Donnerstag, 4. August 2016

Kindgeburtstag I - Lieder des Tages: Die Küchenska-Playlist der Verzweiflung und (noch) keine Baustellentorte.

Hallo Welt. Hello again.
Eigentlich (Ganz schlecht - beginne nie einen Post mit "Eigentlich...", wenn du seriös wirken und als ernstzunehmend enthusiastisch organisiert wahrgenommen werden willst. Nie.)... Eigentlich wollte ich zuerst eine Bastelanleitung bloggen, mit tieferer Wir-sind-jetzt-übrigens-wieder-da-Bedeutung. Dann ein Prüfungsreview und dann jede Menge Essen wider die Bikinifigur - Riots not Diets! Und so.
Aber dann hatte das Kind erstmal Geburtstag. Und dann stehe ich 2 Uhr Nachts mit Ska-Musik auf dem Tablet an der Arbeitsplatte und mein Kopf spuckt Wörter wie eine Seifenblasenmaschine. Und Lieder des Tages gab's auch schon ewig keine.


Hört her ihr Menschen! Drei Jahre ist das Krümel. In Worten: Drei. Jahre. Immernoch steht die Zeit auf dem Gaspedal und geht nicht runter. Stur geradeaus auf der Autobahn in Richtung Zukunft, kein Stau und scheinbar keine LKWs. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das Angst machen sollte.
Jedenfalls. Die Party. Schön habe ich mir das ausgemalt. Kindertorten-Partydeko-Fingerfood-Pinterest-Pins waren mein aufgeweichtes Holzstück im Prüfungszeitstrudel. Habe mich daran geklammert um nicht im Lernstoff zu ertrinken. Wann immer ich mit tausend anderen in der Bibliothek meine Atemluft geteilt habe... Diese Pinterestpinnwand hielt mich am Leben. Durchhalten. Dafür. Für die Fete des Jahres. Danke instabiles Uni-WLAN.

Fill my heart with song
And let me sing for ever more
You are all I long for
All I worship and adore
In other words please be true
In other words I love you

Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Wollte so viel und alles gleichzeitig. Pancakebar mit diversen Toppings und eine wahnsinnig tolle Geburtstagstorte und natürlich alles vegan - aber diesmal so, dass es keinem auffällt. Essen in Bowls mit möglichst viel Wahlfreiheit, Low Budget, hippe Deko in rustikal-dörflichem Hippiechic. Einen Kidsspace und Strohhalme für die Erwachsenen. Kurze Wege, sanfte Entspannungsmusik im Background.
Eine Instagram-Feier ohne Smartphones. Weltwärts und familiär. Genau mein Ding. Dachte ich so. War dann aber natürlich wieder alles anders. Eine (musikalische) Rekonstruktion:


Impulsiv und in einem Anfall von ungeahnter Spontanität gestatte ich dem australischen Couchsurfer weitere 4 Tage in meiner Wohnung. Vielleicht waren auch seine Augen Schuld daran. Sein athletischer, tätoowierter Körper und seine Art zu sprechen, zu laufen, Gitarre zu spielen und mit halb geschlossenen Augen zu singen. Ähm. Vielleicht lag es auch einfach am Bananabread. Who knows.

No, I won't shed a tear
Just as long as you stand, stand by me
And darling, darling stand by me
Oh, stand by me, stand by me

Für umfassend vorausschauende Geburtstagsplanung habe ich weder Zeit noch Lust. Verschiebe das auf das Wochenende vor dem Partymontag. Schlafe lang. Immer. Markiere Uni-Gruppenchats als ungelesen und verdränge den Vorsatz, nach der Prüfungszeit endlich mal wieder gründlich zu putzen. Der australische Slow motion-Lifestyle hängt in den Räumen wie Räucherstäbchen-Dunst. Und dann ist Sonntag. Peng. Immerhin habe ich eingekauft. Der Low-Budget-Vorsatz kollidierte mit Veganbiofairgesundplastikfreiunverpackt. Der Kompromiss liegt preislich bei einem doppeltem 10 Tage-Einkauf. Parties kosten, schlucke ich tapfer.

And when I woke I knew it was time to pray 
To make amends before the end, before my judgment day 
I looked around, I stood alone, I knew what I had to say 
I said "It's all my fault"


Sonntagsfrühstück gegen 10. Ärmel hoch. Musik an. Das Kind wünscht sich "Reggaehasen-Soundtrack". Ska. Küchenmusik. Ich bin motiviert.

Now I'm walking on sunshine oh oh 
I'm walking on sunshine oh oh 
I'm walking on sunshine oh oh 
and don't it feel good hey alright now

Eigentlich wollte das Kind die Oma besuchen. Beschlossene Sache. Lasse fünfmal den Anrufbeantworter anspringen bis ich realisieren kann, dass auch Omas fehlbar sind. Nicht da. Wunderbar. Nicht.
Die Mittagessenvorbereitungen schiebe ich an den Rand der Arbeitsplatte und lasse das Kind Bananen zermatschen. Püriere derweil Melone, für die Strohhalm-geeignete Sommerbowle. Nach 5 Minuten mag der fast 3jährige lieber Regenbogenfisch. Schwer zu ertragender Gesang. Der vom Kind. Dazu rhythmische Bildung mit der Plastikaxt. Auf der Arbeitsplatte. Im Mehlhaufen.
Schneide gerade Mangold und fülle mit der anderen Hand Bananabread-Teig in Muffinformen, als das Telefon klingelt. Die Oma. Ein Glück.

(No lyrics needed)


Dann habe ich vier Stunden. Für alles. Die Tortenböden und Cremes, die Pancakes, Pinterestbildchen-Umsetzung.
Die Playlist der Verzweiflung:

(oder Girls, im Falle eines nicht fest werdenden Puddings...)

Um 18 Uhr hole ich das Kind ab und stecke es in die Badewanne. Regelmäßiges Atmen aus dem Schlafzimmer gegen 20:30. Showtime! Das Tablet mit der Pinterest-Pinnwand schalte ich aus und kreiere die tollste Geburtstagstorte, die ein Dreijähriger haben kann.


And bad mistakes - 
I've made a few
I've had my share of sand

Kicked in my face
But I've come through
And we mean to go on and on and on and on
We are the champions, my friends
And we'll keep on fighting till the end
We are the champions
We are the champions
No time for losers
'Cause we are the champions of the World!



Und weil der Blogpost schon wieder in Roman-artige Verirrungen abgleitet, gibts das ultimative vegane Baustellen-Geburtstagstorten-Rezept später.
Wäre ich RTL, würde ich nun einen 15 minütigen Werbeblock einfügen. Stattdessen gibt es Ska.


It's been a hard day's night, and I'd been working like a dog
It's been a hard day's night, I should be sleeping like a log


Im Ernst: Ska ist Küchenmusik. Egal was ich an der Arbeitsplatte zu tun habe... ich lande musikalisch immer da. Immer wird es irgendwann planlos, improvisierend und hektisch. Immer bleibt es irgendwie fröhlich, aber unterschwellig aggressiv. Immer treibt irgendeine Zeit den Beat vorwärts und immer gibt es diesen einen Punkt, an dem ich alles zusammenkneten, in die Luft werfen und mich aufgelöst und irr lachend im Kreis drehen will. Skaskaskaska!

Und was hört ihr so in der Küche?