Samstag, 11. Juni 2016

Kochen (nein, backen!) mit dem Saisonkalender, Zwölf - Rhabarberkuchen mit veganem Baiser und ganzganz wenig Zucker.



In O-Mamas Garten steht der Rhabarber. Dicht und üppig. Das Kind und ich fahren mit dem Bobbycar vorbei und ich schiele ganz andächtig ins Beet.

Rhabarber ist wie Kafka: Entweder man liebt ihn oder man tut es nicht. Es gibt kein dazwischen, kein Vielleicht und kein Unter Vorbehalt. Ich verehre Kafka. Rhabarber auch. Schon wegen der bizarren Elefantenohren-Ästhetik seiner riesigen Blätter. Übrigens ist das gar kein Obst, erzählt mir das Internet in der letzten Vorlesung, sondern ein Staudengewächs aus der Familie der Knöteriche und damit quasi ein Gemüse. Außerdem sind die Stängel reich an Vitamin C und B-Vitaminen (dass man sich vegan ernährt, merkt man mitunter daran, dass man immer bei B-Vitamin kurz stockt und dann selbstgefällig grinst. Isso.). Und schön soll er machen, der Rhabarber: regt die Verdauung an, Gerbstoffe für die Haut und die Haare, wenig Kalorien und trotzdem hoher Sättigungsgrad.
Lese das und lehne mich dann mit meinem Stück Kuchen zurück. Gewissen befriedigt.



Hier kommt das Rezept:

Für den Boden

  • Dinkelvollkornmehl
  • Margarine
  • Hafermilch
  • Löwenzahnhonig
  • Backpulver
Ja, es gibt diesmal keine Mengenangaben. Weil ich sie nicht weiß. Weil ich in impulsiver Kurzschlussreaktion einfach alles zusammengeschmissen habe. Irgendwie. Nach Gefühl. Bis der Teig ein weicher, geschmeidiger Knetteig war, den ich problemlos in meine Springform drücken und den zu naschen ich mir einfach nicht verkneifen konnte, weil lecker. 
Es ist befreiend, einfach anzufangen. Ohne Plan aus dem Bauch heraus. Studenten geht diese Fähigkeit mehr und mehr verloren, sie wird uns scholarisch aberzogen. Wehrt euch! Emanzipiert euch! Habt keine Angst vor Fehlern oder vor dem Scheitern. Daraus lernt man. Und bei einem Tortenboden kann ja nun echt nicht viel schief gehen...

Also, jedenfalls, der Belag:
  • 3-4 Stangen Rhabarber, klein geschnitten
  • Hafermilch (500 ml)
  • ein Pck. Puddingpulver
As simple as possible: Die Rhabarberstücken mit ganz wenig Wasser vorkochen, bis sie sich mit dem Wasser zu einer homogenen, breiigen Masse verbunden haben, dann mit dreiviertel der Milch aufgießen. Im anderen Viertel das Pulver anrühren und alles zusammenmixen, sobald die Milch kocht. Drauf auf den Boden. In den Ofen. Backen bis der Pudding nicht mehr so wabbelig ist. Also ääähm... 20 bis 30 Minuten vielleicht?

Das Baiser:
  • eine Dose/ein Glas Kichererbsen - davon nur die Flüssigkeit! Die Kichererbsen selbst kann man mit Ofengemüse backen, im Salat essen, zu Hummus oder Falaffel verarbeiten... oder abends einfach so mit dem Löffel aus dem Glas löffeln. Auf der Couch. Mit dem Tablet auf den Knien.
  • Puderzucker 
  • 1 TL Johannisbrotkernmehl
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
Bevor der "Baiser" aufgeschlagen wird, bitte erstmal den Ofen zurückdrehen. Auf 100°C. Auqafaba alias veganer Baiser darf nicht gebacken werden, sondern soll bei obiger Temperatur langsam trocknen. Das ist wichtig, ansonsten läuft er nämlich ganz schnell vom Kuchen davon.

Das Kichererbsen-Wasser wird nun mit dem Johannisbrotkernmehl, dem Backpulver und dem Puderzucker aufgeschlagen. Das geht mit einem elektrischen Handrührgerät und dauert ein Weilchen. Wird dann aber tatsächlich richtig fest und cremig. Wie Eischnee. Und genau wie der sollte die Maße auch so fest sein, dass sie "steht", das heißt beim umdrehen der Schüssel am Boden hängen bleibt.

Den Kuchen aus dem heruntergekühlten Ofen nehmen, Masse draufstreichen und bei 100°C trocknen. Sollte am Ende die Farbe noch ein wenig fehlen: Grill einschalten.

Kommt an langen Uni-Tagen in stickigen Hörsälen einer Erlösung gleich. Echt.