nicht und habe fürchterlich herumgekleckert. Nunja. Ruhig Blüten und Zitronen gut ausquetschen. Für die Optik dann ruhig wieder einige Blüten hineinwerfen. Für ein Instagram-Foto zum Beispiel...

Schließlich und endlich die Flüssigkeit mit dem Gelierzucker aufkochen und sich dann nach den Anweisungen richten, die auf der Gelierzucker-Packung stehen. Heiße Masse in Gläser füllen, sofort verschließen und auf den Kopf stellen. Die Gläser. Auf den Gläser-Kopf. Also auf den Deckel.

So bleiben sie weitere 24 Stunden stehen, bevor frau sie herumdrehen und mit liebenswerten Etiketten verzieren kann.


Und weil ich mir sooooo viel Mühe mit den Etiketten gegeben habe (und dafür den Uni-Hefter an die Tischkante geschoben) und weil ich so ein Fan von "Freebies", "kostenlosen Printables" und solchem Profi-Blogger-Zeug bin und weil ich so gern auch dieses Blogger-Business mitspielen möchte...

...gibt es gratis und völlig kostenlos zum freien, individuellen Download wunderschön unprofessionelle Freebie-Printable-Holunderblüten-Etiketten. Für euch. Von mir. Und zwar hier:


Hach, fühlt sich gut an, diese Profi-Blogger-Attitüde.
Jetzt gehe ich aber duschen.


Freitag, 17. Juni 2016

Keinkind-Tage, Herzsprung und Panda-Augen - Alleinerziehend studieren. Zweiter Teil.

Dass ich ein Kind habe vergesse ich schon im Uni-Bus, während ich den Turnbeutel-Vans-und-Bart-Studenten neben mir betrachte. Als dem Stadtbus mal wieder die Vorfahrt geschnitten wird und er unsanft bremst, stolpere ich in seinen Rücken. Hätte ihn gern geküsst. Vielleicht.
Im Gebäude flattert mir eine Club-Werbung entgegen, ich überfliege die DJs und befinde die Auswahl für betanzenswert. Stopfe den Zettel in meine Hosentasche und mich selbst zwischen die Hörsaal-Klapptische. Zu spät kommen ist Konsens. Habe wieder die Aufgaben nicht vollständig. Öffne meine Mate und den Browser im Tablet.

So langsam entgleitet mir alles. Meine Dauer-Müdigkeit lähmt jegliche Motivation. Ich kann nicht zuhören und mitreden schon gar nicht. Schreibe verlegen die Anmerkungen an den ausgedruckten Skripten bei meinem Nebenmann ab. Weiß eigentlich gar nicht, worum es hier überhaupt geht. Stelle alles in Frage und finde wiederholt alles "übelst sinnlos". "Fick die Uni, fick die Uni!", skandieren wir und essen Kuchen in der Vorlesung. Ich muss reden. Alles in mir braucht diese soziale Interaktion mit Gleichaltrigen. Schwimme im Lärm der Stadt über den Campus und fühle mich gut dabei. Frei und leicht. Rede und rede. Sauge das Stimmengewirr auf wie ich Wasser drinke, wenn ich durstig bin. Sehen und Gesehen werden. Bei rot über die Ampel und keiner kümmert sich darum.

Je länger sich ein Keinkindtag in meine Lebenszeit frisst, desto stabiler wird das Bühnenbild. "Alter", sage ich und "Nice, der Typ". Ich schenke dem Seminar-Nachbarn eine Kirsche und nehme mir vor, den Text zur Spekulativen Poetik und Acceleration umgehend zu lesen, weil die politische Philosophie mich mehr interessiert als meine Lehramts-Bildungswissenschaften. Ihn auch. Wir lachen uns an und ich denke dabei, wie nett es wäre, mit ihm im Park Jaques Ranciere zu diskutieren. 

Auf der Toilette fällt mir beim Anziehen die Club-Werbung auf den Boden. Vor dem Spiegel halte ich kurz inne. Panda-Augen. Heute mal zeitig schlafen, verspreche ich meinem Spiegelbild. "Vergiss es", antwortet es spöttisch und schaut von der Wand auf mich herunter, "du musst den Text noch lesen. Und Mareks Jacken waschen." Mist. Ich blinzele mit den Panda-Augen, aber das Bühnenbild schwankt. Club-Flyer im Mülleimer. Kann doch eh nicht weg von zu Hause.


