Samstag, 8. Juli 2017

Violence, Nachtrag.

Okay, same story different day.

Bis gestern Nacht konnte ich Gewalt gegen Gegenstände noch ganz gut rechtfertigen. Also nein – zumindest erklären und verstehen: 


...at the boiling point...

Ich konnte die Wut spüren, in meinem viel zu großen zweimalzweimeter Bett in einem Berg Kissen sitzen und nachfühlen, was sie fühlen. Wut. Wut auf willkürliche Zustände. Wut über Repression und Einschränkung von Freiheit, Wut über Eskalation und Polizeigewalt, hilflosen, ohnmächtigen Ärger. Und ich konnte auch verstehen, was sie antreibt, nicht nur im Regierungsviertel teure Autos anzuzünden sondern den Blumenladen von nebenan in Brand zu stecken. Ja – es muss wehtun! Ja, es braucht Zeichen und es braucht deutliche, schmerzhafte, laute und qualmende und stinkende Zeichen. Dass wir gehört werden.  Vieles hat nichts mehr mit dem G20-Gipfel zu tun, aber er bietet Gelegenheit für Kritik, die weiter geht als Kritik an dieser selbsternannten „Institution“. Gesellschaftskritik. Kritik am System. Kritik an kapitalistischen Herrschaftspraktiken, an von ökonomischen Interessen und der Wachstum bringt Wohlstand-Logik geleiteten Politik.
Ohja, ich konnte sie verstehen.

Violence. Nur ein Statement.


Es ist Prüfungszeit und das Weltgeschehen darf mich nur peripher tangieren. In sauberem, ignoranten Egoismus gehe ich jeder G20-Berichterstattung weitestgehend aus dem Weg, meide Diskussionsabende und nicht-oberflächliche Gespräche. Kriege Verabschiedungen gen Hamburg in meinem Umfeld kaum mit, versunken in prokrastinatorische Tasty-Kuchenvideos im großen Lesesaal der Universitätsbibliothek.

...kann ich begründen...

Natürlich reden wir darüber, kurz, nachts nebeneinander im Auto, als wir zu viert spontan einen ebay-Boxsack im angrenzenden Stadtviertel abholen. Kurz, als ich an seinem Türrahmen lehne und ihn von hinten am Schreibtisch beobachte. Kurz, als mir das Kind schon am Arm zieht. Ja, meine diffuse Ablehnung gegen das Machtelite-Treffen kann ich begründen: