Samstag, 6. August 2016

Kindgeburtstag II - The big and fabulous vegan Baustellentorte!


Als ich das Kind betont unschuldig nach seinen Geburtstagswünschen frage, kommt: "Ein Regenschirm!". Aha. Ja. Tja. Soviel Bescheidenheit verwirrt mich ein wenig. Ich bohre tiefer und erhalte noch ein "...und die Kopfhörer! Für's Festivi*!" Mehr kommt nicht. Regenschirm und Gehörschutz in schrillgrün. Das ist mein Kind. Ich bin stolz.
(*Festival)

Ein paar Tage später besprechen wir im Auto die Gästeliste. "Und Mamaaaa", seufzt das Kind verzückt vom Rücksitz, "wir feiern dann eine Party! Stimmt's, Mama?"
- "Stimmt genau."
"Mit Trinkhalmen!"
- "Können wir machen."
"Und einem Tortenkuchen!"
-"Jo."

Da war er. Der Tortenwunsch. Habe doch nur darauf gewartet. Die Pinterest-Pinnwand strotzt vor Ideen und das hier war der Startschuss. Ich versuche ein paar konkretere Informationen aus dem Kind zu quetschen. Klappt nicht. Suggestivfragen-Hagel. Schokolade, Bananen, Krümel, groß, rund, süß.
Na, wenns weiter nix ist...


You will need:

...für den Teig:

  • 500 g Vollkornmehl nach Wahl
  • 1 Pck. Weinstein-Backpulver
  • Back-Kakao nach Gefühl - so viel, wie man von dem sündhaft teuren biofairtrade-Zeug eben verwenden will. Also sparsam. Oder auch nicht.
  • 200 g Rohrohrzucker - oder weniger. Eher weniger. Kommt auf die Zielgruppe an.
  • 300-350 ml Pflanzenöl
  • 400 ml (Mineral)wasser
  • 1 Pck. Vanillezucker

...für die Ganache (habe gelernt: In Rezepten nicht mit Fachbegriffen werfen. Also: Sahnecreme. Ganache ist nur ein Angeberwort für Sahnecreme):

  • eine Kaufland-Blockschokolade (vegan) oder 200 g vegane Kuvertüre oder 200 g vegane Schokolade mit biofairtrade-Anspruch
  • 400 ml vegane Soja-Sahne zum aufschlagen - am besten die gelingsichere von Schlagfix (gesüßt)
  • 1 Pck. Sahnesteif

...außerdem:
  • 4-5 Bananen oder 3 Bananen und zwei Pfirsiche, weil Mama beim Einkauf nicht rechnen konnte... oder anderes Lieblingsobst
  • optionale Knusperfüllungen wie Krokantstreusel, Mandeln, Sckokosplitter, wasauchimmer.


Geht los.

Eins.
Teig anrühren. Einfach alles in eine Schüssel schütten. Umrühren. Sollte matschdickflüssig vom Löffel fallen. Mit Mehl und/oder Wasser notfalls die Konsistenz nachregeln.

Zwei.
Teig in eine gefettete 24er-Springform geben und bei 180°C so lange backen, bis am Streichholz kein Teig mehr hängen bleibt. Und die ganze Küche riecht wie bei Charlie. In der Schokoladenfabrik. Na, ihr wisst schon.
Der Boden sollte über Nacht gut abkühlen. Vielleicht nicht unbedingt im Kühlschrank.

Drei.
Irgendwann während oder nach dem Abkühlungsprozess kommt die Ganache, Verzeihung, die Sahnecreme an die Reihe. Ganz einfach: Schokolade im Wasserbad schmelzen.
Sahne in eine Schüssel gießen, Sahnesteif dazu und das ganze aufschlagen. Während des Schlagens die flüssige Schokolade dazu geben. Ist das ganze dann einigermaßen steif - ab in den Kühlschrank. Mindestens eine Stunde.


Vier.
Irgendwann vor Jahren wurde ich mit einem Tortenboden-Trenner beehrt. So ein richtig professionelles Konditoren-Gerät mit Stahlseilen. Soll dicke Tortenkörper butterweich und gleichmäßig in bis zu drei flache Böden teilen. Ha. Denkste. Geld sparen und das Fleischermesser nehmen, das liegt sonst eh nur deprimiert in der Schublade. Veganer Haushalt. Tja. 

In Wahrheit ist der Schokoboden nämlich viel zu fluffig für einen Tortentrenner - oder ich in der Handhabung zu inkompetent.
Jedenfalls. Den Tortenkörper je nach Höhe und persönlichem Talent zwei- oder dreiteilen. In meinem Fall: zweiteilen. War ja klar.
Außerdem noch die Oberfläche gerade schneiden. Dieser Abschnitt wird später zu Deko-Krümel-Zwecken gebraucht.

Fünf.
Das untere Tortenteil auf eine hübsche Servierplatte setzen und mit etwas Schokocreme bestreichen. Die Bananen schälen und längs in Scheiben schneiden - oder anderes Obst Belag-tauglich herrichten. Und den Boden entsprechend belegen. Noch eine Schicht Creme. Nächster Boden. Wieder Belag. Bei zwei Boden-Teilen erübrigt sich dieser Schritt: Hier kommt nach einer Belag-Schicht einfach der Deckel drauf.

Sechs.
Die Sahnecreme wird mit einem Schlesinger, pardon, mit einem... äh... Küchenspachtel (Amazon nennt es "Teigschaber", alternativ geht aber auch ein Löffel oder was auch immer sich sonst eignet) dick und möglichst gleichmäßig auf die ganze Torte aufgetragen und diese somit eingekleidet. Klecks drauf, breit schmieren, nächster Klecks. Das ist ziemlich schwer zu erklären. Wie so oft: einfach machen. Erklärt sich von selbst.
Dabei muss das ganze im ersten Durchgang noch gar nicht ordentlich und glatt sein. Hauptsache dick aufgetragen. Vor allem bei Unebenheiten. Die Torte wandert für eine halbe Stunde in den Kühlschrank, dann ist die Verkleidung wieder so fest geworden, dass Beulen und Aufrag-Spuren besser geglättet werden können.

Sieben.
Die Kür. Der Feinschliff. Die Deko.
Den Tortenkörper-Abschnitt zerkrümeln. Baufahrzeuge gründlich waschen. Hallo Kreativität - it's your turn!


Das Kind ist hingerissen. 
Völlig.
So sehr, dass es in tief versunkener Glückseligkeit sein Tortenstück bis zur Unkenntlichkeit zerbaggert. Die Überreste landen auf meiner Tischseite. Glücklicherweise. Denn während ich noch aufgeregt mit der Kamera um den Tisch hetze, hat die Familie die Torte schon unter sich und in sich verteilt. Habe darum heute leider kein schöne-aufgeschnittene-Ansicht-und-angerichtetes-Tortenstück-auf-Teller-Foto für euch. 
Sah aber toll aus. Glaubt mir. Und geschmeckt hat es auch. Allen. Ausnahmslos. Die Tierprodukt-freie Zutatenliste interessierte dabei niemanden. Punkt für mich.