Montag, 6. Juni 2016

Grüngrüngrün, Homegrow und ein bisschen Guerilla-Gardening in DIY-Blumentöpfen.


Homegrow ist ein schönes Wort. Ich benutze es oft, obwohl ich über dessen eigentliche Bedeutung informiert bin. Egal. Wir growen Grünzeug. At home - zu Hause. Homegrow. Ist ja wohl logisch.
Genauso schön ist dieses Gefühl, meine Finger ganz tief in die dunkle Erde zu bohren. Der kurze, anerzogene Moment des Zögerns und der kühle Schauer, der die Unterarme hinaufläuft, wenn meine Fingerspitzen kalte, matschige Erdklümpchen zusammendrücken. Das triumphierende Gefühl von Nonkonformität und Rebellion, wenn sich der Dreck unter die Fingernägel schiebt. Und da bleibt. Befreiender Akt der Rückbesinnung auf den menschlichen Ursprung jenseits der Manikürestudios.

Hach.

Jedenfalls, es ist jetzt Sommer. Die Baumärkte haben schon wieder damit aufgehört, "Saisonbepflanzung" in ihren Prospekten mit Prozenten zu bewerben und wir haben begonnen, uns an der alljährlichen Bepflanzung und Anpflanzung und Züchtung zu beteiligen. Und weil nicht jeder auf dem Land wohnt und bei Oma fünfzehn Quadratmeter Kartoffelacker mit der Hand umgräbt, machen wir einfach. Echt. Das hier kann jeder. Überall. Ohne Ausrede.


Darf ich vorstellen: Küchengarten. Im Bad. Weil da das Fensterbrett breit und erreichbar (sprich, nicht mit 25 Zimmerpflanzen belegt) ist. Das Kind und ich bauen für Salbei, Thymian, Minze und Oregano ein Familienbett. Superumweltfreundlichbiotorffreiundhöllischteure Universalerde und Sandkastensand. Mögen sie, sagt Oma. Na dann. Daneben der Schnittlauch. "Hihihi", lacht das Kind, "der ist ja gar nicht gekämmt".


Haben wir nachgeholt. Mit der Schere.


Ganz nebenbei züchten wir auch noch Petersilie (rechts). Für das Fenster im Treppenhaus.
An einem verregneten Nachmittag räume ich dann ein bisschen in meinen Schreibtisch-Schiebern herum und finde Gemüse-Stecklinge. Tomate oder Paprika oder Minigurke oder Möhren. Überraschungspaket. Denke gar nicht darüber nach, wo ich denn das Zeug alles hinstellen will und stecke impulsgetrieben fünf Samenpakete in fünf Anzuchttöpfe. Jetzt haben wir ein Haustier. Also fünf. Als wir über Pfingsten zelten fahren, entspannen die Anzuchttöpfe bestens umsorgt auf dem Beifahrersitz.

Erst als die ersten grünen Blattspitzen durch die Erde brechen...
"MAMA!", brüllt das Kind ganz außerordentlich laut aus dem Treppenhaus, wo es nur die Nachtwindel in den dafür vorgesehenen Eimer werfen und gleich wieder hereinkommen soll, "MAMAAHA!", fordernd und theatralisch als ich nicht sofort reagiere. Gehetzt und mit der Erwartung, ein Ufo wäre im Vorgarten gelandet hüpfe ich mit nur einem Bein in der Hose vor die Wohnungstür. Das Kind steht am Treppenhausfenster, bohrt mit den Fingern in den Anzuchttöpfen (Was tut es da????) und streckt mir dann ein grünes Krümel entgegen: "Da ist Unkraut drin!".

Daraufhin beschließe ich, Fachliteratur zu besorgen, um das Kind in den Gemüseanbau einzuführen. Mich übrigens auch.


Und dann sind da noch unsere DIY-Blumentöpfe, weil ich einfach nicht genug bekommen kann von Pflanzen. Ich möchte sie überall, ich möchte es bunt und ich möchte mich nicht auf die spießigen, bepflanzten Balkonkästen am Fenster beschränken. Ich will mehr. Und wenn Frau Nachbarin ihren Oleander vor unsere Haustür platziert, nehme ich mir eben das Dachrinne-Fallrohr. Pah.


Material-Liste:

Milchkartons
Schere
Spraypaint/Sprühlack oder Acrylfarbe, Pinsel und Klarlack
Kinderschürze, Schutzhandschuhe und genug freie Fläche für ein Kind mit Farbdose
(danach Nagellackentferner)
Kabelbinder oder dicken Strick
Erde und Pflanzen