Später Nachmittag. Um 16 Uhr schließt der Kindergarten. 16:30 Uhr verlasse ich die letzte Lehrveranstaltung des Tages.
"Alles gut geklappt", schreibt die O-Mama, die mein Kind in der Kita in Empfang genommen hat, auf mein Handy. Ich lese das, antworte nicht und schlage in der Straßenbahn die Pflichtlektüre auf. Das Handy summt noch einmal. Gegen Pegida auf die Straße?, fragt die Freundin und ich tippe eine Absage ins Nicht-Smartphone. Zuhause wartet die Bügelwäsche.
Bahnhof. Zug. Einsteigen. Türe schließt. Sitzplatz. Neben mir telefoniert eine Mittvierzigerin: "Ja, genau, hab ich ja hingestellt. Musste nur noch schälen und auf'n Ofen setzen. Und die Möhren kannste auch schonmal kochen... Bis gleich, nu. Ich dich auch". Meine letzte warme Mahlzeit ist drei Tage her. Keinkindtage sind Nichtkochtage sind Butterbrot-und-Obst-Tage. Halte mein Handy umklammert. Niemand wird anrufen, um mir zu sagen, dass das Essen schon kocht.

Vom Zug auf den Bahnhofsvorplatz. Es riecht nach Abendhimmel, Kleinstadt und Döner. Am geöffneten Imbissfenster husche ich schnell vorbei. Und führe mich nicht in Versuchung...
Monatsmitte, Geld-Ende. Da vorn ist schon die Brücke.

Elektrisiert, aufgekratzt und müde marschiere ich über den Fluss ans andere Ufer. Kurz bevor die Brücke auf Land trifft, vor dem letzten Brückenpfeiler... der Fleck. Und da macht mein Herz einen Sprung. Einen freudigen. Mitten im Sprung krachen plötzlich drei Container-Ladungen Verantwortung von der Straßenlaterne, das Herz landet am Boden. Aber mit beiden Beinen. Strahlt wie ein Castortransport und schleppt das Verantwortungspaket bis zum Auto. Ein bisschen schleift davon auf dem Beton entlang und verursacht doch ein leichtes Brennen in der Schürfwunde. Ein wehmütiges. Ein 20 auf 30-Brennen. Werde das mit dem Bügeleisen betäuben.

Den Text für das Seminar lese ich wieder nicht. Dafür dreivierfünf schlecht recherchierte Vice-News-Artikel gegen halb 12 vor dem PC. Kind schläft, ich höre aus dem offenen Schlafzimmer seine regelmäßigen Atemzüge. Eigentlich ist es doch ganz schön so, sage ich zu meinem Schweinehund, der stumm auf der Couch hockt und Soja-Eis isst. 
Werde mir wohl auch noch eins aus dem Gefrierschrank nehmen.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Keinkind-Tage, Herzsprung und Panda-Augen - Alleinerziehend studieren. Erster Teil.

Ich knie mich hin, so bin ich auf Augenhöhe mit dem Kind. Es drückt sich an mich, als würde es in mich hineinkriechen wollen, enger und näher rückt es, macht sich ganz klein, rollt sich ein, verschwindet zwischen meinen Oberschenkeln und dem Oberkörper. Einen kurzen Moment lang muss ich dem Reflex widerstehen, jetzt hier auf dem Kindergartenflur einfach mein T-Shirt über seinen Kopf zu ziehen und es mit mir wieder nach draußen zu tragen.
"Mama", nuschelt Marek in meine Jeans, "ich will wieder in deinen Bauch!".
Ich weiß, Kind. Da war vieles viel leichter. Abgesehen von meinem Körper natürlich.

So sitzen wir noch unendliche 120 Sekunden. Ich streichle den kleinen Kinderrücken, in der Kita-Küche riecht es nach Kakao und frischen Brötchen. Dann rutscht der Zeiger der Marienkäfer-Uhr auf fünfvoracht. Ich versuche mich eher halbherzig aus der festen Umklammerung zu lösen. Die Krippenkinder marschieren geschlossen zum Händewaschen in den Waschraum. Als sie uns passieren, bleibt Mareks gleichaltrige Freundin neben mir stehen. Verständnisvoll legt sie mir die Hand auf die Schulter: "Der Marek will heut einfach nicht...", sie überlegt, "...ein Großer sein!"
Empört wickelt sich der Betroffene aus meinem T-Shirt. Tschüß Kind.

Wie jeden Morgen springt die Ampel an der Kreuzung auf rot, als ich gerade im Begriff bin, in den zweiten Gang zu schalten. Scheißmistverdammter. Wie jeden Morgen schalte ich den Motor ab (10 Minuten Rot-Phase, 2 Sekunden grün) und betrachte das Kindergartenhaus im Rückspiegel. Routiniert atme ich Luft in den diffus krampfenden Schmerz in der Brustgegend. Schalte das Radio ein. Tausche Kinderlieder-CD gegen Alice Phoebe Lou. Atmen. Kratze ein bisschen Kinderrotze von meiner Schulter.

Grün.

Wieder zu knapp. Aggressiv fahre ich jeden Gang bis Anschlag, außerorts Tempo 150. Singe mein morgendliches Duett mit der Alice im Radio.
And time is all so golden
If only it could be frozen
But you took it away from me
Oh society, you took it away from me

Den Kindergarten habe ich am Ortsausgang stehen lassen. Erst als das kleine Auto mit Schwung in meine Stamm-Parklücke vor dem Discounter (alias billiger Pendlerparkplatz) rutscht, ist wieder Platz im Kopf. Rucksack. Autoschlüssel. Sturmschritt.

