Samstag, 2. September 2017

Tage mit Goldstaub.


Der Sommer stirbt, in dem er sich ein letztes Mal aufbäumt. 32°C auf einem österreichischen Berggipfel, Regen und kalte Füße zur Geburtstagstorte in einem Münchner Café einen Tag später. Die Gehwege an der Isar sind braun beblättert und im Edeka an der U-Bahn gibts keine Himbeeren mehr. Aber Glühwein im Angebot.

Das Kind und ich betrachten von einem geborgten Bett aus den Balkon in Thalkirchen, auf dem wir am Beginn des Sommers mit Aquarellfarben die Fliesen gesprenkelt haben, die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen im Nacken. Herzmomente, in der Erinnerung kleine warme Großereignisse. Wir haben uns unser Gesamt-Sommerglück aus solchen Momenten zusammengepuzzelt, zwischen selbstgemachtem und fremdbestimmtem Stressgestein die winzigen Edelmetalle rausgefischt, spontan Vorhandenes dekonstruiert und in neue Kontexte geworfen. Goldstaub macht Alltag lebendig.

Donnerstag, 24. August 2017

Overnight Katerzucchini.


Wir sitzen im Vorgarten auf der Picknickdecke, das Kind und ich, essen Salat und altbackenes Schwarzbrot. Es ist Sonntagabend und ich bin schrecklich viel müder als sonst. Kindfreie Samstagnacht. Kein Schlaf. Müde getanzte Füße und leichter Katerkopf. Eigentlich möchte ich nichts anderes als schlafen, aber ich weiß, dass da oben im Kühlschrank noch eine Zucchini aus Omas Garten ganz dringend verarbeitet und danach portioniert eingefroren werden muss. An der Pflanze hängen schon vier Folgemodelle gigantischen Ausmaßes.

Wir sitzen also so, ich seufze etwas wehleidig in mich hinein. Unser Nachbarn beginnt die Johannisbeer-Sträucher zu gießen und seine Frau erntet drei große Zucchinis. Ich seufze noch einmal. Sie dreht sich um, winkt, dann steht sie vor uns: "Hier. Ihr müsst eine Zucchini abnehmen, wir schaffen das nicht allein." Ich lache, gequält. Öh, danke.

Jo, Johannisbeeren-Torte!


Das war der Sommer: Ein paar heiße Tage, stundenlange Prokrastination vor viel zu viel Uni-Content, halbherziges gemeinnütziges Engagement und... Kuchen. Denke ich in den nächsten Jahren an den Sommer 2017 zurück, wird auf einmal meine Spucke im Mund süßklebrig. Ganz sicher.

Eins der schönsten Exemplare war die Johannisbeerentorte a la Ich-muss-den-Garten-meiner-Eltern-pflegen-weil-sie-im-Urlaub-sind-und-weiß-nicht-wohin-mit-der-Ernte-Spontaneinfall. Ausgedachtes Schnellrezept mit umwerfender Außenwirkung. Und auch noch universell übertragbar auf anderes (Beeren)Obst.

Montag, 24. Juli 2017

Kindertiramisu on a budget.


Ich töte für Tiramisu.
Also - nicht wirklich. Aber sprichwörtlich schon. In der nicht-veganen Vergangenheit war Tiramisu ungefähr das perfekteste Mir-ist-es-zu-heiß-um-in-der-Küche-den-Herd-zu-heizen-aber-ich-muss-trotzdem-was-mitbringen-Dessert auf allen erwachsenen Happenings, ein zeitloser Klassiker ohne viel Drumrumundgedöns. Wie Zupfkuchen, bloß mit Kaffee und Amaretto. Und damit ein winziges bisschen besser. Wegen dem Kaffee natürlich.

