Montag, 31. Oktober 2016

Warum wir kein Halloween feiern (wollten) - und ich trotzdem Gespenstermuffins gebacken habe.


Gespensterfest.
Ich sehe den Aushang in der Kindergarten-Garderobe und rümpfe die Nase. Schaue mich dann aber unauffällig um. Hoffentlich hat's keiner gesehen. Meine Aversion. Gegen Gespensterfeste. Gegen Halloween im Allgemeinen. Gegen "Wir-stecken-Kinder-in-Horrorkostüme-und-finden-das-lustig". Gegen abgetrennte Finger aka Wiener Würstchen auf dem Buffet, gegen "Blutpudding" für Vierjährige, gegen die Glorifizierung von (Un)tod. Pfui.

Samstag, 29. Oktober 2016

Kochen mit dem Saisonkalender, achtzehn - Kürbispüree mit Knuspertopping und gegrillten Pilzköpfen.


Dieses Gericht versammelt all das, was ich mit dem Herbst kulinarisch verbinde: Kürbis. Kartoffeln. Pilze. Birne. Das fast letzte Garten-Zeug (Sellerie und Petersilie) und irgendwas vollwertiges mit Biss. Buchweizen. Oder Nüsse.
Mal abgesehen vom Ofenkürbis ist Kürbispüree das gängigste und simpelste schlechthin. Ohne kreativen Input wäre es wahrscheinlich auch die langweiligste, stark an Baby-Brei erinnernde Beilage des Oktobers. Aber mit Pilzen und so ein bisschen Trallala für's Auge? Ein Familiengericht. Von Baby bis Opa. Und für letzteren wennsdennseinmuss zur Rettung des Haussegens sogar mit totem Tier erweiterbar...

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Konsequenzen und Vorsätze - Was ich aus Halle mitgebracht habe (Hallo Halle! - die Letzte.)


Zur Konferenz an sich und konkret habe ich noch gar nichts geschrieben. Weil... ich auch gern etwas über Konsequenzen schreiben wollte. So etwas wie: Hey, das war großartig, das machen wir jetzt öfter. Und hey, nur vegane Allerweltsrezepte und ein bisschen Alltagsgelaber befriedigen auf Dauer nicht und bieten keinen Mehrwert. Warum nicht parallel mit mehr Inhalt bloggen? Warum nicht politisch? Warum mein Onlinehobby nicht mit Aktivismus verknüpfen?
Oder aber: hey, das war scheiße. Das war inhaltsleer, am Thema vorbei, Kaugummi-Plenum, ohne Konsens, im Kreis drehende immergleiche Gedanken ohne Fortschritt. Ohne Lösungen. Worthülsen mit Knatschkind.
Oder: Ähm. Ich war da, aber mental bei "Lotta von der Krachmacherstraße". Kann nicht reden, ich esse.

Montag, 24. Oktober 2016

Selbstversorgung in Progress - Kinderketchup aus dem Glas.


Die Idee hatte ich im Bioladen. Ich kniete vor dem Ketchup-Regal, auf der Suche nach dem kleinsten Übel. Das Kind ist ketchupsüchtig, wir essen alles damit. Brot und Brötchen, Gemüse, Cracker, die Nudeln sowieso. Aus Zucker-vermeidenden Maßnahmen kaufte ich Tomatenmark, bio, regionale Marke, in Metall-Tuben zum quetschen. Und war damit auch nicht zufrieden. So Ressourcen-technisch. Und wegen der Müllvermeidung.

Knie also vor diesem Regal und sehe da dieses Tomatenmark im Glas. Habe es schon in der Hand, es schmerzt mich preislich. Vor der Kasse fällt mir auf: Was tun mit dem leeren Glas? So viel Marmelade, wie Gläser in einem Beutel in der Abstellkammer hängen, können wir gar nicht essen. Erst gar nicht kochen. Und es gibt auch durchaus gesünderes Frühstück als Marmeladenbrötchen. Mhpf. Und da, die Idee: Selberkochen. Leere Aufstrich-Gläser en masse vorhanden. Zumindest das.

Samstag, 22. Oktober 2016

Kindermate. (Hallo Halle! - die vorläufig vorletzte)

(Teil 1 und Teil 2  sind hier nachzulesen.)

Vom Hausprojekt zur Straßenbahn. Ersatzverkehr. Eh Halle, jetzt tu nicht so Berlin. Passend dazu: Asphaltlahmes Kind mit ÖPNV-Aversion. Und keine Fahrkarte. Alles ein bisschen wolkig, mit Aussicht auf Pommes.
Wir fahren in Richtung innere Stadt und ich muss meinen Ersteindruck korrigieren. "Hach", schwärmt der momentan sowas wie beste Freund männlichen Geschlechts an der Haltestange, "ich finde Halle ja so schön!" Tatsache. Altbau. Dresden-Neustadt-Flair, süßer Einzelhandel, Studenten im Stadtbild, schmale Gassen, "Veggie-Döner" und Antifa-Sticker am Laternenmast. Und das Vegs, ein vollveganes Bistro. Kann Halle also auch. Ich bin entzückt, lasse mir aber noch nicht allzu viel anmerken.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Bitte freimachen. (Hallo Halle! - die Zweite)

Der Zug ist voll wie ein Studentenbus an verregneten Herbstagen. Freitag Nachmittag fährt halb Dresden nach Leipzig. Ich stopfe Rucksack, Beutel, Kinderrucksack, Jacken zwischen Treppe zum höher gelegenen Abteil und Wandverkleidung. Wir lagern im Durchgang, Aus- und Einsteigende fühlen sich behindert. Müde Pendlergesichter. Das Kind ist aufgeregt-fröhlich, die Stimmung euphorisch-gehoben. Wir essen Spekulatius mit der blauhaarigen Begleitung. Man mustert uns betont unauffällig.
90 Minuten Fahrt. Die Kinderbücher im Rucksack bleiben unangetastet. Wie ein Plastikauto zum aufziehen rennt das Kind durch die Regionalbahn. Von einem Ende zum anderen. Vor dem Lockführerabteil bleibt es stehen und wartet, bis ich es betont lässig-entspannt ("Guckt, hier reist ein Haufen linker Aktivisten, na klar haben wir ein antiautoritär erzogenes Kind dabei!") eingeholt habe. Zieht sich selbst auf. Run. Anderes Ende. Nach dem zwölften Mal hört ein älteres Ehepaar kurz vor der ersten Klasse auf, mich im Vorübergehen freundlich anzulächeln.

Montag, 17. Oktober 2016

Hallo Halle! - die Erste.


Erzähl mehr davon, lese ich das Instagram-Kommentar und seufze ein bisschen schwer gegen meinem Spekulatius-Keks. Ich muss und möchte so viel erzählen. Wie wir unser eigenes Tomatenmark eingekocht haben, zum Beispiel. Oder ein Spießer-Deko-Schriftschild gebastelt. Oder die Story mit den Puppentheatereltern. Und dann müsste ich aber eigentlich auch die Wäsche waschen und vorher die von den letzten zwei Wochen vom Korb in den Schrank sortieren, die sterblichen Geranienüberreste auf dem Kompost begraben, noch 2 Hosen und einen Pulli nähen. Oder einfach mal meine Augenringe wegschlafen. Oh - und auch noch studieren, so nebenbei.
Auf der Hinterkopf-Todo-Liste reicht mittlerweile der Platz nicht mehr. Die Ränder sind schon quer beschrieben, durchgestrichen ist noch nix. Ich freue mich ein bisschen auf dieses kommende Wochenende und auch ein bisschen darüber, dass dieses Couchsurferpärchen kurz vorher seinen Aufenthalt cancelt. Nehme mir die Geranien vor, klopfe brüderlich auf die Nähmaschinenverkleidung und stelle motiviert die Schmutzwäsche-Truhe ins Bad neben die Waschmaschine.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Kochen mit dem Saisonkalender, siebzehn - Kartoffelpizza mit Roter Beete, Brechbohnen und Birne.



Ein Tessarezept. Einfach weil da Zeug im Kühlschrank und im Garten mit Zaunslatten winkte. Und auf und ab hüpfte dazu. Die letzten Bohnen des Jahres. Die Rote Beete-Knollen - geerntet im Glas aus dem Biomarkt. Zwei kleine Birnen von der Streuobstwiese meiner Tante. Und fünf mittelgroße verschrumpelte Kartoffeln aus der ersten Ernte.

Dazu noch: 3-4 EL Sojaquark oder -joghurt zum bestreichen, Salz und Pfeffer, Semmelbrösel für die Optik und die Zutaten für diesen Teig  hier.


Die Zutaten für den Teig zusammenkneten. Die Kartoffeln schälen und vom singenden Küchenassistenten reiben lassen. Zum Teig geben, etwas Mehl noch dazu. Nochmal kneten.

Währenddessen doch schon mal die Bohnen im Salzwasser vorkochen lassen.