Zwischen Parkplatz und Bahnhof verläuft der Fluss. Räumliche Trennung. Symbolische Trennung. Als Mutter komme ich an, als Studentin reise ich weiter. Allmorgentliche Metamorphose. Ich betrete die Brücke, die diese beiden Orte doch miteinander verbindet und beginne mich zu verwandeln. Von 30 auf 20. Erwachsen auf jugendlich. Alt auf jung. Spießig auf alternativ. Jeden Tag aufs neue.
Über die Brücke führt ein schmaler Fußweg, vor langer Zeit hat man ihn asphaltieren und mit senfgelber Farbe überziehen lassen. Mittlerweile ist diese Asphaltschicht nur noch in unzusammenhängenden Stücken vorhanden, die Bruchteile ziehen sich über den ganzen Weg. Darunter ist schmutzig grauer Beton, abgetreten und löchrig.


Mehrere Meter hinter dem ersten Brückenpfeiler, an der Stelle, an der die Brücke nicht mehr über dem Ufer, sondern frei über dem Fluss hängt, ist der Asphalt fast völlig abgetragen. Nur an einer einzelnen Stelle hat er sich hartnäckig gehalten. Zweimal täglich passiere ich diesen Fleck. Und jedes Mal macht mein Herz einen Sprung dabei. Laufe ich morgens vom Pendlerparkplatz hinüber zum Bahnhof, rutscht irgendwas aus meinem BH ins trübgrüne Flusswasser. Herzsprung, schmerzhaft. Trennungsschmerz, schmerzliche Sehnsucht nach dem Kind, komisch nackiges Gefühl. Habe mit dem Kind in der Kita meine Verantwortung temporär abgegeben. Bin auf einmal wieder zwanzig. Leichtes Herz. Halbes Herz. Schon wenige Schritte später denke ich vorwärts. Wochentag. Keinkindtag.

Über mir fährt der Zug in den Bahnhof. Ich renne die letzten Meter durch die Unterführung, an der Treppe nehme ich zwei Stufen mit einem Mal. Im leicht verspiegelten Glas der Zugtüren sehe ich mich selbst verschwommen. Schwarze Schatten in meinem Gesicht nach 6 Stunden Schlaf. Panda-Augen.
Einsteigen.
Tür schließt.
Sitzplatz.
Vorwärts denken. Im Kopf plane ich meinen Tag, krame nebenbei nach der Pflichtlektüre im Rucksack. Erstmal einen Schluck Wasser. Gegessen habe ich noch nichts.
Ich lese und weiß nicht was. Ganz still ist es im Abteil. Diejenigen die nicht schlafen, lesen oder dösen mit Kopfhörern über ihren Smartphones. Ganz schwer sind diese Pandaaugen, nach ein paar Minuten fällt der Vorhang. Dahinter baut mein Kopf das Bühnenbild um. Tschüß Dialekt. Hallo elaborierte Jugendsprache. Alter.

Montag, 13. Juni 2016

Prokrastinationsfrühstück und Rhabarber, Teil 2.



Seit einer Stunde hält mich meine Omi am Telefon von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ab: duschen und Inhaltszusammenfassungen von Pflichlektüren lesen. Alles will sie wissen. Wie es mir geht (und das gleich drei mal, nachdem ich zwischendurch einmal aus Versehen auf die Uhr gesehen und dann seufzen musste und ein wenig später etwas unsanft ein Glas am Tisch vorbei gestellt habe), wie es dem Kind geht und dem Rest der Familie. Wie das Studium voranschreitet und ob es Spaß macht (Ernsthaft?), was ich den ganzen Tag so mache (Ernsthaft?) und ob ich schon gehört hätte, dass Joachim Gauck sein Amt niederlegen will (Nein).

Während ich mich ihrem Fragen-Bombardement stelle, blättere ich im Kalender herum. Plötzlich wird mir kalt. Und warm. Und kalt. Habe die Eintragung "Klausur" entdeckt. Und zwar in erschreckender Nähe zum heutigen Datum. Zähle: noch vier Wochen. Vier! Das ist zu wenig!
Ich ringe nach Atem ("Gehts dir gut?" - "Jaja"). Habe den plötzlich immer stärker werdenden Drang, das Telefonat abrupt abzubrechen, um übermotiviert mit der Angst im Rücken meine Hefter aus dem Regal ziehen. Also sich Omi dann aber tatsächlich überraschend schnell verabschiedet, ist dieses Gefühl verschwunden. Komisch.



Stattdessen backe ich schnell Rhabarberteilchen. Weil ich keine Lust habe, mich in der Uni-Bibliothek um einen freien Lernplatz zu prügeln (Hallo Klausurenzeit!), bin ich mit einem guten Freund zum Frühstücks-Picknick verabredet. Prokrastination at it's best.