Eine vegane Variante scheiterte bis vor Kurzem am Problem Löffelbiskuits. Die ohne Tier... Mh, schwierig. Aufwendig. Oder teuer. Oder beides.
Im Winter überkam mich zum ersten Mal das dringende Bedürfnis nach Kaffee mit Alkohol und viel Zucker (in der Prüfungszeit, wer hätte das vermutet?). Ich bemühte ein wenig meinen neuen Eco-Browser und fand: Milchfreier Zwieback statt Löffelbiskuits wäre der Shit. Na dann, bitte. Die Firma BURGER führt zum Beispiel explizit veganen in ihrer Produktliste. Und was soll ich sagen? Dreimal Ja! für diese Idee. Ordentlich mit Kaffee eingeweicht ist der Unterschied nur ein geringeres Maß an Zucker. Und das ist - im Ausgleich mit süßem Sojaquark - kein Verlust. Außerdem: Den Sojaquark am Monatsende auch noch mit Kaufland-Eigenmarke-Sojajoghurt ersetzt, ist die Zwiebackvariante ein absolutes Low-Budget-Ding. Verbraucht nicht mal Strom zur Herstellung. Jackpot studierende Menschen!

Sonntag, 23. Juli 2017

Gut Kirschen essen - Zupfkuchen mit Verspätung



Merkt ihr was? Wir haben Juli. Ende Juli. Mittlerweile haben sich auf der Festplatte einige Essensfotos angesammelt, deren Deko erkennbar nicht aus dem Sommer stammt. Weil ich zugehörige Rezeptpostings vor mir hergeschoben habe wie gerade das Schreiben einer Hausarbeits-Einleitung. Oh. Mh.

Andererseits ist es dem Rezept ja gerade wurst, wann es hier erscheint. Wer sucht, findet. Unabhängig vom Datum. Und welche Blumen in der Deko wieder nicht in den Juli passen... Such a good drama, singt Leslie Clio, oh oh oh... I couldn't care less, thats all I care about.

Äh.
Jedenfalls. Zupfkuchen! Universeller Alleskönner immer dann, wenn es schnell verlässlich lecker werden muss. Und Menschen mitessen, die vegane Kuchen manchmal schon aus Prinzip nicht lecker finden können. Dann ist er die ideale Geheimwaffe für jede Familienfeier, jeden Kuchenbasar, jedes Kita-Fest. Beliebt seit Jahrzehnten. Besonders mit Kirschen. Und die gibts auch noch im Juli.

Montag, 10. Juli 2017

Ungesund frühstücken mit Buchweizen-Blaubeerkuchen!


Wieder ist Blaubeerzeit in Hinterkaffhausen und in diesem Jahr kann mein Mitbewohner schon allein auf seinem eigenen Fahrrad vor mir her zum Blaubeerwald radeln. Selbstbestimmt. Selbstständig. Ich staune. Die Zeit!
Wir sammeln Blaubeeren um die Wette und fahren kurz nach sechs am Abend nochmal ins Nachbardorf, weil das Sonnenblumenöl leer ist. Das mit dem Kuchen war seine Idee und rühren kann er auch schon selbst. In alltäglichen Struggels um Pünktlichkeit beim Kita-Ausflug und ob der rosa Haargummi nun ausschließlich und nur was für Mädchen ist (Nein!) und dass man nach jedem Toilettengang die Klospülung drückt... da übersehe ich glatt, wie groß das Kind schon ist. Was es schon kann. Alles! (wenn man es persönlich fragt). Oft vergesse ich zu bemerken und zu befreuen, welche krassen Entwicklungsschritte dieser fast vierjährige Bezopfte schon zurückgelegt hat und jeden Tag Schritt um Schritt zurücklegt.

Manchmal leben wir tatsächlich weniger wie Mutter und Sohn, sondern nähern uns unserem tatsächlichen Alter gegenseitig an, sind zwei Teenager in Wohngemeinschaft, die beschließen, morgens mit Kuchen in den Tag zu starten. Um die kleinen Dinge des Lebens zu feiern (Blaubeeren). Und die großen (das Kind, das Kuchenstück des Kindes in Relation zum Kinderteller).

Samstag, 8. Juli 2017

Violence, Nachtrag.

Okay, same story different day.

Bis gestern Nacht konnte ich Gewalt gegen Gegenstände noch ganz gut rechtfertigen. Also nein – zumindest erklären und verstehen: 


...at the boiling point...