Den dann auf einem (Pizza)Blech ausrollen und mit Joghurt bestreichen. Salz und Pfeffer draufstreuen. Und belegen. Dazu die Rote Beete in dünne Scheiben schneiden. Auf denen dann gewürfelte Birnen und die gekochten Bohnen verteilen und mit Semmelbröseln bestreuen.


Braucht im Ofen ca. 15-20 Minuten bei 180°C und Umluft. Und schmeckt großartig! Selbst das Kind isst ohne zu nörgeln Rote Beete...

Montag, 3. Oktober 2016

"Einheit" - Gedanken zum Tag.


Irgendetwas stößt mir am "Tag der deutschen Einheit" unangenehm auf. Erst weiß ich gar nicht, was es ist. Dass die Straßen in der Innenstadt gesperrt sind, vielleicht. So ein Chaos. Viele Menschen. Buäh.
Aber das nicht. Auch nicht, dass es keine DDR mehr gibt. Wie meine Omi. Etwas verächtlich schnaubt sie am Freitagabend ins Telefon: "Ach, am Wochenende ist ja diese Einheitsfeier. Freuen sich die Wessis wieder drüber, dass sie sich unsere Sachen einverleibt haben!"
Ich schweige dazu. Weil.. ach, Omi.

Nein, was mir nicht gefällt, sind diese schwarz-rot-goldenen Wimpelketten überall. Dieses Fan-Merchandise wie bei einem Sport-Großereignis. Überall. Wir feiern einen Nationalstaat. Heute ist es ausnahmsweise mal völlig okay, stolz auf sein Land zu sein. Ohne Hintergedanken, unreflektiert und fröhlich im Karohemd und Kunstlederhose am Biertisch eines abgekupferten Oktoberfestes. Verzeihung: Einheitsfestes.
Dürfen uns heute mal selbstbewusst auf die Schulter klopfen: Was doch alles geleistet wurde seit der Wiedervereinigung! So als Nation. Großartig. Deutschland, du tüchtiges Land.

Auf dem Küchentisch meiner anderen Großeltern liegt die Tageszeitung-Sonderbeilage zum Festwochenende. Ich blättere ein bisschen darin herum und fühle mich unwohl. Bei den schwarz-rot-golden unterlegten Rubrik-Überschriften spult mein Kopf ein "Deutschland den Deutschen!" ab, ohne dass ich ihn darum gebeten hätte. Bei dreifarbig gestreiften Wimpeln fallen mir die Hawaiketten-behängten Mitläufer der Pegida-Demonstration ein....

1989 ist für mich auch Ausgangspunkt für einen neuen, stärkeren deutschen Nationalismus. Germany great again. Einheit für alle. Mit deutschem Pass. Tatsächlich ist hier nämlich nichts einheitlich. Ausgrenzung, Diskriminierung. Angriffe auf Nicht-Deutsche. Brennende Flüchtlingsheime. Eine beängstigende "Pegida-Movement", von der sogar der Couchsurfer aus Kopenhagen gehört hat, neuer Nationalstolz, "Festung Europa"-Baumaßnahmen: "Wir" gehören zusammen - weil wir die gleichen Traditionen haben und die gleiche Sprache sprechen und die gleiche Kultur haben. Aber "ihr" gehört hier nicht hin. Aus Gründen. Weil Kopftuch. Oder so.

- Und das macht Sinn? Echt?

Der 3. Oktober heute ist der 3. Jahrestag des Unglücks vor Lampedusa. "Dieses Jahr findet das zentrale Event der Einheitsfeierlichkeiten unter dem Motto „Brücken bauen“ in Dresden statt.", schreibt das Bündnis "Solidarity without limits" auf ihrer Seite. Und weiter: "Brücken sind eine gute Sache. Sie machen eine sichere Reise möglich. Man könnte viele Brücken bauen, z.B. über das Mittelmeer, und damit das Leben von zehntausenden Flüchtenden und Migrant*innen retten."
Gute Idee. Nur leider spricht darüber keiner. Weil die Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit zwischen Deutschen und Deutschen heute irgendwie wichtiger ist.
Nicht nur heute. Ständig.
Vielleicht ist es angebracht, statt Bier-trunken unter schwarz-rot-goldenen Wimpeln die Wirtschaft zu feiern, mal tatsächlich Brücken zu bauen. Echte. Stabile. Zu allen. Nicht nur innerhalb einer "Kulturnation".
Denn Einheit... Einheit finde ich ja schön. Echt. Einigkeit, Recht und Freiheit klingen wunderbar, so völlig unvoreingenommen und vom Kontext gelöst betrachtet. Aber ich hätte das doch bitte gern für alle.

Eine Einheit - eine Welt.