Sonntag, 30. April 2017

April, April, ich weiß ja was ich will: Streuselkuchen mit Kaffee und sonst nur leben.


Nach dem vermurksten März-Praktikum beginnt der April tröstlich monoton in langen Uni-Fluren und überfülltem Campus-Nahverkehr.
Nur draußen und im Kopf ist April. Morgens ist es grau und windig, ich male einen bunten Farbkreis aus Schul-Patina und bin so sagenhaft pädagogisch motiviert, dass ich in der Pause die Telefonnummer der Freien Alternativschule Dresden googele, um nach einem freiwilligen Praktikum zu fragen. Mittags bricht die Sonne durch die Wolken. Ich höre Perspektivrahmen und Bildungsstandarts und Unterrichtsplanung und bin so schrecklich müde, dass ich mir im einschlafen den Stift in die Wange bohre. Huch, aua. Im prallen Sonnenschein wechsel ich das Gebäude, die Fakultät, mich. Halte Augenringe ins Frühlingslicht, am Fenster des Seminarraums im Germanistik-Gebäude. Habe mit einem mal das Gefühl, hier richtig zu sein. Hier hin zu gehören, zur angewandten Sprachwissenschaft, zur Theorie der Wörter. Das ist meins, denke ich. Genau das. Spreche es aber nichts aus. Sprache schafft Wirklichkeit.

Samstag, 29. April 2017

Rucksackkind - Chapter 3: Gränskontroller, Herzrhythmus, Schnee.


Nach Christiania in Kopenhagen sehen wir noch folgendes: überfüllter, aber schrecklich gut organisierter U-Bahn-Verkehr in der Nachmittags-Rush Hour. Irritierte bis entsetzte bis faszinierte Blicke übertrieben schöner Menschen auf das schlafende kleine Großkind in der Ergobaby-Trage auf meinem Rücken. Ständig dreht man sich nach uns um. Sehe auch keine anderen Eltern(teile), die ihre Kinder in Tragevorrichtungen bei sich haben. Kinder gibt es ausschließlich zu Fuß oder in futuristischen - oder betont Retro-chicen! - Wagen. Ob die Dänen so etwas einfach nicht kennen?
Mit dem schlafenden Kind auf dem Rücken dann noch die Straßen rund um Københavns Universitet. In Reiseführern werden Rathaus, Tivoli und die Strøget-Shoppingmeile ausführlich erwähnt. Viel schöner ist es aber abseits von Allerwelts-Marken, zwischen (mh, teuren) kleinen Restaurants, Boutiquen, Plattenläden!, Kopfsteinpflaster und schmalen Häusern auf schmalen Gassen.

Freitag, 21. April 2017

Sofa-Talks.


Ich klappe das Buch zu. Es ist kurz vor 8, Schlafenszeit. Zwei kleine kalte, nackte Kinderfüße suchen unter der Decke auf der Wohnzimmercouch noch Platz zwischen meinen Oberschenkeln. Völlig aus dem Gute-Nacht-Geschichten-Zusammenhang gerissen sagt das Kind: "Stimmts Mama, als du klein warst... Da warst du in meinem Bauch?" - "Nee", korrigiere ich grinsend, "ich war da in Omas Bauch, als ich ein kleines Baby war."
Etwas ungläubig schaut Marek mich an. "Wo war ich dann?", will er wissen, "Ich war da doch schon in deinem Bauch drin?!"
Ich überlege einen Moment. "Du...", sage ich, "Du warst... da noch Quark im Schaufenster." Korrigiere dieses komische Sprichwort dann aber schnell selbst: "Äh. Du warst da noch im Himmel, bei den Engeln. Du warst da ein kleiner Engel und bist erst in Mamas Bauch gekommen, als die Mama dann groß war."
Na, das klingt doch nach etwas. "Und dann bin ich aus deinem Bauch rausgekrabbelt und war da!", triumphiert das Kind. So ist das gewesen. Logisch.

Freitag, 14. April 2017

Rucksackkind - Chapter 2: Love, Peace, Christiania. Begegnungen mit der Utopie.

Hier: Chapter 0 und Chapter 1


Weiß nicht so richtig wohin mit uns. „Ein-stei-gen!“ zieht das Kind am Gurt der Ergobaby-Trage, da halte ich noch den Stadtplan umklammert und studiere die wenigen Metro-Stationen von oben nach unten nach oben. Daheim habe ich Reiseblogs gelesen: "What to see in Copenhagen!" - und so, was man halt so liest, nachts, im Bett, auf dem Tablet.
Aber hier, inmitten übertrieben schöner Menschen in übertrieben sauberer U-Bahn-Station bin ich auf einmal orientierungslos entdeckungsfreudig. Entscheide mich aus dem vagen Eindruck heraus, darüber gelesen zu haben, für zwei Stationen M2 „towards Lufthavnen“.

Dienstag, 11. April 2017

Auferstanden aus Ruinen, oder: Waschmaschinenwetter und Curry.


Irgendjemand hat das stille, beschauliche Hinterkaffhausen-Leben in die Waschmaschine gesteckt. Pflegeleicht, 40 Grad, intensiv spülen, doppelter Schleudergang. Ich hab hier schon so oft emotionale Befindlichkeiten formuliert und zwischen den Zeilen meine manchmal schwierigen, wackeligen Schritte durch die Welt thematisiert. War ehrlich und war es auch nicht: Hinter guten und schlechten Phasen, Stress und weniger Stress steckt auch mein Problem mit der Welt. Manchmal bin ich unfähig, mich einzufügen und an ihr teilzunehmen. Dann schleudert der Waschgang Stimmungen im Stundenrhythmus durcheinander, ich bin himmelhochjauchzendzutodebetrübt, habe eine geringe Aggressionsschwelle (im Auto!) und überhaupt fällt alles viel schwerer als es das eh schon tut. Die Waschmaschine hat einen anerkannten medizinischen Fachnamen und ich lerne, damit umzugehen.
In zeitlichen Engpässen, unter Druck, in fremdbestimmten engen Zeitplänen drückt immer irgendwer oder irgendetwas ungefragt auf den Anschaltknopf. Das ist Mist. Im Praktikum-Stundenplan an der Grundschule sehe ich meine Umwelt nur verschwommen durch das Bullaugen-Glas des Frontladers.