Ich konnte die Wut spüren, in meinem viel zu großen zweimalzweimeter Bett in einem Berg Kissen sitzen und nachfühlen, was sie fühlen. Wut. Wut auf willkürliche Zustände. Wut über Repression und Einschränkung von Freiheit, Wut über Eskalation und Polizeigewalt, hilflosen, ohnmächtigen Ärger. Und ich konnte auch verstehen, was sie antreibt, nicht nur im Regierungsviertel teure Autos anzuzünden sondern den Blumenladen von nebenan in Brand zu stecken. Ja – es muss wehtun! Ja, es braucht Zeichen und es braucht deutliche, schmerzhafte, laute und qualmende und stinkende Zeichen. Dass wir gehört werden.  Vieles hat nichts mehr mit dem G20-Gipfel zu tun, aber er bietet Gelegenheit für Kritik, die weiter geht als Kritik an dieser selbsternannten „Institution“. Gesellschaftskritik. Kritik am System. Kritik an kapitalistischen Herrschaftspraktiken, an von ökonomischen Interessen und der Wachstum bringt Wohlstand-Logik geleiteten Politik.
Ohja, ich konnte sie verstehen.

Violence. Nur ein Statement.


Es ist Prüfungszeit und das Weltgeschehen darf mich nur peripher tangieren. In sauberem, ignoranten Egoismus gehe ich jeder G20-Berichterstattung weitestgehend aus dem Weg, meide Diskussionsabende und nicht-oberflächliche Gespräche. Kriege Verabschiedungen gen Hamburg in meinem Umfeld kaum mit, versunken in prokrastinatorische Tasty-Kuchenvideos im großen Lesesaal der Universitätsbibliothek.

...kann ich begründen...

Natürlich reden wir darüber, kurz, nachts nebeneinander im Auto, als wir zu viert spontan einen ebay-Boxsack im angrenzenden Stadtviertel abholen. Kurz, als ich an seinem Türrahmen lehne und ihn von hinten am Schreibtisch beobachte. Kurz, als mir das Kind schon am Arm zieht. Ja, meine diffuse Ablehnung gegen das Machtelite-Treffen kann ich begründen:

Freitag, 23. Juni 2017

Irrational.

Disclaimer: Dieser Text ist in Teilen wortwörtlich so unter meinen letzten beiden Instagram-Fotos erschienen und hat einen winzigen Shitstorm ausgelöst. Das Thema, nein, die Gefühle beschäftigen mich schon eine Weile. Schon seit über zwei Jahren, um genau zu sein. Wenn Zeit Wogen glättet, dann sprechen wir von großen Einheiten. Gefühle sind übrigens irrational, unvernünftig, mal objektiv betrachtet größter, gemeiner Blödsinn. Bei positiver Irrationalität beschwert sich niemand. Bei Abneigung dann schon eher. Hey, warum? Ich darf doch doof finden, wen und was ich möchte. Das wollte ich nur sagen. Was auch noch wichtig ist: Das hier ist ein literarischer Text. Irgendwo zwischen fiktionalen Übertreibungen, blumigen Metaphern und Mimimi hat sich die Wahrheit versteckt. Aber wo, sag ich nicht. Peace.



Und jetzt gehts los:
Esse im Stehen an der Arbeitsplatte, Blick auf stinkige Papa-Sachen vom Kind und einen sagenhaft hässlichen Plüschleoparden, den ich noch nie gesehen habe.
Trauerwut. Das Kind hat mich angeschrien, als ich es auf dem Spielplatz vor dem Papa-Wohnblock abholen wollte, zwischen kaputten Bierflaschen und herumfliegendem Gummibärchenpapier.
Mit hochrotem Gesicht ICHWILLNICHTZUDIRICHWILLZUMEINEMPAPA gebrüllt. Strampelkreisch. Anschnallen darf ich es nicht. PAPIIIIIII.
Sehe sein ekelhaft überheblich grinsendes Gesicht im Rückspiegel, ist das Erleichterung darin? Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Nicht eingebildet: Das dumpfdrückende Gefühl, gleich brechen zu müssen, im Strahl übers Lenkrad. Kann nicht erklären warum. Bin ich...eifersüchtig?