Wir sitzen dann auf einer Bank mitten im Altstadt-Touristenviertel. Die Morgensonne scheint warm auf meinen Rücken und die Stadt kommt mir aus diesem Winkel auf einmal unfassbar schön vor. Hier bin ich sonst nie, in der Museumsinsel, in der Altstadt, zwischen Stadtführungs-Werbung und gehobener Gastronomie. Er auch nicht. Wir staunen wie Fremde über die eigentlich vertraute barocke Architektur. Alles strahlt. Der Gedanke an Literaturgeschichts-Klausuren liegt mir so fern wie jeglicher Lokalpatriotismus. Lebe im Augenblick, im Eindruck der vertrautfremdschönen Stadt und freue mich so sehr, dass ich Angst habe überlaufen zu müssen.

Die Rhabarberteilchen haben nicht unerheblich dazu beigetragen, ich schwörs!


Das Rezept ist eigentlich viel zu einfach zum aufschreiben. Aber auch viel zu lecker, um irgendwen in Unkenntnis zu lassen. Und außerdem hätte ich doch dann keinem die schönen Fotos zeigen können.

You will need:

TK-Blätterteig-Platten
Margarine
Zimt-Zucker-Gemisch
Rhabarberstangen, nur gewaschen


Die Platten antauen lassen, zu Quadraten schneiden und auf ein Backblech positionieren. In einem Topf Margarine mit Zimt und Zucker schmelzen. Die Quadrate mit dieser Soße dick einstreichen. Die Rhabarberstangen so zuschneiden, dass die Stücken ungefähr der Quadrat-Länge entsprechen. Stücke in den Quadraten einrollen, überlappende Enden zusammendrücken und an der Oberseite zweimal kreuzförmig einschneiden. Dabei auch den Rhabarber mit einritzen.

Das wars schon. Ab in den Ofen damit. Braucht ungefähr 30 Minuten.
 




Samstag, 11. Juni 2016

Kochen (nein, backen!) mit dem Saisonkalender, Zwölf - Rhabarberkuchen mit veganem Baiser und ganzganz wenig Zucker.



In O-Mamas Garten steht der Rhabarber. Dicht und üppig. Das Kind und ich fahren mit dem Bobbycar vorbei und ich schiele ganz andächtig ins Beet.

Rhabarber ist wie Kafka: Entweder man liebt ihn oder man tut es nicht. Es gibt kein dazwischen, kein Vielleicht und kein Unter Vorbehalt. Ich verehre Kafka. Rhabarber auch. Schon wegen der bizarren Elefantenohren-Ästhetik seiner riesigen Blätter. Übrigens ist das gar kein Obst, erzählt mir das Internet in der letzten Vorlesung, sondern ein Staudengewächs aus der Familie der Knöteriche und damit quasi ein Gemüse. Außerdem sind die Stängel reich an Vitamin C und B-Vitaminen (dass man sich vegan ernährt, merkt man mitunter daran, dass man immer bei B-Vitamin kurz stockt und dann selbstgefällig grinst. Isso.). Und schön soll er machen, der Rhabarber: regt die Verdauung an, Gerbstoffe für die Haut und die Haare, wenig Kalorien und trotzdem hoher Sättigungsgrad.
Lese das und lehne mich dann mit meinem Stück Kuchen zurück. Gewissen befriedigt.



Hier kommt das Rezept:

Für den Boden

  • Dinkelvollkornmehl
  • Margarine
  • Hafermilch
  • Löwenzahnhonig
  • Backpulver
Ja, es gibt diesmal keine Mengenangaben. Weil ich sie nicht weiß. Weil ich in impulsiver Kurzschlussreaktion einfach alles zusammengeschmissen habe. Irgendwie. Nach Gefühl. Bis der Teig ein weicher, geschmeidiger Knetteig war, den ich problemlos in meine Springform drücken und den zu naschen ich mir einfach nicht verkneifen konnte, weil lecker. 
Es ist befreiend, einfach anzufangen. Ohne Plan aus dem Bauch heraus. Studenten geht diese Fähigkeit mehr und mehr verloren, sie wird uns scholarisch aberzogen. Wehrt euch! Emanzipiert euch! Habt keine Angst vor Fehlern oder vor dem Scheitern. Daraus lernt man. Und bei einem Tortenboden kann ja nun echt nicht viel schief gehen...

Also, jedenfalls, der Belag:
  • 3-4 Stangen Rhabarber, klein geschnitten
  • Hafermilch (500 ml)
  • ein Pck. Puddingpulver
As simple as possible: Die Rhabarberstücken mit ganz wenig Wasser vorkochen, bis sie sich mit dem Wasser zu einer homogenen, breiigen Masse verbunden haben, dann mit dreiviertel der Milch aufgießen. Im anderen Viertel das Pulver anrühren und alles zusammenmixen, sobald die Milch kocht. Drauf auf den Boden. In den Ofen. Backen bis der Pudding nicht mehr so wabbelig ist. Also ääähm... 20 bis 30 Minuten vielleicht?

