Donnerstag, 20. Oktober 2016

Bitte freimachen. (Hallo Halle! - die Zweite)

Der Zug ist voll wie ein Studentenbus an verregneten Herbstagen. Freitag Nachmittag fährt halb Dresden nach Leipzig. Ich stopfe Rucksack, Beutel, Kinderrucksack, Jacken zwischen Treppe zum höher gelegenen Abteil und Wandverkleidung. Wir lagern im Durchgang, Aus- und Einsteigende fühlen sich behindert. Müde Pendlergesichter. Das Kind ist aufgeregt-fröhlich, die Stimmung euphorisch-gehoben. Wir essen Spekulatius mit der blauhaarigen Begleitung. Man mustert uns betont unauffällig.
90 Minuten Fahrt. Die Kinderbücher im Rucksack bleiben unangetastet. Wie ein Plastikauto zum aufziehen rennt das Kind durch die Regionalbahn. Von einem Ende zum anderen. Vor dem Lockführerabteil bleibt es stehen und wartet, bis ich es betont lässig-entspannt ("Guckt, hier reist ein Haufen linker Aktivisten, na klar haben wir ein antiautoritär erzogenes Kind dabei!") eingeholt habe. Zieht sich selbst auf. Run. Anderes Ende. Nach dem zwölften Mal hört ein älteres Ehepaar kurz vor der ersten Klasse auf, mich im Vorübergehen freundlich anzulächeln.