Das Baiser:
  • eine Dose/ein Glas Kichererbsen - davon nur die Flüssigkeit! Die Kichererbsen selbst kann man mit Ofengemüse backen, im Salat essen, zu Hummus oder Falaffel verarbeiten... oder abends einfach so mit dem Löffel aus dem Glas löffeln. Auf der Couch. Mit dem Tablet auf den Knien.
  • Puderzucker 
  • 1 TL Johannisbrotkernmehl
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
Bevor der "Baiser" aufgeschlagen wird, bitte erstmal den Ofen zurückdrehen. Auf 100°C. Auqafaba alias veganer Baiser darf nicht gebacken werden, sondern soll bei obiger Temperatur langsam trocknen. Das ist wichtig, ansonsten läuft er nämlich ganz schnell vom Kuchen davon.

Das Kichererbsen-Wasser wird nun mit dem Johannisbrotkernmehl, dem Backpulver und dem Puderzucker aufgeschlagen. Das geht mit einem elektrischen Handrührgerät und dauert ein Weilchen. Wird dann aber tatsächlich richtig fest und cremig. Wie Eischnee. Und genau wie der sollte die Maße auch so fest sein, dass sie "steht", das heißt beim umdrehen der Schüssel am Boden hängen bleibt.

Den Kuchen aus dem heruntergekühlten Ofen nehmen, Masse draufstreichen und bei 100°C trocknen. Sollte am Ende die Farbe noch ein wenig fehlen: Grill einschalten.

Kommt an langen Uni-Tagen in stickigen Hörsälen einer Erlösung gleich. Echt.


Mittwoch, 8. Juni 2016

Rumhängen.


Ich habe lange darüber nachgedacht. Ewig und intensiv. Und mich entschieden, ganz einfach die Wahrheit zu sagen. What else. Also. Aufpassen.

Bin jetzt ganz schön aufgeregt. Das hier, was ich gerade in diesem Augenblick in meine alte Klicker-Tastatur tippe, ist... der vierhundertste Blogeintrag!
Vierhundert Blogeinträge. Das klingt nach einer riesigen Anzahl. Angenommen, ich hätte all das als Buch publiziert.... Beeindruckend! Phänomenal!

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Ich feiere den vierhundertsten Blogeintrag mit meinem allerersten Sponsored Post. Das ist aufregend und komisch. Ich mache hier Werbung. Ich fordere euch gleich auf, eine Internetseite zu besuchen und bestenfalls ein Produkt zu erwerben. Ich zeige euch tolle Fotos von einer Hängematte, die ich umsonst bekommen habe. Dafür, dass ich hier darüber schreibe. Positiv nach Möglichkeit. Ist das moralisch überhaupt vertretbar?


Vorgeschichte: In meinem Blog-Email-Postfach landete im Winter eine kurze Nachricht. Ob ich mir vorstellen... Absenderfirma gestalked: Hängematten. Ich hatte noch nie eine eigene Hängematte besessen. Das war ein stiller, heimlicher Wunsch, der sich in mir immer mal wieder regte. Ich hielt diese Nachricht für ein göttliches Zeichen und war im Begriff, dem Absender mit einem juchzendem "Ja, ich will!" in die Arme zu fallen. Das Gewissen weigerte sich und eröffnete ein Plenum:

Will ich kommerziell bloggen? Will ich mich für subtile Werbung kaufen lassen? Will ich mich dieser Kapitalismus-Logik unterwerfen? Will ich unauthentisch meine Leser belügen, in dem ich Interesse vortäusche und ein Produkt empfehle, was ich gar nicht wirklich mag? Nur, weil ich es kostenfrei bekommen habe? Will ich das? Meine edlen Motive über Bord werfen?
Für eine... Hängematte?

Ja.

Aus folgenden Gründen:

  • Hängematte.
  • Hängematte.
  • Ihr müsst hier nichts kaufen. Ich zeige euch nur Fotos. Alles halb so wild.
  • Ich bin jung und brauche mein Geld.
  • Hängematte.
  • Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, dass es Leute tatsächlich ernst meinen und mir popligen Bloggerin kostenfreie Produkte zusenden. Oh, diese Neugierde!
  • Nachdem ich ein bisschen auf der Internetseite durchgeklickt habe, erschienen mir die ganzen Sachen tatsächlich so toll und begehrenswert, dass ich kein Interesse mehr vortäuschen muss. Das ist nämlich schon da.
  • Die Anfrage war unkompliziert und sympathisch. Pluspunkte.
Das war drin im Paket.

Und darum geht es jetzt: Um den Onlineshop Hängemattengigant. Da gibt es... logisch. 
Aber auch Hänge-Sessel und anderen komfortablen tollen Kram. Die Auswahl ist schon fast zu üppig. Hundert Farbkombinationen, hunderte Größen. Gigant trifft das eigentlich ganz gut.

Mein schlechtes Gewissen erfreut sich besonders daran:
"Grundlegend bei unserem Sortiment ist, dass jedes Produkt ein Gefühl der Zufriedenheit verleihen muss. HängemattenGigant.de verkauft ausschließlich Fair Trade und/oder ökologisch hergestellte Produkte."
Ist das großartig oder ist das großartig?

Schnell eine Hängematte ausgesucht. Versand ohne unnötige Verpackung. Wir reißen die Folie herunter und ich bin sofort verliebt. Wunderbare Farben. Robuster Stoff. Und nach mühsamen Studium der Montageanleitung sicherer Halt am Schaukelgestell meiner Eltern. Das Kind und ich freuen uns so laut, dass die Nachbarn gucken kommen. Oh.

Mittagsschlafhölen-geeignet!
Eignet sich auch als Geheimversteck. Zum heimlich Gummibärchen essen.
Mamas Perspektive. Haaach.
Einfache Befestigung, sicherer Halt. Beeindruckt mich ja schon...

Montag, 6. Juni 2016

Grüngrüngrün, Homegrow und ein bisschen Guerilla-Gardening in DIY-Blumentöpfen.


Homegrow ist ein schönes Wort. Ich benutze es oft, obwohl ich über dessen eigentliche Bedeutung informiert bin. Egal. Wir growen Grünzeug. At home - zu Hause. Homegrow. Ist ja wohl logisch.
Genauso schön ist dieses Gefühl, meine Finger ganz tief in die dunkle Erde zu bohren. Der kurze, anerzogene Moment des Zögerns und der kühle Schauer, der die Unterarme hinaufläuft, wenn meine Fingerspitzen kalte, matschige Erdklümpchen zusammendrücken. Das triumphierende Gefühl von Nonkonformität und Rebellion, wenn sich der Dreck unter die Fingernägel schiebt. Und da bleibt. Befreiender Akt der Rückbesinnung auf den menschlichen Ursprung jenseits der Manikürestudios.

Hach.

Jedenfalls, es ist jetzt Sommer. Die Baumärkte haben schon wieder damit aufgehört, "Saisonbepflanzung" in ihren Prospekten mit Prozenten zu bewerben und wir haben begonnen, uns an der alljährlichen Bepflanzung und Anpflanzung und Züchtung zu beteiligen. Und weil nicht jeder auf dem Land wohnt und bei Oma fünfzehn Quadratmeter Kartoffelacker mit der Hand umgräbt, machen wir einfach. Echt. Das hier kann jeder. Überall. Ohne Ausrede.


Darf ich vorstellen: Küchengarten. Im Bad. Weil da das Fensterbrett breit und erreichbar (sprich, nicht mit 25 Zimmerpflanzen belegt) ist. Das Kind und ich bauen für Salbei, Thymian, Minze und Oregano ein Familienbett. Superumweltfreundlichbiotorffreiundhöllischteure Universalerde und Sandkastensand. Mögen sie, sagt Oma. Na dann. Daneben der Schnittlauch. "Hihihi", lacht das Kind, "der ist ja gar nicht gekämmt".


Haben wir nachgeholt. Mit der Schere.


Ganz nebenbei züchten wir auch noch Petersilie (rechts). Für das Fenster im Treppenhaus.
An einem verregneten Nachmittag räume ich dann ein bisschen in meinen Schreibtisch-Schiebern herum und finde Gemüse-Stecklinge. Tomate oder Paprika oder Minigurke oder Möhren. Überraschungspaket. Denke gar nicht darüber nach, wo ich denn das Zeug alles hinstellen will und stecke impulsgetrieben fünf Samenpakete in fünf Anzuchttöpfe. Jetzt haben wir ein Haustier. Also fünf. Als wir über Pfingsten zelten fahren, entspannen die Anzuchttöpfe bestens umsorgt auf dem Beifahrersitz.

Erst als die ersten grünen Blattspitzen durch die Erde brechen...
"MAMA!", brüllt das Kind ganz außerordentlich laut aus dem Treppenhaus, wo es nur die Nachtwindel in den dafür vorgesehenen Eimer werfen und gleich wieder hereinkommen soll, "MAMAAHA!", fordernd und theatralisch als ich nicht sofort reagiere. Gehetzt und mit der Erwartung, ein Ufo wäre im Vorgarten gelandet hüpfe ich mit nur einem Bein in der Hose vor die Wohnungstür. Das Kind steht am Treppenhausfenster, bohrt mit den Fingern in den Anzuchttöpfen (Was tut es da????) und streckt mir dann ein grünes Krümel entgegen: "Da ist Unkraut drin!".

Daraufhin beschließe ich, Fachliteratur zu besorgen, um das Kind in den Gemüseanbau einzuführen. Mich übrigens auch.


Und dann sind da noch unsere DIY-Blumentöpfe, weil ich einfach nicht genug bekommen kann von Pflanzen. Ich möchte sie überall, ich möchte es bunt und ich möchte mich nicht auf die spießigen, bepflanzten Balkonkästen am Fenster beschränken. Ich will mehr. Und wenn Frau Nachbarin ihren Oleander vor unsere Haustür platziert, nehme ich mir eben das Dachrinne-Fallrohr. Pah.


Material-Liste:

Milchkartons
Schere
Spraypaint/Sprühlack oder Acrylfarbe, Pinsel und Klarlack
Kinderschürze, Schutzhandschuhe und genug freie Fläche für ein Kind mit Farbdose
(danach Nagellackentferner)
Kabelbinder oder dicken Strick
Erde und Pflanzen



Freitag, 3. Juni 2016

Operation Windelfrei zwopunktnull, Frühsommeraggression und Held im Zelt - der Mai in Hinterkaffhausen.

Ich zähle die Kinderschlüpfer auf dem Wäscheständer. Es sind zweiundzwanzig. In sieben Tagen. Sieben. Dreiundzwanzig Schlüpfer besitzt das Kind, das sind mehr als doppelt so viel wie Mama.
Wir haben immer noch das Windelproblem, in Anführungszeichen mit einem überbetonten, pseudofreundlichem Zwinkern in der Stimme der überaus um Verständnis bemühten Erzieherin.

Im August feiert das Windelkind seinen dritten Geburtstag und denkt ja nicht daran, am Status quo irgendetwas zu ändern. Wir gehen uns gegenseitig auf die Nerven damit. "Musst du mal pullern?", frage ich einhundertneunundneunzig Mal am Tag und einhundertneunundneunzig Mal lautet die immergleiche Antwort ein kurzes Kopfschütteln. Fünfundzwanzig Mal am Tag sage ich "Komm, wir gehen jetzt noch einmal schnell aufs Töpfchen" und fünfundzwanzig Mal lautet die immergleiche Antwort ein kurzes Kopfschütteln, begleitet von einem zur Faust geballtem Kindergesicht, begleitet von einem wütenden NEINICHMUSSNICHT, begleitet von einem Rumpelstilzchen-Aufstampfen.
Mhpf.


Ich versuche "auf die Kindsignale zu achten" (Danke, Erziehungsratgeber-Abteilung der Kleinstadtbibliothek!), so gut es eben geht:
Pullert er gleich ein oder tagträumt er nur? - "Marek, musst du mal...?"
Jetzt drückt er aber gerade heimlich in der Ecke! Oder bemüht er sich nur, mit dem Kinder-Akkuschrauber das Schaukelgestell zu demontieren? - "Marek, musst du mal...?"
War das jetzt ein "Pullergesicht" oder konzentriert er sich nur auf seine Sandburg? - "Marek, musst du mal...?"
Das Gefrage geht nicht nur uns, sondern auch allen anderen Eltern auf dem Spielplatz auf den Zeiger. Wir meiden diesen Ort nun. Schon um uns nicht der Scham eines öffentlich nass gewordenen Schlüpfers auszusetzten. Nass ist er nämlich. Aber NEINICHMUSSNICHT,

Ich statte den Klo-Platz, die Puller-Ecke, das Geschäftsarreal mit den Lieblingsbüchern und frischen Schlüpfern aus. Es hilft nicht. Marek besucht dieses Örtchen nur selbstständig, um heimlich seinen Schlüpfer zu wechseln. Manchmal, ich überprüfe gerade die Uni-Sachen im Rucksack auf Vollständigkeit, ruft ein fast schon triumphierend stolzes Kind ein "Aaaaabputzen!" aus Richtung Klo. Und da macht das Mama-Herz einen freudestrahlenden Hüpfer. Wird er doch nicht etwas endlich allein...? Auf den Topf...?
Ich öffne die Badezimmer-Tür, halte die Luft an und spähe um die Ecke.
Und dann verlässt mich der Mut.
Jedes Mal aufs neue.
Stimmungskeller.

Häufchen im Schlüpfer. Häufchen auf den Bodenfließen. Häufchen auf dem Badewannen-Vorleger. Häufchen auf dem Teppich vor dem Töpfchen. Hübsch mit siebzehn Blatt Klopapier belegt.
NEINICHMUSSNICHT.


Irgendetwas entgleitet. In mir drin. Es fühlt sich an, als hätte jemand mit Kraft eine Tür zugeschlagen. Lauter Knall. Und ich stehe plötzlich draußen, vor mir selbst. Ich sehe durch die Milchglasscheibe meinen eigenen Körper interagieren, kann meine eigene Stimme hören, aber nicht eingreifen. Mein Kopf denkt "So ein Schwachsinn! Lass das!", während mein Körper sich, von einem cholerischen Anfall geschüttelt, aufbäumt und ein Stimmvolumen beweist, bei dem Adele vor Neid erblasst.

Ich brülle. Dann brüllt das Kind. Dann wieder ich. Dann das Kind. Mit spitzen Fingern entferne ich das Häufchen von woauchimmer, schimpfe, mache Vorwürfe, kann mich schwer beruhigen. Das Kind weint, ich weine auch.

Später sitze ich am Küchentisch, sterbenselend. Ekel mich selbst an. Bin mir zuwider. Die Wut ist ein Klumpen Kohle, an dem ich mich verschlucke. Muss husten. Habe Bauchschmerzen.


Straßenverkehr.
Ich bin spät dran, der Überland-Pendlerverkehr stoppt und geht in unregelmäßigem Rhythmus, meine Finger auf dem Lenkrad begleiten ihn. Vor mir drosselt ein Skoda abrupt das Tempo vor einem Ortseingangsschild. Wieder schlägt die Tür zu. Meine Aggressionsschwelle ist nicht höher als eine Bordsteinkante. Ich wechsele auf den Beifahrersitz und beobachte die mir vertraute Fahrerin dabei, wie sie andere Verkehrsteilnehmer beleidigend angreift. Erschrocken.

Erschrecke mich auch vor ihr, als sie im Campus-Bus Nachrichten verfasst, die gegen jedes Höflichkeitsgebot verstoßen. Versuche die Finger davon abzuhalten, fieskalte Antworten an Kleinanzeigen-Selbstabholer zu versenden, die mich ein- oder zweimal versetzt haben. "Kann doch mal vorkommen...", flüstere ich durch das Milchglas, aber ich höre mich auf der anderen Seite nicht. Drin brüllt es: "Nichtmal absagen! Erwachsene Menschen! Geht ja gar nicht!".
Später lese ich beschämt den Chatverlauf. Bin das ich? Kann ich so aggressiv sein?

Wieder Bauchschmerzen am Küchentisch. Wie lange dauert es, bis ich handgreiflich werde? Brauche ich Hilfe?


Trotzdem kommt der Sommer. Verhalten. Aber immerhin. Wir packen euphorisch Zelt, Wasserkanister und Sandspielzeug in das Auto und beehren das Nachbarland mit unserer Anwesenheit. Mal wieder Land sehen. Weg. Raus. Zeitig im Zelt kuscheln und morgens mit der Yoga-Matte am Strand, während das Kind Kleckerburgen mit See-Wasser baut. Instagramfilter-Happy Lifestyle-Momlife-Sommer-Stimmung.

In der Theorie.


In der Praxis klemme ich gerade noch den Fuß in die Aggressionstür, als mir nach Einfahrt auf den vertrauten tschechischen Campingplatz eine Horde bierseliger Mittdreißiger mit "Wir sind das Pack"-Shirts* entgegenlärmt. Willkommen Zuhause.
Kurz denke ich über eine Heimreise nach, beschließe dann aber, mit Audiolith-Pulli und bunten Haremshosen gegen die Verbraunung vorzugehen. Subtil zumindest. Lass mir doch von euch nicht meinen Strand vermiesen.


Der erste Zelt-Morgen beginnt um halb fünf. Langsam wird es hell draußen. Und hell heißt Tag heißt Aufstehen. Kinderlogik. Eine Stunde lang hören wir Mama Muh auf dem geliehenen iPod. Bis 6 Uhr lese ich einmal quer durch alle Kindergeschichten, auch wenn mir dabei immer wieder die Augen zufallen. "Mamaha!!", bohrt mir das Kind seine Finger ins Augenlid. Aua.

Draußen ist es furchbar kalt. Der Waschraum hat keine Türen. Ich breite meine Yogamatte in der Sonne aus und turne ein bisschen herum. Danach hat das Kind nasse Füße.



Der Herrgott lässt sich an diesem Pfingstwochenende zu einem politischen Statement herab und schenkt unseren Zeltnachbarn mit allerhand Montagsdemo-Fahnen eine gehörige Portion Regen und schneidend kalten Wind.

Uns leider auch. Wir brechen in einem Hagelschauer verfrüht das Zelt ab, als das Kind vor lauter Klamottenschichten ständig über die eigenen Füße in den matschigen Sand stolpert.


Als ich nach Pfingsten die Uni betrete, ist Sommer. Logisch. Ich schimpfe und fluche im Auto aggressiv über das Wetter. Dann essen wir Eis. Viel und ständig.

Nebenbei vertrödele ich meine Zeit mit Kuchen, mit dem Tablet an der Arbeitsplatte, mit kannmankaumsonennen-Gärtnern. Schlafe in der Vorlesung heimlich ein und gebe mich fachkompetent. Brülle hin und wieder herum, wasche Kinderschlüpfer und schlafe zu wenig.

Im Osten nichts Neues.
Hallo Juni.


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* "Als "Pack" hatte am Montag SPD-Chef Sigmar Gabriel diejenigen bezeichnet, die in den vergangenen Tagen gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte randaliert hatten. Er war bereits am Montag vor Ort und hatte die rechtsradikalen Angreifer scharf verurteilt und die volle Härte des Rechtsstaats gegen sie gefordert." - WELT vom 26.08.15
- Daraufhin wurde die empörte Parole "Wir sind das Pack" als Alternative zum missbrauchten "Wir sind das Volk!" von Pegida-Anhängern und Menschen aus rechten Kreisen etabliert und auf deren rassistischen Demos mit Freude skandiert. Buäh. Anm. d. Autorin.